Dienstag, 10. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 61

Untot - Band 2 - Kapitel 61
Juan wurde heiß. Der Schweiß begann sein Hemd zu befeuchten. Noch zehn Minuten bis zur Abfahrt des Busses. Plötzlich bekannte Gesichter. Maria, Carmen und Antonio standen vor dem Bus und waren dabei einzusteigen. Juan konnte nicht sagen, ob ihn Maria bemerkt hatte, sie hatte sich auf jeden Fall nichts anmerken lassen und die Kinder ebenso wenig. Der Hund schnüffelte an ihnen, während sie einstiegen, ließ sich aber sonst zu keiner Reaktion hinreißen.
Juan nahm allen seinen Mut zusammen und ging in Richtung des Busses, nur um wieder kehrt zu machen. Warum hatte er solche Angst? Er musste nur an diesem Hund vorbei. Die Beamten selbst schienen an den Reisenden selbst wenig Interesse zu haben. Einer der Beamten holte gerade sein Funkgerät heraus und wurde kreidebleich. Juan konnte bei anderen Beamten das gleiche beobachten.
Von einer Minute auf die andere zogen sich die Beamten zurück, nein rannten förmlich. Gleichzeitig waren Schüsse zu hören. Schüsse und Schreie. Erst nur vereinzelt, doch dann begann die Panik um sich zu greifen. Juan verstand nur wenig von dem, was um ihn vorging. Er hörte etwas davon, dass sie hier wären. Er hörte etwas von einem Klärwerk und dann dämmerte es ihm langsam.
Die Zombies, die ihnen gefolgt waren, mussten im Klärwerk einen Ausgang gefunden haben und jetzt über El Paso herfallen. Das Klärwerk war nur wenige Meter vom Busbahnhof und noch näher an dem Firmengelände, auf dem sie die letzten Stunden verbracht haben. Juan konnte das Gebäude sehen, als er das Gelände Richtung Bus verließ. Sie mussten schon verdammt nahe sein.
Juan machte sich auf, die Chance zu nutzen, rannte zum Bus und stieg ein. In der zweiten Reihe hinter dem Fahrer waren noch zwei freie Plätze, auf die sich Juan gleich  niederließ. Auf den freien Platz legte er demonstrativ seinen Rucksack und kauerte sich anschließend ans Fenster. Vom Fenster aus sah er, wie sich die Panik über das Gelände ausbreitete und die Ordnungskräfte hoffnungslos überfordert waren. Leute liefen wahllos in herumstehende Busse und hätte der Fahrer nicht in dem Moment die Türe verschlossen, hätten sie auch ihren Bus geentert.
Was auch immer den Fahrer antrieb, Angst oder Pflichterfüllung, er schloss die Türen und damit die aus, die sich hilfesuchend in die Richtung des Busses bewegt hatten. Dann fuhr er los. Menschen liefen hinter dem Bus her, der sich erbarmungslos seinen Weg durch die herumlaufenden Menschen bahnte. Steine flogen und prallten an den Wänden des Busses ab. Eine Flasche zerplatzte an der Scheibe neben Juans Gesicht und ließ ihn erschrocken zurückweichen.
Das provisorische Tor zum Busbahnhof stand offen, die zuvor Wache schiebenden Beamten waren verschwunden. Juan wusste nicht wohin und es war ihm auch egal. Der Bus bewegte sich und ließ El Paso hinter sich. Juan hätte vor Freude tanzen können, hätte ihn nicht ein Hustenanfall in die Realität zurückgeholt. Als er sich die Hand vorhalten wollte, ging ein stechender Schmerz durch die Hand. Dieser verdammte Kratzer. Als erstes würde er in Alabama einen Arzt aufsuchen und darauf hoffen, dass er an dem Scheiß nicht krepieren würde.
Als er sich wieder gefangen hatte, richtete er sich an seinem Platz etwas auf und warf einen Blick nach hinten, suchte nach Maria. Als erstes sah er Antonio, der in der vorletzten Reihe saß und gelangweilt aus dem Fenster sah. Auf der gegenüberliegenden Sitzreihe entdeckte er Maria. Carmen konnte er nicht sehen, ging aber davon aus, dass sie neben ihrer Mutter saß. Maria drehte ihren Kopf und für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke, bis Maria ihren Blick schnell wieder nach unten richtete.
Juan überlegte sich, zu ihr nach hinten zu gehen, auf die Anweisungen von Martinez zu spucken. Sie hatten es geschafft, sie waren raus aus El Paso. Ihnen konnte nichts mehr passieren. In dem Moment hielt der Bus. Juan drehte sich wieder nach vorne und versuchte zwischen den zwei vorderen Plätzen hindurch einen Blick auf die Straße zu werfen, konnte aber nichts erkennen.
Juan wollte sich gerade aus seinem Platz erheben, als die Tür des Busses aufglitt und ein Polizeibeamter hereintrat und auf den Fahrer zuging. Scheiße, eine Polizeisperre. Juan war nicht soweit gekommen um jetzt, ein paar Stunden vor seinem Ziel zu scheitern. Langsam zog er den Rucksack zu sich und fühlte seine Pistole sicher darin verstaut. Wenn der Polizist Verdacht schöpfen würde, würde er ihn…
Juan kam nicht dazu seinen Gedanken zu Ende zu denken, denn im gleichen Moment verließ der Beamte den Bus wieder und die Tür schloss sich hinter ihm. War’s das? Der Bus setzte sich langsam wieder in Bewegung. Juan rutschte wieder ans Fenster heran und sah, wie der Bus an mehreren Polizeiwägen vorbeirollte. Kurz danach waren einige Zelte errichtet worden, vor denen Fahrzeuge mit mexikanischem Kennzeichen standen.
Noch weiter dahinten sah Juan einen Drahtverhau, der wie ein kleines Internierungslager aussah. Juan sah darin Männer und Frauen sitzen. Mexikanische Männer und Frauen. Flüchtlinge wie er, die auf ihrer Flucht erwischt wurden. Als der Bus plötzlich nach links lenkte und auf den provisorischen Parkplatz zusteuerte, drückte sich Juan so stark er konnte in seinen Sitz und steckte seine Hand in den Rucksack, bis er das kühle Metall seiner Waffe spüren konnte.

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