Donnerstag, 30. Juni 2011

Korrekturleser of the Dead

Mein Aufruf zur Unterstützung beim Korrekturlesen blieb nicht lange unbeantwortet. Tanja R., 42, geborene und überzeugte Berlinerin, stellt sich ab sofort todesmutig meinen nicht korrigierten Texten entgegen. Dass Tanja als Berlinerin dabei einen komplett anderen kulturellen Hintergrund genießt, kommt mit Sicherheit auch der einen oder anderen der Mundart geschuldeten schiefen Formulierung zugute. Zudem kann mich Tanja mit Polizei-Know How unterstützen und so helfen, den einen oder anderen Faux Pas zu vermeiden.

Eine traurige Mitteilung für alle Junggesellen: wie alle Frauen, die gute Zombiegeschichten mögen, ist Tanja bereits in festen Händen.

Tanja dazu: Keene Schimmer wat dat wird, aber ick freu mir dolle druf.

(Übersetzung: Keine Ahnung was auf mich zukommt, aber ich freue mich echt drauf, da mitzumischen.)

Untot - Band 3 - Kapitel 10

Kapitel 10
Brauns Sorge war unbegründet, die Tür hielt. Sie war dafür zu hoch und außerdem zu klein, um überhaupt der Wucht einer großen Anzahl  Zombies ausgesetzt zu werden. Während draußen untote Hände an die stillstehende Lok hämmerten, informierte Paul Braun über ihre Beobachtungen.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 9

Irgendwie spinnt Blogger heut. Bei mir steht das Kapitel unter Kapitel 7 und 8 und lässt sich auch nicht hochschieben. Aus dem Grund hab ich den Eintrag hier angelegt. Ansonsten schaut das blöd aus, oder das Kapitel wird übersehen.

Hier geht's also zu Kapitel 9.

Manchmal nervt mich der Kram hier.

Achja, ich suche einen zuverlässigen Korrekturleser und mit zuverlässig mein ich, dass ich regelmässiges und zeitnahes (so alle zwei, drei Tage) Feedback erhalte. Ich erwarte keinen Deutschspezialisten, sondern nur jemand, dem Vertipper auffallen, oder der mich darauf hinweist, wenn ich Scheiße schreibe.


Interessenten schreiben mir eine Email oder verewigen sich mit Fragen in den Kommentaren.


Es winken Ruhm und Ehre, eine Erwähnung im Vorwort von Band 3 und natürlich die Möglichkeit, exklusiv schon vorab in neue Kapitel reinschnuppern zu können. Mit ähm ... Geld ... kann ich vorerst nicht dienen.

Update 30.06.: Hat sich erledigt. Es hat sich bereits ein williger Unterstützer gefunden.

Dienstag, 28. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 8

Kapitel 8

Regen und starke Winde peitschten in das Gesicht der Männer, als sie das schützende Abteil des Zuges verließen. Der Zug stand auf freiem Feld, mit bloßem Auge waren keine Untoten zu sehen. Der Grund für den Halt des Zugs lag vor ihnen. Der vermisste Transportzug lag dort. Äußerlich unberührt und kein Anzeichen eines Unfalls waren zu sehen.

Montag, 27. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 7

Kapitel 7

Guba machte sich gar nicht die Mühe, Braun die Hand zu reichen. Stattdessen blieb er nur stehen und ließ den Soldaten an sich vorbeiziehen. Im Gegensatz zu Bölak war er mit geschätzten 1,60 relativ klein. Der Polizeihauptmeister schätzte ihn auch einige Jahre jünger, vielleicht Ende 20, aber mit muskulöser und massiger Statur. Braun machte sich daran, den Waggon zu betreten. Die beiden Lokführer ignorierte er.

Der ihm nachfolgende Oberfeldwebel machte sich fast entschuldigend die Mühe, die Zivilisten mit Handschlag zu begrüßen und ihnen zu versichern, wie sehr er sich auf die Zusammenarbeit freue. Die unteren Dienstgrade taten es ihrem Offizier gleich und ignorierten die Zivilisten, während sich die Polizisten auch kurz die Zeit nahmen, um die Männer zu begrüßen. Die Lokführer stellten sich mit Martin Eichler und Alfons Zwirner vor. Zwei nette, aber verunsichert wirkende Männer, die nicht so recht wussten, was auf sie zukommt.

Als alle Männer ihre Plätze eingenommen hatten, schlossen sich die Türen und der Zug rollte in die Ausfahrtsschleuse. Laut knirschend rollte das schwere Schleusentor hinter ihnen in Position. Paul betrachtete die Konstruktion und überlegte, ob das Tor einen fahrenden Zug stoppen könnte.

„Sie schauen so fragend. Kann ich ihnen helfen, Herr …?“ Paul erschrak, hatte er den Hünen doch nicht näherkommen hören. Wie konnte sich so ein Koloss von einem Mann so lautlos bewegen?

„Bährer. Polizeihauptmeister Paul Bährer. Wir können uns aber auch gern duzen.“

„Gerne. Khalil.“

„Paul.“

„Nun Paul, du schaust so aus, als würde eine Frage auf dir lasten.“

„Ich habe nur überlegt, ob diese Schleusentore einen Zug stoppen könnten.“

„Warum sollten sie das tun?“

„Weil wir unterwegs sind, ein mögliches Zugunglück zu untersuchen. Wenn der Zug ungebremst in die Schleuse von MO1 gerast ist, was würde dann passieren?“

„Na was wohl? Das Tor würde so reagieren, wie ein Garagentor, in das sie mit ihrem Wagen hineinkrachen. Diese Tore wurden geschaffen, um die Untoten abzuhalten und nicht einen 100 Tonnen-Zug, der mit über 100 Kilometer in der Stunde angerauscht kommt.“

„So wie du das jetzt formulierst, klingt das einleuchtend.“

„Danke.“

„Was denkst du, was passiert ist?“

„Wissen wir nicht. Die Lok war frisch gewartet, die Strecke an sich in gutem Zustand. MO1 ist auf dem letzten Stand, mit Notstromaggregaten, abgesperrten Bereichen und einem Alarmsystem.“

„Warst du schon mal dort?“

„Ja, sogar zusammen mit Hans. Vor drei Monaten haben wir die ganze Elektronik gewartet. Das Ding ist uneinnehmbar. Mit den ganzen Vorräten könnten sie Jahrzehnte darin überleben.“

Sebastian hatte schon seit einiger Zeit dem Gespräch gelauscht. Mit einem Ruck erhob er sich von seinem Platz und begann sich in das Gespräch einzubringen.

„Könnte es denn sein, dass man die Vorräte für sich behalten will?“

„Was meinst du?“ Khalil wirkte ob dieser Frage verwirrt.

„Naja, wir sind doch alle nur Menschen. Dort wohnen Familien und sie wohnen in Sicherheit. Vielleicht sind sie eines Morgens aufgewacht und haben sich gedacht, dass sie die Tonnen an Lebensmitteln, das viele Wasser, die ganzen Vorräte, also einfach alles, für sich behalten könnten. Wir wissen nicht, wie lang dieser Mist hier noch gehen wird und die wissen es auch nicht.“

„Das glaube ich nicht.“ Erwiderte Khalil. „Die Soldaten werden alle paar Monate gewechselt, Kontakte zwischen Zivilisten und Soldaten sind zudem recht selten.“

„Ich kann es mir auch nicht so recht vorstellen. Die müssen doch wissen, dass jemand nachschauen kommt.“

„Schaut doch mal aus dem Fenster.“ Sebastian machte eine ausladende Bewegung und gab den Blick auf eine zerstörte Stadt frei. Untote wanderten zwischen den verlassenden Gebäuden und Ruinen und wandten sich dem vorbeifahrenden Zug zu.

„Unsere Welt ist am Arsch. Jeder ist sich selbst der nächste und kaum ein Überlebender, der nicht mehrere Verluste hinnehmen musste. Glaubt ihr denn wirklich, dass die meisten unter diesen Umständen rational und moralisch unbefleckt bleiben?“

„Und wie sollen sie die Soldaten überwältigen?“ Paul schien keineswegs überzeugt von Sebastians Theorie.

