Montag, 11. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 32

Untot - Band 2 - Kapitel 32
“Was ist hier los?”

“Ich weiß es nicht. Sie haben sich auf Narbe gestürzt, reagieren nicht auf Schüsse und sind nur mit Kopftreffer aufzuhalten. So eine Scheiße hab ich noch nicht erlebt. Das sind Freaks, das ist wie in einem beschissenen Hollywoodfilm. Die haben Narbe aufgefressen, haben ihm die Haut vom Gesicht gezogen. Scheiße Carlos, wir sollten hier verschwinden.”

“Und unser Geschäft aufgeben? Verdammt Marco, wir sind hier, um unsere Einnahmequellen zu sichern, und das werden wir auch machen. Lass dir von unserem Fahrer einen Verband umlegen und dann lass uns rausfinden, was hier für eine Scheiße los ist.”

Nach einigen Minuten verstummten die Sturmgewehre der Begleiter und Carlos ging zum Hauseingang. Die vier Begleiter durchsuchten das Haus, konnten aber keinen normalen Menschen mehr finden. Stattdessen fand man Spuren der Verwüstung, Blut, Körperteile und stumme Zeugen eines schrecklichen Massakers. Ratlos stieß Carlos eine der Leichen mit dem Fuß an und drehte die Leiche auf den Rücken. Die Augen waren noch immer so ausdruckslos wie zuvor. Ein übler Verwesungsgeruch ging von dem Körper aus und setzte sich in Carlos’ Nase fest. Angewidert ging Carlos zurück und hielt sich ein Taschentuch über die Nase. Während er seinen Blick durch den Raum schweifen ließ, sah er die Leiche von Narbe. Von der Narbe war nichts mehr zu sehen. Carlos drehte sich um, und ging zurück zu Marco, der gerade vom Fahrer verbunden wurde.

Ein Schrei ließ die Männer zusammenzucken. Carlos stürmte zurück zum Haus und sah einen seiner Begleiter, der gerade von dem, was von Narbe übrig geblieben war, angefallen wurde. Der Schrei verstummte in einem Blubbern, als Blut in die Luftröhre des Begleiters strömte. Kurz darauf war der Mann tot und Narbe stapfte auf die anderen Männer zu. In ihrer ungläubigen Panik reagierten sie zu spät und Narbe gelang es einen weiteren Begleiter anzufallen. Carlos lief zurück zu Marco und noch im Lauf sah er, wie sich eine Gruppe dieser Gestalten lautlos dem Wagen näherte. Carlos versuchte die Männer noch zu warnen, aber für den Fahrer war es schon zu spät. Er wurde von drei Gestalten fort gerissen, auf den Boden gestoßen und von mehreren Gestalten attackiert. Marco hechtete in den Wagen, riss hinter sich die Tür zu und auf der anderen Seite für Carlos die Tür auf.

Aus dem Wagen sahen sie, wie der Fahrer bei lebendigem Leib aufgefressen wurde, sahen seinen Todeskampf und wie das Leben aus seinem Körper wich. Zwei der Begleiter kamen aus dem Haus gestürmt und sahen sich einer Übermacht gegenüber. Sie waren lautlos gekommen, durch die Felder, direkt zu den Lebenden. Die Sturmgewehre bellten auf und ließen die Gestalten zu Boden segeln. Doch für jeden gefallenen kamen zwei neue nach. Langsam wurden die Männer eingekreist und mussten sich in das Innere des Hauses zurückziehen. Für Carlos und Marco die Rettung. Die Angreifer schienen auf die Geräusche zu reagieren und torkelten auf das Haus zu, beachteten den Wagen nicht länger. Marco setzte sich hinter das Steuer, fand aber keinen Zündschlüssel. Der Fahrer musste ihn noch in der Tasche haben. Marco zögerte nicht, riss die Tür auf, lief zu der Leiche des Fahrers und durchsuchte seine Taschen.

Plötzlich öffneten sich die Augen des Fahrers. Marco erkannte die Gefahr, fand den Schlüssel und riss die Hand zurück. Keine Sekunde zu früh, den reflexartig schnellte die Hand des Fahrers nach vorne und verfehlte Marco nur knapp. Der lief zurück zum Wagen, riss die Tür zu und steckte den Schlüssel in das Schloss. Als der Motor startete, zogen sie die Aufmerksamkeit einiger Untoter auf sich, allerdings zu spät, denn schon wenige Sekunden darauf wendete Marco den Wagen, stieß dabei den ehemaligen Fahrer um und navigierte den Wagen zurück auf die Straße.

“Ok, Marco, ich muss mich korrigieren. Wir verschwinden hier.”

“Gute Entscheidung Chef. Wir müssen nochmal tanken. Hier in der Nähe ist eine Tankstelle, die fahre ich an.”

Carlos nickte und zusammen ließen sie das Haus der Farmers hinter sich. Kurz vor besagter Tankstelle wurde der Wagen an einer von Militär und Polizei besetzten Straßensperre aufgehalten. An der Straßensperre wurde Carlos bei einer routinemäßigen Personenkontrolle als Carlos Cazzares identifiziert, dem Leiter eines mexikanischen Drogenrings, und von den örtlichen Behörden festgesetzt. Natürlich waren auch diese Beamten bestechlich, aber die für Carlos gedachte Auslöse erreichte nie seinen Bestimmungsort. Statt dessen konnte Carlos Marco dabei zusehen, wie er sich langsam in einen Untoten verwandelte und einen Tag mit dem stinkenden Kadaver in einem Raum verbringen, bis er von Juan gefunden wurde. Juan... Carlos benutzte Männer wie Juan. Carlos verheizte Männer wie Juan. Männer wie Juan bedeuteten Carlos nichts. Männer wie Juan waren schwach und antriebslos. Er verachtete Männer wie Juan. Aber diesem Juan schuldete er Dank und Carlos war ein Mann der Ehre. Kein Mann des Gesetzes, aber der Ehre.

Carlos würde nicht zulassen, dass dieser Gruppe Unheil zustößt. Nicht, solange er leben würde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen