Mittwoch, 6. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 27

Untot - Band 2 - Kapitel 27
Als Juan an der Tankstelle den Wagen mit lautem Quietschen zum stehen brachte, war Carlos bereits an der Tanksäule, um sein Quad aufzutanken. Juan sprang aus dem Wagen, suchte nach dem Tankdeckel und fand ihn auf der anderen Seite des Wagens. Umständlich bugsierte er den Zapfhahn auf die andere Seite des Wagens, während er Maria in den Laden schickte, um nach Lebensmitteln und sonstigen Vorräten zu suchen. In der Zwischenzeit kamen die Untoten näher.
Juan sah zu Carlos, nickte in Richtung der heran torkelnden Gestalten und sah in Carlos‘ Gesicht, dass sie für ihn keine Überraschung darstellten. Carlos hatte sein Quad voll betankt und machte sich bereit zur Abfahrt. Kurz darauf kam Maria voll beladen aus dem Laden zurück und der Tank des Pickups war auch befüllt. Juan roch bereits den Gestank der Toten. Der Wind trug ihn zu ihnen, der Abstand war bereits unter 200 Meter gefallen, als Juan den Motor startete.
Carlos fuhr ein Stück vor, um an der nächsten Kreuzung weiter nach Süden zu fahren. An der Kreuzung sah Juan ein Gebäude, das mit seiner modernen Bauart wie ein Fremdkörper wirkte. Ein massiver, ca. zwei Meter hoher weißer Stahlzaun umschloss das Gebäude. Als sie daran vorbeifuhren, konnte Juan erkennen, dass es sich dabei um ein Behandlungszentrum handelte. In Behandlungszentren gibt es Medikamente. Medikamente, die sie möglicherweise noch brauchen könnten.
Carlos hatte scheinbar die gleiche Idee. Sein Quad wurde langsamer und hielt ein paar Meter vom Tor entfernt. Juan tat es ihm gleich und stellte den Pickup hinter Carlos‘ Quad.
„Was macht ihr?“
„Nach Medikamenten suchen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir davon in der nächsten Zeit einige gebrauchen können.“
„Kennst du dich denn mit Medikamenten aus?“
„Ich… nein…“
„Und was für Medikamente willst du dann mitnehmen?“
„Das seh ich dann, wenn ich drin bin.“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ Juan den Wagen, schloss die Tür und ging zu Carlos, der bereits vor dem Tor stand und aufmerksam das Gebäude begutachtete.
„Siehst du was?“
„Nein, nicht direkt. Es ist sogar verdächtig ruhig. Ich meine… das hier ist ein Behandlungszentrum. Hier müssten sie die ersten Fälle hergebracht haben, die ersten Infektionen. Und trotzdem ist alles ruhig.“
„Wie meinst du?“
„Naja, eine Seuche bricht aus. Was machst du mit den Infizierten? Du bringst sie in eine Klinik, oder wenn es keine Klinik gibt, in das nächste Behandlungszentrum.“
An Juans Gesichtsausdruck konnte Carlos erkennen, dass er verstanden hatte, worauf Carlos hinauswollte.
„Wir müssen extrem vorsichtig sein. Du machst mir die Tür auf und ich sichere die Räume.“
Juan nickte in Carlos‘ Richtung, öffnete das Tor, ging vorsichtig zum Eingang und postierte sich an der Tür. Die Tür bestand aus zwei Flügeltüren, die sich nach innen und außen öffnen ließen. Carlos folgte und stoppte einige Meter vor Juans Position, legte das Gewehr an und nickte zu Juan. Juan sah zu Carlos, nahm den Türgriff und zog die Tür nach außen. Hinter der Tür war ein menschenleerer Flur, von dem mehrere Türen abzweigten.
Mehrere Gegenstände lagen auf dem Flurboden verteilt. Decken, Medikamente und Einrichtungsgegenstände lagen herum und zeugten von einem übereilten Aufbruch. Carlos ging näher an die Tür und an Juan vorbei in den Flur. Die Türen waren geschlossen, Lichtstrahlen fielen durch ein Fenster am Ende des Flurs und warfen langgezogene Schatten auf den Boden.
Juan folgte Carlos und sah gleich hinter der Tür einen kleinen Empfang hinter einer Scheibe. Dahinter war niemand zu sehen. Die erste Tür war als Verwaltungsraum gekennzeichnet, die beiden nächsten als Warteräume. Dahinter kamen die Behandlungszimmer, ein kleiner OP-Raum für wahrscheinlich ambulante oder Notfall-Eingriffe und am Ende des Flurs waren noch Bett- und Stauräume, jeweils durch auffällige Schilder gekennzeichnet.
Schon als Juan das Gebäude betrat, spürte er den eigenartigen Geruch. Nach einiger Zeit wurde ihm schlagartig bewusst, dass es der Gestank nach Verwesung war, der Gestank nach verrottendem totem Fleisch. Mit dem Kolben seines Gewehrs schlug Carlos mehrmals gegen die Scheibe des Empfangs. Der zu Beginn dumpfe Ton wurde durch ein klirrendes Geräusch abgelöst, als die Scheibe zerbrochen zusammenstürzte.

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