Samstag, 16. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 37

Untot - Band 2 - Kapitel 37
Gemeinsam schoben sie das Fahrzeug an den Straßenrand und signalisierten einem Soldaten einen Motorschaden. Der winkte ab und ließ sie gewähren. Carlos holte die Säcke aus dem stehenden Fahrzeug und verteilte die Vorräte auf Maria und Juan und gingen zu dem Soldaten. Der musterte die Gruppe vorsichtig und suchte wohl nach Verletzungen.
„Wir haben einen Motorschaden. Wie geht’s jetzt weiter?“
„Ihr geht einfach zu Fuß weiter. Geht solange, bis ihr an eine Straßensperre gelangt. Dort gebt ihr an, dass euer Auto Schrott ist und die sagen euch dann schon, wie’s weitergeht.“
„Kommt niemand mit uns?“
„Nein, wir werden hier vorne gebraucht. Geht einfach. Wenn ihr zügig geht, braucht ihr vielleicht sechs Stunden.“
„Sechs Stunden… danke. Los kommt, gehen wir.“ Carlos sprach zu seinen Begleitern und schritt voran.
Juan fühlte sich nicht besonders wohl in seiner neuen Rolle. Von der Hauptfigur war er zum Nebendarsteller degradiert worden. Carlos hatte das Kommando an sich gerissen und Juan musste folgen. Leider war Carlos‘  Idee momentan die beste Idee, die man haben konnte. Ein lauter Knall ließ Juan aufschrecken. Zwei Kampfflugzeuge donnerten verdächtig tief über ihre Köpfe hinweg Richtung Süden. Ihre Triebwerke zogen helle Streifen hinter sich her, die sich in der Luft schnell wieder auflösten.
Ein weiterer Knall folgte, diesmal aber von hinten und nicht von einem Flugzeug stammend. Als Juan sich umdrehte, sah er eine sich am Horizont abzeichnende Explosion. Der eben noch so ruhige Soldat wurde offensichtlich nervöser, schrie für Juan unverständliches in sein Funkgerät und wurde kreidebleich. Als er das Funkgerät absetzte, ging sein Blick hektisch zwischen der Explosion und der nach Norden führenden Straße hin und her.
Nach einigen Augenblicken hatte er offensichtlich eine Entscheidung getroffen und ging entschieden nach Norden, drehte sich nicht mehr um und versuchte den Anschein zu wahren, dass alles in Ordnung sei. Das gelang aber nur so lange, bis die von der Explosion geschockten Zivilisten auf den Mann einzureden begannen. Ein Autofahrer sprang aus seinem Wagen und baute sich vor dem Soldaten auf. Schrie ihn an, die Wahrheit zu sagen, verlangte von ihm eine Klarstellung, was los sei.
Statt einer Antwort legte der Soldat kurzerhand seine Waffe an und noch bevor der Zivilist reagieren konnte, klebte sein Gehirn an seinem Wagen. Leute schrien, Autotüren wurden zugeknallt und der Soldat ging nicht mehr, sondern rannte. Er legte keinen Wert mehr darauf, unauffällig zu sein, er wollte nur weg. Während Juan noch geschockt dem Soldaten hinterher sah, ergriff Carlos die Initiative.
„Los schnell, wir müssen hier weg, bevor die alle aus ihrer Starre erwachen.“
Als sich Juan nicht bewegte, riss Carlos an seinem Arm und zog ihn mit sich. Juans Füße gehorchten ihm langsam wieder und sie rannten. Sie rannten, so schnell sie konnten. Und die Leute taten es ihnen gleich. Wenn sie jetzt zurückfielen, würden sie von den Menschenmassen erdrückt werden. Carlos rannte weiter, weg von der Straße, hin zu einem kleinen neben der Straße verlaufenden Feldweg, immer gefolgt von Maria, Juan, Carmen und Antonio. Perro lief neben zwischen Antonio und Carmen und genoss sichtlich die Bewegung.
Nach einigen Minuten wurden sie Zeuge eines Schusswechsels. Der fliehende Soldat wurde von seinen Kameraden gestellt und lieferte sich mit ihnen eine Schießerei. Während seine Kameraden darauf bedacht waren, Zivilisten zu verschonen, kannte der Deserteur diesbezüglich keine Vorbehalte und feuerte skrupellos auf alles, was sich bewegte. Carlos stoppte im Lauf, nahm sein Gewehr ab, zielte und feuerte dem Aggressor eine Kugel in den Arm.
Der schrie überrascht auf, ließ seine Waffe fallen und wurde unverzüglich von seinen ehemaligen Kameraden in Gewahr genommen. Juan sah Carlos fragend an, der zuckte nur mit den Schultern, sah sich die Kinder an und ging zügig weiter, ohne zu rennen, versuchte auf die Kinder Rücksicht zu nehmen. Die waren für die Verschnaufpause dankbar und holten gegenüber den Erwachsenen wieder auf.
Juan sah zurück und sah, wie ihnen hunderte von Menschen folgten. Carlos hatte Recht damit, keine Zeit zu verlieren. Carlos hob Carmen hoch und setzte sie auf Juans Schulter. Noch bevor Juan Zeit fand zu protestieren, nahm Carlos Antonio hoch und ging wieder nach vorne. Maria eilte ihm hinterher, hauchte ihm ein „Danke“ entgegen. Carlos nickte nur und lächelte sie an. Sie erwiderte das Lächeln und für eine Sekunde glaubte Juan zu sehen, dass in ihrem Blick mehr lag, als reine Dankbarkeit.
Juans Laune verschlechterte sich bei dem Gedanken daran. Aber was hatte er erwartet? Dass sich Maria in ihn verlieben würde? Dass sie ihn, Juan, als Ersatz für ihren Emilio akzeptieren würde. Ach Gott, wie naiv er doch gewesen war. Er, der kleine Leiharbeiter und dort die Frau, deren Sohn und Mann er vor ihren Augen erschossen hat. Frustriert stampfte er mit Carmen auf den Schultern weiter, senkte seinen Blick und so entging ihm Marias wertschätzender Blick.

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