„Waffen sind doch heute keine Seltenheit. In einem Lager nahe MO1 wurden polnische Soldaten interniert. Die Waffen liegen da sicher heute noch rum.“

„Was wurde eigentlich aus den polnischen Soldaten?“ Khalil versuchte das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.

„Da hat man sich nicht mit Ruhm bekleckert. Um die 2000 Soldaten waren dort in einfachen Bretterbuden und in Zelten untergebracht. Als die Zs näher kamen, sind die Bewacher geflohen und haben die Gefangenen ihrem Schicksal überlassen. Es war ein furchtbares Gemetzel.“

„Davon habe ich noch nie gehört.“

„Das hat auch keiner an die große Glocke gehängt. Die Einwohner sprechen auch nicht gern darüber. Statt ihnen zu helfen, haben sie nur an sich gedacht. Die meisten mussten selbst mit ihrem Leben dafür bezahlen.“

Der Zug wurde langsamer, bis er schließlich ganz hielt. Noch bevor sie sich wundern konnten, ertönte eine Durchsage über das interne Lautsprechersystem des Zugs.

„Endstation meine Herren. Wir befinden uns rund 25 KM vor MO1, aber für uns ist hier Endstation. Wir wünschen ihnen noch einen schönen Tag.“

Sonntag, 26. Juni 2011

Vollständiges Posting auf der Startseite?

Ich bin grad a bisserl am rumexperimentieren.

Lest ihr die neuen Postings immer auf der Startseite, oder klickt ihr euch rechts über die Navigation durch die aktuellen Artikel?

Ich überleg mir nämlich gerade, auf der Startseite nur einen Teasertext unterzubringen, und den Rest hinter einem Link zu verstecken, so wie ich es mal testweise beim ZfoS-Artikel gemacht hab. 

Der Vorteil wär, dass die Startseite a bisserl aufgeräumter wär. Der Nachteil wär, dass man die Artikel erst anklicken muss, um sie komplett lesen zu können. Für Mobilleser evtl. ein Nachteil.

Soll ich mal eine Testphase machen und die Frage in einer Woche nochmal stellen?

Untot - Band 3 - Kapitel 9

Heute ein etwas längeres Kapitel. Ich konnte einfach nicht aufhören zu schreiben.


Neuer Trailer zu Zombies from Outer Space

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an das Interview mit Martin Hager, einem der Verantwortlichen hinter dem vielversprechenden Filmprojekt Zombies from Outer Space.

Jetzt gibt's endlich wieder ein Lebenszeichen in Form eines neuen Trailers:

Untot - Band 3 - Kapitel 6

Kapitel 6

Das Untergeschoss im Hauptbahnhof bot ein auf den ersten Blick komischen Anblick: es war leer. Genauso wie das erste Zwischengeschoss. Die Verwaltung hatte sich dazu entschlossen, diese Bereiche nicht für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, weil von hier aus sämtliche Lieferungen in alle Bereiche der Stadt durchgeführt wurden. Herumstehende und herumliegende Menschen würden diese nur behindern.

Nachdem sie ausgestiegen waren, sammelte Braun die Männer um sich.

„Alle anwesend? Vier, acht, sehr gut. Wir gehen jetzt zügig hoch zum Bahnsteig. Beisammen bleiben.“

Wieder gingen die Soldaten vorneweg und die Polizisten dahinter.

„Du magst den Braun nicht besonders, oder?“ wurde Paul plötzlich von Sebastian angesprochen.

„Nein, merkt man das etwa?“ entgegnete der mit einem sarkastischen Unterton in der Stimme.

„Naja, schon.“ Sebastian grinste etwas unbeholfen. „Hör mal Paul, das ist doch nur eine Mission. Könntest du da nicht dein persönliches Befinden etwas zurückstecken? Morgen sind wir wieder da. Ich bin mir sicher, dass in dem Lager alles in Ordnung ist.“

„Wenn du meinst. Hör mal Bastl“ er wusste, dass er nicht gern mit dem Namen angesprochen wurde „du hast mir vor einiger Zeit wahrscheinlich den Arsch gerettet, aber misch dich hier nicht ein. Das ist eine Sache zwischen Jan und mir.“

„Normalerweise würde ich mich auch nicht einmischen, aber wir sind ihm die nächsten zwei Tage unterstellt. Hör mal, auch wenn er ein Arsch ist, was ich nicht beurteilen kann, reiß dich einfach zwei Tage zusammen. Wenn’s hart auf hart kommt, wär es für uns alle hilfreich, wenn wir alle als großes Team zusammenarbeiten. Was meinst du?“

„Ich bin professionell genug. Wenn’s hart auf hart kommt, glaub ich viel eher, dass Braun sich in die Hosen scheißt. Alles was der kann, ist…“

„Was kann ich?“

Von den beiden Beamten unbemerkt stand plötzlich der Oberleutnant neben ihnen. Sie waren gerade die letzte stillstehende Rolltreppe hochgegangen und nicht erwartet, dass er oben warten würde.

„Das weißt du ganz genau.“ Presste Paul zwischen seinen Zähnen hervor. „Jetzt geh weiter, wir haben einen Job zu erledigen.“

Den restlichen Weg schwiegen die Männer. Im obersten Untergeschoss verging es den meisten ohnehin wieder. Hier lagen die Menschen wieder dicht an dicht und wieder hing der Gestank nach Exkrementen in der Luft. Angeblich war geplant, die den Hauptbahnhof umgebenden Gebäude von Untoten zu säubern, zu sichern und anschließend an die Flüchtlinge zu übergeben. Die letzten Monate waren die Kräfte mit Rettungsmissionen gebunden, die letzten Patrouillen blieben aber erfolglos. Wenn die Patrouillen wegfielen, könnte sich die Polizei auf diese neuen Herausforderungen konzentrieren. Paul konnte es kaum erwarten.

Wieder passierten sie eine Schleuse, die die Haupthalle des Bahnhofs von dem Untergrundbereich trennte. Eine Treppe führte die Truppe nach oben in die fast verlassene Haupthalle. Eine Gruppe Soldaten hatte sich auf einem Fleck ausgebreitet und lungerte dort herum. Als einer der Soldaten den Oberleutnant bemerkte, kam Bewegung in die Truppe. Braun hielt direkt auf die Männer zu.

„Meldung?“ warf er ihnen energisch entgegen. Sofort standen sie stramm und ein Unteroffizier antwortete.

„Unteroffizier Gruber, 112. Panzergrenadierdivision, erste Kompanie, Aufklärer, melde: Nach Aufklärungseinsatz warten wir auf Rücktransport in Außenposten LA2.“

„Gut, rühren. Herr Unteroffizier, wenn ich sie noch einmal dabei erwische, wie Penner auf einem öffentlichen Platz herumzuhängen, wird ich sie persönlich zur Rechenschaft ziehen.“

Zum Abschied grüßte Braun stramm militärisch. Die Soldaten erwiderten den Gruß und sahen dem Oberleutnant dabei zu, wie er in die Abfahrtshalle davonrauschte. Brunner und die anderen folgten, kurz darauf die Polizisten. Die Abfahrtshalle war belebter als die ehemalige Haupthalle. Arbeiter waren dabei Züge zu be- und entladen. Für die gefahrlose Einfuhr wurden Schleusen errichtet, die Eingänge mit massiven Mauern versperrt, oder weiträumig mit massiven Mauern umgeben.

„Gleis 25, da warten schon unsere Transportmöglichkeit und unsere zivilen Begleiter.“ Gab Braun die Richtung vor.

