Montag, 2. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 53

Untot - Band 2 - Kapitel 53
Am 21. März, dem Ehrentag Benito Juárez‘, begann Punkt 12 die Operation Mexiko. Auf amerikanischer Seite der Grenze detonierten annähernd zeitgleich über 100 Sprengsätze. Ziel waren Luftabwehrstellungen, Energieversorgung, sowie Radar- und Kommunikationsanlagen in der Nähe der Grenze. Für den Augenblick waren die USA im Süden ihres Landes blind.
Verantwortlich für die Anschläge waren Spezialkommandos, gebildet aus Kartellangehörigen mit entsprechender Vorbildung beim Militär oder Geheimdiensten. Nach den Detonationen begannen sie damit, Truppenverbände zu beschießen und diese lokal zu binden. Kurz darauf überquerten mexikanische Flieger und Hubschrauber die Grenze. Ziel waren Militärflughäfen, Luftabwehrstellungen und mobile Einheiten der amerikanischen Armee.
Die amerikanische Armee war von dem plötzlichen Überfalls geschockt und reagierte wie gelähmt. Kommandoketten waren unterbrochen, Überwachungsapparaturen ausgefallen und die wenigen in der Luft befindlichen Jäger zwar eine Bedrohung, aber mangels Koordination am Boden eine überschaubare Bedrohung. Noch während die Bodentruppen in Kämpfe verwickelt waren, begann auf mexikanischer Seite der Durchbruch.
Sprengladungen wurden an den Grenzbefestigungen angebracht und die Mauer auf einer Breite von rund einem Kilometer komplett zerstört. Räumfahrzeuge beseitigten den gröbsten Schotter und machten den Weg für die nachfolgenden Fahrzeuge bereit. Vorneweg begann das mexikanische Militär den Vormarsch zu sichern. Panzerfahrzeuge brachten Infanteristen auf amerikanischen Boden, die schnellstens damit begannen, einen Einfallkorridor für die Flüchtlinge abzustecken.
Dank Luftunterstützung fiel der Widerstand wie erwartete gering aus und bereits einige Minuten später konnte sich der Flüchtlingskonvoi in Bewegung setzen. Kampfpanzer, gefolgt von gepanzerten Transportern bildeten die Spitze, festigten gleichzeitig den Boden und machten den Weg frei für momentan so in etwa jedes in Mexiko noch betriebsbereites und mit Sprit versorgtes Fahrzeug.
Punkt 13 Uhr begannen die Kartelle, die Evakuierung von Juárez einzuleiten. Zuerst verließen diejenigen die Stadt, die über funktionierende Fahrzeuge verfügten, am Ende waren die, die sich zu Fuß durchschlagen mussten. 250.000 Menschen aus Juárez machten sich auf den Weg nach Norden, mit dem Wissen, dass dieser Weg ihre einzige Chance war, dass es für sie nur Tod oder Flucht gab.
Westlich von Juárez waren rund 400.000 Flüchtlinge versammelt worden, von denen etwa 100.000 mit Fahrzeugen fliehen konnten und die erwartungsvoll den gepanzerten Fahrzeugen folgten. Noch war keine Reaktion seitens der USA erkennbar und die Hoffnung derer, die die Flucht initiierten bestand darin, dass die USA die Menschen aufnehmen und versorgen würden. Sie hofften, dass die USA nicht tausende von Menschen kaltblütig ermorden würde und allein auf diesem Vertrauen fußte die komplette Operation.
Man bewegte sich rasch nach Norden und erreichte östlich mit Santa Terese die erste Siedlung. Noch war von amerikanischer Seite kein Widerstand eingeleitet worden, noch waren die Streitkräfte im Kampf mit den Spezialkommandos und noch war der Himmel fest in mexikanischer Hand. Andere Gruppen arbeiteten sich nach Westen vor, so dass sich der Strom in zwei Ströme teilte, die sich auf amerikanischem Boden ausbreiteten. Weiter östlich gab es auf Höhe der Stadt Piedras Negras ebenfalls einen Durchbruch mit annähernd 300.000 Flüchtlingen, die sich auf San Antonio und Corpus Christi zubewegten.
Aufgrund der hohen Militärpräsenz wurde im Norden El Paso als Ziel verworfen und der strikte Befehl ausgegeben, die Stadt um jeden Preis zu meiden. Vielmehr sollte es das Ziel sein, schnellstmöglich nach Norden, möglichst weit ins Landesinnere vorzustoßen und sich von dort aus über das Land zu verbreiten, sich unter Menschen zu begeben und zu versuchen, sich eine Existenz aufzubauen. Zu überleben. Für Mexiko.
Für dieses Ziel waren sie bereit ihr Leben zu geben. Die Piloten wussten, dass sie die Lufthoheit nur so lange halten konnte, bis aus dem Norden Verstärkung eintraf. Jeder der Piloten wusste, dass er den Einsatz nicht überleben wurde. Ebenso die Spezialkommandos, die sich mit amerikanischen Truppen einen Kampf bis zum letzten Atemzug lieferten.
Nicht alle Spezialkommandos waren indes in Kämpfe verwickelt. Einige waren damit beschäftigt, unauffällig ein Gebäude zu sichern. Schon seit Tagen waren sie damit beschäftigt gewesen, ein altes, leer stehendes Firmengebäude aufzukaufen und es mit Hilfe mexikanischer Emigranten mit moderner Sicherheitstechnologie auszustatten. Mittels Strohmänner wurde dem Unternehmen ein seriöser Anstrich gegeben und nach außen hin als CC Mexican Food Company firmiert.

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