Donnerstag, 21. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 42

Untot - Band 2 - Kapitel 42
Mit dem Einstieg in Carlos‘ Wagen öffnete sich für Juan eine neue Welt. Der Wagen war nicht übermäßig groß, bat aber hinten Platz für vier bis sechs Personen. Maria nahm neben Carlos Platz und Juan teilte sich seine Sitzbank mit Carmen und Antonio. Martinez hatte den Wagen gut vorbereitet und neben Essen standen auch gekühlte Getränke bereit. Juan kam sich vor wie in einem Film.
Gierig verspeiste er die angebotenen Häppchen, spülte sie mit einem Glas Sekt hinunter und staunte nicht schlecht, als sich ein Fernseher von oben löste. Ein Nachrichtensender erschien und ein aufgeregt wirkender Sprecher verlas offizielle Verlautbarungen der Regierung zum Umgang mit der Seuche. Dabei war explizit die Rede von Infizierten. Eine Landkarte Mexikos wurde eingeblendet und anhand eines Farbenschemas die Grade der Infektion dargestellt.
Schwarze Gebiete waren aufgegeben und wahrscheinlich menschenleer, dunkelrote Gebiete überrannt, aber noch von Militäreinheiten umkämpft, rote Gebiete umkämpft und hellrote Gebiete wiesen vereinzelte Infektionsherde auf. Grüne Bereiche dagegen waren „sauber“, was hieß, dass dort seit mindestens einer Woche keine Infektion aufgetreten ist. Fast der komplette Norden war noch grün, während der Süden Mexikos ein schwarzer Fleck war.
Juan wurde übel bei dem Gedanken, dass der komplette Süden des Landes verloren war… Die Gegend um Guadalajara wurde dunkelrot dargestellt, Zacatecas war hellrot. Was lag nach der Straßensperre, durch die sie gekommen waren? Was wäre, wenn diese nicht mehr zu halten sein würde? Wenn die Infizierten weiter nach Norden vorstoßen? Wer sollte sie noch aufhalten? Der Nachrichtensender hatte wohl ähnliche Fragen, denn der Sprecher kündigte als Gast General Leonardo Gonzáles García von der mexikanischen Luftwaffe an.
„General Garcia, wir haben besorgniserregende Bilder aus dem Süden Mexikos gesehen. Viele Städte gleichen Geisterstädten, die Bevölkerung ist auf der Flucht und es scheint, als wären die Untoten nicht aufzuhalten. Was unternimmt das mexikanische Militär, um die Zivilbevölkerung vor dieser Bedrohung zu beschützen?“
„Die mexikanische Luftwaffe fliegt unermüdlich Angriffe in dem infizierten Gebiet und unterstützt unsere tapferen Kämpfer am Boden. Wir werden keinen Meter zurückweichen und nicht einen weiteren Meter mexikanischen Bodens an die Infizierten opfern.“
„Man spricht davon, dass im Süden Eindämmungsversuche fehlgeschlagen sind, tausende Menschen durch die Kontrollen schlüpfen konnten und darunter viele Infizierte.“
„Das sind unbestätigte Gerüchte. Die Zivilbevölkerung verhält sich kooperativ und schenkt den Anweisungen der Behörden Gehör. Wir können mit Sicherheit sagen, dass entsprechende Berichte dem Bereich der Phantasie zuzuordnen sind. Ja, es wurden Fehler gemacht und ja, wir haben die Bedrohung lange Zeit unterschätzt. Aber jetzt schlagen wir zurück. Jetzt sind wir dabei, den Krieg für uns zu entscheiden. Für Mexiko.“
„Wir haben hier ein Video, das vor ein paar Stunden an einem ihrer Checkpoints an der südlichen Verteidigungslinie aufgenommen wurde. Möglicherweise möchten sie die Szenen in dem Video kommentieren. Beitrag einspielen.“
Es wurde das Video eines Checkpoints eingespielt, der dem südlich von Zacatecas nicht ganz unähnlich war. Mit dem Unterschied, dass hunderte Menschen auf den Eingang zuströmten, nur kurz dahinter langsam aber bestimmt dahin wankende Gestalten, die sich der Ansammlung näherten. Wie aus dem Nichts schien die Situation zu eskalieren. Es begann mit einem Soldaten, der einen Warnschuss abgegeben hatte, was mit einem Schuss aus der Menge beantwortet wurde.
Der Soldat presste sich die Hand an den Hals und brach zusammen. Eine Schrecksekunde später strömten die Menschen über die Absperrungen hinweg. Einige Soldaten eröffneten das Feuer und wurden ihrerseits von Zivilisten beschossen. Unschuldige gingen zu Boden, Frauen, Kinder und Alte. Andere Soldaten legten die Waffen nieder und schlossen sich den Flüchtenden an, andere hielten die Stellung, feuerten aber nicht auf die Zivilisten.
Kurze Zeit später strömten die Menschen hinter der Absperrung zu den Bussen und LKWs und versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Die zurückgebliebenen Soldaten eröffneten das Feuer auf die vorrückenden Untoten, konnten der Masse aber nicht lange etwas entgegensetzen. Viele verloren die Nerven, liefen einfach davon. Andere brachen weinend zusammen, andere erlösten sich mit ihrer eigenen Waffe, bevor sie von den anrückenden Horden zerrissen würden.
Die Situation war völlig außer Kontrolle. Aus gepanzerten Fahrzeugen wurde noch auf die Angreifer gefeuert, aufgrund der Streuwirkung verfehlten die meisten Schüsse aber die Köpfe, bzw. vermochten nicht das Gehirn zu zerstören und konnten sie die Reihen der Untoten nicht merklich lichten. Kampfhubschrauber kamen ins Bild und feuerten ihre Raketen in die angreifenden Massen. Kampfbomber warfen Brandbomben in die Menge, aber trotz aller Bemühungen schien die Masse eher zu- als abzunehmen.
Die Kamera wurde von dem unbekannten Kameramann hochgenommen. Das Bild wurde schief und verschwand am Ende. Der Bildschirm war schwarz. Eine Karte wurde eingeblendet und auf der Karte eine Stelle markiert. Die Karte zoomte leicht heraus und zeigte, dass die Stelle ungefähr 30 KM südlich von San Luis lag. Unter der Karte wurde das heutige Datum und eine Uhrzeit, die auf frühen Nachmittag hindeutete eingeblendet. Der Sprecher ergriff wieder das Wort.
„Heute Nachmittag wurde begonnen, San Luis zu evakuieren. Möglicherweise zu spät. General Garcia, würden sie mit mir übereinstimmen, dass das mexikanische Militär dabei versagt, ihre eigene Bevölkerung vor dieser Bedrohung zu beschützen?“
„Woher haben sie das Video? Dieses Video war nicht freigegeben. Ich fordere sie hiermit auf, das Video sofort den Behörden zu übergeben. Sie sind verpflichtet unseren Anweisungen Folge zu leisten.“
„Vielen Dank für ihren Besuch bei uns im Studio. Ich habe keine weiteren Fragen.“

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