Der Trupp schwenkte nach rechts und fand dort eines der inzwischen gebräuchlichen Bahnfahrzeuge vor. Die Züge selbst waren mit Kühfänger-ähnlichen, abnehmbaren Vorrichtungen nach vorne hinaus gesichert, die wenigen noch im Gebrauch befindlichen Personenanhänger mit Eisengitter verstärkt. Da viele Transportzüge in kontaminierten Gebieten abgestellt waren, mussten häufig Personenwagen so umgerüstet werden, um damit Waren zu transportieren. Vor dem Zug standen vier Personen, auf die der Mustersoldat direkt zuhielt.

„Oberleutnant Braun, melde mich zum Dienst. Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich bei ihnen um unsere zwei Lokführer, und die beiden Techniker Hans Guba und Khalil Bölak handelt?“

„Das ist richtig. Hallo, ich bin Khalil und der Spezialist für die Zugelektrik.“ Paul schätzte den Mann auf Ende 30 und fast zwei Meter Körpergröße. Als er einen Schritt auf Braun zuging, um ihm die Hand zu reichen, wirkte der fast mickrig neben dem Hünen und Paul glaubte auch kurz einen Anflug von Verunsicherung in Brauns Gesicht zu erkennen.

Statt die ihm zum Gruß entgegengestreckte Hand anzunehmen, nickte er nur und wand sich einem der anderen Männer zu.

„Dann sind sie der Funkelektroniker Hans Guba?“

„Richtig? Wie haben sie das erkannt?“

„Ich habe ihre Personalakten studiert. Ich denke, wir wären dann soweit.“

Samstag, 25. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 5

Kapitel 5

Die Lebensbedingungen für Flüchtlinge im Bereich der befestigten Gebäude waren grenzwertig, hier in den U-Bahnstationen war sie katastrophal. Auf wenigen Quadratmetern waren ganze Familien untergebracht, an Schnüren herabhängende Decken und Tücher sorgten für einen Rest Privatatmosphäre. Es stank erbärmlich nach Kot und Urin, Ratten hetzten zwischen den Menschen, um kaum vorhandene Reste zu ergattern und nicht selten dienten die Ratten als willkommene Fleischergänzung.

Seuchen waren an der Tagesordnung und Todesfälle aufgrund falscher Ernährung kaum seltener. Das verzehrte Rattenfleisch war häufig mit Giften oder Zombieüberresten kontaminiert, die zwar nicht mehr den Virus übertrugen, aber doch für den Menschen unbekömmlich. Hohes Fieber und ein nach drei bis vier Tagen aussetzendes Herz war die Folge. Ähnlich, wie bei einer Kontamination mit dem Virus, allerdings kamen diese Toten nicht mehr zurück.

An all das musste Paul denken, als sie dem schmalen Pfad folgend das Zwischengeschoss durchquerten und in Richtung der Treppe gingen. Ein ehemaliger Backshop diente als Verwaltungsgebäude und gleichzeitig Unterkunft für die dort beschäftigten Beamten. Den ließen sie aber links liegen und gingen stattdessen die Treppen nach unten. Im Hintergrund war leise Musik zu hören „I Don’t Wanna Change The World“ sang Ozzy Osbourne. „Starker Song“ kommentierte einer der Soldaten. „Makabre Scheiße“ konterte Brunner.

Unten wartete bereits eine U-Bahn auf die Truppe. U-Bahnen waren in den zerstörten und überrannten Großstädten häufig die einzigen funktionierenden und sicheren Verbindungen innerhalb der Stadt. Strom war zum Glück kein seltenes Gut. Die Kraftwerke wurden vor dem Krieg als lebenswichtige Institutionen eingestuft und frühzeitig befestigt. Eine auch im Nachhinein weise Entscheidung. Große Teile der Überlebenden waren mit Strom versorgt, man hatte Licht, Wärme und fließendes Wasser. Mehr, als andere Länder zur Verfügung hatten.

Die U-Bahn war bis auf die dort stationierten Wachleute menschenleer. Für Reisen innerhalb der Stadt waren besondere Genehmigungen nötig, Wachleute kümmerten sich darum, dass die Leute sich daran hielten. Pro Wagen waren zwei Männer eingeteilt, die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen. Die Bahnen selbst fuhren auf Anforderung, der regelmäßige Pendelverkehr schon lange eingestellt. Dafür verteilte man darüber Nahrungsmittel und Vorräte.

Die Türen schlossen sich und die Bahn setzte sich in Bewegung. Der Fahrer fuhr auf Sicht und mit maximal 30 Stundenkilometer. Allzu häufig waren Menschen in den Tunnel unterwegs. Menschen, die auf anderen Stationen nach Verwandten oder Bekannten suchten. Noch war kein zentrales Verwaltungssystem aufgesetzt. Noch gab es hunderte Kinder, die keinen Eltern zugeordnet werden konnten.

Langsam passierten sie die nächste U-Bahnstation und spürten beim Vorbeifahren die Blicke der Flüchtlinge auf sich ruhen.

„Gespenstisch, was?“ Horsts Worte rissen Paul aus seiner Lethargie.

„Ja, schon. Weißt du noch, wie es hier früher aussah?“

„Du meinst, ohne die Scheiße auf dem Boden, ohne die Ratten, die zwischen fleckigen Matratzen herumhuschen und ohne Tote, die einfach liegenbleiben, weil die Nachbarn ihre Essensrationen übernehmen wollen?“

„Ja, so in etwa.“

„Nein, ich glaube nicht. Obwohl es noch kein Jahr her ist, dass alles anders wurde, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, dass es irgendwann anders war.“

Sie passierten die nächste U-Bahnstation und wieder der gleiche Anblick.

„Wusstest du, dass hier Kinder geboren werden?“

„Was meinst du?“

„Nach ich meine, schau dir das an. Möchtest du in diesem Dreck ein Kind groß ziehen?“

Paul beobachtete eine Ratte, die sich an einen schlafenden Mann heranschlich und ihm ein Stück Brot aus der Hand riss. Er sah sie noch davonhuschen, bevor er die Szene aus den Augen verlor.

„Nein, ich glaube nicht.“

„Wusstest du Paul, wie die Regierung wohnt? Die residieren auf Rügen, zusammen mit der Prominenz aus der Wirtschaft.“

„Und ohne die Regierung wären wir jetzt alle tot.“

„Quatsch. Tot. Meinst du, die rechtmäßige Regierung hätte uns nicht beschützt?“

„Nicht so laut Horst. Mit dem Scheiß hättest du dich in der Vergangenheit beinahe schon mal aufs Abstellgleis navigiert. Natürlich ist da einiges scheiß gelaufen, aber die Hauptsache ist doch, dass die Menschen leben.“

„Wenn du meinst.“

Paul fand es eher unwahrscheinlich, dass er Horst überzeugen konnte. Der ging ohne ein weiteres Wort zu verlieren zu Sebastian und Albert. Er dachte noch einige Minuten über seine Worte nach. Nein, er lag falsch. Wie unflexibel eine demokratisch gewählte Regierung auf die Krise reagierte, sah man am Beispiel Frankreich. Demonstrationen und Streiks lähmten das Land. Entsprechende Gesetze kamen zu spät und als Deutschland fiel, hatten die westlichen Nachbarn keinen Verteidigungsplan.

Zu sehr waren die französischen Truppen an ihrer Südküste und in Nordafrika eingebunden. Zu wenig hatten sie sich Gedanken darüber gemacht, wie sie die Zivilbevölkerung im Fall der Fälle beschützen könnten. Angeblich ist Wochen nach dem Fall von Paris der Kontakt zu den meisten französischen Enklaven abgebrochen. Die Optimisten meinten, dass nur der Strom weg wäre und die Akkumulatoren leer. Die Pessimisten sahen das naturgemäß etwas anders.

Freitag, 24. Juni 2011

Mir samma jetzt in Facebook drin - Update

I bin jetzt drin, jetzt bin i in.

Oder so. Auf jeden Fall ließ sich mein Kumpel Dirk nicht von meiner Facebook-Abneigung beeindrucken und hat für mich eine Facebook-Seite erstellt, auf der sich jetzt jeder öffentlich als Fan outen darf. Dazu gibt's jetzt hier auf der rechten Seite ein neues Facebook-Widget. Alle Firefoxler mit Ad-Blocker können hier klicken und "liken".

