Samstag, 7. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 58

Untot - Band 2 - Kapitel 58
Juan war erfreut zu hören, dass für sie in ihrem Namen Konten eingerichtet wurden Konten, auf die sie mit ihren neuen Identitäten zugreifen konnten. Von Martinez bekamen sie ihre neuen, amerikanischen Ausweise überreicht. Carlos hatte sie bereits im Vorfeld anfertigen lassen, hatte die letzten Tage genutzt, um alles auf seine Ankunft in den USA vorzubereiten. Über Anwälte wurde die Firma CC Mexican Food Company auf seinen neuen Namen gegründet, über die er zukünftig seine Geschäfte abwickeln wollte.
Für El Paso und generell den kompletten Süden der USA wurde inzwischen der Notstand ausgerufen. Die mexikanische Lufthoheit konnte schnell gebrochen werden, nachdem die ersten Notfallstaffeln eintrafen. Die meisten mexikanischen Flieger ergaben sich, drehten ab oder aktivierten über amerikanischem Boden den Schleudersitz. Die, die sich ergaben, wurden sofort nach der Landung exekutiert, die abgesprungenen als Angehörige einer feindlichen Streitmacht zum Abschuss freigegeben.
Währenddessen waren Polizei und Militär damit beschäftigt, die Zivilisten aufzugreifen und vorläufig zu internieren, während man sich mit versprengten Einheiten des ehemaligen mexikanischen Militärs kleinere Scharmützel lieferte. Zugleich war man damit beschäftigt, die beschädigten Mauerabschnitte zu verteidigen und neu zu sichern, was nur unter großem Aufwand militärischen Materials gelang. Zudem war es der erste Kontakt des US amerikanischen Militärs mit größeren Ansammlungen der Untoten und musste für die Lehrstunden einen hohen Blutzoll zahlen.
Auch passierte es häufiger, dass gebissene Kameraden nicht gerichtet, sondern von ihren Kameraden versteckt wurden, was zur Ausbreitung der Seuche bei der kämpfenden Truppe beitrug und deren Schlagkraft weiter verringerte. Derweil kam es durch die mexikanischen Immigranten in mexikanischen Ansiedlungen und in überwiegend von Mexikanern bewohnten Gegenden immer häufiger zu lokalen Ausbrüchen, was durch die amerikanische Polizei nicht mehr zu bewältigen war.
Dies hatte zur Folge, dass die Militärpräsenz in El Paso fast bei null war. Juan lag auf seinem Bett und betrachtete seinen amerikanischen Ausweis. Ronald Bush war sein neuer Name und irgendwer musste einen eigenartigen Humor gehabt haben, als er sich die Namen ausgedacht hatte. Als Juan den Ausweis zurück in seine Tasche steckte, durchfuhr seine Hand ein stechender Schmerz. Der Kratzer an seiner Hand hatte sich leicht entzündet.
Juan machte sich darüber Sorgen, sich kurz vor seiner Abreise nach Alabama eine Blutvergiftung eingefangen zu haben. Morgen früh würde der Bus abfahren, das Ticket lag neben ihm auf dem Bett. Eine lange Fahrt in ein neues Leben. Maria und die Kinder würden ihn als Familie Fisher, Susan, Stefani und Toni, im Bus begleiten, aus Sicherheitsgründen sollten sie sich aber bis Alabama nicht unterhalten. Das konnte Juan aushalten, danach würde sie ihm gehören. Endlich.
Jetzt, wo Carlos aus dem Weg war, würde sie sich wieder ihm zuwenden. Er würde dafür sorgen, dass sie in Alabama ein neues Leben beginnen konnten. Sein Englisch war nicht besonders gut, aber mit dem Geld, dass Carlos an sie überwiesen hatte, würde er kleine sprachliche Unzulänglichkeiten locker überspielen können. Wenn man Geld hatte, würden die Leute keine Fragen stellen. Juan kannte dieses Verhalten aus dem US-Fernsehen, wusste, dass man mit Geld im Land der unbegrenzten Möglichkeiten alles erreichen konnte.
Juan stand von seinem Bett auf und erneut spürte er einen stechenden Schmerz von seiner Hand ausgehen. Sobald er in Alabama sein würde, würde er einen Arzt aufsuchen. Hier in El Paso war es zu riskant. Auch wenn sich die Flüchtlingsströme nach Norden verteilten, würde hier in der Stadt erhöhte Alarmstufe gelten. Juan war ungeduldig, ging in dem Raum auf und ab und betrachtete die anderen Betten. Fünf weitere Betten waren belegt von den Männern des Juan fremden Kartells. Die meisten von ihnen würden bei ihrem Boss bleiben.
Auch Martinez bemühte sich darum, Carlos‘ Leute um sich zu scharen, um Carlos‘ Geschäfte in Amerika weiter zu betreiben. Er brauchte Leute, auf die er sich verlassen konnte. Maria und Juan nutzten ihm dagegen nichts und hätte er Carlos nicht sein Wort gegeben, hätte er sie im Tunnel verrotten lassen. Wahrscheinlich war Carlos jetzt einer von ihnen, sowie viele weiterer seiner Männer. Sowie Felipe.
Juan schüttelte sich bei dem Gedanken. Vielleicht hatte sich Felipe aber auch noch selbst gerichtet, solange er dazu die Möglichkeit hatte. Juan verließ den Raum und ging im Flur Richtung Ausgang, bog dann aber nach rechts in den Innenhof des Geländes ab. Dort trat er ins Freie und sog die Nachtluft in sich auf.
„Was machst du hier?“
Juan erschrak, als er die Stimme hörte, weil er sich dort allein wähnte. Die Stimme selbst kannte er aber nur zu gut. Er drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam und sah dort die Umrisse seines Gesprächspartners.
„Hallo Maria… oder soll ich dich Susan nennen?“
„Nenn mich, wie du willst. Also was machst du hier?“
„Frische Luft schnappen. Ich konnte nicht schlafen, musste über unsere morgige Reise nachdenken.“
„Das ist nicht ‚unsere‘ Reise. Wir fahren nach Alabama und du fährst nach Alabama. Das ist alles. Danach sind wir getrennte Leute. Du hast Martinez gehört, wir sollen Kontakt untereinander vermeiden.“
„Ja, aber doch nur während der Busfahrt. Danach… hör mal, in Alabama werden wir allein und nur auf uns gestellt sein.“
„Ja und? Denkst du, mit dir an meiner Seite geht es mir besser? Ich wäre gern an Carlos‘ Seite geblieben, oder an der Seite meines Mannes. Weißt du was? Ich habe mir schon überlegt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn ich auch zu einem dieser Dinger geworden wäre. Ich, Carmen und Antonio. Dann könnten wir jetzt als Familie zusammenleben.“

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