Donnerstag, 2. Juni 2011

Untot eine Bedrohung für Verlage?

Die Überschrift ist etwas weit hergeholt, und natürlich auch etwas viel hineininterpretiert, aber zumindest dient mein Buch als Beispiel in dem Artikel Warum schlecht kodierte E-Books die Verlage bedrohen von Wolfgang Tischer.

Gut, "schlecht kodiert" ist jetzt nicht zwingend ein Kompliment, und auch der eigentliche Text fällt nicht so direkt schmeichelhaft aus:

Man blicke zum Beispiel auf den Titel »Untot: Dämmerung« von Andreas Stetter, den der Autor für 99 Cent im Kindle-Shop anbietet und der dort in den Top 20 zu finden ist. Ein literarisch anspruchsloser Zombie-Thriller, der in Deutschland spielt. Unterhaltung – so man das Genre mag.

Klar merkt man dem Text an, dass an vielen Stellen der Eingriff eines Lektors mehr als gut getan hätte. Da sind umgangssprachliche Ausdrücke, Perspektiv- und Tippfehler drin. Noch schimmert zu sehr der semiprofessionelle Autor durch.


Dafür ist der dritte Absatz versöhnlicher:
Und dennoch unterhält das Werk an einem Strandnachmittag sicherlich genau so gut, wie ein über zehnmal so teurer Titel eines renommierten Verlages. Die Leserbewertungen fallen sehr positiv aus.
So unrecht hat er natürlich auch nicht. Ich hab ja schon mehrmals hier betont, dass ich mir im nachhinein einen Lektor gewünscht hätte.

Als Bedrohung für Verlage hab ich mich eigentlich nie gefühlt. Viel mehr fänd ich es ja immer noch super, wenn mein Buch gedrückt würde, fänd ich nicht die Bewerbungsprozedur so ermüdend.

In einem FB-Kommentar zum gleichen Artikel hab ich was von Rebellion gegen die Verlage gelesen. Rebellion... wie sich das anhört. Wir, die Freizeitautoren, gegen die Verlagsindustrie. Lächerlich. Wer den Blog hier von Anfang an verfolgt hat, der weiß, dass ich Geschichten schreibe, weil es mir Spaß macht. Da stört es mich auch nicht, dass bei einem Kindle-Preis von 99 Cent im Endeffekt kein richtiger Stundenlohn bei rumkommt.

Wieviel kommt denn bei einem Verlag rum? Wieviel Zeit kostet es, zig Bewerbungen mit 80+ Seiten zu verschicken, die man anschließend abschreiben darf?

Warum 99 Cent?

Auch so ein Frage, die ich gelesen hab. 99 Cent, weil 99 Cent ein Mitnahmepreis ist, unter der magischen Ein Euro-Marke. 99 Cent, weil ich kein Jahrhundertwerk abgeliefert habe und es auch unfair wäre, wenn ich mehr dafür nehmen würde. Meiner Meinung nach. Zudem ist die Geschichte ja immer noch ein Hobby von mir und mit Hobbys verdient man nicht zwangsläufig Geld.

Warum nicht kostenlos?

Gratis wär natürlich noch fairer. Auf der einen Seite denk ich mir, dass Gratisartikel von vornherein nicht soviel Beachtung finden. Außerdem land ich dann in der Gratisartikelliste. Ein zweiter oder dritter Platz in der Kategorie eBook->Horror macht da meiner Meinung schon mehr her. Zum anderen seh ich es als wenigstens minimale Wertschätzung meiner Leistung an.

Ist das hier eine Stellungnahme?

Klar. Und morgen fällt Ostern auf Weihnachten. Hab ich denn eine Stellungnahme nötig? Nur, weil ich ein Buch in Eigenregie über Kindle Direct Publishing veröffentlicht habe? Muss ich mich jetzt dafür rechtfertigen, dass ich keinen finanzstarken Verlag hinter mir stehen habe? Muss ich? Echt?

1 Kommentar:

  1. Nur wer den Ball hat wird angegriffen.....

    Nein! Musst du nicht.

    Ich geniesse, dass nicht mehr nur Verlage entscheiden was ich wann zu lesen habe.

    War dein Buch perfekt? Nee, nicht ganz. Na und?
    Haben mich deine Bücher unterhalten? JA! Und wie.

    Lass sie weiter schreiben. Wer im Gespräch bleibt....

    (Freue mich auf Band 3)

    Liebe Grüße

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