Sonntag, 29. Mai 2011

Aufbruchsstimmung

Die letzten Stunden brechen an. Morgen früh geht's heimwärts und wir lassen dieses nette und gastfreundliche Land wieder hinter uns. Fünf Stunden dauert die Fahrt ungefähr, für 450 KM. Die Aussicht darauf kast mich grad a bisserl an, mehr als der Aufbruch an sich. So eine Woche reicht dann auch irgendwie schon wieder.

Die Indoor-Sachen haben sich die letzten zwei Tage so a bisserl zum Bumerang entwickelt, weil Sohnemann dadurch keinen Bedarf mehr hatte, den Hotelbereich zu verlassen. Keinen Bedarf und vor allem: keinen Bock. Entsprechend war's mir und meiner Frau dann auch a bisserl fad. Immerhin hab ich endlich Zeit gefunden, mit Frank Schätzings "Der Schwarm" zu beginnen. Also ich will ja keine, ähm... "Kollegen" dissen, aber manchmal holt mir Frank etwas zu weit aus, beschreibt z. B. zwischenmenschliche Gefühle, die für mich die Geschichte nicht weiterbringen. *hüstel*

Auch dauert's schon a bisserl, bis es endlich los geht, aber jetzt, wo es losgeht, geht's richtig los. Ne, doch, alles in allem nach 200+ Seiten kann ich dem Schwarm schon attestieren, dass die Geschichte fesselt. Ich muss auch dazusagen, dass ich die Geschichte ganz anders les, als ich das noch vor einem halben Jahr gemacht hab. Ganz offensichtlich hat der Frank ordentlich recherchiert, nennt sehr viele Details, die ich mir sparen würde und geht sehr stark auf Orte ein, die ich als nicht relevant betrachten würde. Für mich wär das nichts. Ich fokussier mich dann doch eher auf die Geschichte an sich und recherchiere Details nur dann, wenn sie mir für die Geschichte dienlich erscheinen. Dafür sind meine Geschichten auch nur einen Bruchteil so lang. Naja.

Zurück zum Thema. Für das nächste mal würd ich mir überlegen, ob ich nochmal sieben Tage buchen würde. Fünf Tage würden eigentlich auch reichen. Zudem würde ich das nächste mal ein grösseres Zimmer, respektive Doppelzimmer, nehmen. Mit Sohnemann das Zimmer zu teilen, schränkt die Möglichkeiten zur Abendgestaltung auf dem Zimmer dann doch etwas ein. Gut, dass ich den Laptop und Kopfhörer dabei hatte.

Außerdem würd ich mir echt überlegen, das nächste mal meine Mutter als Babysitter mitzunehmen. Oder allein zu fahren. Dann könnten wir tagsüber die Gegend erkunden, während Omi mit Sohnemann die Karussells unsicher macht, während wir des Abends in die zahlreichen Clubs und Kneipen entfleuchen und uns dem tschechischen Bier hingeben könnten.

Besonderes "fies" war ja das einströmende Partyvolk bei der zum Komplex gehörenden Disko, pardon Music Club,  zu sehen, während man selber zum schlafen auf's Zimmer marschiert. Nunja, die Freuden des Elternseins. Aber ein Lächeln entschädigt ja bekanntlich für vieles. Auch manchmal dafür, spätestens um neun auf dem Zimmer zu sein.

Auch interessant wär es, das ganze mit ein paar Kumpels zu wiederholen. Das ganze hier würde sich für eine bierselige Unternehmungen geradezu anbieten. Mal schaun.

Spannende Bilder hab ich heute nicht, deshalb gibt's nochmal Flausch. Flausch am Sonntag, quasi. Neben dem schon bekannten Hoteleichhörnchen präsentiere ich das Hotelkaninchen und noch ein Erdmännchen vom Zoobesuch diese Woche. Das Erdmännchenfutter (rechts unten noch erkennbar) ist nicht ganz so flauschig.




Sofern die Fahrt morgen ereignislos verläuft, und davon geh ich jetzt mal aus, war's das jetzt mit dem Reiseblog. Danke für euere Aufmerksamkeit, die nächsten Tage wird's wieder ruhiger. Ich muss endlich Band 2 fertig korrigieren.

Samstag, 28. Mai 2011

Nichts neues im Osten - dafür Flausch am Samstag

Heute war nochmal Indoortag angesagt. Aus dem Grund will ich gar nicht viel Worte verlieren, außer vielleicht noch kurz über den Sozialkrüppel, dem beim Frühstücksbuffet das Messer auf den Boden gefallen ist und dann anschließend das schmutzige Messer einfach zurückgelegt und sich ein neues geholt hat.

Vor allem: wirft mir erst noch diesen "Ach, ich Dussel"-Blick mit gequältem Grinsen zu, nur um danach das Messer echt wieder in das Messer-Fach zu legen. Dieser Arschsozialkrüppel, dieser elendige.

Naja, wie auch immer... In Anlehnung an einen sehr bekannten anderen Blog gibt's bei mir heut dafür Flausch am Samstag, mit einem der beiden Hotel-Eichhörnchen. Nicht-Bayern sprechen mir jetzt bitte nach: Oachkatzalschwoaf. Oach - katzal - schwoaf. Das "katzal" wird schnell ausgesprochen.

Das Wort gebraucht in Bayern im normalen Sprachgebrauch praktisch kein Mensch und wird in der Regel nur benutzt, um Touristen und Auswärtige zu verarschen.  Ich mein... wie oft spricht man schon über den Schweif eines Eichhörnchens? 

Die Eichhörnchen selbst haben wir heute das erste mal gesehen, bisher waren die immer schon schlafen, als wir beim Käfig waren. Heute hatten wir Glück und konnten die Nager beim Frühstück und anschließendem ausruhen beobachten.


Na kommt schon, wer das nicht süss findet, hat definitiv zuviel Conker gespielt.

Freitag, 27. Mai 2011

Von Indooraktivitäten an verregneten Tagen

Ja, wie angekündigt, hat ein Gewitter heute Nacht über Liberec gewütet und Tod und Verderben... nein, falscher Text. Das Gewitter war relativ schnell vorbei und so richtig abgekühlt hat's eigentlich auch nicht. Es war nur den ganzen Tag bewölkt und seit einiger Zeit regnet's, was dann doch noch die Temperaturen etwas... Ach, egal. Wen das Wetter interessiert, kann ja auf wetter-online schauen.

Auf jeden Fall haben wir heute den ganzen Tag die Indooraktivitäten in Anspruch genommen und ich mich nochmal etwas intensiver den Spielautomaten gewidmet. 

Begonnen hab ich mit Area 51. Mit Virtua Cop zogen ja ungefähr zeitgleich die Polygone ins Genre ein und deklassierten Area 51 bereits bei erscheinen. Wenn ich mich recht erinnere. Naja, was soll ich sagen? Irgendwie schaut der auch heute noch ganz brauchbar aus. Teilweis a bisserl pixelig und etwas starre Animationen mit wenig Animationsstufen, aber trotzdem irgendwie ganz brauchbar.


Abgehakt und weiter in die Katakomben.