Gibt ja noch nicht genug Zombies. Auf Facebook.

Gute Idee? Schlechte Idee? Nervt das Widget? Entsteht ein Mehrwert, wenn auf Facebook täglich auf ein neues Kapitel hingewiesen wird? Oder sonst irgendwas?
Brauch ich jetzt auch einen Facebook-Account?

Kommentare erwünscht. 

Update 26.06.2011 - Und ich bin's jetzt auch. In Facebook drin.

Irgendwie doof, wenn ich Infos zum eigenen Buch nicht administrieren/selber hinzufügen kann.

Untot - Band 3 - Kapitel 4

Kapitel 4

Wie vereinbart trafen die Polizeibeamten im Foyer auf Braun, Feldwebel Brunner und drei weitere Soldaten in voller Kampfmontur. Die Bundeswehr war wie die Polizei mit Uniformen aus Aramidfasern ausgestattet, die dem Biss eines Untoten standhalten konnten. Im schlimmsten Fall zerfaserte das Gewebe und bildete ein kaum zu durchdringendes Gewirr.

„Hallo Bährer, freut mich, dass sie es einrichten konnten.“

„Hallo Braun.“

„Oberleutnant Braun, bitte“

Paul schwieg und seiner statt übernahm Horst das Wort.

„Hallo Herr Oberleutnant. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. Wie geht’s weiter?“

„Wir sollten uns kurz vorstellen. Die nächsten Stunden werden wir zusammenarbeiten und uns möglicherweise gegenseitig verteidigen müssen. Ich glaube, es wäre von Vorteil, wenn wir uns zumindest vom Namen her kennen würden, meinen sie nicht?“

„Doch Herr Oberleutnant, ich stimme voll und ganz mit ihnen überein. Möchten sie?“

„Danke. Also wer mich nicht kennt, ich bin Oberleutnant Braun, seit 18 Jahren im aktiven Dienst, nachträgliche Offizierslaufbahn und zuletzt Kommandant eines Panzergrenadierbataillons. Nach der Neuorganisation Leiter für Spezialeinsätze. Herr Oberfeldwebel?“

„Oberfeldwebel Brunner, seit 15 Jahren im aktiven Dienst, Unteroffizierslaufbahn. Habe unter Oberleutnant Braun eine Kompanie befehligt und bin Spezialist für schwere Waffen.“

Nacheinander stellten sich die unteren Dienstgrade und die Polizisten einander vor, bis die Reihe an Paul war. Wieder wollte Horst für ihn einspringen.

„Das ist Polizeihauptmeister Paul …“

„Aber Herr Polizeiobermeister“ fiel ihm Braun ins Wort „ich glaube, dass sich der Herr Polizeihauptmeister selbst vorstellen kann, oder?“

Widerwillig sprang er über seinen Schatten.

„Polizeihauptmeister Paul Bährer, 15 Jahre bei der Polizei. Können wir fortfahren?“

„Danke Herr Polizeihauptmeister.“ Kurz schien ein Grinsen über Brauns Gesicht zu huschen.

„In 10 Minuten brechen wir auf zum ehemaligen Hauptbahnhof. Dort steht eine Lok für uns bereit, die uns zu MO1 bringen wird. Dort warten auch bereits die zwei Zivilisten, die uns begleiten werden. Ich erwarte von allen Anwesenden ein Höchstmaß an Professionalität. An unsere Kollegen der Polizei ergeht nochmal der Hinweis, dass das Unternehmen durch mich geleitet wird und ich mir ihrer hundertprozentigen Loyalität sicher sein muss. Herr Polizeihauptmeister?“

Fiel es nur Paul auf, dass Braun alles dran setzte, ihn zu demütigen?

„Natürlich Braun, Entschuldigung, Herr Oberleutnant Braun natürlich. Sie dürfen mich übrigens Paul Bährer nennen. Ich mache mir nichts mehr aus Diensträngen.“

„Ich schon. Gut, meine Herren. Überprüfen Sie bitte nochmal ihre Ausrüstung. Ich würde nicht unbedingt damit rechnen, dass wir heute Abend wieder da sind. Ich hoffe, sie haben ihre Notfallrationen einstecken, falls sich unterwegs Verzögerungen ergeben.“

Braun sah mit seinen stechend blauen Augen in die Runde und die Männer nacheinander abnicken. Als sein Blick bei Paul hängenblieb, schenkte der ihm ein abfälliges Lächeln, bevor er ebenfalls abnickte. Der Oberleutnant strich sich mit seiner freien Hand über seine kurzgeschorenen blonden Haare, bevor er den Helm aufsetzte und den Riemen unter seinem Kinn befestigte.

„Sehr schön meine Herren, dann Abmarsch.“

Mit Braun an der Spitze und von Brunner flankiert, setzte sich die Kolonne in loser Marschordnung in Bewegung. Paul hatte sich selbst als Nachhut eingeteilt und Horst leistete ihm Gesellschaft. So verließen sie das Foyer und traten hinaus in einen hellen Sommertag. Die vor ihnen liegende Mauer warf einen angenehmen Schatten und ein leichter Wind sorgte für eine angenehme Kühle in den Gefechtsoveralls. Hinter der Mauer hörten sie das Stöhnen der Untoten, nur wenige Meter von ihnen entfernt.

Am ersten Tag der Katastrophe waren dort draußen tausende Menschen. Horst hatte Paul davon erzählt, wie sie die Tore schließen und die Menschen dort draußen ihrem Schicksal überlassen mussten. Viele von ihnen waren bereits infiziert und eine Welle Verfolger war bereits gefährlich nahe. Braun hatte den Befehl gegeben, und damit Tausenden das Leben gerettet. So zumindest war die Überzeugung der Polizeiführung, die sie auch in ihrer Organisation nach unten gaben. Für Braun selbst war es ein Karrieresprungbrett, das schon bald die Beförderung zum Oberleutnant nach sich ziehen sollte.

Noch während er den Gedanken nachhing, hatten sie die U-Bahnstation erreicht. Diese war mit einem zusätzlichen Tor von dem Gelände dahinter getrennt. Eine Vorsichtsmaßnahme um einem Ausbruch des Virus vorzubeugen. Der Oberleutnant wechselte einige Worte mit der wachestehenden Hundestaffel und kurz darauf öffneten sich die schweren Eisentüren.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 3

Kapitel 3

„Ich bin auf jeden Fall dabei.“

„Sei nicht blöd Horst. Wir wissen nicht, was uns dort erwartet. Außerdem trau ich Braun nicht.“

„Das ist doch was Persönliches zwischen euch und hat keinen Einfluss auf die Mission. Komm, wir bringen das hinter uns und morgen sind wir wieder zurück. Wenn er doch irgendwas vorhat, kannst du vielleicht Rückendeckung brauchen.“

„Na gut, überredet, wen nehmen wir mit?“

„Ich wär für Max und Sebastian.“

„Max ist auf Nachtschicht, aber Sebastian ist gut. Der war auch in Stuttgart dabei, ein alter Hase.“

„Was denkst du von Albert?“

„Albert ist ein Psycho.“

„Aber ein verlässlicher Psycho, der keine Angst vor dem Tod hat.“

„Und ein Psycho, der uns alle in Gefahr bringen könnte. Du weißt, wie sehr er die Zs hasst. Der hat schon manchen Patrouillengang wie ein Selbstmordkommando erscheinen lassen.“

„Im Fall der Fälle hab ich lieber Albert an meiner Seite, als einen Angsthasen wie Tobias oder Jan.“

Beide waren gerade damit beschäftigt, sich auf die heutige Schicht vorzubereiten, als Paul sie fand. Sebastian hatte schon eine Vermutung, als er ihn auf sich zukommen sah. Sebastian Reichl war zusammen mit Paul und Horst in Stuttgart dabei und seitdem auf etlichen Patrouilleneinsätzen. Er hatte Nerven aus Stahl und auch noch etwas zu verlieren. Am Tag des Zusammenbruchs konnte er seine Frau und seine Kinder in Sicherheit bringen.

