Sonntag, 31. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 41

Kapitel 41

Der Gang füllte sich nunmehr langsam mit Rauch. Das Brandgel tat seine Arbeit, haftete an den Körpern und beschleunigte so den Zerfall. Darum würde sich später jemand kümmern müssen, aber Paul hatte kein Interesse daran, an einer Rauchvergiftung draufzugehen. Mit der Waffe im Anschlag und ohne sich abzuwenden, ging Paul langsam nach hinten. Aus den Augenwinkeln konnte er sehen, wie die Soldaten Gasmasken überzogen und langsam wieder vorrückten.

Inzwischen trieb der schwarze Rauch in dicken Wolken durch den Gang. Zuviel für menschliche Lungen. Während er sich mit einer Hand ein Taschentuch vor Nase und Mund hielt, gab Paul mit der anderen Hand Martina und Horst ein Zeichen, ihm zu folgen. Die Treppe hinab auf den Bahnsteig und zurück in den Tunnel. Auf dem Weg nach unten sahen sie vor den geschlossenen Toren auf der anderen Seite eine Polizeihundertschaft stehen.

Sofort änderte Paul die Richtung und eilte den Kollegen zur Hilfe. Er informierte den befehlshabenden Beamten, Hans Winter, über die Vorfälle. Aufgrund der Rauchentwicklung hielten sie sich von dem oberen Zwischengeschoss fern und gingen dann bei den Tunneleingängen in Stellung. Dort warteten sie. Inzwischen waren keine Schüsse mehr zu hören und die Sorge um die oben verbliebenen Soldaten wuchs.

In diesem Moment löste sich aus dem Qualm eine Gestalt und weitere folgten. Paul zählte zehn Personen und wie es aussah, hatten es alle geschafft. Das Funkgerät von Winter meldete sich knarzend und kurz darauf gab er endlich Entwarnung. Die Armee hat den Bereich sichern können, die Tore waren geschlossen und alle Eindringlinge wurden vernichtet. Die Aufräumtrupps würden die Leichen entsorgen und die Bewohnbarkeit der Station in den nächsten Tagen wieder herstellen. Weiter wollte man sich vorerst nicht äußern und erteilte der Hundertschaft die Erlaubnis abzurücken. Winter war erleichtert und sammelte seine Männer und Frauen um sich.

Hans Winter wandte sich Paul zu: „Wollt ihr mitkommen? An der nächsten Station wartet eine U-Bahn und ihr seht so aus, als könntet ihr kaum noch auf eigenen Füßen stehen.“

„An sich gerne, aber ich möchte noch kurz mit den Soldaten sprechen. Habt ihr noch fünf Minuten?“

„Na klar. Aber bleib diplomatisch. Die gehören zur Armee und du weißt, dass die Armee es sich verbittet, dass man sich in ihre Angelegenheiten einmischt.“

„Schon klar.“ Seufzte Paul „Aber die wären jetzt wahrscheinlich tot, wenn wir nicht aufgekreuzt wären. Und die Zivilisten hier drin wahrscheinlich auch.“

Winter zuckte nur mit den Schultern und trat einen Schritt zur Seite.

Der Polizeihauptmeister schleppte sich erschöpft an Winter vorbei und trat vor die Soldaten, die sich ihrer Maske entledigt hatten und stumpf auf den Boden starrten. Der, den er zuvor angesprochen hatte, Hauer, sah zu ihm auf. „Danke.“

„Wofür?“ wollte Paul wissen.

„Dafür, dass Sie uns das Leben gerettet haben. Wenn Sie uns da nicht losgerissen hätten, wären wir wahrscheinlich unter einer Lawine von Untoten begraben worden.“

„Nicht der Rede wert. Hören Sie Hauer, ich will nur eins wissen. Sie haben vorhin gesagt, dass die Turmwachen tot waren. Wurden sie von den Zs getötet?“

„Nein, keine Ahnung von wem, aber die Zs wären da doch gar nicht rauf gekommen. Der eine Turm war leer und im andern Turm hab ich Thomas, also einen Kameraden, tot auf dem Geländer hängen sehen. Hören Sie, ich hatte in dem Moment wahrlich andere Probleme.“

Der Tonfall des jungen Soldaten wurde aggressiver. Wahrscheinlich dachte er, dass Paul ihm für irgendetwas die Schuld geben wollte, oder er fühlte sich schuldig, dachte etwas falsch gemacht zu haben. Um ihn nicht zu verstimmen, versuchte Paul zu beschwichtigen.

„Hey, ich will ihnen nichts Böses. Wir waren da draußen, als alles losging, und ich würde gern wissen, was da passiert ist. Ich will nur verstehen.“

„Sie waren da draußen?“ Hauers Augen weiteten sich.

