Dienstag, 3. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 54

Untot - Band 2 - Kapitel 54
Als Juárez evakuiert wurde, blieb Carlos mit seinen Getreuen, und denen die bleiben wollten, zurück. Die LKWs mit seinen Habseligkeiten verließ mit den anderen Fahrzeugen die Stadt und gleichzeitig machte sich eine kleine Passagiermaschine, die bis oben hin mit Drogen gefüllt war, auf den Weg nach Norden, um so Carlos‘ Einkommen für die nächsten Monate zu sichern.
Einige der älteren Bediensteten wollten nicht mehr davonlaufen und äußerten Carlos gegenüber den Wunsch, ihre letzten Tage auf seinem Grundstück verbringen zu dürfen. Ein Wunsch, der von Carlos umgehend gewährt wurde. Sie hätten sie ohnehin nur am vorankommen gehindert und in Zukunft hätte er ohnehin keinen Platz mehr für sie gehabt. Für Carlos begann ein neues Leben.
Als gegen Abend der komplette Bereich rund um Carlos‘ Anwesen evakuiert war, begann sich der Trupp in Bewegung zu setzen. Die Wachen waren schwer bewaffnet und mit genügend Munition ausgestattet, um einen kleinen Krieg zu führen. Martinez ging voran, Carlos war mit Maria und den Kindern in der Mitte und am Ende ging Juan, der ständig versuchte einen Blick auf Maria zu werfen und immer wieder hoffte, dass sie sich zu ihm umdrehen würde. Ein Wunsch, der ihm nicht erfüllt wurde.
Außer Martinez und vielleicht noch Maria, schien niemand in die Fluchtpläne von Carlos eingeweiht zu sein. Entsprechend war die Verunsicherung, als sich die Gruppe durch die leeren Straßen bewegte. Nachdem sie den Sektor verlassen und einen anderen, ebenfalls wie es schien leeren Sektor betraten, trafen sie auf eine weitere bewaffnete Gruppe. Juan erkannte keinen der Männer, sah nur Martinez ein paar Worte mit deren Anführer wechseln, bevor man bei der Gruppe wartete.
Carlos ging nach vorne und mischte sich in das Gespräch ein, welches durch das Geräusch eines nahenden Fahrzeugs unterbrochen wurde. Juan erkannte das Fahrzeug als den Wagen des Generals, gefolgt von einem Militärlaster. Als der Wagen anhielt, sprang der General in Zivilkleidung aus dem Fahrzeug, gefolgt von einigen seiner Soldaten, ebenfalls in zivil.
Der General gesellte sich zu der Gruppe, bevor der Marsch still fortgesetzt wurde. Juan war ratlos? Was hatte das alles zu bedeuten? Warum wartete Carlos bis zu Ende? Warum hatte er sich nicht als erstes in Sicherheit gebracht? Wer waren die anderen Männer und was wollte der General? Der Marsch endete an einem alten Firmengebäude, nicht weit der amerikanischen Grenze. Die Scheiben waren eingeschlagen, die Türen hingen lose in den Scharnieren und generell sah das Gebäude recht baufällig aus.
Der General machte eine Handbewegung und fünf seiner Leute strömten in das Gebäude. Juan sah die Strahlen von Taschenlampen herumschwirren und kurz darauf stand einer der Männer in der Tür und signalisierte, dass alles in Ordnung sei. Martinez ging zur Tür, warf einen Blick hinein und nickte bestätigend zu Carlos, der sich zu Martinez gesellte. Juan war immer noch ratlos. Was wartete hier auf sie? Hatte Carlos noch einen Trumpf im Ärmel?
Juan spürte einen Rempler auf seiner linken Seite und sah Felipe, der ihn mit seinem Ellenbogen leicht an stupste.
„Was ist?“
„Hier. Ich dachte, dass du das brauchen kannst.“
Felipe reichte Juan eine kleine automatische Maschinenpistole des Typs Mac-10 und drei Magazine, die Juan dankend in Empfang nahm. Felipe hatte ihm gezeigt, wie man damit umging und Juan war jetzt im Nachhinein ganz froh darüber, auch wenn er hoffte, dass er sie nicht benötigen würde.
„Danke. Wofür ist die?“
„Für deine Sicherheit. Ich weiß genauso wenig wie du, was uns hier erwartet und ich kann nicht dauernd für dich da sein. Scheiße Juan, ich kann dich richtig gut leiden.“
„Danke, ich dich auch. Schaut so aus, als hätte ich mich in dir getäuscht.“
„Wie meinst du das?“
„Ach, vergiss es.“ Juan lächelte Felipe an.
„Was willst du in Amerika machen?“
„Ich weiß nicht. Ich werde bei Carlos bleiben. Ich glaube, dass Carlos auch zukünftig kräftige Männer brauchen kann, die mit Pistolen umgehen können. Und du?“
„Gute Frage. Am liebsten würd ich mir Maria schnappen, und mit ihr ein neues Leben beginnen.“
„Schaut so aus, als wärst du zu spät dran Kumpel.“
„Ja, schaut so aus.“
Carlos ging zurück und richtete sich an seine Männer.
„Wir gehen jetzt in dieses Gebäude. Vom Keller dieses Gebäudes führt ein ehemaliger Fluchttunnel nach El Paso in den Abwasserkanal. Vom Abwasserkanal werden wir uns in El Paso unterirdisch in ein gesichertes Gebäude begeben. Das amerikanische Militär und die dortigen Sicherheitsorgane sind abgelenkt. Wir sind absolut sicher und können...“
Ein kehliger Laut schnitt Carlos das Wort ab.

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