Ganz im Gegenteil zu Albert Bachmeier, der sich weiterhin stur seiner Ausrüstung widmete und Pauls Rufe ignorierte. Als sie in sein Haus kamen, war er im ersten Stock. Seine Frau und ihre gemeinsamen zwei Kinder hatten keine Chance. Albert tat das einzig richtige und wofür er sich heute noch verfluchte. Er verbarrikadierte sich im Obergeschoss und floh anschließend aus einem Fenster, schoss sich den Weg frei und ließ diejenigen hinter sich, die er liebte. Als er die Sicherheitszone erreicht hatte, übernahmen die Emotionen und fünf Männer mussten ihn zurückhalten, mussten ihn daran hindern, sich mit bloßen Händen den Zombies entgegenzustellen. Diese unbändige, in ihm innewohnende Wut war es, die ihn antrieb und die sich Paul zunutze machen wollte.

„Verdammt Albert, würdest du mir jetzt bitte deine Aufmerksamkeit schenken?“

„Verschwinde Bährer. Was wollt ihr denn mit mir? Meinst du, ich weiß nicht, dass ihr hinter meinem Rücken redet? Meinst du ich weiß nicht, was ihr da redet? Hältst du mich für blöd? Lass mich einfach meinen Dienst tun und verschwinde wieder.“

„Komm schon Albert. Du bist in erster Linie immer noch Polizist. Meinst du, du tust deiner Familie einen Gefallen, wenn du dich selbst …“

Er konnte den Satz nicht vollenden, weil Bachmeier überraschend aufsprang und Paul zurückdrängte. Dabei drückte er seinen Unterarm unter sein Kinn und drückte ihn an die gegenüber stehenden Spinde. Die Spindwand krachte beim Aufprall laut auf.

„Hör zu Bährer. Ich sag’s dir nur einmal. Lass meine Familie da raus. Sie sind tot und die haben uns nicht gewarnt. Sie hatten keine Chance.“

Geduldig ertrug der Polizist den Gewaltausbruch des Witwers.

„Weißt du wie es ist, eine Familie zu verlieren? Weißt du das? Natürlich weißt du das nicht. Du hattest ja keine Familie. Du kennst nicht den Schmerz, der nie abzuklingen scheint. Wenn ich einschlafe, höre ich ihre Schreie, in meinen Träumen höre ich ihre Schreie und wenn ich aufwache, höre ich ihre Schreie.“

Mit der freien Hand schob sich Paul eine Strähne seiner dunkelbraunen Haare zurück, bevor er mit ruhiger Stimme erwiderte.

„Nimm den Arm weg, oder ich brech ihn dir.“

Bachmeier sah das Funkeln in den Augen des Brünetten Beamten und zog augenblicklich seinen Arm zurück.

„Sorry, tut mir leid. Es ist mit mir durchgegangen.“

„Reden wir nicht mehr darüber. Schnapp dir deine Ausrüstung, volle Gefechtsbewaffnung, Sturmgewehr, Aramidoverall und Notrationen für zwei Tage. Wir machen einen Ausflug aufs Land.“

Mittwoch, 22. Juni 2011

Ich. Doof.

Warum sagt mir eigentlich keiner, dass ich den Prolog als Epilog betitelt hab? ARGH!

Hab's jetzt ausgebessert.

Untot - Band 3 - Kapitel 2

Kapitel 2

„Das Versorgungslager liegt 60 KM außerhalb Münchens und war stark befestigt. Neben den dort befindlichen 500 Zivilpersonen beherbergte es 100 Soldaten, die für die Sicherung der Einrichtung zuständig waren. Seit gestern Morgen ist der Kontakt zu dem Versorgungslager abgebrochen, der Alarm wurde nicht ausgelöst. In einer der letzten aufgefangenen Nachrichten wurden Probleme mit der Stromversorgung angesprochen. Allerdings ist das Lager auch mit Funkgeräten ausgestattet, die unabhängig vom Stromnetz betrieben werden können. Das erste Bild bitte.“

Die Leinwand hinter Braun wurde von einem Bild beleuchtet. Das Bild zeigte einen befestigten Bahnhof und ein ehemaliges zum Lagerhaus umgebautes Parkhaus.

„Sie sehen hier das Außenlager München MO1. Das Außenlager MO1 beherbergt mehrere Tonnen Lebensmittel und angrenzend die befestigten Unterkünfte der dort tätigen Soldaten und Zivilpersonen. Nächstes Bild bitte.“

Das Bild wechselte und zeigte eine technische Konstruktionszeichnung.

„Mit einem Schleusensystem ist sichergestellt, dass Züge gefahrlos in MO1 einfahren können. Erst, wenn mögliche Infektionsherde beseitigt sind, werden die inneren Schleusen geöffnet. Ein System, dass sich unter anderem auch hier bewährt hat. Nächstes Bild bitte.“

Das nächste Bild zeigte eine Luftaufnahme des Versorgungslagers und des umgebenden Gebiets.

„Hier sehen sie die letzte Luftaufnahme. Diese ist von letzter Woche. Unseren Experten ist dabei keine Unregelmäßigkeit aufgefallen. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen können wir momentan keine Drohne oder Helikopter rausschicken. Auf dieser Luftaufnahme habe ich ihnen die wichtigen Bereiche der Anlage rot eingezeichnet. Markiert sehen sie die Einlassschleusen, den Kontrollturm, über den Schleusen und Bahnverkehr geregelt werden und die Wachhäuser, die Schleusen und Kontrollturm zusätzlich absichern.

Neben dem Versorgungslager haben wir auch den Kontakt zu dem letzten Zug verloren, der in dem Lager Fracht aufgenommen hat. Wir wissen nicht, ob er das Lager verlassen hat, das GPS-System des Zugs ist ausgefallen.“

Braun trat einen Schritt zurück und überließ Schäfer wieder die Bühne.

„Danke Herr Oberleutnant. Das Heer hat uns um Unterstützung gebeten, um unter der Führung von Oberleutnant Braun bei MO1 nach dem Rechten zu sehen. Nach derzeitigem Stand müssen wir von einem Unfall ausgehen, der die Infrastruktur von MO1 beschädigt, oder zerstört hat. Möglicherweise ist auch ein Feuer ausgebrochen, das große Teile der elektronischen Ausrüstung zerstört hat. Wir unterstützen das Heer, weil es sich um eine zivile Einrichtung handelt und unsere Aufgabe darin besteht, Überlebende zu bergen und zu beschützen. Noch Fragen?“

Ein Beamter meldete sich:

„Was heißt das jetzt im Klartext?“

„Das heißt, dass wir ein Team zusammenstellen werden, das zur Hälfte aus Polizei und zu anderen Hälfte aus Angehörigen des Heers besteht. Dieses Team muss unter der Führung von Oberleutnant Braun zwei Spezialisten  zu MO1 begleiten. Diese Spezialisten werden vor Ort versuchen, die Kommunikation in Gang zu bringen und ggf. den Transportzug wieder fit zu bekommen. Weitere Fragen?“

Nachdem sich niemand mehr meldete, wurde eine Folie mit der Teamaufstellung eingeblendet. An der Spitze stand Oberleutnant Braun, unter ihm ein Feldwebel Brunner und Paul Bährer. Als Paul sah, dass er in dieser Mission unter Brauns Kommando stehen sollte, sprang er wutentbrannt auf.

