Mittwoch, 13. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 34

Untot - Band 2 - Kapitel 34
„Verdammte Scheiße!“
Juan stemmte sich in die Bremsen und brachte den Wagen so unvermittelt zum stehen. Es war inzwischen dunkel geworden und die Scheinwerfer bahnten sich einen Weg durch die Dunkelheit. Maria wurde durch den Bremsvorgang unsanft aus ihren Träumen geweckt und hörte von hinten ebenfalls missbilligende Kommentare. Sie benötigte einige Zeit um zu realisieren, warum Juan das Auto so unsanft zum stehen bringen musste und als sie es sah, wurde ihr flau im Magen.
Die Straße war von Leichen übersät, was ihr aber noch mehr Angst machte, waren die, die noch nicht tot auf dem Boden lagen. Sie waren überall. Auf der Straße, auf den Feldern und zwischen den Bäumen und alle schienen sich auf das Auto zuzubewegen. Wo war Carlos? Wie waren sie hier her geraten? Maria richtete sich in ihrem Sitz auf, während Juan verzweifelt versuchte, den Wagen so schnell wie möglich zu wenden.
Noch während des Wendevorgangs flammten plötzlich Lichter auf, die die Nacht zum Tag machten. Danach brach die Hölle los. Maria hörte Schüsse, sah Leuchtmunition durch die Nacht fliegen und Köpfe explodieren. Sie hörte etwas, das wie ein Hubschrauber klang und sah etwas, dass wie ein Panzer aussah. Juan stoppte seinen Wendevorgang und starrte stattdessen ungläubig auf das, was sich plötzlich vor ihnen abspielte.
Juans Angst verwandelte sich in Panik und ließ ihn gelähmt hinter dem Steuer des Wagens verharren. Maria schlug auf ihn ein, brüllte ihn an, den Wagen wieder in Bewegung zu setzen, doch Juans hatte keine Kontrolle über seinen Körper. Seine Hände fühlten sich an wie Fremdkörper und seine Füße ähnelten tonnenschweren Bleigewichten. Das war zu viel für ihn. Er brach innerlich zusammen und wusste, dass sie hier und jetzt sterben würden. Er war davon überzeugt und konnte nichts dagegen tun.
„Bleiben sie in dem Wagen und bewegen sie sich nicht!“
Maria zuckte zusammen, als die Lautsprecheransage über das Feld hallte. Der Panzer kam näher und Maria sah das Bord-Maschinengewehr Feuer und Verderben über die Kreaturen bringen. Die Kreaturen verloren ihr Interesse an dem Pickup und steuerten auf die Quelle des Lärms zu. Nur ein oder zwei vereinzelte waren nicht von ihrem vorigen Ziel abzubringen und drangen immer näher heran. Als sie den Pickup erreicht hatten, hämmerten sie unbeholfen mit ihren Händen gegen die Scheiben des Pickups, konnten sie aber nicht zerstören.
Maria nahm die Pistole hoch und zielte gegen die Scheibe. Sollte eine der Scheiben bersten, würde sie tun, was zu tun war. Doch dazu kam es nicht. Gehirnmasse spritzte gegen das Fenster und wie durch einen Schleier sah Maria die beiden Angreifer zusammenbrechen. Als von der anderen Seite jemand gegen die Windschutzscheibe klopfte, erschrak sie, war aber erleichtert, als sie darin Carlos erkannte.
Da Juan noch immer keine Reaktion zeigte und die Kinder verängstigt auf dem Rücksitz verharrten, beugte sich Maria nach hinten und öffnete für Carlos die Tür. Carlos riss die Tür auf, stürmte in den Pickup und warf die Tür ebenso schnell hinter sich wieder zu.
„Verdammte Scheiße, was macht ihr hier?“
„Ich… ich weiß nicht. Ich bin eingeschlafen.“
„Verdammt, Juan. JUAN!“
„Der ist weggetreten.“
„Dann stell bitte den Motor ab, bevor noch eine Scheiße passiert. Da draußen ist Militär, ihr wärt beinahe in eine Aufräumaktion rein gerauscht. Die sind dabei, die Straße hier zu säubern. Vor ungefähr 15 Minuten hatte ich mit Juan noch vereinbart, er solle weiter hinten abbiegen, aber anscheinend hat er’s versaut.“
Maria seufzte, während sie den Schlüssel aus dem Zündschloss zog. So war wenigstens gewährleistet, dass Juan in einer plötzlichen Überreaktion den Wagen nicht an einen Baum oder in den Graben setzen würde.
„Und was jetzt?“
„Jetzt warten wir hier im Wagen, bis sie uns rausholen.“
Fünf Minuten später ebbte der Gefechtslärm ab und nur vereinzelt waren noch Schüsse zu hören. Ein gepanzertes Transportfahrzeug kam auf den Pickup zu und stoppte einige Meter vor ihnen. Die Ladeklappe sprang auf und vier uniformierte und schwer bewaffnete Männer sprangen heraus. Einer rannte zum Wagen und klopfte an eines der sauberen Fenster. Carlos öffnete die Tür und lief zu dem Soldaten.
„Wo wollt ihr hin?“
„Wir sind auf dem Weg nach Guadalajara, auf der Flucht vor diesen… diesen… Dingern hier.“
„Keine Chance. Guadalajara ist nicht mehr zu halten. Wir sind gerade dabei, die Evakuierung einzuleiten und den Weg nach Norden zu säubern. Wir haben keine Zeit, bringt den Wagen von der Straße. Ihr könnt uns nach Norden folgen. Wurdet ihr von den Zombies verletzt?“
„Von den was?“
„Hören sie, ich weiß nicht, in welchem Loch ihr die letzten Tage verbracht habt, aber Mexiko wird von Untoten, von Zombies, überrannt. Der Süden ist verloren, wir gehen nach Norden und richten dort Verteidigungslinien ein. Ihr könnt uns folgen, müsst euch aber noch einer Untersuchung unterziehen.“
„Kein Problem. Alles ist besser, als hier abzuwarten, bis sie über uns herfallen.“
„Dann bringt endlich den Wagen von der Straße. Andernfalls schieben wir euch zur Seite.“

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