Wer den Automaten auf der linken Seite erkennt, gewinnt ein Zuckerl. Hier nochmal in groß. 


Danach weiter nach rechts und da hinten gab's dann Propcycle. 



An sich ganz witzig. Man steuert ein Fluggerät, dass über Pedale, die an dem Automaten angebracht sind, beschleunigt wird. Über das Lenkrad... den Steuerknüppel... ach, was auch immer, lenkt man das Gefährt durch die Luft und lässt es durch Zug nach hinten an Höhe gewinnen. An sich schön, aber... die Grafik... nun gut, die schaut nicht sooo übel aus, aber der Automat gibt das Farbsignal falsch wieder. Man erkennt's vielleicht an dem Bild. Des weiteren will das Scheißding nicht nach oben gehen, egal wie stark ich an dem Ding da zieh. Schade, weil an sich witzig. 

Dann lieber ein paar Meter weiter zur Offroad Challenge. Der Monitor hat keine Grafikfehler und die Grafik selbst schaut auch hier gar nicht mal sooo übel aus. Frühe PS2 würd ich sagen. Aber die Steuerung... scheint direkt aus der Hölle zu kommen. Achja, das Spiel ist wohl ein Nachfolger des legendären Super Off-Road, welches damals zu dritt oder viert an einem Automaten gespielt werden konnte. Die Amiga-Umsetzung fand ich seinerzeit auch ganz brauchbar.


Ein paar Runden war's trotzdem unterhaltsam, dann hat's aber irgendwann gereicht, als ich trotz besserer Rundenzeiten, bzw. höherer Durchschnittgeschwindigkeit immer weiter abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landete. Einmal umgedreht, dann das:


Das liegt nicht an der Kamera, der Monitor hatte so einen Blaustich. Zudem sah das Spiel auch noch furchtbar langweilig aus. Ein Titel wurde nicht eingeblendet, oder ich hab's nicht lang genug davor ausgehalten. Wer weiß das schon so genau. 

Dann lieber weiter zu diesem Wave Race-Verschnitt von Konami, dessen Name mit entfallen ist und der aufgrund meiner Fotografier-Künste auch auf dem Bild fehlt. 


Jetzt ist es natürlich fies, das Spiel als "Wave Race"-Verschnitt zu bezeichnen. Den Texturen nach ist es nämlich schon mindestens fünf Jahre vor Wave Race erschienen, oder eine eins zu eins-Konvertierung für die Arcade. Mein Augenarzt rät mir, mich abzuwenden. Dummerweise wende ich mich dem hier zu:


Den Namen hab ich schon wieder vergessen, war irgendein Offroad-Spiel von Jaleco oder Galeco und die komischen Farben liegen nicht an meiner Kamera. Defekter Monitor und so. Die Steuerung über Joystick empfand ich als unspielbar.

Beim nächsten Automaten funktioniert zumindest der Monitor. Also einer von zwei. 


Vom Lenkrad kann ich das leider nicht behaupten, ich hab den scheiß Panzer einfach nicht unter Kontrolle bekommen. Achja, Tokio Wars heißt das Ding und würd eigentlich noch ganz gut ausschauen, ist aber im Prinzip eine Art Team-Deathmatch mit Panzern für die Spielhalle.

Also weitergestromert. Die unzähligen Primal Rage-Automaten hab ich mir gespart und bin statt dessen zu dem hier. 


Hab ich noch nie in meinem Leben gesehen. Glaub ich. Ach was, bin ich mir sicher. Sachdienliche Hinweise... 

Langsam wurd's mir etwas warm. Zeit für Abkühlung. Also auf die Loipe und auf dem Snowboard runtergefetzt. 


Alpine irgendwas heißt das Kabinett und erschreckt auch hier wieder mit Riesenpixelpracht. Alpine Snowboard Challenge? Ach, blöder Fotograf. Da muss ich mich noch abreagieren. 

Das funktioniert natürlich am besten mit dem bösesten Spiel aller Zeiten. Dem Inbegriff des gewalttätigen Videospiels, dem Urvater des digitalen Gemetzels, dem Automaten, der hier auch von fünfjährigen bespielt werden kann, wenn sie zum Joystick hochkommen. 


Das Spiel ist so böse, dass ich es nicht wage, den Namen hier öffentlich zu erwähnen. Die GSG9 wartet sicher schon auf ihren Einsatzbefehl und ich will ja wieder nach Deutschland einreisen.

So, das war's dann auch schon. Oh, achja, heute hab ich Gulasch gegessen, böhmisches Gulasch um genau zu sein, um meinen gestrigen Faux Pas aufzuwiegen. War nicht übel, der Speck in den Knödeln (Klöse für meine norddeutschen Leser) hat aber mal wieder den Kaloriengehalt durch die Decke gehen lassen. Zumindest war nichts frittiert. Und wenn ich die Kackbratze erwische, der mit dem Plüschdino von meinem Sohnemann durchgebrannt ist, brech ich seinen Asi-Eltern die Arme. Wegen der Kackbratze musste ich halb Liberec nach einem neuen Plüschdino abgrasen - und hab zum Glück auch einen gefunden. Der Urlaub ist gerettet. Achja, sobald man sich der Innenstadt nähert, schon wieder dieser Frittiergeruch... Ich hätt gern mal eine Statistik über den durschnittlichen Pro Kopf-Verbrauch von Frittierfett in Europa gesehen.

Für Formatierungsfehler möchte ich mich entschuldigen. Mir fehlt gerade die Muse, mich mit der Blogger-Software auseinanderzusetzen, die mir partout die Bilder nicht mehr zentrieren will, oder zwei Zeilen Abstand reinpflanzt, wo im Editor nur eine ist. WYSIWIG? Schön wär's.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Essen wie Gott in Tschechien

Ich hab's getan. Ja, echt jetzt. Ich war im Urlaub bei Burger King. Jaha, Todsünde und so, Ballermann-Niveau und hassenichgesehn. Hintergrund war der, dass ich mal etwas weniger Fett im Essen wollte. Hahaha, aber ernsthaft: im Vergleich zum tschechischen Schnellimbiss ala Klobasa (Wurst, fett triefend) oder Langos (wie Auszogne, nur mit Käse und Ketchup oder Sauerrahm, fett triefend) ist ein Burger mit Pommes schon fast sowas wie Schonkost. Frau war auch ganz froh, dass ihr Salat mit gegrilltem und nicht frittiertem Fleisch war und Junior, nun für den ist das sowieso ein Event, auch wenn's hierzulande keine Kids-Menüs gibt, oder ich die zumindest nicht auf der Karte gefunden hab.

Wir waren da zur Mittagszeit und es war überraschend leer. Die genauen Gründe kenn ich natürlich nicht, aber es könnte evtl. an den Preisen liegen, die durchaus D-Niveau aufweisen und damit für hiesige Geldbeutel durchaus gehoben sein müssten. 

Die hiesige Fauna ließ sich davon aber nicht beeindrucken und so konnten wir ein tolles Exemplar einer... einer... ja, was eigentlich beobachten. Insektenkenner bitte vor, FS? Prinzipiell würd ich auf eine Libelle tippen!