„Mit Verlaub, aber ich möchte gegen diese Entscheidung Protest einlegen. Ich werde mich Braun nicht unterordnen.“

„Sie sind unser erfahrenster Mann und sie werden sich Oberleutnant Braun unterordnen. Sie werden ein Team zusammenstellen und in zwei Stunden mit voller Kampfausrüstung mit ihrem Team im Foyer bereitstehen. Ich weiß, dass sie ihren eigenen Kopf haben, aber wir sind im Krieg und jeder von uns musste Kompromisse eingehen. Und die, die keine Kompromisse eingehen wollen, müssen die Konsequenzen dafür tragen. Haben sie mich verstanden?“

Paul setzte sich zurück auf seinen Stuhl und gab Schäfer mit einer Kopfbewegung und einem schnaubenden Geräusch zu verstehen, dass er den Wink verstand. Der Einsatzleiter spielte auf die Strafen für Dienstverweigerung an, die im Zuge des Kriegs mit standrechtlichen Erschießungen geahndet werden konnten.

„Ausgerechnet der Braun, ausgerechnet dieses Arschloch.“

Seinen Kopf in Pauls Richtung drehend erwiderte Horst:

„Komm schon, er ist professionell. Er ist einer der erfahrensten Offiziere im Heer. Außerdem soll es schon mal vorgekommen sein, dass bei Außeneinsätze Unfälle passieren und Menschen draufgehen.“

„Horst! Spinnst du?“

„Nur ein Scherz Kumpel, nur ein Scherz. Obwohl… wer weiß?“

Dienstag, 21. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 1

Nachdem die Ausgangssituation jetzt klar ist, beginne ich heute mit der Geschichte. Da es keine Einwände gab, beschränke ich mich auf Pauls Sichtweise und kehre zum Skript zurück.

Kapitel 1

Paul erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Wieder hatte er diesen Traum und wieder sah er den Oberleutnant vor sich. Immer wieder durchlebte er diese Minuten vor dem Flug in die Freiheit und zurück in den aktiven Dienst. Horst war auch schon wach. Die Beamten waren in einem großen Schlafsaal untergebracht. Pro Saal teilten sich 100 Beamte einen Raum in zwei Schichten und waren doch noch luxuriös beheimatet im Vergleich zu den Zivilisten, die auf wesentlich kleineren Raum schliefen und vor sich hin vegetierten.

Immer wieder gab es Gerüchte, dass man verlorene Gebiete zurückerobern wollte, aber heute erschien man davon so weit entfernt zu sein, wie nur möglich. Obwohl die Polizisten wenig Kontakte zum Heer hatten, war es allgemein bekannt, dass die Truppen stark dezimiert waren und die Ausbildung neuer Soldaten sich aufgrund von Platzproblemen schwierig gestaltete. Zudem waren viele erfahrene Soldaten und Überlebende des Kriegs zum Schutz der Regierung auf Rügen abkommandiert.

Horst schien sich weniger Gedanken zu machen und strahlte wie immer.

„Guten Morgen Kollege. Wieder schlecht geträumt?“

„Hab ich im Schlaf wieder geredet?“

„Ach geh, mach dir keine Sorgen. Die meisten hier haben irgendein Trauma zu bewältigen. Keiner hat die vergangenen Monate ohne persönliche Verluste oder grauenhafte Vorkommnisse erlebt. Im Vergleich zu Albert Bachmeier, der oft Stunden am Stück schreit, bist du ein ganz angenehmer Nachbar.“

„Naja, Albert musste auch mitansehen wie seine Kinder vor seinen Augen aufgefressen wurden. Dass der überhaupt noch im aktiven Dienst ist.“

„Weil wir keinen Mann entbehren können. Außerdem hätt er sich sonst eh schon umgebracht. Er meldet sich auch immer zu den riskanten Einsätzen. Wenn du mich fragst, legt er es drauf an draufzugehen.“

„Der könnte doch auch für seine Kollegen zur Gefahr werden, oder?“

Das Gespräch wurde jäh unterbrochen, als der morgendliche Weckruf ertönte, der die noch schlafenden Beamten zum Dienst rief. Nach dem Weckruf wurden Paul und Horst zusammen mit den restlichen Mitgliedern ihres Einsatzteams in den Sitzungssaal beordert. Der Sitzungssaal war der einzige Luxus, den man sich im besetzten München gönnte.

Polizisten und Armee waren in einem ehemaligen Bürogebäude im Münchner Norden untergebracht. Einst die Zentrale eines Mobilfunkanbieters, bot das Gelände mittlerweile Platz für die gesamte in München stationierte Polizei und Armee. Das Gelände war mit hohen Mauern gesichert und bot einen gesicherten Zugang zu einer U-Bahnstation. Die ehemalige, sich über alle Gebäude erstreckende Tiefgarage beherbergte den noch bestehenden Fuhrpark und diente gleichzeitig als Schleuse für Lastwagentransporte, die über eine Eingangsschleuse sicher in das Gebäude geführt werden konnten.

Die einst Schatten spendenden Bäume mussten Gemüsebeeten weichen, so wie jedes Fleckchen sicherer Erde mittlerweile für die Nahrungsproduktion genutzt wurde. Nur so war es möglich, die Nahrungsmittelreserven von Zeit zu Zeit um frische Produkte zu ergänzen. All das interessierte Paul auf seinem Weg zum Sitzungssaal aber nicht. Der Sitzungssaal war im obersten Stockwerk des Hauses unterbracht und gewährte einen Blick über das fast menschenleere und von Gefechten gezeichnete München.

Mit Artillerie hatten sie versucht den Vormarsch der Zs zu stoppen. Gebracht hatte es nicht viel, es waren zu viele und sie kamen von allen Seiten. Viele Artilleriestellungen ging irgendwann die Munition aus, andere wurden überrannt, wieder andere desertierten und suchten ihr Heil in der Flucht. Letzten Endes konnten sie den Feind nicht stoppen, aber solange aufhalten, dass hunderte gerettet werden konnten. Dass dabei die halbe Innenstadt zerstört wurde, war ein notwendiger Kollateralschaden, aber selbst ein Menschenleben wäre die Zerstörung wert gewesen, fand Paul.

Der Sitzungssaal war noch fast leer, nur wenige Beamten hatten sich aus den niederen Ebenen bereits eingefunden. Die beiden Freunde hatten noch fast freie Platzwahl. Wie üblich entschieden sie sich für eine der mittleren Sitzreihen. Weit genug vorne, um nicht als uninteressiert zu gelten, aber gleichzeitig weit genug hinten, um auch mal zwischendurch Meinungen auszutauschen. Dort warteten sie ab, bis nach und nach die restlichen Beamten eintrafen. Pauls Blick ging immer wieder zum Fenster, Regen peitschte gegen die Scheiben, und dahinter lag die tote Stadt.

Pünktlich um neun Uhr trat der Einsatzleiter Schäfer vor die versammelte Mannschaft.

„Guten Morgen meine Herren. Ich freue mich, dass sie so zahlreich erschienen sind. Weniger erfreulich ist, warum sie heute hier versammelt sind. Jüngste Ereignisse lassen darauf schließen, dass wir ein Versorgungslager verloren haben. Aus dem Grund übergebe ich das Wort an Oberleutnant Braun, der …“

Die restlichen Worte zogen ungehört an Paul vorbei. Als Braun die Bühne betrat, spürte er Hass in sich aufsteigen. Ein in ihm innewohnender alles verschlingender abgrundtiefer Hass. Erst die Worte Horsts rissen ihn wieder aus seiner temporären geistigen Abwesenheit.

Montag, 20. Juni 2011

Über ungedeckte Schecks und Literaturpäpste im öffentlichen Fernsehen

Hand hoch: Wer kennt das Literaturmagazin "Druckfrisch"? Ah, du, da hinten. Sehr gut. Setzen, eins.

Und wer kennt Dennis Scheck? Literaturkritiker, ach, was sag ich, Literaturpapst, unterwegs im Auftrag des öffentlichen Fernsehens. Keiner? Auch gut, ich auch nicht.

David Gray kennt ihn dafür umso besser, und verfolgt seine Sendung regelmässig. Eins missfällt dem David dabei aber, nämlich wie Herr Scheck mit Exemplaren von Büchern umspringt, die nicht seinem Gusto entsprechen. Diese werden kurzerhand in der Ablage P entsorgt. Meiner Meinung nach für Machwerke wie das von Thilo Sarrazin ein mehr als angemessener Ort.

