Dienstag, 21. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 1

Nachdem die Ausgangssituation jetzt klar ist, beginne ich heute mit der Geschichte. Da es keine Einwände gab, beschränke ich mich auf Pauls Sichtweise und kehre zum Skript zurück.

Kapitel 1

Paul erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Wieder hatte er diesen Traum und wieder sah er den Oberleutnant vor sich. Immer wieder durchlebte er diese Minuten vor dem Flug in die Freiheit und zurück in den aktiven Dienst. Horst war auch schon wach. Die Beamten waren in einem großen Schlafsaal untergebracht. Pro Saal teilten sich 100 Beamte einen Raum in zwei Schichten und waren doch noch luxuriös beheimatet im Vergleich zu den Zivilisten, die auf wesentlich kleineren Raum schliefen und vor sich hin vegetierten.

Immer wieder gab es Gerüchte, dass man verlorene Gebiete zurückerobern wollte, aber heute erschien man davon so weit entfernt zu sein, wie nur möglich. Obwohl die Polizisten wenig Kontakte zum Heer hatten, war es allgemein bekannt, dass die Truppen stark dezimiert waren und die Ausbildung neuer Soldaten sich aufgrund von Platzproblemen schwierig gestaltete. Zudem waren viele erfahrene Soldaten und Überlebende des Kriegs zum Schutz der Regierung auf Rügen abkommandiert.

Horst schien sich weniger Gedanken zu machen und strahlte wie immer.

„Guten Morgen Kollege. Wieder schlecht geträumt?“

„Hab ich im Schlaf wieder geredet?“

„Ach geh, mach dir keine Sorgen. Die meisten hier haben irgendein Trauma zu bewältigen. Keiner hat die vergangenen Monate ohne persönliche Verluste oder grauenhafte Vorkommnisse erlebt. Im Vergleich zu Albert Bachmeier, der oft Stunden am Stück schreit, bist du ein ganz angenehmer Nachbar.“

„Naja, Albert musste auch mitansehen wie seine Kinder vor seinen Augen aufgefressen wurden. Dass der überhaupt noch im aktiven Dienst ist.“

„Weil wir keinen Mann entbehren können. Außerdem hätt er sich sonst eh schon umgebracht. Er meldet sich auch immer zu den riskanten Einsätzen. Wenn du mich fragst, legt er es drauf an draufzugehen.“

„Der könnte doch auch für seine Kollegen zur Gefahr werden, oder?“

Das Gespräch wurde jäh unterbrochen, als der morgendliche Weckruf ertönte, der die noch schlafenden Beamten zum Dienst rief. Nach dem Weckruf wurden Paul und Horst zusammen mit den restlichen Mitgliedern ihres Einsatzteams in den Sitzungssaal beordert. Der Sitzungssaal war der einzige Luxus, den man sich im besetzten München gönnte.

Polizisten und Armee waren in einem ehemaligen Bürogebäude im Münchner Norden untergebracht. Einst die Zentrale eines Mobilfunkanbieters, bot das Gelände mittlerweile Platz für die gesamte in München stationierte Polizei und Armee. Das Gelände war mit hohen Mauern gesichert und bot einen gesicherten Zugang zu einer U-Bahnstation. Die ehemalige, sich über alle Gebäude erstreckende Tiefgarage beherbergte den noch bestehenden Fuhrpark und diente gleichzeitig als Schleuse für Lastwagentransporte, die über eine Eingangsschleuse sicher in das Gebäude geführt werden konnten.

Die einst Schatten spendenden Bäume mussten Gemüsebeeten weichen, so wie jedes Fleckchen sicherer Erde mittlerweile für die Nahrungsproduktion genutzt wurde. Nur so war es möglich, die Nahrungsmittelreserven von Zeit zu Zeit um frische Produkte zu ergänzen. All das interessierte Paul auf seinem Weg zum Sitzungssaal aber nicht. Der Sitzungssaal war im obersten Stockwerk des Hauses unterbracht und gewährte einen Blick über das fast menschenleere und von Gefechten gezeichnete München.

Mit Artillerie hatten sie versucht den Vormarsch der Zs zu stoppen. Gebracht hatte es nicht viel, es waren zu viele und sie kamen von allen Seiten. Viele Artilleriestellungen ging irgendwann die Munition aus, andere wurden überrannt, wieder andere desertierten und suchten ihr Heil in der Flucht. Letzten Endes konnten sie den Feind nicht stoppen, aber solange aufhalten, dass hunderte gerettet werden konnten. Dass dabei die halbe Innenstadt zerstört wurde, war ein notwendiger Kollateralschaden, aber selbst ein Menschenleben wäre die Zerstörung wert gewesen, fand Paul.

Der Sitzungssaal war noch fast leer, nur wenige Beamten hatten sich aus den niederen Ebenen bereits eingefunden. Die beiden Freunde hatten noch fast freie Platzwahl. Wie üblich entschieden sie sich für eine der mittleren Sitzreihen. Weit genug vorne, um nicht als uninteressiert zu gelten, aber gleichzeitig weit genug hinten, um auch mal zwischendurch Meinungen auszutauschen. Dort warteten sie ab, bis nach und nach die restlichen Beamten eintrafen. Pauls Blick ging immer wieder zum Fenster, Regen peitschte gegen die Scheiben, und dahinter lag die tote Stadt.

Pünktlich um neun Uhr trat der Einsatzleiter Schäfer vor die versammelte Mannschaft.

„Guten Morgen meine Herren. Ich freue mich, dass sie so zahlreich erschienen sind. Weniger erfreulich ist, warum sie heute hier versammelt sind. Jüngste Ereignisse lassen darauf schließen, dass wir ein Versorgungslager verloren haben. Aus dem Grund übergebe ich das Wort an Oberleutnant Braun, der …“

Die restlichen Worte zogen ungehört an Paul vorbei. Als Braun die Bühne betrat, spürte er Hass in sich aufsteigen. Ein in ihm innewohnender alles verschlingender abgrundtiefer Hass. Erst die Worte Horsts rissen ihn wieder aus seiner temporären geistigen Abwesenheit.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    habe einen Rechtschreibfehler entdeckt:
    "und strahle wie immer"
    Ich meine es müsste: "strahlte" heißen.

    Kann den nächsten Teil gar nicht abwarten :D

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