Montag, 16. Mai 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 66

Untot - Band 2 - Kapitel 66
Ein fester Tritt gegen Juans Kopf zeigte dann doch noch Wirkung. Ein lautes Knacken zeugte davon, dass ein Wirbel gebrochen war. Ohne die stützende Wirkung des Genicks, konnte Juan den Kopf nicht länger oben halten und so baumelte der Kopf nutzlos nach unten. Die Zähne schnappten ins Leere, aber die Hände umschlossen weiterhin den Knöchel. Mike biss die Zähne zusammen und fluchte. Was für eine verdammte Scheiße.
Er wurde gebissen. Von so einem Zombieding. Verdammte Scheiße. Deswegen war er aus El Paso geflohen und jetzt hatte es ihn eingeholt. Ausgerechnet hier in diesem Bus. Was würde jetzt aus ihm? Würde er sich auch in einen dieser, dieser  Untoten verwandeln? Würde er sterben und zurückkommen, um die Seuche weiterzugeben? Vielleicht, aber nicht jetzt. Jetzt würde er erst dieses Mädchen retten.
Wütend trampelte er auf dem Juans Arm, bis sich der Griff tatsächlich lockerte. So schnell es ging, zog er seinen Fuß zurück. Die beiden Bisswunden bluteten ordentlich und er sah an einer Stelle einen Teil seines Knochens. Die Schmerzen waren dagegen gerade erträglich. Sein Körper hatte genügend Adrenalin ausgeschüttet, um ihn nicht in Ohnmacht kippen zu lassen.
Um die Blutung zu stillen, zog sich Mike sein Hemd aus und band es um die blutenden Wunden. Aus den Augenwinkeln sah er Juan wieder auf ihn zukriechen.
„Diesmal nicht, du Mistkerl.“
Mike wollte aufspringen, nur um im gleichen Moment umzukippen. Verdammt, verdammt, verdammt. Das war nicht nur eine einfache Fleischwunde. Dieser verdammte Mistkerl hatte seine Beinmuskulatur verletzt. Mike konnte nicht mehr laufen und verdammt, er würde es in diesem Leben auch nie wieder können. Mit den Händen zog er sich an einem der quer liegenden Sitzreihen hoch, stand auf einem Bein.
Das Mädchen würde er so nicht mehr retten können, aber er selbst könnte dem Ding davon humpeln. Er legte alle Kraft in die Arme, beugte sich weit nach vorne bis er wieder Halt fand und stieß sich mit dem gesunden Bein ab. Der Aufprall ging durch den ganzen Körper und verursachte höllische Schmerzen in seinem verletzten Fuß. Mike befürchtete von dem Schmerz ohnmächtig zu werden, konnte sich aber im letzten Moment fangen und zog sich weiter, weiter nach vorne, weiter aus dem Bus.
Am Ende der Sitzreihen angekommen, warf er einen Blick nach hinten. Der Abstand war nicht groß, aber das Ding war inzwischen anderweitig beschäftigt. Mike sah ihn über dem Mädchen, sah wie sich der herabhängende Kopf über dem Körper des Kindes befand und seine Zähne in das junge Fleisch hinein schlug. Verdammte Scheiße, das hatte das junge Ding nicht verdient, aber Mike konnte ihr nicht mehr helfen. Er konnte noch nicht mal sich selber helfen.
Langsam ließ er sich zu Boden gleiten, versuchte den verletzten Fuß so wenig wie möglich Erschütterungen auszusetzen und begann am Boden liegend, sich über den Boden zu ziehen. Herumliegende Glassplitter machten dies nicht einfacher, aber er hatte keine Wahl. Er musste aus dieser Todesfalle raus. Er würde sterben, das wusste er, aber er wollte nicht hier sterben. Wollte nicht bei lebendigem Leib aufgefressen werden. Nein, bei Gott, das wollte er nicht. Ohne sich umzusehen, zog er sich weiter. Weiter aus dem Bus.
„Oh mein Gott, kann ich ihnen helfen?“
Überrascht sah Mike in das Gesicht einer Frau. „Wer sind sie?“
„Ich… ich bin Carol, ich war auch in dem Bus. Ich wurde hinausgeschleudert… ich… ich glaube… ich glaube es geht mir gut.“
„Gut Carol, helfen sie mir bitte auf und haben sie ein Mobiltelefon dabei?“
„Ein… ja, natürlich.“
Carol griff an ihre Seite, an der normalerweise eine Handtasche hing, ins Leere.
„Oh…“
„In ihrer Handtasche?“
„Ja… ja, ich glaube.“
„Gut, helfen sie mir bitte hoch. Wir müssen hoch auf die Straße.“
„Was… was ist mit den anderen Leuten?“
„Carol, wir müssen hier weg. Schnell. Da drin ist eins von den Zombiedingern und schon bald werden es mehr sein.“
„Oh mein Gott, aber sie sind verletzt. Wurden sie gebissen?“
„Ja, aber es geht mir gut und…“
„Nein. Im Fernsehen haben sie gesagt… nein, gehen sie weg.“
Carol schrie und bewegte sich von Mike weg. Es war zwecklos, sie würde ihm nicht helfen. Er wurde gebissen, sein Schicksal war besiegelt.
„Carol? Carol! Hören sie mir zu. Lassen sie mich liegen, aber holen sie bitte Hilfe. Gehen sie hoch und laufen sie. Laufen sie, bis sie ein Auto sehen, oder ein Telefon. Holen sie bitte Hilfe. Dort drinnen sind noch verletzte Menschen, die Hilfe brauchen…“
Carol sah Mike mit einem panischen Gesichtsausdruck an, schien ihn nicht zu hören und wich immer weiter zurück, stammelte immer wieder, dass er weg gehen solle und steigerte sich langsam in eine Hysterie. Es war zwecklos, sie würde ihnen nicht helfen. Mike gab auf, drehte sich auf den Rücken und schob sich mit dem gesunden Fuß vom Bus weg. Hinter ihm ertönte plötzlich ein gellender Schrei, als Carol von dem toten Busfahrer in den Hals gebissen wurde.

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