Wer mich zudem länger und meine alten Reviews auf Heavyhardes.de kennt, der weiß, dass ich Bands auch nicht immer mit Samthandschuhen angefasst hab.

Darf Kritik unter die Gürtellinie gehen, oder sollte man vor dem Künstler, oder dem Schaffenden, genügend Respekt behalten? Sollte man die zweifelsfrei investierte Lebenszeit zumindest mit Respekt honorieren, unabhängig davon, wie schlecht der Rest ist? Meinungen sind bei mir und auf Davids Blog willkommen.

Ende Prolog

Mit dem heutigen Kapitel beende ich den Prolog und ab morgen startet die eigentliche Geschichte.

Ziel des Prologs war, erstmal auf die Welt einzustimmen, eine Brücke zum ersten Teil zu bauen und die grundlegenden Regeln der Welt nochmal zu erklären, ohne zu sehr in Faktenzählerei zu verfallen, oder das es zu sehr aufgesetzt wirkt. Das nervt mich oft an Büchern, wenn das erste Drittel oft nur dazu dient, die vorangegangenen Bücher zu erklären, die Handlung oft komplett aufzurollen.

Weil mich das so langweilt, hab ich mich da absichtlich zurückgehalten. Kenner des ersten Buchs finden hoffentlich genügend Bezüge (sowie eine Kompensation für das eher schwache Ende) und Neuleser genügend Informationen.

Der Prolog endet absichtlich offen und gehe später darauf ein, was da passiert ist.

Prolog Teil 7

Mit dem Lastwagen kamen sie schnell voran. Die Straße war leer und schon nach wenigen Minuten kamen sie unter der gesperrten Autobahn durch, von wo aus der ehemalige Markt schon zu sehen war. Der Schriftzug wirkte wie ein Fremdkörper und ein Kontrast zu den Wachtürmen, die am Horizont hervorstachen. Als sie näherkamen, zeichneten sich langsam die Zäune, Containerbauten und Zeltkonstruktionen ab. Die Containerbauten hatten Ähnlichkeit mit den Behandlungszentren, in denen zu Beginn der Krise Infektionsfälle behandelt und die Wiederkehrer letztendlich beseitigt wurden.



Jetzt waren erste Konturen von Menschen zu sehen, die am Zaun herumstanden. Als sie näher kamen fiel Paul der schlechte Zustand der Zelte auf. Viele waren in sich zusammengestürzt, andere vom Wind halb aufgerissen und nur wenige standen noch aufrecht. Die Wachtürme schienen ebenfalls unbesetzt. Irgendetwas hier war absolut nicht in Ordnung. Paul stoppte den LKW.



„Warum hältst du an?“



„Da stimmt was nicht. Schau dir nur den Zustand des Lagers an.“



„Aber da sind doch Menschen.“



„Wer sagt, dass das Menschen sind?“



„Nein. Das ist eine Sicherheitszone. Natürlich sind das Menschen. Das können keine von diesen Dingern sein. Nein, das will ich nicht glauben.“



„Ich bin mir nicht sicher, aber es schaut schon stark danach aus. Ich fahre noch etwas näher.“



Der Motor heulte auf und langsam nahm das Fahrzeug wieder Fahrt auf. Während sie näher kamen, nahm die Menge vor dem Zaun langsam zu und als sie nah genug waren, konnten sie erkennen, dass sie sich am Zaun förmlich drängten. Jetzt bestand kein Zweifel mehr. Das Lager war gefallen, die Sicherheitszone nicht länger sicher.



„Paul? Das sind keine Menschen. Das sind die Dinger. Paul?“



„Ja. Ich hör dich schon und ich überlege.“



„Und was überlegst du?“



„Natürlich, wie wir hier rauskommen.“



„Warte? Was ist das?“



„Was ist was?“



„Da auf dem Dach.“



Sie deutete auf das Dach des Einkaufszentrums und jetzt erkannte er, was sie meinte. Die Rotoren eines auf dem Dach abgestellten Transporthelikopters setzten sich in Bewegung. Wieder würgte Paul den Motor des Lastwagens ab. Er riss die Tür auf und sprang auf die Straße. Kurz darauf hatten die Rotoren genügend Schwung um den Helikopter zu tragen und ließen ihn vom Dach abheben. Nach einem kurzen Schwenk kam er auf die beiden Flüchtlinge zu.



Wild winkend sprang Paul auf der Straße herum, bemüht die Aufmerksamkeit des Piloten auf sich zu ziehen. Tatsächlich hielt der Helikopter weiter auf sie zu und ging langsam tiefer. Das anfangs nur leicht brummende Geräusch wurde jetzt schnell lauter, bis es alle Geräusche in der Umgebung zu verschlucken schien. Die Gestalten hinter dem Zaun schienen von dem Lärm extrem angestachelt zu werden, aus dem Gedränge wurde ein unübersichtliches Gewühle, der Druck ließ den Zaun stark nachgeben.



Wenige Meter vor dem Lastwagen ging der Hubschrauber quer auf den Boden. Eine Seite offenbarte die Aufschrift „Heer“ und plötzlich sprang eine Tür auf. Nacheinander sprangen drei maskierte und bewaffnete Soldaten aus der Luke und richteten ihre Sturmgewehre auf Mutter und Sohn. Paul nahm die Hände hinter den Kopf und kniete sich auf den Boden, wollte keinen Anlass für eine Überreaktion geben. Gegen den Lärm des Helikopters versuchte Paul seiner Mutter zuzurufen, dass sie mit erhobenen Händen den Lastwagen verlassen solle. Er wusste nicht, ob sie ihn gehört hatte, aber tatsächlich stieg sie aus und stand mit erhobenen Händen neben dem Transportfahrzeug.



Einer der maskierten Männer drehte sich zum Helikopter um und brüllte etwas hinein. Aufgrund der Entfernung und des Lärms war der Inhalt nicht zu verstehen, aber kurz darauf kam ein Offizier aus dem Bauch des Helikopters. Paul erinnerte sich an seine Wehrzeit und konnte ihm den Rang eines Leutnants zuweisen. Der Offizier trug eine P8 in seiner rechten Hand und kam damit auf Paul zu.



„Wo kommt ihr her?“ schrie er gegen den Lärm an.



„Aus Paitzkofen.“



„Wo soll das sein?“



„Ungefähr 15 KM von hier.“



„Ihr hattet Glück, die ganze Gegend ist voller Zs.“



„Das haben wir gemerkt. Wir sind nur knapp einem Angriff entgangen.“



„Wurdet ihr gebissen. Nein, naja, nicht direkt.“



„Was soll das heißen?“



„Meine Mutter wurde bei einem Angriff verletzt, aber das ist nichts.“



„Das kann schon sein, sie werden aber verstehen, wenn wir sie testen müssen?“



„Natürlich.“



„Dann gehen sie bitte zum Helikopter.“



Der Offizier ließ von Paul ab und ging zu seiner Mutter. Während Paul zum Hubschrauber ging, sah er den Leutnant, wie er den Kratzer am Hals seiner Mutter genauer ins Auge nahm. Am Helikopter wurde Paul durchsucht, die Pistole abgenommen und der Test durchgeführt. Der Test fiel negativ aus. Gleich nach dem negativen Befund wurde er von einem der Soldaten ins Innere geleitet, oder vielmehr gezerrt. Kurz danach war seine Mutter an der Reihe.

Sonntag, 19. Juni 2011

Prolog Teil 6

Krankheitsbedingt heute etwas spät und meiner Meinung auch a bisserl schwächer. Ich tu mich heut echt schwer, meine Gedanken richtig in Worte zu fassen und sitz zum Teil über einem Satz ewig lang, die Kopfschmerzen machen die Denkerei auch nicht gerade zum Vergnügen.

Aber: Wer rastet, der rostet. Viel Spaß.

