Samstag, 23. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 44

Untot - Band 2 - Kapitel 44
Juan war während der mehrstündigen Fahrt eingeschlafen. Zuletzt war Carlos damit beschäftigt, Telefonate zu führen und über seltsame Codewörter Anweisungen zu verteilen. Juan verstand kein Wort und nach ein paar Minuten übermannte ihn die Müdigkeit und er fiel in einen unruhigen Schlaf, bis er schließlich unsanft aus seinem Schlaf gerissen wurde.
Er blinzelte kurz und sah einen muskulösen Mann, Typ Halbaffe, der an ihm rüttelte. Der Mann war zu ihm heruntergebeugt und Juan konnte unter seinem Jackett eine Waffe erkennen. Erschrocken setzte er sich auf.
„Was… was…?“
„Los, aufstehen. Der Boss hat gesagt, ich soll dich ins Haus bringen, bevor du die ganze Nacht im Auto verbringst.“
„Der Boss? Carlos?“
Der Halbaffe nickte kurz und wartete darauf, dass Juan aus dem Auto stieg. Draußen war es noch dunkel, aber die Morgendämmerung stand kurz bevor. Juan konnte bereits die ersten Strahlen der Sonne am Horizont erkennen, die es aber noch schwer hatten, gegen die Dunkelheit anzukämpfen. Doch auch ohne Sonne konnte er erkennen, dass der Wagen vor einem Haus mit riesigem Garten stand. Eine hohe Mauer umgab das Grundstück und Juan konnte noch mindestens zwei Nebengebäude entdecken.
Das Haus war eher ein Palast. Eine große Marmortreppe führte zum Eingang und war von Säulen gesäumt, die den darüber hängenden Balkon in der Luft hielten. Eine große schwer aussehende Tür stand halb offen da und Licht drang aus dem Inneren nach außen. An den Seiten waren große Fenster, die tagsüber den Räumen mit Sicherheit eine angenehme Helligkeit spendeten.
Juan war tief beeindruckt. Solche Häuser hatte er bisher nur auf MTV als Behausung von Rockstars gesehen. Hinter dem Haus lag mit Sicherheit der Pool und eine Garage mit kostspieligen Autos würde es sicher auch geben. Juan wollte nach seinem Sack greifen, griff aber ins Leere. Er sah sich daraufhin im Wagen um, konnte aber nichts entdecken. Für einen kurzen Moment brandete in ihm Panik auf, bis er begriff, dass er den Sack hier nicht mehr benötigen würde.
„Wird’s bald? Ich hab nicht den ganzen Morgen Zeit.“
„Entschuldigung, ich war nur so… so beeindruckt.“
„Das sind die meisten. Los jetzt, komm mit.“
Juan stieg aus und ging an dem Halbaffen vorbei auf die Stufen des Hauses.
„Hey, wo willst du hin?“
„Hinein. Du sagtest doch…“ Der Halbaffe unterbrach ihn unwirsch.
„Ich sagte, du sollst mir folgen. Also runter da und mir nach.“
„Und wohin?“
„Das wirst du schon sehen.“
Juan folgte dem Mann. Ihr Weg führte weg von den Stufen, die das Glück verhießen und führte stattdessen zu einem der Nebengebäude. Das Gebäude war grösser als Juans bisherige Behausungen, von außen sauber und auch sonst ganz schön, aber weit von dem Prunk des Hauptgebäudes entfernt. In Juan machte sich etwas Enttäuschung breit. Enttäuschung darüber, dass man ihm das Paradies gezeigt hatte, es ihm aber im letzten Moment verwehrt blieb.
Der Halbaffe ging zur Tür und hielt sie für Juan auf. Die Tür führte in ein großes Zimmer, in dem neben drei gemütlichen Sofas ein Fernseher, ein paar Schränke, Tische und Stühle standen. Am Ende des Zimmers war eine kleine Küche.
„Das hier ist unser Wohnraum. Wenn du Hunger hast, fühl dich frei und hol dir was aus dem Kühlschrank. Wenn du Durst hast, findest du was hinter der Tür da.“ Sein Finger wanderte in Richtung einer Tür neben der Küche.
„Komm weiter jetzt. Ich zeig dir dein Zimmer.“
Juan trottete weiter dem Halbaffen hinterher, der eine Tür öffnete, die in einen Flur mündete. Sie gingen über eine Treppe nach oben und dort bis an das Ende des Flurs.
„Das hier ist dein Zimmer. WC und Dusche sind im Zimmer. Der Boss hat dir ein paar Anziehsachen raufbringen lassen. Schau mal, was dir passt. Du kannst dich jetzt saubermachen und noch etwas hinlegen. Gegen Mittag rum schau ich nochmal nach dir. Hast du noch Fragen, oder brauchst du noch was?“
„Ja… wann seh ich Carlos und Maria und die Kinder?“
„Wenn es der Boss will. Gute Nacht.“
Damit verließ er Juan und ließ ihn an der Tür stehen. Juan öffnete die Tür und fand ein mittelgroßes Zimmer vor, in dem ein gemütlich wirkendes Bett stand, sowie ein kleines Sofa, eine Kommode, darauf ein kleiner etwas älterer TV und ein Schrank. Im Schrank hingen ein paar Anzüge, sowie Freizeitkleidung in Juans Größe. Juans Müdigkeit war verflogen und so beschloss er eine Dusche zu nehmen und später ein paar Kleinigkeiten aus dem Kühlschrank zu besorgen.
Im Badezimmer fand er Seife, Handtücher und Rasierutensilien vor. Eine Rasur würde sicher gut tun, fing das Kinn doch schon langsam zu jucken an. Juan betrat die Dusche und drehte das Wasser voll auf und verbrühte sich fast am heißen Wasser. Schnell gab er kaltes Wasser bei und erfreute sich an der ersten heißen Dusche seit Jahren. Das Wasser perlte an ihm herab und vermischte sich mit dem Schaum der Seife, tropfte auf den Boden und lief in den Ausguss der Dusche.
Als er den Schaum abgespült hatte, blieb er noch ein paar Minuten unter dem fließenden Wasser, genoss es, wie es an ihm herunterlief und spülte damit die Ereignisse der letzten Tage von sich. Zumindest für den Moment. Nachdem der Bart ab war, fischte er sich aus dem Schrank einen bequemen, aber trotzdem durchaus ansprechenden Anzug in hellen Farben, streifte ihn sich über und setzte sich kurz aufs Bett, legte den Kopf in die Hände und ließ die letzten Tage Revue passieren. In etwas mehr als einer Woche hatte sich sein Leben und die Welt da draußen komplett verändert. Halb Mexiko ist vor die Hunde gegangen und das Militär wirkt so, als würde es der Bedrohung hilflos gegenüber stehen.

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