Sonntag, 3. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 24

Untot - Band 2 - Kapitel 24
Ihre Rucksäcke stellten sie vor dem Laden ab, um sich schneller fortbewegen zu können, und rannten so schnell es ging zu dem Gebäude zurück. Davor hatte sich bereits eine Gruppe Untoter versammelt und Juan sah in einiger Entfernung noch eine Gruppe, die sich zielstrebig darauf zubewegte. Um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, schrie Juan den Kreaturen entgegen. Mit lauten Rufen schafften sie es, sich als potenzielle Beute zu präsentieren und schritten entschlossen auf die Dinger zu.
Vor dem Haus standen neun oder zehn von ihnen. Einige waren offensichtlich schon länger tot, hatte die Verwesung doch schon ihren Tribut gefordert, während zwei oder drei noch relativ frisch aussahen. Juan nahm an, dass es sich um Einwohner dieser Stadt gehandelt haben musste. Noch bevor er darüber nachdenken konnte, krachte Carlos’ Gewehr mehrmals laut auf.
Es waren schnelle, gezielte Schüsse, die den Kreaturen das Gehirn aus dem Kopf bliesen und rot/graue Wolken hinter ihren Köpfen erzeugten, bevor sie zu Boden gingen. Carlos blieb erstaunlich konzentriert und dabei erschreckend kaltblütig. Ohne mit der Wimper zu zucken erlöste er Frauen, Männer und Kinder von ihrem untoten Dasein. Als sie das Haus erreicht hatten, bat er Juan vor der Tür zu warten und ging hinein. Auf dem Flur lagen zwei Leichen.
Er rief nach Maria. Nichts. Erneut rief er ihren Namen und statt einer Antwort, hörte er die Kinder schreien. Sie schrien um ihr Leben. Er beschleunigte seinen Schritt und hechtete in den Aufenthaltsraum. Dort lagen zwei weitere Leichen und Maria. Auf ihr ein Untoter, der darum kämpfte, seine untoten Zähne in ihren Hals zu schlagen. Mit einem gezielten Fußtritt warf Carlos den Untoten von Maria herunter, drückte ihm seinen Stiefel ins Gesicht, legte sein Gewehr an seinen Kopf und drückte ab.
Der Knall war laut und tönte in seinen Ohren. Nur langsam verschwand das klingende Geräusch und er hörte die Stimmen der Kinder, hörte sie heulen. Und er hörte die Stimme von Maria. Sie war voller Blut. Für Carlos war es schwer zu sagen, ob es ihr Blut war, oder das einer untoten Kreatur.
„Maria? Bist du in Ordnung?  Wurdest du gebissen?“ Er schrie sie an, schrie über das Klingen in seinen Ohren hinweg.
„Ich… ich… glaube, mir geht es gut.“ Keuchte sie.
„Es ist nicht mein Blut… ich… sie kamen durch die Tür. Waren plötzlich im Raum… Ich konnte zwei von ihnen erschießen, bin raus und konnte noch zwei erledigen, bevor mir die Munition ausging. Ich habe dann versucht, die Tür zuzuhalten, aber ich konnte ihn nicht aufhalten. Wenn du nicht gekommen wärst…“
Sie sprach den Satz nicht zu Ende, sondern sah stattdessen in Carlos‘ Augen. Carlos wusste auch so, was sie sagen wollte.
„Los, packt alles zusammen. Wir müssen hier weg.“
Von draußen kamen weitere Schüsse. Die Untoten mussten bereits am Haus sein. Carlos stürzte nach draußen und unterstützte Juan. Drei waren bereits gefährlich nahe gekommen und Juan war nicht der beste Schütze. Das Gewehr krachte wieder auf und ließ die Untoten fallen.
„Was ist mit ihnen?“
„Sie hatten Glück, wir waren noch rechtzeitig da. Geh rein, und hilf packen. Wir müssen hier weg und zwar schnell.“
Juan ging ins Haus, fand dort Maria vor, die gerade Lebensmittel und Getränke in den Säcken verstaute und ging ihr zur Hand. Die Decken, die sich in dem Aufenthaltsraum gefunden hatten, nahmen sie ebenso mit, wie einige Uniformteile, die Maria in den Spinden der Beamten zusammengesucht hat. Vor der Tür stand Carlos und beobachtete den Horizont. Es waren keine Untoten mehr zu sehen.
„Was ist?“
„Das war’s, aber es werden mehr kommen. Mit der Ballerei haben wir sicher ein paar von denen aufgeschreckt.“
„Was hat sie hierher gelockt?“
„Ich weiß es nicht. Wir hatten kein Licht, wir waren still, das Fenster war zu… ich weiß es wirklich nicht.“
„Wohin jetzt?“
„Wir gehen zurück, holen dort die Rucksäcke und machen uns dann auf nach Süden. Ich begleite euch bis nach Guadalajara und schlage mich dann nach Norden, zu meinen Eltern durch.“
„Du kommst mit uns?“
„Ja. Ich kann euch doch nicht mit diesem Anfänger allein lassen. Der erschießt sich doch noch selber, wenn ich nicht aufpasse.“
Juan drehte sich zu Carlos und wollte gerade protestieren, als er in sein Gesicht sah. Carlos grinste ihn breit an und das erste Mal seit Tagen sah er Maria lachen. Plötzlich schien die Schwere der letzten Tage von allen abzufallen und sie fielen in das Lachen mit ein. Sie lachten und vergasen für einen Moment die Untoten, die Bedrohung und die stinkenden Leichen in der Stadt. Vergasen die Verluste, die sie hinnehmen mussten und vergasen die unmittelbare Gefahr. Dann machten sie sich auf den Weg.

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