Prolog Teil 6

Edeltraud ging weiter. Sie waren langsamer als zuvor, aber noch konnten sie den Abstand zu den Untoten konstant halten. Vielleicht konnten sie sie auf der Straße abhängen, wenn sich nur eine Lücke auftun würde. Noch standen die Autos dicht an dicht, noch schien die Blechlawine undurchdringlich. Sie näherten sich einer Zubringerstraße und fanden dort das gleiche Bild vor. Wie Paul schon vermutet hatte, standen auch hier die Autos dicht an dicht.

Doch was noch schlimmer war, waren die Horden Untoter, die scheinbar nur noch von den Autos davon abgehalten wurden, sich auf die zwei einsamen Wanderer zu stürzen. Selbst wenn sie die drüber kämen, würden sie auf der anderen Seite schon empfangen. Sie hatten zwei Optionen: zurück auf die Straße und das Glück auf der anderen Seite der Autolawine suchen, oder dem Verlauf der Zubringerstraße folgen und sich damit immer weiter von der Sicherheitszone zu entfernen.

Paul entschied sich für die erste Möglichkeit. Er rief seiner Mutter zu ihm zu folgen und rannte hoch zur Straße, warf einen Blick über die Autos und konnte auf der anderen Seite keine Gefahr erkennen. Nicht auf der Straße, aber die Autos waren voller Untoter. Als sie ihn erkannten, schlugen sie wie schon zuvor gegen die Scheiben der Autos, zerrten an ihren Sicherheitsgurten und schienen auf Paul wie halbverhungerte Raubtiere.

Mit geschultem Blick fand er eine Route über die Wagen hinweg, die ihm sicher erschien. Sicherer als die vorhergehende Route. Er drehte sich um und sah seine Mutter hinter sich. Schnell bedeutete er ihr, auf das Auto vor ihm zu steigen. Mit seinen Händen formte er eine Räuberleiter und schob sie ein Stück weit nach oben. Edeltraud nahm die Hilfe an und landete schließlich auf der Motorhaube eines alten Japaners.

Paul sprang ihr hinterher, drängte sich an ihr vorbei und übernahm die Führung. Was von unten noch einfach aussah, entwickelte sich oben zu einem riskanten Hindernislauf. Arme ragten aus den Fenstern und versuchten sie zu erreichen, andere schlugen von innen dagegen und immer wieder dieses Stöhnen. Es schien von überall und nirgends zu kommen. Es hing einfach in der Luft und hüllte sie ein und zerrte an ihren Nerven.

Noch schlimmer als das Stöhnen war allerdings das, was sie auf der anderen Seite erwartete. Dort warteten bereits mehrere Zombies auf die beiden Flüchtlinge. Paul schätzte die Anzahl auf fünfzig bis hundert Untote. Ein Blick zurück zeigte, dass dieser Weg auch blockiert war. Die Verfolger hatten aufgeholt und versperrten den Weg zurück. Für Paul und Edeltraud gab es nur eine Richtung. Nach vorne. Auf den Autos.

Sie kamen nur langsam vorwärts. Bei jedem Auto galt es das Risiko abzuwägen und nicht selten stellte sich die Einschätzung als falsch heraus. Trotzdem kamen sie halbwegs zügig voran, immer begleitet von ihren Verfolgern. Einige Zombies erklommen trotz ihrer Ungelenkigkeit die Autos und setzten ihre Verfolgung auf diesem Weg fort. Dort stürzten sie oder fielen in Lücken zwischen den Autos, was den Verfolgten in die Hände spielten.

Nach einigen Minuten glaubte Paul das Ende zu erkennen. Er erkannte Zäune, Zelte und etwas, das wie Wachtürme aussahen. Das musste die letzte Station vor der Sicherheitszone sein. Dort würden sie in Sicherheit sein.

„Schau mal Mutter, da vorne ist das Ende. Hinter den Zäunen sind wir in Sicherheit, dort können wir uns ausruhen. Wir haben es geschafft.“

„Du hast es geschafft Paul“ keuchte seine Mutter. „Ich bin doch schon tot.“

„Nein, wir – wir werden“ er verstummte kurz, bevor er wieder ansetzte „wir werden es beide schaffen.“

Nach zwei Stunden erreichten sie die Straßensperre. Sie fanden sie verlassen vor. Die Straßensperre wurde von zwei MG-Nestern eingegrenzt und war durch einen zusätzlichen Zaun, der die Straße einrahmte, gesichert. Dahinter lagen die Zelte. Im linken Wachturm sah Paul ein Maschinengewehr, das beim Aufbruch anscheinend zurückgelassen wurde. Vielmehr interessierte Paul aber der LKW, der bei den Zelten stand.

Der ehemalige Beamte forderte seine Mutter auf, auf den Autos zu warten und sprang selbst auf den Boden. Kurz darauf schlugen die ersten Zombies auf den Zaun auf. Der Zaun rasselte, hielt dem Druck aber stand. Geduckt rannte Paul zu dem Zaun, der die Straße einrahmte und fand ein nicht verschlossenes Tor vor. Vorsichtig zog er an der Tür, konnte aber ein lautes Quietschen nicht vermeiden. Das Quietschen blieb nicht ohne Folgen. Hinter einem der Zelte stolperte ein Untoter in Armeekleidung hervor, der sich zielsicher in Pauls Richtung bewegte. Paul sah sich um, konnte aber nichts Nützliches entdecken, weshalb er sich zum Einsatz seiner Waffe entschloss.

Ganz ruhig legte er die Waffe an, wartete, zielte, wartete und drückte ab. Der Kopf des Zombies schien in einer grauen Wolke zu explodieren. Der tote Körper ging zu Boden. Paul wartete ein wenig und ging weiter zum LKW, als er sich sicher war, dass er alleine war. Plötzlich hörte er Schritte hinter sich, fuhr mit der Waffe in der Hand herum und sah seine Mutter, die auf ihn zugelaufen kam. Er ließ die Waffe sinken und im nächsten Moment sah er, warum sie nicht länger warten wollte.

Die wartenden Zombies waren dabei, die Autos zu erklimmen und würden das Hindernis bald überwunden haben. Eilig ging er weiter zum LKW, riss die Tür auf und zielte mit der Waffe ins Innere. Die im modischen Camouflage-Look gehaltene Kolorierung des LKWs deutete darauf hin, dass er von der Bundeswehr zurückgelassen wurde. Das, und das Sturmgewehr, das Paul im Inneren des LKWs vorfand. Ansonsten war der vordere Teil des LKWs leer.

Schwungvoll schwang er sich ins Innere, nahm das Sturmgewehr aus der Halterung und überprüfte gleich den Inhalt des Magazins, sowie den Zustand des Gewehrs. Das Magazin selbst war voll und das Gewehr gut gewartet. Mit dem Zündschlüssel hatte er nicht soviel Glück, das Zündschloss war leer. Ein Blick zur Straßensperre zeigte, dass die Zeit knapp wurde. Noch waren sie nicht auf die Straße gelangt, sie würden aber nicht mehr lange dafür brauchen.

Paul sprang aus dem LKW und rannte zu dem toten Soldaten. Angeekelt griff er in seine Hosentasche und griff in Mullbinden oder Taschentücher. In der anderen Hosentasche wurde er fündig. Rasch nahm er dem Soldaten noch die Koppel mit den Zusatzmagazinen ab und eilte zurück zum LKW. Seine Mutter war dabei ins Innere zu steigen, wobei er ihr noch Hilfestellung gab, bevor er selbst auf der anderen Seite einstieg und den LKW überraschend auf Anhieb starten konnte.

Keine Sekunde zu früh, denn inzwischen hatten schon die ersten Zombies die Barriere überwunden und wankten auf das Tor zu. Paul legte den ersten Gang ein und trat auf das Gaspedal. Der Motor heulte auf und langsamer als gewünscht, setzte sich der Lastwagen in Bewegung. Die Geschwindigkeit reichte aus, um das Tor zurückzuschleudern und drei Untote damit aus dem Weg zu schleudern. Scharf lenkte er nach links und brachte das Fahrzeug schlingernd unter Kontrolle.