Donnerstag, 23. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 3

Kapitel 3

„Ich bin auf jeden Fall dabei.“

„Sei nicht blöd Horst. Wir wissen nicht, was uns dort erwartet. Außerdem trau ich Braun nicht.“

„Das ist doch was Persönliches zwischen euch und hat keinen Einfluss auf die Mission. Komm, wir bringen das hinter uns und morgen sind wir wieder zurück. Wenn er doch irgendwas vorhat, kannst du vielleicht Rückendeckung brauchen.“

„Na gut, überredet, wen nehmen wir mit?“

„Ich wär für Max und Sebastian.“

„Max ist auf Nachtschicht, aber Sebastian ist gut. Der war auch in Stuttgart dabei, ein alter Hase.“

„Was denkst du von Albert?“

„Albert ist ein Psycho.“

„Aber ein verlässlicher Psycho, der keine Angst vor dem Tod hat.“

„Und ein Psycho, der uns alle in Gefahr bringen könnte. Du weißt, wie sehr er die Zs hasst. Der hat schon manchen Patrouillengang wie ein Selbstmordkommando erscheinen lassen.“

„Im Fall der Fälle hab ich lieber Albert an meiner Seite, als einen Angsthasen wie Tobias oder Jan.“

Beide waren gerade damit beschäftigt, sich auf die heutige Schicht vorzubereiten, als Paul sie fand. Sebastian hatte schon eine Vermutung, als er ihn auf sich zukommen sah. Sebastian Reichl war zusammen mit Paul und Horst in Stuttgart dabei und seitdem auf etlichen Patrouilleneinsätzen. Er hatte Nerven aus Stahl und auch noch etwas zu verlieren. Am Tag des Zusammenbruchs konnte er seine Frau und seine Kinder in Sicherheit bringen.

Ganz im Gegenteil zu Albert Bachmeier, der sich weiterhin stur seiner Ausrüstung widmete und Pauls Rufe ignorierte. Als sie in sein Haus kamen, war er im ersten Stock. Seine Frau und ihre gemeinsamen zwei Kinder hatten keine Chance. Albert tat das einzig richtige und wofür er sich heute noch verfluchte. Er verbarrikadierte sich im Obergeschoss und floh anschließend aus einem Fenster, schoss sich den Weg frei und ließ diejenigen hinter sich, die er liebte. Als er die Sicherheitszone erreicht hatte, übernahmen die Emotionen und fünf Männer mussten ihn zurückhalten, mussten ihn daran hindern, sich mit bloßen Händen den Zombies entgegenzustellen. Diese unbändige, in ihm innewohnende Wut war es, die ihn antrieb und die sich Paul zunutze machen wollte.

„Verdammt Albert, würdest du mir jetzt bitte deine Aufmerksamkeit schenken?“

„Verschwinde Bährer. Was wollt ihr denn mit mir? Meinst du, ich weiß nicht, dass ihr hinter meinem Rücken redet? Meinst du ich weiß nicht, was ihr da redet? Hältst du mich für blöd? Lass mich einfach meinen Dienst tun und verschwinde wieder.“

„Komm schon Albert. Du bist in erster Linie immer noch Polizist. Meinst du, du tust deiner Familie einen Gefallen, wenn du dich selbst …“

Er konnte den Satz nicht vollenden, weil Bachmeier überraschend aufsprang und Paul zurückdrängte. Dabei drückte er seinen Unterarm unter sein Kinn und drückte ihn an die gegenüber stehenden Spinde. Die Spindwand krachte beim Aufprall laut auf.

„Hör zu Bährer. Ich sag’s dir nur einmal. Lass meine Familie da raus. Sie sind tot und die haben uns nicht gewarnt. Sie hatten keine Chance.“

Geduldig ertrug der Polizist den Gewaltausbruch des Witwers.

„Weißt du wie es ist, eine Familie zu verlieren? Weißt du das? Natürlich weißt du das nicht. Du hattest ja keine Familie. Du kennst nicht den Schmerz, der nie abzuklingen scheint. Wenn ich einschlafe, höre ich ihre Schreie, in meinen Träumen höre ich ihre Schreie und wenn ich aufwache, höre ich ihre Schreie.“

Mit der freien Hand schob sich Paul eine Strähne seiner dunkelbraunen Haare zurück, bevor er mit ruhiger Stimme erwiderte.

„Nimm den Arm weg, oder ich brech ihn dir.“

Bachmeier sah das Funkeln in den Augen des Brünetten Beamten und zog augenblicklich seinen Arm zurück.

„Sorry, tut mir leid. Es ist mit mir durchgegangen.“

„Reden wir nicht mehr darüber. Schnapp dir deine Ausrüstung, volle Gefechtsbewaffnung, Sturmgewehr, Aramidoverall und Notrationen für zwei Tage. Wir machen einen Ausflug aufs Land.“

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