Mittwoch, 20. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 41

Untot - Band 2 - Kapitel 41
Carlos sprang als erster auf und verließ den Bus. Vor dem Bus sah er sich suchend um. Als sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er einen Wagen und dahinter zwei Männer.
„Martinez?“
„Carlos?“
„Verdammte scheiße, ja.“
Carlos ging auf den Wagen zu und einer der Männer kam ihm entgegen. Als sie auf gleicher Höhe waren, fielen sie sich um den Hals.
„Verdammt Carlos, ich dachte, du wärst im Arsch. Im Süden ist die Kacke ordentlich am Dampfen. Hier im Norden gab es auch bereits Ausbrüche, aber zusammen mit der Polizei bekommen wir das in den Griff.“
„Zusammen mit der Polizei?“
„Ja, wir haben einen Deal ausgehandelt. Die Polizei hat sich aus bestimmten Stadtteilen komplett rausgezogen und lässt uns die Kontrolle. Im Gegenzug kümmern wir uns um diese verdammten Zombies.“
„Und weiter?“
„Nichts weiter. Die anderen Bosse haben auch zugestimmt. Wir halten unseren Garten sauber und bekommen dafür keinen Ärger. Fairer Deal würde ich meinen.“
„Wer hat in meiner Abwesenheit entschieden? Du?“
„Ja… hör mal Carlos, was hätten wir denn sonst machen sollen? Das Geschäft ist im Arsch, aus dem Süden kommt nichts mehr, hier im Norden haben sich auch schon einige Geschäftspartner quasi abgemeldet.“
„Und ihr habt nicht mehr nachgehorcht? Nicht versucht, die Leute etwas zu motivieren?“
„Lass uns in Ruhe darüber sprechen. Du weißt ja gar nicht, was hier die letzten Tage los war, verdammte scheiße.“
„Du weißt auch nicht, welche Scheiße ich erlebt habe. Egal, ich muss euch noch jemand vorstellen. Habt ihr das Geld für den Fahrer?“
„Ja, im Kofferraum.“
„Hol es raus und komm vor den Bus.“
Carlos ging zum Bus zurück und rief den Rest der Gruppe zu sich und bat sie, ihm zu folgen. Danach wandte er sich noch an den Busfahrer und bat ihn nach draußen. Dort wartete bereits Martinez mit einem Koffer. Carlos nahm ihm den Koffer ab, und reichte ihn an den Fahrer weiter.
„Hier, für ihre Mühen. Mit dem Geld sollten sie ein paar Tage über die Runden kommen und vor allem einiges vergessen. Und jetzt verschwinden sie.“
Der Busfahrer nahm den Koffer, sprang in den Bus zurück und machte sich so schnell es ging aus dem Staub, ohne noch einen Blick in den Koffer zu werfen.
„Das hier sind Maria, Juan, Carmen und Antonio. Sie werden uns begleiten und einige Zeit bei uns wohnen. Das hier ist Martinez. Martinez ist meine rechte Hand und leitet in meiner Abwesenheit mein… meine Geschäfte.“
Juan reichte Martinez seine Hand und fand seine Geste unbeantwortet. Stattdessen drehte sich Martinez um und ging auf den Wagen zu.
„Hier Carlos, deine Begleitung fährt im zweiten Wagen.“
„Nein, die fahren mit mir. Wo ist der zweite Wagen?“
„Der steht dort hinten.“
Martinez wies auf einige am Rand stehende Büsche und nach genauerer Betrachtung konnte Carlos dahinter die Umrisse eines Wagens erkennen. Carlos nickte.
„Du sitzt vorne beim Fahrer und meine Gäste sitzen bei mir. Ich habe Juan und Maria einiges zu verdanken und du weißt Martinez, dass ich niemanden einen Gefallen schuldig bleibe.“
„Verstanden. Was ist mit Narbe und Marco? Haben die Dinger sie…?“
Carlos nickte stumm, während er in den Wagen stieg und Martinez schluckte kurz. Er kannte Marco schon länger als Carlos, hatte ihn als Jugendlicher auf der Straße kennengelernt und wäre ohne ihn wahrscheinlich vor die Hunde gegangen. Marco zog ihn aus der Scheiße, brachte ihn von den Drogen weg und brachte ihm bei, seinen gesunden Menschenverstand zu benutzen und wie man überlebte.
Als Marco von Carlos als Geschäftspartner aufgenommen wurde, schlug er Martinez als neuen Geschäftspartner vor und holte ihn damit von der Straße weg. Carlos erkannte ausgerechnet in dem jungen Martinez Potenzial und förderte ihn, ließ ihn von Privatlehrern unterrichten und finanzierte seine Ausbildung. Warum er sich ausgerechnet für Martinez entschieden hatte, blieb Carlos‘ Geheimnis. Möglicherweise erkannte er etwas in dem Jungen, das sonst keiner erkannte.
Mit der Zeit stieg Martinez in der Struktur auf. Seine Ausbildung verhalf ihm dazu, dass Carlos ihm nach und nach mit Verwaltungsaufgaben betreute, während Marco zu Carlos‘ Begleiter wurde. Sie waren zwei Jungs von der Straße, die sich in einer Mafiastruktur nach oben arbeiteten. Beide auf ihre Art und Weise und beide anders, als man erwartet hätte. Ohne Marco wäre Martinez heute tot, oder ein Drogenwrack. Marco war tot. Martinez trauerte um einen Freund.

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