Sonntag, 26. Juni 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 9

Heute ein etwas längeres Kapitel. Ich konnte einfach nicht aufhören zu schreiben.





Kapitel 9

„Ermordet?“

„Ja, alle drei Männer zeigen entweder Einschusslöcher oder Messerwunden im Torso. Sie waren also nicht infiziert.“

„Sollten wir dann die Leichen nicht liegen lassen, um den Mord zu untersuchen?“

„Ruf doch schon mal die Spurensicherung. Wir achten in der Zwischenzeit darauf, dass keine Zombies über den Tatort schleichen und Spuren verwischen.“

„Arsch.“

„Jetzt pack schon an.“

Gemeinsam hoben sie den steifen, kalten Körper hoch und brachten ihn zur Tür. Draußen standen Horst und Albert und warteten bereits ungeduldig. Schnell klärte sie Bährer über seinen Fund auf und zusammen brachten sie die letzten zwei Leichen aus der Lok nach draußen. Als sie wieder in den kalten Wind hinaustraten, kam Braun auf sie zugelaufen.

„Wie lang braucht ihr noch?“

„Die Lok ist sauber“ antwortete Paul „aber wir müssen noch die Transportwägen kontrollieren. Ihr könnt Khalil herschicken, der kann sich schon mal die Lok anschauen.“

„Wir haben hier vermehrtes Feindaufkommen. Die beiden Lokführer haben uns vor Angreifern auf der anderen Seite der Züge gewarnt. Könnt ihr euch bei den Transportwägen beeilen, damit wir hier weiterkommen?“

„In Ordnung. Wie viel Zeit haben wir noch?“

„Ich würde sagen 10 oder 15 Minuten. Danach könnte es hier brenzlig werden. Wobei uns das schlechte Wetter heute schon in die Karten spielt. Also los jetzt.“

Braun machte sich davon, um Khalil aus dem Zug zu holen, während Paul die Männer zum ersten Transportwagen befehligte.

„Los, wir haben nicht mehr viel Zeit. Wir nehmen uns die Anhänger vor. Wir gehen vor wie vorher.“

„Was ist mit den Leichen?“ wollte Horst von Paul wissen.

„Die wollte ich mir hernach noch schnell anschauen.“

„Was versprichst du dir davon?“

„Ich möchte wissen, wer sie ermordet hat. Vielleicht Plünderer. In dem Fall haben sie vielleicht irgendeinen Hinweis hinterlassen.“

„Also gut, dann machen wir zu, dass wir hier fertig werden.“

Wieder gingen die Männer in Position. Die hier verwendeten Güterwägen waren umgebaute Personenwägen. Die Fenster und Türen waren mit Eisenplatten verschweißt worden, um den Untoten keine Möglichkeit zu geben, dort einzudringen. Der Polizeihauptmeister holte einen Spezialschlüssel aus seiner Tasche und setzte ihn unterhalb der Türe an. Ein zischendes Geräusch zeugte davon, dass ablassende Druckluft die Türe entriegelte. Kurz darauf schwangen die Türen auseinander.

Statt modriger Luft strömten wie auf Kommando mehrere Wiedergänger aus dem Inneren. Sebastian war zu überrascht, um reagieren zu können. Er wich einen Schritt zurück, stolperte und schon waren sie über ihm. Albert reagierte schneller und hatte bereits sein erstes Magazin in die anrückenden Untoten entleert, bis Horst anfing, es ihm gleichzutun. Paul war geschockt. Er sah Sebastian in der Umklammerung zweier Untoter. Einer hing hinten an ihm und biss in den Nackenschutz seines Helms. Der zweite versuchte seine Zähne in Sebastians Arm zu bohren, während der seine Dienstwaffe in Schussposition bringen wollte.

Im nächsten Moment explodierte der Schädel hinter Sebastian und Reste davon verteilten sich auf der Uniform. Brunner war den Beamten zur Hilfe gekommen und feuerte mit seinem Sturmgewehr in die Reihen der Angreifer. Für Paul war es wie ein Weckruf. Sein Mündungslauf spuckte heißes Blei auf die Untoten. Köpfe explodierten, Körper wurden zerrissen, Knochen zersplitterten. Rund 20 Angreifer konnten abgewehrt werden und auch wenn es den meisten wie ein endloses Feuergefecht vorkam, war gerade eine Minute vergangen.

„Scheiße Bährer, was war das denn?“

„Ich, ich weiß nicht. Hör mal Albert, ich“

„Du solltest dich eher beim Reichl entschuldigen, der wär wegen dir beinahe draufgegangen.“

Sebastian winkte nur ab, brummelte etwas, dass sich anhörte, als könne das jedem mal passieren und säuberte sich seine Uniform.