 Nach dem Essen ging's zum Einkaufen. Der hiesige C & A führt im Prinzip die gleiche Kollektion wie in Deutschland, sogar die EUR-Preise sind aufgedruckt - und ca. 10 - 20 % unter den tschechischen Preisen. Keine Schnäppchenzeit also bei C & A. Dafür ist mir das Shirt hier aufgefallen. Hab ich das nicht schon vor Jahren im Maniac-Forum zum Anlass eines Forentreffen gesehen? War das nicht von Bimon? Oder FS?

Den Abend haben wir dann nach einem Essen in einem böhmischen Restaurant (paniertes Hühnchenfleisch, frittiert) und griechischer Salat, der dank Feta und Oliven tatsächlich was griechisches hatte, im Lunapark ausklingen lassen. Auf dem Bild sieht man das Karussell.


Morgen soll's regnen, dann mach ich evtl. mal ein paar der versprochenen Bilder von den Arcade-Automaten, auch wenn ich mal davon ausgehe, dass die meisten Leser hier Arcade-Automaten schon mal gesehen haben. Achja, Area 51 steht hier auch rum. Der Lightgun-Shooter. Den hab ich vor... vor... 15 Jahren oder so auf meiner PS1 gespielt. Und eine Laser-Dingens, also in der man mit nem Laser rumrennt. Mangels Mitspielern stell ich mir das aber leicht fad vor. Morgen mehr von der Indoor-Unterhaltungsfront.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Kleiner Maulwurf ganz groß

Wer in seiner Kindheit und vielleicht auch heute noch fleißig die Sendung mit der Maus schaut, kennt auch den kleinen Maulwurf. Während der bei uns eher ein merchandisetechnisches Schattendasein fristet, ist er in Tschechien in den Spielzeuggeschäften omnipräsent, im Gegensatz zu Playmobil oder Spongebob Schwammkopf. Besonders die Dinger mit Sprachmodul hätten's mir angetan.

Apropos Spielzeuggeschäfte: Während man in deutschen Spielzeuggeschäften Spielzeugwaffen eher nur an Fasching vorfindet, gehören hier realistische Miniaturnachbildungen populärer Feuerwaffen zum Dauerrepertoire in den Geschäften. Das sind dann auch die billigen Dinger, die's bei uns auf Volksfesten und Jahrmärkten an den Losständen und den Spielzeugständen gibt.

Heute ging's in den örtlichen Zoo. Was Zoos angeht, bin ich jetzt nicht so der Experte, kenne eigentlich nur den Münchner Zoo so halbwegs gut und hab ganz dunkel noch den Nürnberger und den Straubinger Zoo in Erinnerung. So rein aus der Erinnerung würd ich aber sagen, dass bei den zwei letzteren und in Hellabrunn sowieso, die Tierhaltung etwas argerechter stattfindet.

Die Käfige sind meines Erachtens teilweise recht klein, zumindest das, was man gesehen hat, und der Orang Utan schien geradezu darum zu betteln, dass man ihn von seinem Leid erlösen möge. Andererseits hängen Orang Utans immer irgendwie so komisch depressiv rum. Also mal von den Exemplaren in Hellabrunn ausgehend. Sonst zähl ich eigentlich keine Orang Utans zu meinem Bekanntenkreis. Obwohl... der Wern... JA! DU!

Etwas gutes hat's aber auch. Für die Besucher. Einen Schneetiger auf 10 cm vor sich zu haben ist... beeindruckend. Dass der ununterbrochen an dem Fenster langläuft, weil er sonst nicht viel Platz hat, ist aus seiner Sicht natürlich weniger schön.


Überhaupt  scheinen die Schneetiger die Hauptattraktion dort zu sein. Aber auch anderen Raubtieren steht man nur Zentimeter gegenüber:



Davon mal ab: dem Kleinen hat's gefallen und im Vergleich zum Pilsener Zoo von vor 15 Jahren war das heute ein reines Tierparadies. Der war WIRKLICH trostlos.

Auf dem Nachhauseweg dann noch ein auf den ersten Blick Kuriosum am Straßenrand. Das Kaiser Franz Joseph Bad.

Die Erklärung wird glücklicherweise gleich mitgeliefert:


Das Bad wirkt namentlich wie ein Fremdkörper, fügt sich aber stilistisch gut in die umgebende Villenlandschaft ein, wobei die meisten der Häuser wohl schon bessere Zeiten erlebt haben. Nur wenige sind wirklich renoviert. Achja, der Name. Wenn man weiß, dass Liberec bis zum Ende des ersten Weltkriegs Reichenberg hieß, und zu der Zeit Teil von Deutschland/Österreich war, erscheint der Name nicht mehr ganz so kurios. Trotzdem irgendwie ein Fremdkörper in dieser von komischen Apostrophen erfüllten Stadt.

Diky für euere Aufmerksamkeit und schaltet auch morgen wieder ein, wenn es heißt: noch ein velké Pivo, prosim!

Dienstag, 24. Mai 2011

Mülleimer nach dem nuklearen Fallout

Die vergangenen Wochen bin ich durch das Ödland rund um das ehemalige Washington gezogen, hab hunderte Mutanten und ebenso viele Raider und Söldner auf meinem Streifzug getötet. 
Daneben habe ich Safes geknackt, Munitionskisten geplündert und... jeden Mülleimer nach brauchbaren Gegenständen durchsucht. Diese komischen, verbeulten Dinger, die zu hunderten im Ödland herumstehen.

Seit gestern schon habe ich nun dauernd das Bedürfnis, mein Fadenkreuz auf die hier überall herumstehenden Mülleimer zu richten. Erst war ich verwirrt... Mir fehlte die grüne Markierung, die Anzeige, ob der Abfalleimer leer ist. Den Bruchteil einer Sekunde später der Realitätscheck. Damit war's aber nicht getan. Fast jedes mal, wenn ich so einen dummen Abfalleimer seh, will ich ihn durchsuchen. Nun gut. 

Mal zum Vergleich: 


Verdammte Spielerei...

Über das Mittagessen möchte ich keine weiteren Worte verlieren und hoffe, dass ich dieses kulinarische Verbrechen so schnell wie möglich aus meinem Gedächtnis tilgen kann. Das Abendessen beim "Mexikaner" war dann auch alles, aber nicht mexikanisch. Zumindest nicht das mexikanisch, das ich mir unter mexikanisch vorstelle. Macht aber nix, es war zumindest lecker. 

Lecker ist auch hoffentlich das Gambrinus, das auf mich im Kühlschrank (sprich Minibar) wartet. Hui!

Ansonsten haben wir heute den IQ-Park unsicher gemacht. Der IQ-Park ist so a bisserl Deutsches Museum trifft Wissen macht Ah! Viele Exponate, die ganz einfach Physik und wissenschaftliche Zusammenhänge nahe bringen. Das macht auch Spass, wenn auch bei einem vierjährigen der Lerneffekt nicht so groß ausfällt. Die teilweise rein tschechische Beschreibung der Beispiele war aber auch für mich suboptimal und manche englische Beschreibung hab ich auch nur teilweise verstanden (jaja, Schande über mich). Deutsche Beschreibungen gab's gesammelt am Anfang eines Raums, leider nicht direkt an den Apparaturen. 

