Sonntag, 10. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 31

Untot - Band 2 - Kapitel 31
Schloss und Türangel konnten Narbe nichts entgegensetzen, splitterten aus dem brüchigen Holz und ließen die Tür nach innen fliegen. Noch während die Tür durch die Luft segelte, bemerkte Narbe eine Bewegung. Aus dem Schatten des Raums löste sich eine Gestalt, dem Aussehen nach die Frau des Hauses. Die Ziele waren klar, eventuelle Frauen im Haus sind keine Ziele, würden im Notfall aber ruhig gestellt werden. Die Frau hier machte einen ruhigen Eindruck, sah mit ausdruckslosen Augen auf die Eindringlinge und kam langsam auf die beiden Eindringlinge zu. Als sie ins Licht trat, fiel Marco ihr blasser Teint auf. Die Frau war mehr grau, als blass und ihre Augen waren nicht ausdruckslos, sondern mit einem grauen Schleier überzogen, als wäre sie blind.

Die Farblosigkeit ihrer Haut wurde durch dunkle Stellen überdeckt, die wie geronnenes Blut aussahen. Als sie schließlich auf eineinhalb Meter herangekommen war, konnten die Männer erkennen, dass Teile ihrer linken Hand fehlten. Marcos erster Gedanke war, dass die Konkurrenz schneller war und über die Frau den Lieferanten überzeugen konnte, zukünftig keine Geschäfte mehr mit Carlos abzuschließen. Dass die Frau eine Gefahr darstellen könnte, kam keinem der Männer in den Sinn. Marco rief der Frau zu stehenzubleiben, einer Aufforderung, der sie nicht nachkam. Stattdessen kam sie immer weiter auf die Männer zu. Marco gab Narbe ein Zeichen, der auf die apathisch wirkende Frau zuging und dabei war, sie in den Raum zurückzustoßen. Doch anstatt sich zurückstoßen zu lassen, schnellte ihr Kopf von einer Sekunde auf die andere blitzschnell herab und verbiss sich in den Arm von Narbe.

Dessen Gesicht zeigte für den Bruchteil einer Sekunde ungläubiges Erstaunen, bis er zu seiner Professionalität zurückfand. Mit einer schnellen Bewegung rammte er der Frau seine Faust in den Magen, erreichte damit aber keinerlei Reaktionen. Stattdessen verbiss sie sich noch mehr in seinen Arm, bis sie schließlich ein Stück seiner Haut aus dem Arm herausgerissen hatte. Narbe stöhnte auf, stieß der Frau aber ohne zögern seine Faust ins Gesicht. Ihr Kopf flog nach hinten und ihr Körper flog durch die Wucht des Schlags drei Schritte nach hinten. Dabei gering sie ins stolpern, konnte den Sturz aber abfangen und als sie ihren Kopf wieder aufrichtete, hielt sie noch immer das Stück von Narbes Gesicht im Mund und kaute darauf herum. Narbe schaute ungläubig auf die Frau und hielt sich die blutende Wunde. Die Frau kam erneut auf ihn zu.

Narbe trat einen Schritt zurück und zog mit der verletzten Hand seine Pistole. Die Frau ließ sich von der Waffe nicht beeindrucken und setzte den Weg fort. Narbe zielte auf den linken Fuß der Frau und drückte ab. Ein ohrenbetäubender Knall hallte durch das Haus, ließ für Narbe alle Geräusche wie durch Watte erscheinen, vermochte aber nicht, die Frau zu stoppen. Nicht eine Gefühlsregung erschien in dem Gesicht, nicht eine Sekunde zögerte sie, sondern kam weiter ungelenk in seine Richtung. Ein zweiter Schuss in ihren Bauch hatte das gleiche, unbefriedigende Ergebnis zur Folge. Narbe trat weiter zurück und feuerte weiter. Schüsse in die Brust, auf das Herz und in den Hals brachten nicht das gewünschte Ergebnis. Erst ein Schuss in den Kopf ließ den Körper der Frau leblos zusammenbrechen. Jemand schrie nach Narbe. Noch immer hörte Narbe Geräusche nur gedämpft und so vernahm er die Warnung von Marco zu spät.

Drei weitere blutverschmierte Gestalten hatten sich Narbe unbemerkt genähert. Der ersten Attacke konnte Narbe entgehen, indem er sich unter dem Kopf des Angreifers wegduckte. Der zweite Angriff kam dagegen unerwartet. Eine weitere Gestalt hatte sich unbemerkt genähert und wurde aufgrund seiner Größe von Narbe übersehen. Es war der Körper eines Kindes, der sich ihm entgegenwarf und ihn zum stolpern brachte. Noch während des Falls konnte sich Narbe fangen, allerdings nicht verhindern, dass sich zwei der Gestalten auf ihn warfen. Mit einer schnellen Bewegung drehte er sich auf den Rücken, versuchte die Angreifer abzuschütteln, was ihm nur teilweise gelang. Das Kind flog von ihm herunter, doch im gleichen Augenblick spürte er einen stechenden Schmerz in seinem Gesäß. Die andere Gestalt hatte es geschafft, die Zähne in Narbes Hintern zu versenken. Noch während er dabei war, die Gestalt abzuschütteln, hörte er dumpf Schussgeräusche.

In der Tür stand Marco und feuerte auf die leblos erscheinenden Gestalten, konnte sie aber nicht stoppen. Weitere Angreifer stürzten sich auf Narbe und verhinderten, dass Marco weiter auf die Angreifer feuern konnte. Narbes Fäuste flogen umher, schlugen auf leblose Körper und Köpfe und vermochten ihm etwas Luft zu verschaffen. Narbe erhob sich und sah, wie Marco von einem kleinen Mädchen in den Arm gebissen wurde. Marco schrie auf und im Hintergrund sah Narbe Verstärkung eintreffen. Die vier Begleiter hatten den Wagen verlassen und gesellten sich zu Marco. Eine Tür flog auf und weitere Gestalten fluteten in den Raum. “In den Kopf” schrie Narbe, bevor er wieder angefallen und diesmal von fünf Gestalten niedergerungen wurde. Seine Fäuste trafen hart, richteten aber keinen Schaden an. Er spürte stechende Schmerzen an den Füssen, an den Armen, am Kopf und am Hals.

Als die Haut am Hals riss, spürte er das Blut aus sich herausfließen. Mit dem Blut verließ Narbe die Kraft und irgendwann verlor die Besinnung, wodurch er nicht mehr mitbekam, wie ihm das Fleisch aus dem Gesicht gerissen wurde. Marco hatte in der Zwischenzeit geschafft, das Kind abzuschütteln und sie mit einem Kopfschuss von ihrem Dasein zu befreien. Marco hielt sich den Arm, befahl den Begleitern die Angreifer mit Kopfschüssen aufzuhalten und ging zurück zu Carlos.

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