„Hör mal Paul, was sollte das denn eben?“

„Tut mir leid Horst, du kennst doch die Geschichte mit meiner Mutter. Sie wurde auch von den Zs angefallen und ich konnte sie nicht retten. Sie ist wegen mir gestorben.“

„Und beinahe wäre noch jemand gestorben. Vergiss das doch endlich. Das ist jetzt schon über ein halbes Jahr her. Du musst da mal drüber wegkommen.“

„So wie Psycho, verzeihe, so wie Albert?“

„DU wolltest ihn dabeihaben und er hat gute Arbeit geleistet. Er hat keine Sekunde gezögert.“

„Also gut, sehen wir uns den Waggon mal an.“

„Warte mal, ist dir bei den Zs hier gar nichts aufgefallen?“

„Was meinst du?"

„Schau dir ihre Haut und ihre Kleidung an. Erstens schauen die bis auf unsere Schussverletzungen noch ganz gut aus und die Kleidung ist nicht verschlissen.“

„Du meinst, das sind Frische?“

„Frische und sie scheinen auch nicht gebissen worden zu sein.“

„Wie denn dann?“

„Keine Ahnung, aber ich befürchte, wir sehen hier Bewohner von MO1.“

„Scheiße.“

Nachdem sie den zweiten Güterwagon geöffnet hatten, machten sie sich in Zweierteams daran, die Waggons zu sichern. Sie stießen auf keine weiteren Untoten mehr und die Vorräte waren nicht angetastet. Als sie die Wagen verlassen hatten, waren bereits Dutzende Untote in Reichweite gekommen. Sie bemühten sich die Türen schnell wieder zu verschließen und schlossen zu den feuernden Soldaten auf.

Der Oberleutnant informierte die Beamten, dass Hans bereits in der Lok war, um Khalil bei der Reparatur zu unterstützen. Scheinbar war durch eine Kugel die Elektronik beschädigt. Sie würden noch weitere fünf Minuten benötigen, fünf Minuten die sie nicht mehr hatten. Einer der Lokführer kam herangelaufen, um den Trupp darüber zu informieren, dass auf der anderen Seite die Untoten gefährlich nahe waren, bevor er sich wieder in sein sicheres Führerhaus zurückzog.

„Haben sie das Hauptquartier schon informiert?“

„Nein, möglicherweise ist ihnen das nicht aufgefallen, aber wir befinden uns im Feuergefecht, Herr Polizeihausmeister, Verzeihung Hauptmeister.“

„Herr Oberleutnant, wenn ich nach eigenen Erfahrungen gehe, würde ich sagen, dass wir hier die Stellung noch höchstens zwei Minuten halten können. Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte?“

„Wir ziehen uns nicht zurück. Wir müssen zu MO1 vorstoßen.“

„Ich rede nicht von Rückzug. Ich rede davon, dass wir uns im Zug verbarrikadieren können. Sobald er repariert ist, machen wir uns mit dem vom Acker.“

„Und wenn sie ihn nicht reparieren können?“

„Dann haben wir auch nicht mehr verloren, als hier zu verrecken.“

„Also gut. Brunner! Wir ziehen uns in den Zug zurück. Geben sie Befehl zum Aufbruch in 30 Sekunden und sorgen sie dafür, dass wir keine Munition oder Ausrüstungsgegenstände zurücklassen.“

Zusammen mit den Beamten ging Braun in die Lok, wie befohlen folgten kurz darauf sein Feldwebel und die Soldaten. Sie kamen noch dazu, die Tür von innen zu verriegeln, bevor sie die ersten Zombies erreichten. Tote Hände hämmerten gegen das Blech des Zuges und von Minute zu Minute wurden es mehr.

„Verdammt, wie lang dauert das noch? Herr Oberfeldwebel, haben sie den Befehlsstand dran?“

„Wir brauchen noch etwas. Wir müssen ein paar Relais überbrücken. Gut, dass wir Hans dabeihaben.“

„Ich hab hier den Befehlsstand, sie erwarten Meldung.“

„Gut, geben sie den aktuellen Status durch. Die restlichen Soldaten sammeln vor der Tür, falls das verdammte Blech nachgibt.“

Kommentare:

  1. hi,

    Ich denke:
    "Statt modriger Luft strömten wie !auch! Kommando mehrere Wiedergänger aus dem Inneren."

    das, das auch hier wieder auf heißen sollte.
    Wieder sehr spannend :)

    mfg

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  2. Danke! Achja, neuer Korrekturleser gesucht! Freiwillige vor!

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