Besonders cool war der Tunnel. 


Die rotierenden Wände sorgten für einen ganz besonderen Effekt. Zwei Minuten in diesem Tunnel of Doom waren schlimmer als eine Stunde Medal of Honor für die PS2 zu spielen. Motion Sickness of Death!

Der Spiegeltrick hier ist auch witzig: 


Hier noch ein Blick aus unserem Hotelfenster direkt auf eine idyllische Hinterhofidylle: 


Weiter links wird's a bisserl besser, ein paar Bäume verdecken auch die Sicht auf die dahinter liegende Hauptstraße. Die Fenster sind aber super Schallisoliert.

Oh, ich hab heut auch noch den gestern erwähnten Konsumtempel abgelichtet, mit dem ich den heutigen Tag abschließen möchte:
So, ich widme mich dann mal meinem Gambrinus. Die ersten paar Schluck waren schon vielversprechend. Viele Grüße nach Dschörmäny.

Montag, 23. Mai 2011

Grüße aus der Tschechei

Oder Tschechien, wie es eigentlich korrekt heißt. 18 Jahre Feindbild lassen sich aber nicht so einfach innerhalb von 20 Jahren ablegen, würd mein Opa jetzt sagen, sofern er noch leben würde.

Irgendwie schon interessant, seinerzeit, also zu meiner BW-Zeit, noch grad so der Klassenfeind, die Bedrohung im Osten, die da drüben, Einreise für BW-Angehörige verboten, und heute ein freundliches, offenes Land, integriert in die europäische Union und tatsächlich eine Reise wert, wenn's nicht Sommer, Sonne und Strand sein muss.

Nicht zuletzt deswegen, hab ich mich heute mit meiner Familie für eine Woche im malerischen Liberec (wird laut Navi (das im Auto, nicht die Blauen) "Libere" ausgesprochen) einquartiert und mich erst mal akklimatisiert. Eine Dose Pilsner Urquell in der Minibar ist dafür definitiv zu wenig.

Einige höchst objektive, diskriminierende und verallgemeinendere Beobachtungen: 

Tschechisch ist eine furchtbare Sprache

Gut, das wusste ich schon vorher, aber heute ist es mir wieder mal auf's schmerzlichste bewusst geworden. Zum Glück spricht man mittlerweile mehr englisch, als noch vor einigen (sprich 10+) Jahren. Das erleichtert die Kommunikation. Die Konfiguration meiner Prepaid-Sim für mobiles Internet war aber ein Krampf sondergleichen, auch wenn mir der nette Mensch im Shop die wichtigsten Nummern notiert hat. Bei den anschließenden Konfigurationsmails hab ich aber nur Bahnhof verstanden und hoff jetzt einfach mal, dass das passt, was ich gemacht hab.

Der Tscheche frittiert gerne

Gut, das tu ich auch, aber hier ist selbst der Salatbehälter frittiert. Der eine oder andere mag sich jetzt denken, dass das umweltfreundlich ist und das wär's auch, wenn nicht noch ein Plastikteller die Konstruktion halten würde.

Der Tscheche hat seine ganz eigene Note beim kochen

Ich kann's nur immer wieder feststellen: ausländisches Essen in Tschechien schmeckt anders. Der Texas-Teller, oder was das war, hat nach viel geschmeckt, aber nicht nach Texas. Gut, war genießbar, aber hatte so a bisserl den Bofrost-Gemüsemischung mit Bohnen-Charme.

Das Essen ist preiswert

Ja, doch. Kann ich mich nicht beschweren.

Die tschechischen Innenstädte haben ganz schön aufgeholt

Wann war ich das erste mal in Tschechien? 95 rum? In Pilsen? Ja, könnte so hingehen. Pilsen hat sich uns zu der Zeit zwar nicht mehr so trist, wie aus Erzählungen derer, die noch zur Zeit des eisernen Vorhang "drüben" warn, präsentiert, hatte aber immer noch diesen sozialistischen Arbeitercharme. 2011 ist zumindest in Liberec davon nichts mehr zu bemerken. Die unmittelbare Umgebung des Hotels erstrahlt teilweise noch im Charme von 50 Jahren Fehlplanung, aber ein paar Meter weiter lockt eine attraktive und charmante Innenstadt mit tollen, hellen und freundlichen Einkaufspalästen. Gut, in Prag hat's so vor sieben, acht Jahren auch schon ausgesehen, aber eine ehemalige tschechische Arbeitskollegin hat darauf bestanden, dass Prag nur geografisch zu Tschechien gehört.

Die tschechischen Frauen...

Frau liest mit. Außerdem kann ich keine Pics liefern, womit es ohnehin nie happened. Oder so.

Die tschechischen Autobahnen sind leer

Ok, rund um Prag steppt der Bär auf den tschechischen Autobahnen, aber sobald man ein paar Kilometer fährt, sind die Straßen leer, und die Autobahn gehört wieder mir. Die Straße selbst ist auch meist in gutem Zustand und irgendwie ist das durchgehende 130 auch entspannend. Ich hätt mir heute einen Tempomaten gewünscht.

Unser Hotel ist supi

Aquapark, Lunapark und IQ-Park sind im Preis inbegriffen, die Zimmer sauber und zum Essen selbst, kann ich nix sagen, weil wir heut auswärts gegessen haben. Der Mexikaner (haha, mexikanisch...) im Haus soll aber ganz lecker sein. Außerdem hat das Hotel so ein gewisses Ambiente:


Im Interjargon würde man sagen: I like! 


Irgendjemand hat hier Musikgeschmack 

Im Bereich unseres Hotels ist mir heute schon der eine oder andere gute Song untergekommen. Ich weiß nicht, ob dafür ein hausinterner DJ oder ein Radiosender verantwortlich ist, aber z. B. Ministry oder Against Me! sprechen schon mal für einen guten Geschmack. Sag ich jetzt mal so. 


Gaming like it was 1995 

Zum Lunapark gehört noch eine Spielhalle, die von Hotelbesuchern ebenfalls kostenlos bespielt werden darf. Kracher wie Sega Rally 1, Manx TT (war das ein Grafikfehler oder ein Schatten?), fünf Primal Rage-Automaten (einer in Grün, einer in Dunkel, einer in Hell, einer mit Grafikfehlern und einer, der ok ausschaut), drei, vier Spiele, die ich noch nie gesehen hab, eine Jetski-Automat mit zwei x zwei cm großen Pixeln, einer mit Surfboard und noch ein paar laden auf eine kostenlose Partie ein. Sofern man nicht an Augenkrebs elendig zugrunde geht. Naja, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Evtl. liefere ich morgen ein paar Bilder nach.

