Sonntag, 15. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 65

Untot - Band 2 - Kapitel 65
„Scheiße, was machst du denn hier? Ich hab dir doch gesagt, du sollst dich hinsetzen. Verdammt, wie schaust du überhaupt aus?“
Bob war überrascht, Juan plötzlich hinter sich zu sehen und verriss das Lenkrad. Juan konnte der Bewegung nichts entgegensetzen und stürzte. Er stürzte die Erhöhung zum Fahrer hinab und lag halb in der Treppe, die aus der Tür hinaus führte. Mit dem Kopf stieß er dabei gegen die vordere Verkleidung des Busses und sein Arm brach bei dem viel zu langsam ausgeführten Versuch, den Sturz abzufangen.
„Hey, scheiße. Ist dir was passiert? Ich hab dir doch gesagt… Ach du scheiße, dein Arm…“
Bob hatte den Bus wieder unter Kontrolle und war kurz besorgt, sah dann aber wie sich Juan erhob. Der rechte Arm hing gebrochen herunter und Bob sah das Blut auf Juans Hemd. Als er Juan ins Gesicht sah, bemerkte er selbst im Dunkeln, dass etwas nicht stimmte. Aus der Wunde am Kopf kam kein Blut, die Augen wirkten seltsam stumpf und die Gesichtsfarbe wirkte eigenartig fahl. Er sah aus wie ein Toter.
Mit der Erkenntnis traf ihn auch Juan, der sich nach vorne fallen ließ und mit voller Wucht auf Bob prallte. Bob konnte seine Hände nicht so schnell vom Lenkrad lösen und so traf ihn Juan ungebremst, riss ihn von seinem Stuhl und das Lenkrad verreißen. Der Bus schleuderte und krachte in die Mittelplanke. Währenddessen verbiss sich Juan in Bobs rechten Oberarm. Sein Kiefer krachte und seine Zähne durchdrangen Bobs rohes, zähes Fleisch.
Der Bus prallte von der Mittelleitplanke ab, die Räder blockierten, der Bus schleuderte quer in die Seitenplanke und begann zu kippen. Juan riss Bob das Fleisch aus seinem Arm. Bob lag wehrlos zwischen seinem Platz und der Fahrertür verkeilt, konnte sich gegen Juans Angrff nicht zur Wehr setzen, schrie laut auf, als sich das Fleisch herauslöste und sah Blut aus der Wunde fließen. Als der Bus nach rechts die Böschung hinab kippte, hatte sich Juan Bobs Hals fokussiert und während der Bus fiel, biss Juan zu.
Für Bob wurde die Welt dunkel.
Als der Bus ins Schleudern kam, wurden die Passagiere aus ihrem Schlaf gerissen. Gepäckstücke flogen herum, Menschen aus den Fenstern geschleudert und vom kippenden Bus begraben. Die Leute schrien auf, teils vor Überraschung, teils vor Schmerzen, manche bewusstlos, andere orientierungslos, Arme, Beine und Genicke knickten unter der Last der herumgeschleuderten Körper, Gehirne wurden erschüttert, Rippen geprellt und spitze Gegenstände durch menschliches Fleisch gebohrt.
Nur wenige überstanden den Unfall unverletzt. Eine Frau wurde aus einem geborstenen Fenster geschleudert und landete im hohen Gras, gerade weit genug entfernt, um nicht unter dem Bus begraben zu werden. Ein Mann rutschte zwischen die Stühle, konnte sich dort festhalten und hatte das Glück von keinem herunterfallenden Gegenstand getroffen zu werden. Als der Bus zum stehen kam, stand Mike auf. Der Bus lag auf der rechten Seite, darauf Verletzte, Tote und Gepäckstücke.
Mike sah vor sich ein kleines Mädchen, ging zu ihr, drehte sie um und erschrak. Beim Aufprall hatte sie sich ihren Kopf gestoßen, ihre ganze rechte Gesichtshälfte war blutiger Brei und ein Auge hing los aus der Augenhöhle. Mike versuchte nicht die Beherrschung zu verlieren und suchte nach ihrem Puls. Er nahm ihren Arm, konnte nichts fühlen und suchte an ihrem Hals, konnte aber nichts fühlen. Gerade, als er aufgeben wollte, stöhnte das Mädchen auf. Sie schien noch zu leben. Mike nahm sie hoch, kletterte über andere Verletzte, Tote und Gepäckstücke und ging nach vorne. Die Frontscheibe war zerborsten und der einzige Weg, den Bus zu verlassen.
Auf dem Weg nach vorne kam ihm am Boden ein anderer Verletzter entgegen, der sich mit einem Arm über den Boden zog. Den anderen Arm zog er hinter sich her, ebenso seine Füße. Seinen Kopf zierte eine tiefe Verletzung.
„Hey Mann, hören sie, bleiben sie einfach liegen. Ich komm gleich wieder und hol sie hier raus.“
Der Mann schien unter Schock zu stehen und zog sich weiter. Weiter auf Mike zu. Mike ging auf den Mann zu, beugte sich zu ihm hinunter und sprach ihn erneut an.
„Hallo? Ich sagte, ich komme gleich, und hole sie hier raus. Wenn ich nur wüsste, wo mein scheiß Mobiltelefon ist. Hey? Was machen sie da?“
Der Mann klammerte sich mit seiner unverletzten Hand an Mikes Fuß und zog sich zu ihm. Dabei verlor Mike sein Gleichgewicht und landete unsanft auf seinem Hinterteil, stets darauf bedacht, das Mädchen nicht loszulassen.
„Au, scheiße Mann, bist du verrückt? Ich hab doch gesagt, ich… AAAAAHHHH! Nein, aaaaah, scheiße, mein aaaaaaahhhhh…“
Juan biss in seinen Fuss und riss ein Stück Fleisch heraus. Mike schrie, schrie um sein Leben und vor Schmerz. Er begann nach Juan zu treten, konnte den Griff um seinen Fuß aber nicht lockern. Wie ein Schraubstock hielten die Finger den Knöchel umschlossen. Erneut schnellte sein Kopf nach  unten, hinein in das warme, saftige, rohe Fleisch. Mike legte das Mädchen zur Seite, trat gegen Juans Kopf, nahm alle seine verbleibende Kraft zusammen und trat um sein Leben.

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