Dienstag, 5. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 26

Untot - Band 2 - Kapitel 26
Im Rückspiegel sah Juan Enrique zu Boden gehen. Auch er würde als Untoter zurückkehren. Er hatte nicht vor in der Nähe zu sein, wenn es so weit war. Carlos beschleunigte sein Quad, zog an dem Pickup vorbei und fuhr die Straße entlang, bis sie ihn aus den Augen verloren. Nach einigen Minuten sahen sie ihn an einer Kreuzung stehen. Er schien auf die Gruppe zu warten. Juan verlangsamte den Pickup, stellte sich neben Carlos und drehte das Fenster runter.
„Was ist?“
„Mmh, ich überlege gerade, wie wir fahren sollen. Wir könnten rüber zur Staatsstraße, auf die 23er und dort nach Süden, oder wir fahren auf der alten Straße. Auf der alten Straße ist sicherlich weniger los, wir wissen aber nicht, wo sich die Viecher rumtreiben, die Milpillas platt gemacht haben.“
„Ich würde sagen, wir vermeiden die Staatsstraße und bleiben auf Nebenstraßen.“
„Hätt ich auch geraten. Wir sollten aber noch zur nächsten Tankstelle fahren. 10 km hinter Milpillas Richtung Staatsstraße liegt eine kleine Tankstelle. Ich kenn den Besitzer.“
„In Ordnung. Fährst du voraus?“
„Ja, klar.“
„Fahr aber nicht wieder so weit davon.“
„Nein, nein.“
Sprach es, und fuhr los, wie von der Tarantel gestochen. Juan brachte den Pickup ebenfalls auf Touren, konnte der Beschleunigung des Quads nicht folgen. Erst als Carlos langsamer wurde, konnte Juan wieder leicht aufholen. Carlos hielt seine Geschwindigkeit und fuhr in gebührendem Abstand voraus.
„Was meinst du, ob Enrique gelitten hat?“
Juan erschrak leicht, weil Maria schon seit längerem stumm neben ihm saß.
„Ich glaube nicht, nein. Er war da, wo er sein wollte. Bei seinen Söhnen. Er hat ja schon kaum den Verlust seiner Frau verkraftet. Ich glaube, er war gebrochen.“
„Was ist passiert?“
„Ich weiß es nicht. Die Untoten müssen sie gewittert haben, oder vielleicht waren sie zu laut, oder am Fenster… Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall waren sie im Haus und haben die beiden Söhne infiziert. Einen von ihnen möglicherweise so stark, dass er an der Verletzung starb und sofort wieder zurückkam.“
„Und Enrique?“
„Der hatte sich wohl im Keller verbarrikadiert. Die Kreaturen können wohl keine Bodenklappen öffnen, oder Enrique hat sie von unten irgendwie verriegelt. Als er uns gehört hat, hat er sich irgendwie durch den Kellereingang befreit und…  nun… es nicht geschafft.“
„Warum hast du ihn nicht erschossen?“
„Ich… ich weiß nicht. Ich hätte ihn doch ohnehin nicht getroffen und trotz seiner Schmerzen bin ich mir sicher, dass er glücklich war. Glücklich, bei seinen Söhnen zu sein, für den kurzen Rest seines Lebens. Vielleicht sind sie auch jetzt vereint und ziehen zusammen als untote Familie umher.“
Maria nickte und schwieg wieder. Die Kinder waren die ganze Zeit über ruhig, hörten nur zu und flüsterten dann und wann untereinander oder zu ihrer Mutter. Juan war es egal, fand es aber schade, dass sie scheinbar noch immer kein Vertrauen zu ihm hatten. Er bildete sich auch ein, dass Carlos mehr Respekt genoss, hatte sich auch bereits dabei ertappt, auf Carlos eifersüchtig zu sein, weil sich Maria ihm gegenüber viel offener und freundlicher gab. Juan würde wohl immer der Mann bleiben, der ihren Mann und ihren jüngsten Sohn erschossen hat. Carlos dagegen war jetzt der Mann, der sie vor den Untoten gerettet hat. Ungerechte Welt.
Als Carlos‘ Quad immer näher kam, verlangsamte Juan den Pickup und schloss wieder zu ihm auf.
„Was ist?“
„Da vorne liegt die Tankstelle. Ich fahre voraus, checke die Lage und wenn ich winke, kommst du nach. Ok?“
„In Ordnung.“
Juan kamen Erinnerungen an Enriques Geschichte, an seine Frau und die Tankstelle des Todes. Er überlegte kurz, Carlos zurückzupfeifen, entschied sich dann aber dagegen. Carlos war stark und konnte mit der Waffe umgehen. Viel zu gut für einen Farmer, wie Juan fand. Selbst für einen Farmer, der illegale Substanzen auf seinen Feldern anbaut. Noch während sich Juan seinen Gedanken hingab, erreichte Carlos die Tankstelle und schwang sich von seinem Quad herunter. Mit dem Sturmgewehr im Anschlag ging er in das vor ihm liegende Gebäude.
Kurze Zeit später hörte Juan Schüsse aus Richtung der Tankstelle. Carlos hatte wohl die Besitzer der Tankstelle gefunden. Danach herrschte wieder Ruhe und kurze Zeit später gingen die Lichter an. Carlos kam aus der Tankstelle und winkte ihnen zu. Juan startete den Motor und erstarrte kurz beim Blick in den Rückspiegel. Die Untoten waren ihnen gefolgt und wurden durch den Lärm angelockt. Mit quietschenden Reifen schoss der Pickup die Straße hinab auf die Tankstelle zu. Sie hatten nicht viel Zeit.

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