Das Hotel würd sich übrigens optimal für eine Zombie-Invasion anbieten. Um den Kreis zum Blog zu schließen.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Epilog und Ende von Band 2

Epilog
Am 21. März überfielen mexikanische Truppen die amerikanische Grenze, um so hundertausenden von Mexikanern die Flucht in die USA zu ermöglichen. Für tausende Flüchtlinge endete die Reise tödlich. Die USA sammelte alle verfügbaren Truppen, unterstützt von lokalen Freiwilligenverbänden, zerschlug die Angreifer und Inhaftierte alle Flüchtenden, derer sie Herr werden konnten.
Dabei kam es vereinzelt zu Übergriffen der Zivilbevölkerung, als auch der regulären Truppen, in deren Folge tausende Flüchtlinge ihr Leben verloren. Es gab auch Luftangriffe auf Flüchtlingskonvois, die ebenso viele Menschenleben forderten, was die Vermutung nahelegte, dass diese Massaker angeordnet, oder zumindest von der Regierung gebilligt waren. Dass diese Vorfälle in Folge nicht untersucht wurden, legt diese Vermutung nahe.
El Paso war das erste amerikanische Opfer im Kampf gegen die Untoten, die lokalen Sicherheitsbehörden hatten dem brutalen Ansturm nichts entgegenzusetzen. Der Fall des Bahnhofs schnitt vielen Menschen den Fluchtweg ab, über den Flughafen konnten fast alle dort abwartenden Flüchtlinge gerettet werden. Es war die größte und gleichzeitig letzte derartige Aktion in diesem Krieg.
Durch die mexikanischen Flüchtlinge verbreitete sich das Virus schnell in anderen Städten im Süden der USA. Die Angst vor Verfolgung ließ große Gruppen auf engstem Raum zusammenleben, was bei einem Ausbruch eine rasche Ausbreitung zur Folge hatte. Durch die Ghettoisierung der mexikanisch stämmigen Bevölkerung waren ganze Stadtviertel infiziert, bevor Sicherheitskräfte eingreifen und die Seuche eindämmen konnten.
Durch den hohen Grad der Infektion mussten Städte evakuiert werden und so trug man das Virus weiter. Weiter nach Norden, weiter ins Land hinein. Die frühzeitig getroffenen Vorbereitungen erwiesen sich durch die riesige Landfläche als hinfällig, die Bekämpfung der Untoten durch das Militär als ineffizient und ressourcenverschwendend. Auch wurden falsche Entscheidungen getroffen und falsche Prioritäten gesetzt, was eine weitere Verbreitung der Seuche begünstigte.
In Großstädten herrschte die Angst, Lynchmobs verfolgten Kranke und „potenziell Infizierte“, wie sie es selbst proklamierten. Die Lage im Land war außer Kontrolle, das Weiße Haus ohnmächtig und zu selten entschlussfreudig genug, um mit der nötigen Härte vorzugehen. Es wurden lokale Festungen propagiert, Städte, die in Festungen umgebaut werden sollten und als Bollwerk gegen die Untoten dienen würden.
Viel zu spät wurden die Vorhaben umgesetzt. Viel zu spät, weil der Virus bereits in den Städten war und viel zu spät, um sich über die Versorgung von hunderttausenden Menschen Gedanken zu machen, was wiederum zu Ausbruchsversuchen führte, die selten von dauerhaftem Erfolg gekrönt waren. Vielmehr kamen dabei tausende Menschen ums Leben und noch viel mehr wurden infiziert und breiteten die Seuche weiter aus.
Die USA verwandelte sich vom Land der Freiheit in das Land der Toten und nichts und niemand konnte die Seuche mehr aufhalten. Die US-Regierung wurde auf eine geheime Insel evakuiert, es gab auch Gerüchte, dass ein Familienmitglied des Präsidents infiziert oder tot sein soll. Dort, wo die Medien noch funktionierten, traten Verschwörungstheoretiker, Prediger und Weltuntergangsphantasten ins Rampenlicht, die die Seuche abwechselnd als fehlgeschlagenes Experiment der Regierung, Strafe Gottes oder als die prophezeite Apokalypse des Jahres 2012 bezeichneten. Und ihre Anhängerschaar wuchs täglich.
In Europa tobte ebenfalls der Krieg. Nach dem Fall Russlands ergoss sich eine Flut der Untoten über Europa. Die östlichen europäischen Staaten konnten der Flut nichts entgegensetzen und entschieden sich nach mexikanischem Vorbild zu einem Angriff nach hinten. Die deutschen Grenzbefestigungen waren auf die Abwehr von Untoten vorbereitet und konnten der polnischen Armee nichts entgegensetzen.
Ähnlich wie in den USA strömten Tausende Flüchtlinge aus Polen nach Deutschland und brachten die Seuche mit sich. Die polnische Armee ergab sich auf deutschem Boden, erklärte sich aber zur Sicherung der Grenzbefestigungen bereit. Alle polnischen Generäle wurden daraufhin standrechtlich erschossen, die Armee entwaffnet und vorübergehend interniert, ebenso Teile der Bevölkerung, derer man habhaft werden konnte.
Massaker wie jene in den USA geschahen nicht, von einzelnen Übergriffen abgesehen. Zum ersten Mal bewährte sich aber das noch vor der Invasion angestrebte Prinzip, der befestigten Nation. Schlüsselstellen der nationalen Versorgung wie Wasser und Energie konnten selbst in stark infizierten Bereichen aufrecht erhalten werden. Verteidigungslinien im Land verhinderten eine Ausbreitung wie in den USA.
Flüchtlinge, die via Boot oder Flugzeug in eine neue Heimat aufbrachen, wurden konsequent aufgebracht, abgefangen oder meist ohne Warnung beschossen. Die dänische und die englische Flotte waren sehr bemüht darin, ihre Grenzen und ihre Bevölkerung mit allen dafür notwendigen Maßnahmen zu beschützen. Wie viele unschuldige Menschen, Männer, Frauen und Kinder, dabei ums Leben kamen, ist nicht protokolliert.
ENDE

Dienstag, 17. Mai 2011

Ende Band 2 - Ein paar Anmerkungen

Morgen gibt's noch einen Epilog, der Band 2 abschließen und den Übergang zu Band 3 darstellen wird. Die Geschichte um Maria und Juan ist damit abgeschlossen, mit Band 3 geht's wieder zurück nach Deutschland.

Zu Band 3 existieren momentan gerade mal zwei Kapitel des Prologs, weil ich aktuell mit Hochdampf Band 2 überarbeite. Dabei stehen mir dieses mal zwei Personen zur Seite, die jahrelange Erfahrung im Print- und Onlinejournalismus mit sich bringen und mir bereits ganze Kapitel um die Ohren gehauen haben.

Ich hab da also noch viel Arbeit vor mir. Vor allem angekreidet wurden mir der spontane Einstieg, unpassende Perspektivenwechsel, Folgefehler, unnötige Orts- oder Tätigkeitsbeschreibungen und auf der anderen Seite zu wenig Charakterisierung. Gut, das hab ich selber schon gemerkt, dass z. B. die Kinder quasi null charakterisiert werden. Die hätt ich auch weglassen können, wären sie mir nicht für das letzte Kapitel aus der Sicht Marias wichtig gewesen.

Dass der Hund komplett für die Tonne war, hab ich ja selber schon angemerkt. Als ich den eingeführt hab, hatte ich für ihn eine Idee im Hinterkopf, die mir dann später aber nicht mehr gefallen hat. Danach hab ich ihn tatsächlich ganz einfach vergessen.