„In der Maillinger. Wir konnten uns in einen Hinterhof retten und uns von dort mit einem Auto zur nächsten Station durchschlagen.“

„Mann, dann hattet ihr echt mehr Glück als Verstand. Wissen Sie, wir haben auf dem Rückzug noch vier Kameraden verloren. Sie haben uns erst die Flucht ermöglicht und dann schafften sie es nicht mehr durch das Tor. Sie wurden vor unseren Augen zerfetzt. Ich wollte ihnen helfen, sie von dem Leid erlösen, aber ich konnte es nicht. Max hier,“ er deutete auf einen Kameraden, dem Tränen aus den Augen liefen „konnte noch zwei von ihnen das Leid ersparen. Es war schrecklich. Ihre Schreie, ihr Blut, ihre, ihre.. Eingeweide.“

Er atmete tief durch, kämpfte gegen etwas an. Paul wusste wogegen. Langsam sank der Adrenalinspiegel im Körper und hinterließ eine Trümmerlandschaft. Der Mann benötigte dringend ärztliche Hilfe.

„Hans, komm mal bitte her. Habt ihr eine Funkverbindung?“

„Nur zu den Truppen direkt über uns.“ Gab der an Paul gewandt zurück.

„Auch gut. Gib mal schnell durch, dass wir hier einen Arzt brauchen. Die Jungs hier sind kurz vorm kollabieren.“

„Mach ich.“ Sagte er, nahm sein Funkgerät und entfernte sich in das Gerät sprechend langsam wieder.

Samstag, 30. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 40

Kapitel 40

Dass die Verankerung des Tors nicht mehr lange halten würde war abzusehen. So sehr sie auch feuerten, konnten sie nicht den ungeheuren Druck vom Tor nehmen, der sich mittlerweile von hinten aufgebaut hatte. Für jeden Untoten, den sie erledigten, kamen zehn Neue nach. Es war bislang ein aussichtsloser Kampf und wenn die Tore brechen, hatten sie nur eine Chance und die hieß zu laufen, ohne nach hinten zu schauen.

Gerade im Moment dieses Gedankens gaben die Gitterstäbe ein Stück nach. Wenige Zentimeter nur, und doch neigte es sich an der rechten Seite gefährlich in den unterirdischen Gang hinein. Wie lange würden die restlichen Verankerungen noch halten? Sekunden? Minuten? Ein laut hörbares Knirschen ging durch das Tor und Paul sah, wie sich ein weiterer Bolzen lockerte.

Der gesamte Raum zwischen dem oberen Eingang bis zum gefährlich knackendem Tor war durch zuckende, untote Leiber verstopft und doch konnte Paul hören, dass an der Oberfläche etwas vor sich ging. Das Knattern eines schweren MGs übertönte den Lärm im Untergeschoss und schwere Panzerketten bahnten sich vibrierend ihren Weg durch halb verfallene Körper. Die Panzer waren also da und keine Minute zu früh. Noch nahm der Druck auf das Tor nicht ab, derzeit waren sie nicht außer Gefahr. Immer noch knirschte und knarzte die Konstruktion unter dem Druck der auf ihr lastenden Geschöpfe.

„Wir ziehen uns zurück!“ befahl Paul „Wir ziehen uns bis an die Biegung zurück. Wenn das Tor fällt, sind wir zu nahe. Wir haben dann keine Chance mehr!“

Die Soldaten reagierten nicht. Erst als Martina und Horst langsam zurückwichen, gaben auch sie ihre Position auf und gingen mit bis an die Stelle, an der sich der Gang bog und ihnen im Notfall die Flucht ermöglichen könnte. Gerade als sie erneut Stellung bezogen hatten, löste sich ein weiterer Bolzen und dann war plötzlich nichts mehr da, was das Eigengewicht hätte tragen können und der Druck von außen besorgte nun den Rest.

Sah es im ersten Moment noch so aus, als würden die Gitterstäbe in einem 45 Grad-Winkel verbleiben, änderte sich dies schlagartig, als die Konstruktion mit einem lauten Knall zu Boden ging. Wie eine Lawine schossen die Untoten in den Gang und mit Sicherheit wären alle unter ihnen begraben worden, die es gewagt hätten, in ihrem Weg zu stehen. Paul wurde flau im Magen. Keine zwei Minuten hatten sie von dem sicheren Tod getrennt. Während er noch zögerte, eröffneten die Soldaten schon wieder das Feuer. Schädel platzten, Gliedmaßen fielen ab und über allem der Lärm der einrückenden Panzer.

