Donnerstag, 7. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 28

Untot - Band 2 - Kapitel 28
Der Lärm der zerbrochenen Scheibe blieb  nicht ohne Folgen. Juan hörte vereinzeltes Stöhnen und Geräusche, wie von herum rückenden Stühlen. Carlos schob Juan aus der Tür und ging dann selbst mit angelegtem Gewehr aus der Tür. So warteten sie einige Zeit, aber nichts weiter passierte. Carlos ging wieder in das Gebäude, gefolgt von Juan.
Vor der ersten Tür ging Carlos in Stellung und wie zuvor öffnete Juan die Türe. Der Verwaltungsraum war leer. Alles deutete auch hier auf einen schnellen Aufbruch hin. An der Wand war ein Schlüsselbrett. Carlos betrat den Raum, sicherte sich nochmals ab, und nahm schließlich die Schlüssel von der Wand und steckte sie in seine Tasche. Der gegenüberliegende Raum war einer der beiden Warteräume.
Sie gingen vor der nächsten Tür in Stellung und fanden einen leeren Warteraum vor und gingen zum nächsten Wartezimmer. Als die Tür nach innen aufschwang, wurden Juan und Carlos von dem entweichenden Gestank beinahe ohnmächtig. In dem Raum waren teils verhüllt, teils unverhüllt wahre Leichenberge gelagert. Alle wiesen dabei Kopfverletzungen auf, Schussverletzungen oder eingeschlagene Schädel. Schnell zog Juan die Tür wieder zu und lehnte sich an die Wand, während er versucht war, den Würgereiz zu unterdrücken. Carlos schien davon unberührt.
Hinter der nächsten Tür zu einem Behandlungszimmer hörten sie ein Stöhnen. Vorsichtiger als zuvor stieß Juan die Tür auf und ging sofort einen Schritt zurück. In dem Raum gingen keine Leichen um, aber es waren vier Personen auf Tragen festgeschnallt. Zwei davon bewegten sich noch, einer davon war geknebelt und riss so heftig an seinen Fesseln, dass sich Fleisch und Sehnen lösten, während der Mund des anderen versuchte, nach ihnen zu schnappen.
Das erste Mal konnte Juan sie aus nächster Nähe betrachten. Er sah sich ihre stumpfen, leblosen Augen an, sah, wie sie sich entgegen aller wissenschaftlicher Logik bewegten und nur ein Ziel vor Augen hatten: den Lebenden das Fleisch von den Knochen zu reißen. Carlos sah auf einem Tisch einen blutigen Baseballschläger liegen, den er geschwind gegen sein Gewehr eintauschte, ihn mit einer schwingenden Bewegung durch die Luft fahren ließ, um schlussendlich den beiden Kreaturen das untote Leben auszutreiben.
Mit einem krachenden Geräusch brach die Schädeldecke erst des geknebelten und schließlich des anderen Untoten. Eine grau rote Masse sickerte aus ihren Köpfen und fiel auf den Boden. Noch während Juan von dem Anblick fasziniert war, hatte Carlos schon wieder sein Gewehr an sich genommen und widmete sich den Arzneischränken. Einer der Schlüssel passte und gezielt nahm Juan einige der Medikamente heraus.
„Hast du was Brauchbares gefunden?“
„Ein paar Schmerzmittel, Aufbaupräparate, Beruhigungsmittel… Aber auch was gegen Grippe und Infektionskrankheiten. Außerdem Handschuhe und Einwegspritzen.“
„Du kennst dich gut mit sowas aus, oder?“
„Ich war ja gewissermaßen im Business.“
Juan sah zu Carlos hinüber und beobachtete ihn dabei, wie er die Arzneimittel herausnahm und begutachtete. Als er seine Hände näher betrachtete, fiel ihm auf, dass das nicht die Hände eines Farmers waren. Die Fingernägel waren sauber, die Haut war glatt und überhaupt wirkte Carlos nicht so wetter gegerbt, wie die Farmer in dem Dorf, aus dem sie zusammen geflohen waren. Juan beschloss, Carlos in Zukunft etwas genauer im Auge zu behalten.
„Sollen wir die hinteren Räume auch noch durchsuchen?“
„Ich glaube, wir haben genug.“
Die Entscheidung wurde ihnen abgenommen, als die Tür aufsprang und Maria in der Tür stand.
„Sie sind hier! Wir müssen weg!“
Carlos nahm die Medikamente an sich und eilte hinter Maria und Juan her, die sich bereits auf dem Weg nach draußen befanden. Als er aus der Tür trat, sah er bereits mehrere zerlumpte und verfaulte Gestalten die Straße entlang torkeln. Sie waren noch vielleicht 50 Meter vom Auto entfernt und kamen langsam aber bestimmt näher. Carlos rannte zum Pickup, schmiss die Medikamente auf die hintere Sitzbank und stieg auf sein Quad.
Fast zeitgleich mit Juan startete er die Maschine und machte einen Satz vorwärts, bevor er sie nach rechts lenkte, um den Weg nach Süden einzuschlagen. Juan folgte ihm wie zuvor, während Maria versuchte, die Medikamente zu sortieren und auf ihren Zweck hin zu untersuchen. Eine Stunde lang polterte der Wagen so Richtung Süden. Carlos hatte sich bereits wieder abgesetzt und war damit beschäftigt, den Weg auszukundschaften. Am Horizont sah Juan ein Fahrzeug. Nach kurzer Zeit erkannte er darin Carlos, der wild winkend auf den Pickup zufuhr.

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