Viel Arbeit also, dafür habe ich mir dieses mal für Band 3 bereits einen Plot überlegt, an dem ich mich entlanghangeln werde. Darunter wird die Spontanität etwas leiden, dafür hoffentlich Storydurchhänger und unlogische Stellen ausbleiben und hoffentlich die Überarbeitungsphase einfacher werden.

Für den Blog heißt das, dass hier demnächst die Postingfrequenz sinken wird. An Band 3 möchte ich erst weiterarbeiten, wenn ich die Arbeiten an Band 2 abgeschlossen hab. Einen festen Termin hab ich mir nicht gesetzt, aber ab nächster Woche hab ich zwei Wochen Urlaub, evtl. komm ich dann dazu. Natürlich möchte ich später wieder daran festhalten, hier auf dem Blog täglich einen neuen Teil der Geschichte in der Rohfassung einzustellen.

Wer noch Feedback zu Band 2 abgeben will, der sei dazu herzlich eingeladen. Ich freu mich auch über negative Kritik, solang sie aus mehr als "alles scheiße" besteht.

Untot - Band 2 - Kapitel 67

Untot - Band 2 - Kapitel 67
Ist es das? Ist das das Ende? Mein Kopf pocht und mein linker Arm schmerzt. Blut läuft an meiner Stirn nach unten, läuft auf die Nase, tropft auf mein Kleid und bildet dort rote Muster. Ich sitze. Ich sitze und sehe meinen linken Arm nicht mehr. Er schmerzt. Gebrochen? Wahrscheinlich. Ich fühle mich wie einer Zeitlupe. Ich höre Geräusche wie durch Watte und laufe neben der Zeit.
Bin ich schon tot? Nein, es tut weh, also lebe ich. Ich sehe meinen Sohn. Er ist tot. Ein Koffer liegt da, wo sein Kopf sein sollte, seinen Kopf sehe ich nicht. Ich sollte Trauer empfinden, aber ich empfinde gar nichts. Ich sollte weinen, aber ich kann nicht. Ich bin leer, ich bin nur noch eine Hülle für meinen Geist. Ich habe Abstand genommen von der Person, die ich einst war und bin nur noch ein Beobachter.
Ich bin nicht tot. Ich sehe meine Tochter. Ein Monster ist über sie gebeugt. Der Kopf des Monsters hängt herab, seine Zähne in ihren jungen unschuldigen Körper geschlagen. Ich hoffe für sie, dass sie schon tot ist, aber ich empfinde nichts. Sie liegt da, friedlich. Entschlafen. Wollte Gott, dass ich so mit meiner Familie wieder vereinigt werde? Im Tod? Dann lass mich sterben, Gott. Lass mich zu meiner Familie.
Ich sehe meine Tasche. Sie liegt nicht weit von mir. In der Tasche liegt das Werkzeug für mein Ende. Ich muss zu meiner Tasche und dann kann ich Frieden finden. Antonio, Miguel, Carmen, Emilio… ich werde euch folgen und wir treffen uns wieder an einem besseren Ort. Und du Juan, mögest du in der Hölle schmoren. Du Teufel hast mir alles genommen und bist gerade dabei, mir auch noch meine Tochter zu nehmen.
Ich empfinde Wut. Der Tag, an dem ich dich getroffen habe, war der Tag, an dem mein Leben aus den Fugen geriet. Du warst der Auslöser, du bist das böse Omen, der Todbringer. Oh, Juan, ich hasse dich. Ich hasse dich mit jeder Faser meines Körpers. Ich werde nicht sterben, ohne dich mitzunehmen. Ich werde dich nicht erlösen, ich werde dich in die Hölle schicken, denn da gehörst du hin.
Ich empfinde Trauer. Antonio, nein… Carmen… bitte Gott, lass sie schon tot sein. Ich will nicht, dass sie wieder zurückkommt. Bitte Gott. Ich muss zu meiner Tasche, aber mein Arm ist eingeklemmt. Er liegt zwischen zwei Sitzen, die Wucht des Aufpralls hat ihn gebrochen. Ich muss ihn herausziehen. Es tut weh, aber er bewegt sich. Die Schmerzen lassen mich fast ohnmächtig werden, aber ich muss stark bleiben, für meine Kinder.
Meine Hülle ist wieder mit Leben gefüllt. Der Schmerz hat mich zurückgebracht, ich will noch nicht sterben. Ich will diesen Bastard tot sehen. Am Ende des Busses sehe ich jemand durch die Windschutzscheibe wanken. Ich glaube, es ist der Busfahrer. Er stolpert an Juan vorbei und wirft sich auf das erste Opfer. Es ist ein junger Mann. Er schreit, versucht sich zu wehren, ist aber verletzt. Sein Fuß scheint gebrochen. Er schlägt nach dem Busfahrer, aber seine Schläge verpuffen wirkungslos. Er wird bald tot sein.
Mein Arm ist frei, der Schmerz höllisch. Ich gehe zu meiner Tasche, hebe sie auf und versuche mit der einzig heilen Hand die Waffe herauszuholen. Carlos hat sie mir gegeben, hat mir beigebracht, damit umzugehen. Oh Carlos, auch du wurdest mir genommen. Taschenverschlüsse sind für zwei Hände gebaut, aber ich schaffe es, die Tasche zu öffnen und kann auch noch verhindern, dass mir der ganze Inhalt auf den Boden fällt.
Die Waffe? Wo ist sie? Meine Finger umschließen kaltes Metall. Ich greife herum, bis ich sie richtig herum halte und ziehe sie aus der Tasche. Mit der rechten Hand halte ich das Prachtstück in Händen und ziele auf Juan. Doch der Busfahrer stellt die größere Bedrohung dar. Ich ziele, drücke ab und nichts passiert. Der Spannhebel blockiert. Die Sicherung. Carlos hat mir gezeigt, wie man Waffen sichert und entsichert.
Ich muss die Waffe ablegen, versuche den Sicherungshebel umzulegen und schließlich gelingt es mir. Ich nehme die Waffe erneut hoch, ziele, drücke ab und werde von dem folgenden Knall fast taub. Ich spüre den Rückstoß im ganzen Körper. Mein linker Arm sendet Schmerzwellen durch meinen ganzen Körper. Aber ich habe ihn verfehlt. Er lässt von dem Mann ab, kommt auf mich zu. Ich lege wieder an und kurz bevor er sich auf mich stürzt, hallt der zweite Schuss durch das Buswrack.
Wieder Schmerzen, aber er bricht vor mir zusammen und bleibt liegen. Ich gehe weiter. Juan ist noch immer über meine Tochter gebeugt. Blut fließt an der Stelle herab, an der seine Zähne in ihr stecken. Mit seinem heilen Arm versucht er sich wegzudrücken und scheitert. Als ich näher komme, sehe ich das entstellte Gesicht meiner Tochter und ich werde traurig. Carmen öffnet das heile Auge und schreit. Sie schreit vor Angst und vor Schmerzen. Sie sieht Juan, dessen Zähne sich in ihren Arm verbissen haben.
Sie ist schon tot. Sie sieht mich an. Flehend. Bittend, dem ein Ende zu machen. Ein Schuss erlöst sie von ihren Schmerzen und die Trauer steigt in mir hoch, als ich ihren leblosen Körper vor mir liegen sehe, ihr kleiner Kopf zertrümmert von der Wucht des Geschosses. Juan lässt von ihr ab, fühlt mich. Er kann mich nicht sehen, sein Kopf hängt an ihm wie ein überflüssiges Teil. Ich gehe einen Schritt auf ihn zu, hebe meinen Fuß und trete zu.
Ich trete. Wieder und wieder. Meine Wut, meine Trauer kanalisieren sich in den Tritten. Ich schreie während ich zutrete und irgendwann zerbricht etwas, gibt nach. Ich trete nicht mehr auf einen Schädel, ich trete in eine breiige Masse, aber ich trete weiter. Ich will, dass nichts mehr von ihm überbleibt, ich will ihn persönlich in die Hölle treten. Ein Stöhnen reißt mich aus meiner Wut. Ich sehe eine junge Frau, blutüberströmt, untot. Es ist noch nicht zu Ende.

