Donnerstag, 14. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 35

Untot - Band 2 - Kapitel 35
Carlos riss die Fahrertür auf und zog den immer noch geschockten Juan auf den Rücksitz. Juan spürte die Hände, spürte wie sie ihn packten, herauszerrten und er hörte ihre Stimmen. Sie zogen an ihm vorbei, riefen seinen Namen und brüllten ihn an. Juan hörte das Bellen eines Hundes und spürte die Erschütterungen eines fahrenden Fahrzeugs. Juan wusste nicht, wo er war und was er hier tat. Für ihn zählte nur, dass er hier war und am Leben. Eine dunkle Wolke umhüllte ihn und ließ ihn in einen tiefen, erlösenden Schlaf fallen.
Als Juan aufwachte, schien bereits die Sonne. Als er die Augen öffnete, sah er in die Gesichter von Carmen und Antonio und seine Erinnerung kehrte zurück. Die Erinnerung an die Nacht, die Gestalten, die Schüsse, der Panzer… Danach konnte er sich an nichts mehr erinnern, nur noch an eine herauf brechende, tief sitzende Angst, die sich ihren Weg nach draußen bahnen konnte und Juans Gedanken lähmte.
Juan richtete sich auf und sah Carlos neben Maria hinter dem Lenkrad sitzen. Sie befanden sich in einer endlos scheinenden Autoschlange, die sich ewig über einen Highway hinzuziehen schien. Dicht bepackte Autos standen Stange an Stange, Militärhubschrauber kreisten über der Karawane und schwer bewaffnete Soldaten kontrollieren die Autos.
„Wo… Wo sind wir?“
„Ah, wieder unter den Lebenden?“
Marias Stimme klang hart und verächtlich.
„Ja… ja… ich weiß nicht, was gestern Nacht über mich gekommen ist. Die Angst hat mich übermann und… ich… es tut mir leid.“
„Nur ein Idiot hat keine Angst“ warf Carlos ein und nahm damit Maria den Wind aus den Segeln.
Carlos Einwurf ignorierend setzte sie im gleichen Tonfall fort.
„Angst? Deine scheiß Angst hätte uns beinahe das Leben gekostet.“
„Wenn man es genau nimmt, hat sie euch vielleicht sogar das Leben gerettet.“ Warf Carlos ein.
„Nur so konnten wir uns dem Konvoi anschließen und nur so erfuhren wir davon, dass Guadalajara nicht mehr zu verteidigen ist.“
„Was? Guadalajara wird aufgegeben?“
„Ja, was glaubst du, woher die ganzen Autos kommen. Die Regierung hat Guadalajara zur toten Stadt erklärt und ist dabei, so viele Menschen wie möglich zu evakuieren. Truppen halten uns den Rücken frei.“
„Und… und was erwartet uns im Norden?“
„Erst mal gar nichts. Nur die Gewissheit, nicht als Zombiefutter zu enden.“
„Zombie… futter?“
„Ja, im Volksmund hat sich ‚Zombie‘ durchgesetzt. So wie in den Hollywoodfilmen. Uhuuhuu, die Zombies kommen, um dich zu fressen. Du weißt schon.“
Eine Durchsage hallte über die Straße.
„Zu ihrer eigenen Sicherheit beachten sie bitte folgende Sicherheitshinweise. Bleiben sie unter allen Umständen in ihren Fahrzeugen. Leisten sie unter allen Umständen den Anweisungen des Militärs und der Polizei Folge. Es wird alles Mögliche unternommen, um für ihre Sicherheit zu sorgen. Wenn sie Wasser, Medizin oder Lebensmittel benötigen, sprechen sie die patrouillierenden Beamten an. Sollte ihnen der Kraftstoff ausgegangen sein, bleiben sie in ihrem Wagen, bis sie einen Beamten sehen. Er wird ihnen weitere Anweisungen geben. Bitte beachten sie diese Hinweise.“
Die Ansage wurde mehrmals wiederholt. Juan sah den Sack mit den Vorräten und stellte erleichtert fest, dass sie noch genügend Vorräte für drei, vier Tage hatten. Genug, um unterwegs nicht zu verhungern. Aber danach? Guadalajara war verloren. Wenn sie diese Stadt nicht halten konnten, wer garantierte dann, dass sie den Norden halten könnten. Warum sollte sich Juan im Norden sicherer fühlen. Vielleicht war es nur ein aufgeschobener Tod.
„Was meint ihr? Was erwartet uns dort im Norden?“
Maria ignorierte ihn, aber Carlos sah keinen Anlass, Juan gegenüber eingeschnappt zu sein.
„Ich weiß es nicht. Aber möglicherweise könnten wir bei mir… bei meinem Vater unterkommen. Der hat ein schönes Anwesen und einige Angestellte, die für ihn das Grundstück… sauber… halten.“
„Klingt gut. Und dann? Wenn diese Zombieseuche nicht mehr aufzuhalten ist?“
„Wie ‚nicht aufzuhalten‘? Diese Dinger sind ja einfach zu töten. Ein Schuss in den Kopf und der Ofen ist aus. Die Regierung ist sicher schon dabei, den Norden abzuriegeln und dann erobern wir Mexiko zurück. Dorf um Dorf, Stadt um Stadt holen wir von diesen untoten Bastarden zurück.“
Wieder wurde die Ansage wiederholt und ein Beamter tauchte neben Juan am Fenster des Wagens auf. Der Beamte warf einen Blick in den Wagen und klopfte an die Scheibe. Carlos kurbelte das Fenster herunter und sprach den Beamten an.
„Gibt es ein Problem?“
„Nein, nein, das wollte ich sie fragen. Benötigen sie Lebensmittel, haben sie noch genügend Treibstoff im Tank, sind sie gesund? Ist jemand von den Zombies verletzt worden?“
„Nein, alles in bester Ordnung. Unser Tank ist noch gut gefüllt und wir haben noch Lebensmittel für ein paar Tage. Helfen sie lieber den Leuten, die es nötiger haben.“
Der Beamte nickte und ging weiter.

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