Freitag, 22. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 43

Untot - Band 2 - Kapitel 43
Bestürzt starrten sie auf den Fernseher, während weitere Berichte über Ausbrüche im Norden gezeigt wurden, die laut Sprecher aber schnell eingedämmt werden konnten. Sorgen machte Juan aber der Bericht über den Checkpoint südlich von San Luis, der vom Aufbau her dem Checkpoint nicht unähnlich war, durch den sie gekommen waren. Ob es dort auch so abgelaufen war? Juan wollte nicht daran denken, was aus den Familien geworden war, aus den anderen Leuten, mit denen sie stundenlang im Stau festgesessen hatten.
Es war auch erschreckend, wie nutzlos modernes Kriegsgerät gegen diese Monster ist. All die Waffen, gebaut um Menschen zu töten, zu verletzen und zu verstümmeln… sie alle versagen gegen diese Plage. All die Taktiken, all die Strategien, die erdacht wurden, um gegen einen menschlichen Feind zu kämpfen sind nutzlos im Kampf gegen die lebenden Toten. Die lebenden Toten scheren sich nicht um Kriegsführung, benötigen keinen Nachschub und keine Verpflegung.
Sie kennen keine Motivation und weichen nie zurück. Sie befolgen keine Befehle und ihre Befehlskette lässt sich auch nicht unterbrechen. Sie werden nur von der Gier nach menschlichem Fleisch angetrieben. Wie Maschinen. Unerbittliche Maschinen ohne Moral und ohne Verstand, nur ihren Instinkten folgend und mit Sinnen ausgestattet, die denen von Menschen offensichtlich in manchen Belangen überlegen waren.
Eine Kamera zeigte Bilder von San Luis. Einwohner wurden eilig evakuiert. Der Sprecher berichtete davon, dass die Bewohner in Busse verfrachtet wurden, um ein Verkehrschaos, wie bei vorhergehenden Evakuierungen zu vermeiden. Gezeigt wurden Menschenmassen, die verzweifelt auf die Ankunft eines Busses oder irgendwas warteten, während im Hintergrund bereits Kampfgeräusche zu hören waren.
Es wurde auf einen Hubschrauber umgeschaltet, der ein Luftbild von San Luis lieferte. Zu sehen waren gepanzerte Fahrzeuge, die sich zurückzogen und dabei auf die anrückenden Zombiehorden feuerten. Kopftreffer gelangen dabei offensichtlich weniger, die Masse wurde kaum kleiner und folgte den sich zurückziehenden Fahrzeugen. Dass die sich auf die Stadt zubewegten und damit die Zombies geradewegs hin auf die Menschen zuführten, konnte aber nicht im Sinne der Militärführung gewesen sein.
Der Bericht wurde abgebrochen mit dem Hinweis, dass der Hubschrauber abdrehen musste, weil die mexikanische Luftwaffe gedroht hatte, ihn andernfalls abzuschießen. Auch aus San Luis konnte kein weiteres Material mehr gesendet werden und man mit dem Herzen bei den Menschen in San Luis sei. Ein neuer Bericht zeigte die Grenze zu den USA, an der unangekündigt begonnen wurde, eine Mauer zu errichten. Offiziell wurde dies als Maßnahme gegen den Drogenkrieg begründet, obwohl der Drogenhandel die letzten Wochen stetig zurückgegangen war.
Ein Regierungssprecher der USA wollte sich dazu nicht weiter äußern und verwies auf das Selbstbestimmungsrecht der USA, wie es seine Grenzen zu sichern gedachte. Mexiko betrachtete dies als Affront und wies darauf hin, dass darunter auch der grenzübergreifende Handel leiden würde und Mexiko derzeit mehr denn je auf Lieferungen aus den USA angewiesen sei. Eine bei der UN eingereichte Petition wurde aber angesichts der weltweiten katastrophalen Ereignisse als wenig aussichtsreich angesehen.
Auch die von Mexiko angeforderte Unterstützung durch UN-Truppen versandete angesichts dessen, dass die meisten Staaten begannen, die Armee zur Eindämmung im eigenen Land einzusetzen. Mexiko war auf sich allein gestellt und musste sich selber wieder aus dem Dreck ziehen war das abschließende Resümee des Sprechers und betonte, wie stolz er sei, aus dieser glorreichen Nation zu stammen. Viva la México!
Carlos war der erste, der die Stille im Auto durchbrach.
„Schöne Scheiße, was? Ich hätte nicht gedacht, dass wir so sehr am Arsch sind.“
„Aber wir können das doch aufhalten. Diese Zombiedinger da.“ Juan sah Carlos fragend an.
„Ich weiß es nicht. Ich bin kein Militär, aber du hast ja gesehen, was unsere Waffen dagegen ausrichten. Natürlich wird es gelingen, sie an einigen Orten aufzuhalten, aber nicht überall. Dazu kommen noch die vielen Infizierten, die heute durch Checkpoints quer über das Land kamen und die Seuche an andere weitergeben. Also selbst, wenn die Untoten aufgehalten werden können, wird das Problem im Hinterland weiter zunehmen. Martinez?“
Martinez drehte sich nach hinten.
„Was gibt’s Carlos?“
„Wurde Ciudad Juárez abgeriegelt?“
„Was meinst du mit abgeriegelt?“
„Habt ihr dafür Sorge getragen, dass da keiner rein kommt?“
„Nein, natürlich nicht. Wir kontrollieren die Straße, wir greifen bei Problemen ein, aber wir haben bisher nicht daran gedacht, die ganze Stadt abzuriegeln.“
„Dann wird’s jetzt Zeit. Durch die Flüchtlinge wird sich die Infektion im Norden rasant ausbreiten. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Stadtgrenzen gesichert werden. Wir müssen Quarantänecamps einrichten und wir brauchen Hunde. Hunde können es spüren, wenn man die Infektion in sich trägt. Ich weiß nicht, in welchem Stadium, aber sie spüren es. Ich muss mich mit einigen Leuten treffen. Martinez, ich will, dass du ein Treffen arrangierst.“
„Kein Problem. Sonst noch etwas?“
„Wir brauchen Nahrungsmittel. Viele Nahrungsmittel. Für uns und für die Stadt. Und wir brauchen Waffen. Waffen und Munition. Wir müssen Leute rekrutieren. Und wir müssen Evakuierungszonen bilden, wenn die Stadt nicht mehr zu halten ist.“
„Sonst noch was?“
„Ja. Wir sollten anfangen zu beten.“

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