Samstag, 18. Juni 2011

Prolog Teil 5

Prolog Teil 5

Der Schuss war wie ein Donnerschlag, übertönte alle anderen Geräusche und schreckte alle Streuner im Umkreis von Kilometern auf. Paul sah in das Gesicht seiner Mutter. Ihre Augen standen weit offen und ihre Finger tasteten sich zum dem Kratzer vor. Wie in Zeitlupe strich sie darüber und drehte die Fingern so, dass sie das verwischte Blut darauf sehen konnte. Tränen schossen ihr in die Augen.

Paul war wie versteinert. Dafür war er nicht ausgebildet worden. Es war nur ein Kratzer, aber Paul wusste, was das bedeutete und seine Mutter wusste es auch. Ihr Schicksal war besiegelt und niemand konnte etwas dagegen unternehmen. Innerhalb der nächsten drei Tage würde sie sterben und als Untoter wieder erwachen. Paul erwachte aus seiner Starre.

„Mutter komm, wir müssen hier weg. Der Schuss war sicher kilometerweit zu hören und ich weiß nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt.“

„Wo sollen wir denn hin? Paul. Ich werde sterben. Ich werde -“

„Nein Mutter, das wirst du nicht.“ Fuhr er ihr ins Wort. „Das ist doch nur ein Kratzer. Vielleicht hat er dich nicht infiziert. Das können wir nicht wissen. Bitte, wir müssen los.“

Pauls Ton wurde flehender und er sprach wider besseren Wissens. Natürlich wusste er, dass seine Mutter infiziert war. Die Forschungen diesbezüglich waren eindeutig und in seiner aktiven Dienstzeit wurden die Beamten mehrmals darauf hingewiesen, dass der Virus über den kleinsten Kratzer unwiederbringlich in die Blutlaufbahn des Menschen gerät.

„Nein. Ich bleibe hier. Ich halte dich nur auf. Allein kannst du es schaffen. Ich bin doch schon tot und du weißt das.“

Von weitem erkannte Paul Bewegung. Sie waren nicht länger allein.

„Wenn du hier bleibst, bleib ich auch hier.“

„Sei kein Idiot. Verschwinde jetzt. Ich bin deine Mutter.“

Noch während sie es aussprach, wurde ihr bewusst wie sich das für einen 32 jährigen anhören musste. Sie sah in seine Augen und erkannte darin Entschlossenheit. Sie erkannte, dass er sie nicht im Stich lassen wollte. Sie erkannte, dass er sich immer noch wegen seines Vaters grämte, von dem er sich nicht mehr verabschieden konnte.

„Also gut, ich komme mit, aber bitte geh jetzt endlich los.“

Paul willigte ein und vergewisserte sich, dass seine Mutter Schritt hielt. Es schien, als würde er sich in diesem Moment mehr um seine Mutter, als um die sich langsam nähernden Gestalten sorgen. Mit den Untoten hatte er keine Probleme. Gegen die hatte er schon oft gekämpft. Er hatte Stuttgart überlebt und würde auch das hier überleben. Aber seine Mutter nicht. Nein, doch, sie würde überleben. Er würde nicht zulassen, dass sie von diesen Dingern zerfleischt wird.

Als er bemerkte, dass seine Mutter nicht mehr Schritt halten konnte, wurde er langsamer und hielt schließlich an. Währenddessen waren die ersten Zombies schon so nahe gekommen, dass er erste Details an ihnen bemerkte. Er sah das getrocknete Blut, dass von ihnen oder ihren Opfern stammen konnte. Er sah ihren ungleichmäßigen, abgehackten Gang und er sah sie zielstrebig auf sich zukommen.

„Schmeiß das Rad weg. Das hält uns im Moment mehr auf, als es nutzen wird.“

„Aber wie willst du ihnen entkommen?“

„Hier nutzt es uns nichts und ich weiß nicht, ab wann die Straße wieder frei sein wird.“

„Weiter vorne ist doch noch die alte Landstraße. Wir könnten doch die nehmen.“

„Wenn sie frei ist und ich würde mich nicht darauf verlassen.“

Pauls Mutter schien kurz zu überlegen, bevor sie das Rad von sich stieß. Paul tat es ihr gleich, nahm sie bei der Hand und zog sie mit sich. Weiter vorne sah er eine Lücke. Wenn sie schnell genug waren, würden sie die Lücke nutzen und durchbrechen können. Danach hatten sie einen langen Fußmarsch vor sich und offensichtlich viele Begleiter. Paul zählte allein vor sich 30 von ihnen, ein schneller Blick nach hinten offenbarte noch einmal die gleiche Anzahl. Das waren aber nur die, die sie sehen konnten.

Er zog weiter an seiner Mutter, stets darauf bedacht, die Lücke zu nutzen, solange sie offenstand. Er sah jetzt die stumpfen Augen, sah wie sie die Zähne fletschten und sich ihnen zuwandten. Sie waren langsam, aber sie wurden nicht müde. Ihre Kraft ließ nie nach und selbst, wenn er sich den Weg freischoss, würden für die beseitigten weitere nachrücken und sie jagen.

Mit nur wenigen Metern Abstand jagten sie durch die freie Lücke und ließen die tumben Gestalten hinter sich. Es war noch weit bis zur sicheren Zone und sie durften nicht langsamer werden. Die Stimme seiner Mutter riss ihn aus seinen Gedanken. Sie bat ihn, die Geschwindigkeit zu reduzieren, weil sie am Ende ihrer Kräfte angelangt war. Viel zu früh. Sie hatten gerade mal wenige Meter zwischen sich und die Untoten gebracht.












































Kommentare:

  1. Bin auf deinen Blog hier gestern Abend zufällig gelandet und hab mich etwas kreuz und quer durch die vielen posts gelesen.
    Über die Geschichte kann ich noch nicht viel sagen, da mir der Überblick noch fehlt
    (das von hinten nach vorne lesen und so^^).

    Auf jeden Fall hat mich dein Blog neugierig gemacht und das ist nicht selbstverständlich.

    Die "do it yourself" Sache mit diesen e-books find ich übrigends sehr gut.

    Riecht aber nach viel Arbeit und auch etwas Herzblut hier.

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  2. Joa, die Anordnung ist leider a bisserl doof, ich hoff aber, dass du trotzdem Spaß mit meiner Geschichte hast.

    Herzblut ist definitiv vorhanden und ja, da steckt auch (leider) viel Arbeit dahinter.

    Auf der anderen Seite kann ich endlich eine Geschichte erzählen und das positive Feedback motiviert auch dann, wenn ich mal nicht so viel Bock hab.

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