Freitag, 8. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 29

Untot - Band 2 - Kapitel 29
Unverzüglich hielt Juan das Fahrzeug an und kurbelte das Fenster herunter. Carlos lenkte sein Quad neben den Pickup und stellte den Motor ab.
„Wir müssen einen anderen Weg suchen. Dort vorne geht es nicht weiter.“
„Wie – es geht nicht weiter?“
„Eine Straßensperre, davor und dahinter hunderte verwesende Leichen, sowie einige noch nicht verwesende Leichen, die sich schwer verkrüppelt über den Boden ziehen, oder es wenigstens versuchen.“
„Was für eine Straßensperre?“
„Keine Ahnung, Polizei oder Militär. Leider war da keiner mehr, dem ich die Frage hätte stellen können.“
„Gibt’s dort noch was Brauchbares?“
„Du wirst es nicht glauben, aber ich hatte keine große Lust mich dort umzusehen.“
„Letztens in Milpillas hast du dich nicht so geziert.“
„Letztens in Milpillas hatte ich meine liebe Mühe, mir nicht die Seele aus dem Leib zu kotzen. Außerdem haben wir mittlerweile genug, um uns bis Guadalajara durchzuschlagen. Außerdem gab’s in dem Gemetzel zu viele Schleicher. Zu viele von diesen Dingern, die noch nicht vollständig tot sind und ich habe keine Lust, mir einen dieser untoten Bastarde vom Fuß schütteln zu müssen.“
„Wohin dann jetzt?“
„Wir müssen die Straßensperre umfahren. Ein paar Kilometer weiter hinten ging’s links ab, eventuell stoßen wir auf eine Parallelstraße oder wir fahren rüber zur 23er. Ich würde vorerst auf den Nebenstraßen bleiben. Wir haben noch ein paar Stunden.“
„Also gut, was bleibt uns anderes übrig?“
Juan wendete den Pickup, während Carlos bereits wieder vor fuhr. Nach zehn Minuten erreichten sie die Abzweigung. Carlos wartete bereits und beschleunigte just in dem Moment, in dem er sich sicher war, dass Juan ihn gesehen hatte. Die Straße mündete nach ein paar hundert Metern in einer abgelegenen Ranch. Juan sah Carlos Quad im Hof stehen, von Carlos fehlte dagegen jede Spur. Juan stellte den Motor ab und war gerade dabei den Wagen zu verlassen, als ihn Maria ansprach:
„Was soll das werden?“
„Ich schaue mich um, schaue nach Carlos.“
„Carlos ist groß genug, um auf sich selber aufzupassen. Ganz im Gegensatz zu dir. Du schießt dir doch selber ins Bein, wenn du nicht aufpasst. Bleib lieber hier im Wagen.“
„Vielleicht finden wir hier etwas, das wir brauchen können.“
„Vielleicht finden wir hier aber auch etwas, das uns alle umbringt. Bleib im Wagen und lass die Tür zu!“
Gerade als Juan etwas sagen wollte, sah er den vorwurfsvollen Blick Marias auf sich und gleich danach den ängstlichen Blick der Kinder. Er verkniff sich einen Kommentar und seufzte kurz, bevor er seinen Arm zurückzog und sich wieder in Sitzposition begab. Er öffnete das Fenster einen Spalt und horchte hinaus, strengte seinen Blick an, konnte aber Carlos weder hören noch sehen. Plötzlich sah er einen Schatten. Nur ganz kurz. Aus den Augenwinkeln. Danach sah er die Untoten.
Wankend gingen sie in die Richtung, in die der Schatten verschwunden war. Sie kamen aus einem Gebäude, das bis vor kurzem als Stall gedient hatte. Juan überlegte, was aus den Tieren geworden war, als ein lauter Schuss ertönte und der erste der Untoten zusammenbrach. Die anderen wankten unbeirrt weiter, bis auch sie von ihrem Schicksal erlöst wurden und einer nach dem anderen zusammenbrachen.
Als der letzte in einer Wolke aus getrocknetem Blut und Gehirnmasse zusammenbrach, sah Juan Carlos aus der Scheune kommen. Neben ihm lief etwas. Ein Hund. Carlos hatte auf dieser abgelegenen Ranch tatsächlich einen Hund gefunden. Es war ein Mischling, ungefähr einen halben Meter groß mit verfilztem und strubbligem Fell, braun, schwarz und weiß gefleckt mit etwas Dackel, ein wenig Schäferhund und ein Collie hatte wohl auch mitgemischt.
Der Hund machte einen gutmütigen, aber auch hungrigen Eindruck. Juan ließ die Scheibe herunter, während Carmen und Antonio schon ihr Gesicht an die Scheibe drückten. Carlos kam lächelnd zum Pickup.
„Wo hast du den denn aufgetan?“
„Den hab ich hier auf der Ranch entdeckt. Als ich ankam, wurde ich von den Untoten attackiert und der kleine hier hat sie von mir abgelenkt. Danach hatte ich leichtes Spiel mit den Dingern. Ich glaube, er hat Hunger. Ich seh mich kurz im Haus um und lass den Racker in der Zwischenzeit bei euch.“
Mit einem Zwinkern gab er den Hund an Carmen und Antonio weiter, die ihn begeistert empfingen.

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