Samstag, 30. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 51

Untot - Band 2 - Kapitel 51
Carlos war über die Karten gebeugt und deutete auf einen Platz westlich von Juárez. General Montoya stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch und nickte stumm.
„Bis wann glauben sie können sie dort die Menschen versammeln?“
„Wir werden zwei Tage benötigen. Wir haben alles organisiert, was fahren kann und werden alle Flüchtlinge heranschaffen, derer wir habhaft werden können. Ihr Plan wird funktionieren?“
„Mein lieber General… die besten Männer aus allen Kartellen arbeiten zusammen, um dieses Unternehmen zum Erfolg zu führen. Es ist essenziell, dass wir schnell vorgehen. Wie sieht es mit der Luftwaffe aus?“
„Wir haben alle Maschinen hier, die nicht versucht haben, sich abzusetzen, alles in allem etwa 40 Kampfjets und 25 Hubschrauber, darunter einige umgerüstete Transporthubschrauber.“
„Weniger als erwartet. Wie sieht es mit Bodentruppen aus?“
„Fast keine Artillerie, zweihundert Kampfpanzer,  ca. zweihundert Transportpanzer und um die 20.000 Mann.“
„Das ist nicht viel.“
„Das ist alles, was wir abziehen konnten, ohne die Flüchtlinge zu gefährden. Ohne die Kämpfe würden die Untoten zu schnell vorrücken. Außerdem wollen wir eine stabile Front im Westen zwischen Puerta Penasco und Sonoita etablieren, um dort die Flüchtlinge aus dem Westen aufzunehmen. Auch dafür werden Männer benötigt und natürlich für die Operation im Osten.“
„Ich verstehe.“
„Wie weit sind ihre Männer, Senor Cazzares?“
„Die Einsatzziele wurden erreicht, die Vorbereitungen größtenteils abgeschlossen. Wir haben noch einige Baustellen, aber sind guter Dinge diese bis spätestens morgen abgeschlossen zu haben.“
„Gut. Bis wann können sie die Stadt evakuieren?“
„Wir werden morgen die Leute vorbereiten und sofort nach Beginn der Operation die Menschen in Bewegung setzen. Wir müssen unbedingt sicherstellen, dass nichts davon nach außen dringt.“
„Keine Sorge. Die Truppenkonzentration erscheint für Außenstehende als notwendige Maßnahme. Die Flughäfen im Süden sind überrannt, die ständigen Starts und Landungen Routine.“
„Gibt es von amerikanischer Seite ein Einlenken? Wird man uns mit Hilfslieferungen oder militärisch unterstützen?“
„Immer noch negativ. Der amerikanische Botschafter und das Botschaftspersonal wurden schon vor längerem abgezogen. Auf offizielle Anfragen erhalten wir nicht einmal mehr eine Reaktion. Scheinbar wollen sie uns hier verrecken lassen.“
„Gut. Dann werden wir morgen die Einwohner informieren. Heute ist der 19. März, wir starten am 21. März um Punkt Mittag die Aktion. Punkt 12.05 werden ihre Flieger die ersten Angriffe fliegen und um 12.15 beginnt der Durchbruch. Ab 12.30 setzen sie den Marsch in Bewegung und ab 13.00 beginnen wir mit der Evakuierung der Stadt und schließen uns ihnen an.“
„Sehr gut. Wir bleiben über Funk in Kontakt. Sie wissen sicherlich, dass zehn-, oder hunderttausende von Menschenleben auf dem Spiel stehen? Dass diese Operation für die Zukunft der Bevölkerung unseres Landes essentiell sein wird?“
„Mein lieber General Montoya, selbstverständlich bin ich mir dessen bewusst. Auch mein eigenes Leben hängt davon ab, dass wir diese Operation erfolgreich beenden. Wir wissen, was auf dem Spiel steht.“
„Dann halten sie sich bereit. Einen schönen Tag noch.“
„Einen schönen Tag noch Herr General. Martinez, begleite den Herrn General bitte zu seinem Wagen.“
„Gerne. Hier entlang bitte Herr General.“
Als Martinez die Türe hinter sich schloss, verfinsterte sich Carlos‘ Gesichtsausdruck, während er auf die Karte starrte. Ihr Vorhaben war Wahnsinn, aber gleichzeitig ihre letzte Hoffnung. Nur so würde er auch in Zukunft mit Maria zusammen sein können. Carlos hatte bereits zwei LKWs organisiert, um wenigstens einen Teil seiner Besitztümer zu retten. Außerdem würde ein Subunternehmer eine ganz spezielle Lieferung durchführen, um Carlos auch zukünftig einen gewissen Lebensstandard zu ermöglichen.
Carlos stand auf und sah aus dem Fenster. Draußen verabschiedete sich gerade der General von Martinez, stieg in seinen Wagen und ließ sich aus der Stadt chauffieren. Wahrscheinlich zum letzten mal. Carlos sah dem Wagen nach und als sich das Tor hinter ihm schloss, rief er seine Männer zu sich, um mit diesen das weitere Vorgehen zu besprechen.

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