Montag, 16. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 66

Untot - Band 2 - Kapitel 66
Ein fester Tritt gegen Juans Kopf zeigte dann doch noch Wirkung. Ein lautes Knacken zeugte davon, dass ein Wirbel gebrochen war. Ohne die stützende Wirkung des Genicks, konnte Juan den Kopf nicht länger oben halten und so baumelte der Kopf nutzlos nach unten. Die Zähne schnappten ins Leere, aber die Hände umschlossen weiterhin den Knöchel. Mike biss die Zähne zusammen und fluchte. Was für eine verdammte Scheiße.
Er wurde gebissen. Von so einem Zombieding. Verdammte Scheiße. Deswegen war er aus El Paso geflohen und jetzt hatte es ihn eingeholt. Ausgerechnet hier in diesem Bus. Was würde jetzt aus ihm? Würde er sich auch in einen dieser, dieser  Untoten verwandeln? Würde er sterben und zurückkommen, um die Seuche weiterzugeben? Vielleicht, aber nicht jetzt. Jetzt würde er erst dieses Mädchen retten.
Wütend trampelte er auf dem Juans Arm, bis sich der Griff tatsächlich lockerte. So schnell es ging, zog er seinen Fuß zurück. Die beiden Bisswunden bluteten ordentlich und er sah an einer Stelle einen Teil seines Knochens. Die Schmerzen waren dagegen gerade erträglich. Sein Körper hatte genügend Adrenalin ausgeschüttet, um ihn nicht in Ohnmacht kippen zu lassen.
Um die Blutung zu stillen, zog sich Mike sein Hemd aus und band es um die blutenden Wunden. Aus den Augenwinkeln sah er Juan wieder auf ihn zukriechen.
„Diesmal nicht, du Mistkerl.“
Mike wollte aufspringen, nur um im gleichen Moment umzukippen. Verdammt, verdammt, verdammt. Das war nicht nur eine einfache Fleischwunde. Dieser verdammte Mistkerl hatte seine Beinmuskulatur verletzt. Mike konnte nicht mehr laufen und verdammt, er würde es in diesem Leben auch nie wieder können. Mit den Händen zog er sich an einem der quer liegenden Sitzreihen hoch, stand auf einem Bein.
Das Mädchen würde er so nicht mehr retten können, aber er selbst könnte dem Ding davon humpeln. Er legte alle Kraft in die Arme, beugte sich weit nach vorne bis er wieder Halt fand und stieß sich mit dem gesunden Bein ab. Der Aufprall ging durch den ganzen Körper und verursachte höllische Schmerzen in seinem verletzten Fuß. Mike befürchtete von dem Schmerz ohnmächtig zu werden, konnte sich aber im letzten Moment fangen und zog sich weiter, weiter nach vorne, weiter aus dem Bus.
Am Ende der Sitzreihen angekommen, warf er einen Blick nach hinten. Der Abstand war nicht groß, aber das Ding war inzwischen anderweitig beschäftigt. Mike sah ihn über dem Mädchen, sah wie sich der herabhängende Kopf über dem Körper des Kindes befand und seine Zähne in das junge Fleisch hinein schlug. Verdammte Scheiße, das hatte das junge Ding nicht verdient, aber Mike konnte ihr nicht mehr helfen. Er konnte noch nicht mal sich selber helfen.
Langsam ließ er sich zu Boden gleiten, versuchte den verletzten Fuß so wenig wie möglich Erschütterungen auszusetzen und begann am Boden liegend, sich über den Boden zu ziehen. Herumliegende Glassplitter machten dies nicht einfacher, aber er hatte keine Wahl. Er musste aus dieser Todesfalle raus. Er würde sterben, das wusste er, aber er wollte nicht hier sterben. Wollte nicht bei lebendigem Leib aufgefressen werden. Nein, bei Gott, das wollte er nicht. Ohne sich umzusehen, zog er sich weiter. Weiter aus dem Bus.
„Oh mein Gott, kann ich ihnen helfen?“
Überrascht sah Mike in das Gesicht einer Frau. „Wer sind sie?“
„Ich… ich bin Carol, ich war auch in dem Bus. Ich wurde hinausgeschleudert… ich… ich glaube… ich glaube es geht mir gut.“
„Gut Carol, helfen sie mir bitte auf und haben sie ein Mobiltelefon dabei?“
„Ein… ja, natürlich.“
Carol griff an ihre Seite, an der normalerweise eine Handtasche hing, ins Leere.
„Oh…“
„In ihrer Handtasche?“
„Ja… ja, ich glaube.“
„Gut, helfen sie mir bitte hoch. Wir müssen hoch auf die Straße.“
„Was… was ist mit den anderen Leuten?“
„Carol, wir müssen hier weg. Schnell. Da drin ist eins von den Zombiedingern und schon bald werden es mehr sein.“
„Oh mein Gott, aber sie sind verletzt. Wurden sie gebissen?“
„Ja, aber es geht mir gut und…“
„Nein. Im Fernsehen haben sie gesagt… nein, gehen sie weg.“
Carol schrie und bewegte sich von Mike weg. Es war zwecklos, sie würde ihm nicht helfen. Er wurde gebissen, sein Schicksal war besiegelt.
„Carol? Carol! Hören sie mir zu. Lassen sie mich liegen, aber holen sie bitte Hilfe. Gehen sie hoch und laufen sie. Laufen sie, bis sie ein Auto sehen, oder ein Telefon. Holen sie bitte Hilfe. Dort drinnen sind noch verletzte Menschen, die Hilfe brauchen…“
Carol sah Mike mit einem panischen Gesichtsausdruck an, schien ihn nicht zu hören und wich immer weiter zurück, stammelte immer wieder, dass er weg gehen solle und steigerte sich langsam in eine Hysterie. Es war zwecklos, sie würde ihnen nicht helfen. Mike gab auf, drehte sich auf den Rücken und schob sich mit dem gesunden Fuß vom Bus weg. Hinter ihm ertönte plötzlich ein gellender Schrei, als Carol von dem toten Busfahrer in den Hals gebissen wurde.

