Donnerstag, 30. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 10

Kapitel 10
Brauns Sorge war unbegründet, die Tür hielt. Sie war dafür zu hoch und außerdem zu klein, um überhaupt der Wucht einer großen Anzahl  Zombies ausgesetzt zu werden. Während draußen untote Hände an die stillstehende Lok hämmerten, informierte Paul Braun über ihre Beobachtungen.
„Das wissen wir nicht, aber die Leichen wiesen keine Bissspuren auf, waren nicht verwest und die Kleidung hatte nicht die üblichen Abnutzungserscheinungen. Alles hier deutet auf ein Verbrechen hin. Auf ein Verbrechen und auf große Probleme.“
„Probleme bekommen wir auch, wenn dieser Zug hier nicht endlich losfährt. Darf ich die Herren Guba und Bölak bitte etwas drängen, hier schneller zu machen?“
„Wir haben’s gleich“ erwiderte Hans auf die Frage Brauns. „Nur noch diese… versuch’s mal.“
Khalil betätigte einen Schalter und tatsächlich kehrte in diesem Moment das Leben in den stählernen Leib zurück. Das Lichte flackerte auf und die Maschine begann zu laufen. Khalil nahm das Funkgerät und signalisierte der Führerstelle, dass sie sich auf den Weg zum Außenlager MO1 machen würden. Zugleich kam auch Leben in die gegenüberliegende Lok, die sich langsam zurückzog.
Ein Ruck ging durch den Zug, als er sich langsam von der Stelle löste und hinten durch die Reihen der Untoten zu rollen begann. Erst langsam, dann immer schneller ratterte der Zug über die Gleise.  Körper, die unter die rollende Fracht gerieten, wurden zermalmt, auseinandergerissen und zerstückelt. Kurze Zeit später hatten sie die Meute hinter sich gelassen. Diese würden unbeeindruckt von der Geschwindigkeit der Lok die Verfolgung aufnehmen und erst dann abbrechen, wenn sie sich einem neuen Ziel zuwenden.
Ihr Weg führte durch Freising, das bei Gefechten während des Rückzugs großen Schaden genommen hatte. Ganze Straßenzüge wurden seinerzeit gesprengt, um den Überlebenden einen Vorsprung zu verschaffen. Die dort eingerichteten Sicherheitszonen waren nicht mehr zu halten gewesen und die dortigen Menschen mussten zu Fuß die Flucht Richtung München antreten. Die meisten schafften es nicht. Alte, Kranke, sogar Familien mussten zurückgelassen werden und wurden von den verfolgenden Zombies angefallen und infiziert.
Angeblich gab es in der Stadt noch zwei oder drei befestigte Gebäude, die von versprengten Einheiten des Heers und der Polizei gehalten wurden. Bei Überflügen wurden Hinweise darauf gefunden, aber aufgrund der hohen Kontaminierung wurde bisher keine Freigabe für eine Landaufklärung erteilt. Zu groß war das Risiko, bei der Aufklärung wichtige und zu viele Männer zu verlieren.
Innerhalb der Polizei kursierten mittlerweile Gerüchte über eine neue Uniform, die Menschen für die Untoten unsichtbar machen soll und bei solchen Einsätzen eingesetzt werden könnten.
Sie hatten noch ein paar Minuten bis MO1.
„War ganz schön knapp.“
„Das war es in der Tat, Herr Polizeihauptmeister. Ich muss gestehen, dass sie mit ihrer Einschätzung der Situation Recht behalten haben.“
„Wie werden wir bei MO1 vorgehen?“
„Wir werden vom Dach des Zugs aus die Gegend sichern. Von dort oben haben wir einen guten Überblick. Sie und ihre Männer werden in der Zwischenzeit die Schleusen öffnen. Sie müssen dazu von außen die Elektronik des Tors überbrücken. Nehmen sie dazu Guba zur Hilfe.“
„In Ordnung. Sagen sie Braun, sie haben doch sicher von den Späheranzügen gehört.“
„Späheranzüge? Ich habe keine Ahnung, wovon sie sprechen.“
„Angeblich wurden die Prototypen bereits in Stuttgart getestet. Sie sollen den Träger für die Zs unsichtbar machen. Erzählt man sich.“
„Hören sie Herr Polizeihauptmeister. Sie wissen besser als ich, dass unser Verhältnis nicht immer das Beste war. Sie wissen auch, dass wenn es so einen Anzug geben würde, dessen Existenz möglicherweise absichtlich geheim gehalten wird und sie der letzte wären, dem ich davon erzählen würde.“
„Danke Braun. Sie sind und bleiben ein Arschloch. Vielleicht kommt der Tag, an dem ich ihnen verzeihen kann, für das was sie getan haben.“
„Für das, was ich tun musste. Und das wissen sie genauso gut wie ich.“
Nachdem er das Gespräch aus einiger Entfernung belauscht hatte, gesellte sich Horst zu den Beiden.
„Lass gut sein Paul und komm mit. Ich glaub, es wäre nicht schlecht, wenn du nochmal mit Sebastian reden könntest.“
„Du hast Recht. Wir sehen uns Braun.“
Zusammen gingen sie zu Albert und Sebastian, die sich bereits angeregt unterhielten.
„Hey Sebastian, ich glaube, wir müssen reden.“
„Verdammt Paul, was war da draußen los mit dir? Muss ich in Zukunft immer damit rechnen, dass du zur Salzsäule erstarrst?“
„Nein, tut mir leid. Ich hab Scheiße gebaut und noch einmal wird es mir nicht passieren. Wir sind gleich bei MO1 und wir werden nicht viel Zeit haben. Wir müssen die Schleuse öffnen, den Zug hineinbringen und sicherstellen, dass die Schleusen zu sind, bevor zu viele Streuner eintreffen.“
„Sie meinen also, dass die Bewohner von MO1 infiziert und in den Wagen gesperrt worden sind? Wer sollte so etwas tun und warum?“

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