Freitag, 24. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 4

Kapitel 4

Wie vereinbart trafen die Polizeibeamten im Foyer auf Braun, Feldwebel Brunner und drei weitere Soldaten in voller Kampfmontur. Die Bundeswehr war wie die Polizei mit Uniformen aus Aramidfasern ausgestattet, die dem Biss eines Untoten standhalten konnten. Im schlimmsten Fall zerfaserte das Gewebe und bildete ein kaum zu durchdringendes Gewirr.

„Hallo Bährer, freut mich, dass sie es einrichten konnten.“

„Hallo Braun.“

„Oberleutnant Braun, bitte“

Paul schwieg und seiner statt übernahm Horst das Wort.

„Hallo Herr Oberleutnant. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. Wie geht’s weiter?“

„Wir sollten uns kurz vorstellen. Die nächsten Stunden werden wir zusammenarbeiten und uns möglicherweise gegenseitig verteidigen müssen. Ich glaube, es wäre von Vorteil, wenn wir uns zumindest vom Namen her kennen würden, meinen sie nicht?“

„Doch Herr Oberleutnant, ich stimme voll und ganz mit ihnen überein. Möchten sie?“

„Danke. Also wer mich nicht kennt, ich bin Oberleutnant Braun, seit 18 Jahren im aktiven Dienst, nachträgliche Offizierslaufbahn und zuletzt Kommandant eines Panzergrenadierbataillons. Nach der Neuorganisation Leiter für Spezialeinsätze. Herr Oberfeldwebel?“

„Oberfeldwebel Brunner, seit 15 Jahren im aktiven Dienst, Unteroffizierslaufbahn. Habe unter Oberleutnant Braun eine Kompanie befehligt und bin Spezialist für schwere Waffen.“

Nacheinander stellten sich die unteren Dienstgrade und die Polizisten einander vor, bis die Reihe an Paul war. Wieder wollte Horst für ihn einspringen.

„Das ist Polizeihauptmeister Paul …“

„Aber Herr Polizeiobermeister“ fiel ihm Braun ins Wort „ich glaube, dass sich der Herr Polizeihauptmeister selbst vorstellen kann, oder?“

Widerwillig sprang er über seinen Schatten.

„Polizeihauptmeister Paul Bährer, 15 Jahre bei der Polizei. Können wir fortfahren?“

„Danke Herr Polizeihauptmeister.“ Kurz schien ein Grinsen über Brauns Gesicht zu huschen.

„In 10 Minuten brechen wir auf zum ehemaligen Hauptbahnhof. Dort steht eine Lok für uns bereit, die uns zu MO1 bringen wird. Dort warten auch bereits die zwei Zivilisten, die uns begleiten werden. Ich erwarte von allen Anwesenden ein Höchstmaß an Professionalität. An unsere Kollegen der Polizei ergeht nochmal der Hinweis, dass das Unternehmen durch mich geleitet wird und ich mir ihrer hundertprozentigen Loyalität sicher sein muss. Herr Polizeihauptmeister?“

Fiel es nur Paul auf, dass Braun alles dran setzte, ihn zu demütigen?

„Natürlich Braun, Entschuldigung, Herr Oberleutnant Braun natürlich. Sie dürfen mich übrigens Paul Bährer nennen. Ich mache mir nichts mehr aus Diensträngen.“

„Ich schon. Gut, meine Herren. Überprüfen Sie bitte nochmal ihre Ausrüstung. Ich würde nicht unbedingt damit rechnen, dass wir heute Abend wieder da sind. Ich hoffe, sie haben ihre Notfallrationen einstecken, falls sich unterwegs Verzögerungen ergeben.“

Braun sah mit seinen stechend blauen Augen in die Runde und die Männer nacheinander abnicken. Als sein Blick bei Paul hängenblieb, schenkte der ihm ein abfälliges Lächeln, bevor er ebenfalls abnickte. Der Oberleutnant strich sich mit seiner freien Hand über seine kurzgeschorenen blonden Haare, bevor er den Helm aufsetzte und den Riemen unter seinem Kinn befestigte.

„Sehr schön meine Herren, dann Abmarsch.“

Mit Braun an der Spitze und von Brunner flankiert, setzte sich die Kolonne in loser Marschordnung in Bewegung. Paul hatte sich selbst als Nachhut eingeteilt und Horst leistete ihm Gesellschaft. So verließen sie das Foyer und traten hinaus in einen hellen Sommertag. Die vor ihnen liegende Mauer warf einen angenehmen Schatten und ein leichter Wind sorgte für eine angenehme Kühle in den Gefechtsoveralls. Hinter der Mauer hörten sie das Stöhnen der Untoten, nur wenige Meter von ihnen entfernt.

Am ersten Tag der Katastrophe waren dort draußen tausende Menschen. Horst hatte Paul davon erzählt, wie sie die Tore schließen und die Menschen dort draußen ihrem Schicksal überlassen mussten. Viele von ihnen waren bereits infiziert und eine Welle Verfolger war bereits gefährlich nahe. Braun hatte den Befehl gegeben, und damit Tausenden das Leben gerettet. So zumindest war die Überzeugung der Polizeiführung, die sie auch in ihrer Organisation nach unten gaben. Für Braun selbst war es ein Karrieresprungbrett, das schon bald die Beförderung zum Oberleutnant nach sich ziehen sollte.

Noch während er den Gedanken nachhing, hatten sie die U-Bahnstation erreicht. Diese war mit einem zusätzlichen Tor von dem Gelände dahinter getrennt. Eine Vorsichtsmaßnahme um einem Ausbruch des Virus vorzubeugen. Der Oberleutnant wechselte einige Worte mit der wachestehenden Hundestaffel und kurz darauf öffneten sich die schweren Eisentüren.

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