Sonntag, 15. Mai 2011

Rauch über Isar 1

Vielleicht weiß ja einer der Atomkraftexperten mehr. Isar 1 wurde ja unlängst abgeschaltet (wurd's doch, oder?), fährt man allerdings vorbei, dampft's noch immer kräftig aus dem Kühlturm.

Wieso ist das so? Müssen da noch Brennstäbe abkühlen?



Ein paar Minuten später haben sich die auf dem Bild sichtbaren Wolken über uns entleert. Dafür gab's wieder ein paar Minuten später einen tollen Regenbogen zu bestaunen.


Die Bilder hat übrigens meine Frau gemacht. Ich bin ja kein Suizidbomber... :)

Update ein paar Minuten später: inzwischen bin ich schlauer. Der Kühlturm gehört zu Isar 2. Danke an endzeit aus dem Maniac-Forum. 

Untot - Band 2 - Kapitel 65

Untot - Band 2 - Kapitel 65
„Scheiße, was machst du denn hier? Ich hab dir doch gesagt, du sollst dich hinsetzen. Verdammt, wie schaust du überhaupt aus?“
Bob war überrascht, Juan plötzlich hinter sich zu sehen und verriss das Lenkrad. Juan konnte der Bewegung nichts entgegensetzen und stürzte. Er stürzte die Erhöhung zum Fahrer hinab und lag halb in der Treppe, die aus der Tür hinaus führte. Mit dem Kopf stieß er dabei gegen die vordere Verkleidung des Busses und sein Arm brach bei dem viel zu langsam ausgeführten Versuch, den Sturz abzufangen.
„Hey, scheiße. Ist dir was passiert? Ich hab dir doch gesagt… Ach du scheiße, dein Arm…“
Bob hatte den Bus wieder unter Kontrolle und war kurz besorgt, sah dann aber wie sich Juan erhob. Der rechte Arm hing gebrochen herunter und Bob sah das Blut auf Juans Hemd. Als er Juan ins Gesicht sah, bemerkte er selbst im Dunkeln, dass etwas nicht stimmte. Aus der Wunde am Kopf kam kein Blut, die Augen wirkten seltsam stumpf und die Gesichtsfarbe wirkte eigenartig fahl. Er sah aus wie ein Toter.
Mit der Erkenntnis traf ihn auch Juan, der sich nach vorne fallen ließ und mit voller Wucht auf Bob prallte. Bob konnte seine Hände nicht so schnell vom Lenkrad lösen und so traf ihn Juan ungebremst, riss ihn von seinem Stuhl und das Lenkrad verreißen. Der Bus schleuderte und krachte in die Mittelplanke. Währenddessen verbiss sich Juan in Bobs rechten Oberarm. Sein Kiefer krachte und seine Zähne durchdrangen Bobs rohes, zähes Fleisch.
Der Bus prallte von der Mittelleitplanke ab, die Räder blockierten, der Bus schleuderte quer in die Seitenplanke und begann zu kippen. Juan riss Bob das Fleisch aus seinem Arm. Bob lag wehrlos zwischen seinem Platz und der Fahrertür verkeilt, konnte sich gegen Juans Angrff nicht zur Wehr setzen, schrie laut auf, als sich das Fleisch herauslöste und sah Blut aus der Wunde fließen. Als der Bus nach rechts die Böschung hinab kippte, hatte sich Juan Bobs Hals fokussiert und während der Bus fiel, biss Juan zu.
Für Bob wurde die Welt dunkel.
Als der Bus ins Schleudern kam, wurden die Passagiere aus ihrem Schlaf gerissen. Gepäckstücke flogen herum, Menschen aus den Fenstern geschleudert und vom kippenden Bus begraben. Die Leute schrien auf, teils vor Überraschung, teils vor Schmerzen, manche bewusstlos, andere orientierungslos, Arme, Beine und Genicke knickten unter der Last der herumgeschleuderten Körper, Gehirne wurden erschüttert, Rippen geprellt und spitze Gegenstände durch menschliches Fleisch gebohrt.
Nur wenige überstanden den Unfall unverletzt. Eine Frau wurde aus einem geborstenen Fenster geschleudert und landete im hohen Gras, gerade weit genug entfernt, um nicht unter dem Bus begraben zu werden. Ein Mann rutschte zwischen die Stühle, konnte sich dort festhalten und hatte das Glück von keinem herunterfallenden Gegenstand getroffen zu werden. Als der Bus zum stehen kam, stand Mike auf. Der Bus lag auf der rechten Seite, darauf Verletzte, Tote und Gepäckstücke.
Mike sah vor sich ein kleines Mädchen, ging zu ihr, drehte sie um und erschrak. Beim Aufprall hatte sie sich ihren Kopf gestoßen, ihre ganze rechte Gesichtshälfte war blutiger Brei und ein Auge hing los aus der Augenhöhle. Mike versuchte nicht die Beherrschung zu verlieren und suchte nach ihrem Puls. Er nahm ihren Arm, konnte nichts fühlen und suchte an ihrem Hals, konnte aber nichts fühlen. Gerade, als er aufgeben wollte, stöhnte das Mädchen auf. Sie schien noch zu leben. Mike nahm sie hoch, kletterte über andere Verletzte, Tote und Gepäckstücke und ging nach vorne. Die Frontscheibe war zerborsten und der einzige Weg, den Bus zu verlassen.
Auf dem Weg nach vorne kam ihm am Boden ein anderer Verletzter entgegen, der sich mit einem Arm über den Boden zog. Den anderen Arm zog er hinter sich her, ebenso seine Füße. Seinen Kopf zierte eine tiefe Verletzung.
„Hey Mann, hören sie, bleiben sie einfach liegen. Ich komm gleich wieder und hol sie hier raus.“
Der Mann schien unter Schock zu stehen und zog sich weiter. Weiter auf Mike zu. Mike ging auf den Mann zu, beugte sich zu ihm hinunter und sprach ihn erneut an.
„Hallo? Ich sagte, ich komme gleich, und hole sie hier raus. Wenn ich nur wüsste, wo mein scheiß Mobiltelefon ist. Hey? Was machen sie da?“
Der Mann klammerte sich mit seiner unverletzten Hand an Mikes Fuß und zog sich zu ihm. Dabei verlor Mike sein Gleichgewicht und landete unsanft auf seinem Hinterteil, stets darauf bedacht, das Mädchen nicht loszulassen.
„Au, scheiße Mann, bist du verrückt? Ich hab doch gesagt, ich… AAAAAHHHH! Nein, aaaaah, scheiße, mein aaaaaaahhhhh…“
Juan biss in seinen Fuss und riss ein Stück Fleisch heraus. Mike schrie, schrie um sein Leben und vor Schmerz. Er begann nach Juan zu treten, konnte den Griff um seinen Fuß aber nicht lockern. Wie ein Schraubstock hielten die Finger den Knöchel umschlossen. Erneut schnellte sein Kopf nach  unten, hinein in das warme, saftige, rohe Fleisch. Mike legte das Mädchen zur Seite, trat gegen Juans Kopf, nahm alle seine verbleibende Kraft zusammen und trat um sein Leben.