Donnerstag, 5. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 56

Untot - Band 2 - Kapitel 56
„Verdammte Scheiße. Ich dachte, du bist dir sicher.“
„Ich war mir auch sicher.“
„Das ist schön für dich, aber hier geht es nicht weiter.“
Carlos war sichtlich extrem erbost. Der vom General vorgeschlagene Weg führte in eine Sackgasse. Sie waren seinem Vorschlag gefolgt, hatten sich auf sein Wort verlassen und sahen sich jetzt in einer unerwarteten Situation. Zwei oder drei Minuten lang waren sie in die falsche Richtung gelaufen. Zwei oder drei Minuten die über Leben und Tod entscheiden konnten und zwei oder drei Minuten, die sie zurücklaufen mussten, vorbei an dem Loch, das in den von Zombies verseuchten Tunnel führte. Noch ertönten Schüsse aus der Richtung, aus der sie eben gekommen waren.
„Also gut… Martinez, du nimmst dir zwei Männer und gehst vor. Aber nicht trödeln. Am Loch vorbei und nicht stehenbleiben. Unter keinen Umständen.“
„Und was ist mit dir Carlos?“
„Verdammt, los jetzt.“
Martinez winkte zwei Männer zu sich und ging voran, wieder zurück zum Loch. Die Schüsse waren jetzt verstummt und statt Schüsse hallte ein Schrei durch den Abwasserkanal. Martinez zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er weiterging. Laute Schritte hallten durch die Kanäle und plötzlich tauchte das Gesicht einer der Wachen in dem Lichtkegel einer Taschenlampe auf. Sein Blick ging wirr herum, und Blut aus einer klaffenden Wunde an seiner Schulter durchnässte seinen Anzug.
Noch bevor er etwas sagen konnte, hob Martinez seine Waffe und schoss ihm eine Kugel zwischen die Augen. Wortlos brach der Mann zusammen und sein Blut vermischte sich mit dem dünnen Abwasserrinnsal. Keiner in der Gruppe reagierte, nur Carmen schrie erschrocken auf. Carlos rief einen Mann zu sich, der Carmen hochnahm und ihr die Augen zuhielt, während die Gruppe weitermarschierte. Juan bemühte sich, nicht auf die Leiche zu treten und mit der Gruppe Fuß zu halten. Felipes Miene blieb ausdruckslos.
Nur kurze Zeit später trafen sie auf die ersten Zombies. Bisher waren nur wenige durch das Loch geströmt und noch würden sie sich durchkämpfen können. Martinez eröffnete rasch das Feuer und marschierte schnell vorwärts. Tatsächlich gelang es den Männern unbeschadet an dem Loch vorbeizukommen. Als Carlos auf der Höhe des Eingangs war, griffen kalte, untote Hände nach ihm und zogen ihn nach hinten.
Maria schrie, schrie um Hilfe, flehte die Männer an, Carlos zu helfen, während die Männer mit den Kindern weiterliefen. Felipe eilte nach vorne und hechtete todesmutig in das Loch. Dort fand er Carlos. Aus mehreren Wunden strömte Blut, sein Hemd war blutrot und sein Gesicht von der Anstrengung gezeichnet.
„Verdammt, Felipe, hilf mir!“
Felipe eröffnete das Feuer auf die herumstehenden Gestalten und schaffte es, die meisten mit Kopfschüssen zu richten. Carlos wurde unter dem massiven Körper eines der Untoten begraben, konnte sich nicht hervorziehen. Felipe stürmte nach vorne und versuchte den Körper von Carlos herunterzuziehen. Dabei übersah er einen plötzlich auftauchenden Untoten, dessen Zähne sich in Felipes Hand vergruben.
Felipe schrie auf, sah sein Fleisch reißen und das Blut aus seiner Hand schießen. Mit der unverletzten Hand richtete er die Pistole auf den Schädel des Untoten und drückte ab. Gehirn und Blut spritzte gegen die Wand des Lochs und lief zäh daran herunter. Hinter Felipe erschien Juan, sah die Verletzung seines Freundes und half ihm aus seiner Jacke. Mit einem Ruck riss sich Juan ein Stück Stoff aus seinem Hemd und band es um Felipes Hand, während dieser das Feuer auf herannahende Zombies eröffnete.
„Verdammt Juan, verschwinde hier.“
„Scheiße, Felipe, ich kann dich hier nicht zurücklassen.“
„Ich bin gebissen worden. Du weißt, was das bedeutet. Mir kann keiner mehr helfen, aber ich kann sie noch aufhalten und euch die nötige Zeit verschaffen.“
„Aber ihr könnt mir hier raushelfen“ meldete sich Carlos zu Wort.
„Was ist mir Carlos?“
„Er… ich glaube, er wurde gebissen.“
„Verdammt, mir geht’s gut. Holt mich hier raus. Verdammt, Felipe, hol mich hier raus!“
Felipe antwortete nicht und feuerte wieder auf anrückende Untote. Juan sah zu der Stelle, von der Juans Stimme kam und sah Carlos‘, der sich abmühte, den Körper von sich wegzudrücken. Juan bückte sich, griff nach unten und verspürte plötzlich einen stechenden Schmerz am Handgelenk. Überrascht zog er seine Hand zurück und sah einen blutigen Kratzer auf seiner Handkante. Ungläubig starrte er auf seine Hand, sah Blut austreten und an seiner Hand herabtropfen.

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