Von ihrer Position aus war es schwer zu beurteilen, wie viel Zombies noch nachrücken würden. Es schienen Hunderte darauf zu warten, weiter in den Gang vorzudringen. Bislang konnten sie den Abstand halten, noch waren viele von ihnen damit beschäftigt, wieder auf die Füße zu kommen und die nachfolgenden Untoten stolperten über die am Boden liegenden und brachten damit beide zu Fall. Noch. Aber schon bald würden sie Meter um Meter näher walzen und schon bald würde die Panik die Waffen lenken und über die einstudierte Routine obsiegen.

Unerwartet züngelte von oben Feuer herab. Die Flammen fraßen sich durch die Untoten, steckten sie in Brand und kochten ihre Gehirne. Ein Flammenwerfer, schoss es Paul durch den Kopf. Sie hatten den oberen Bereich möglicherweise schon gesäubert, und wandten sich jetzt mit Feuer gegen die Untoten. Schon früh wurde die Kraft des einfachen Feuers überschätzt. Ein brennender Zombie hielt weiter auf seine Opfer zu, er kannte ja keinen Schmerz und keine Angst.

Schon bald aber gewann das Feuer an strategischer Bedeutung. Durch den Einsatz eines Brandgels, konnten punktuell Temperaturen bis 1000 Grad erreicht werden, die bei richtiger Dosierung und Aufprallwinkel schnell das Gehirn der Untoten irreparabel zerstören konnte. Wo immer große Ansammlungen zu bekämpfen waren, griff man wenn möglich auf diese Methode nun zurück.

Und es wirkte auch diesmal. Das Brandgel fand seinen Weg durch die Masse und arbeitete sich die ganze Treppe hinab. Die, die vorn standen, würden noch nicht so schnell den Flammen zum Opfer fallen, aber die hinteren kippten jetzt vornüber und begruben die unter sich stehenden Untoten. So setzte sich erneut eine Lawine in Gang und stürzte wie Lava nach einem Vulkanausbruch nach unten.

Der Lärm der angekommenen Soldaten lenkte die Aufmerksamkeit der Angreifer kurzfristig auf sie, was den im Tunnel steckenden Männern wertvolle Sekunden verschaffte. Aus den Augenwinkeln sah Paul etwas an sich vorbeifliegen und meinte noch eine Warnung zu hören, die jedoch in einer Explosion und dann herumfliegenden Körperteilen unterging. Einer der Soldaten hatte eine Granate geworfen und damit mehrere Zombies von den Füßen gerissen. Die, deren Gehirn nicht zerstört wurde, rafften sich wieder auf, oder sie krochen einfach weiter, aber erneut hatten sie Zeit gewonnen.

Wertvolle Zeit, um der Bedrohung Herr zu werden. Die kleinen Erfolge steigerten sichtlich die Moral und halfen, die eingetretenen Ermüdungserscheinungen zu überwinden. Die letzten Reserven wurden aktiviert. Viele der Männer würden morgen mit Schmerzen in Schultern und Armen zu kämpfen haben, aber sie würden leben. Mit dem Gedanken senkte Paul das leergeschossene Sturmgewehr und griff zu seiner Pistole. Kaum ein Zombie stand noch. Vor ihnen lagen nur noch die Aufräumarbeiten.

Freitag, 29. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 39

Kapitel 39

Noch immer strömten einige Menschen auf der Rolltreppe nach unten. Erleichtert nahm Paul zur Kenntnis, dass bisher niemand davon äußerliche Schäden aufwies. Vielleicht hatten sie ja doch noch eine Chance. Mit einem kurzen Blick nach hinten vergewisserte er sich, dass Martina und Horst mit ihm Schritt hielten und drängte weiter nach oben. Was er bis jetzt nur undeutlich wahrgenommen hatte, wurde bald zur Gewissheit. Er hörte Schussgeräusche.

Der Rückzug wurde also gedeckt. Noch standen bewaffnete Truppen zwischen den Zombies und den Flüchtlingen. Waren die Hundertschaften etwa schon eingetroffen? Nein, dann hätten die Flüchtlinge die sich bietende Gelegenheit genutzt und wären schon längst geflohen. Die ursprünglichen Bewacher, die Wachmannschaften, mussten daher noch die Stellung halten. Dann war noch nicht alles verloren. Sobald die Panzer einträfen, würde man das Tor versiegeln und den noch unendlichen Strom der Untoten versiegen lassen können.

Am Ende der Treppe angelangt offenbarte sich das schon bekannte Bild, nur diesmal ohne Menschen. Die, die geflohen waren, hatten ihre wenigen Habseligkeiten zurückgelassen. Das Wenige, dass sie an ihr altes Leben erinnerte. Dort ein Teddybär, eine abgewetzte und verschmutzte Puppe, ein schon lange funktionsunfähiges Handy, blank gewienerte Schuhe, ein Hundehalsband als Erinnerung an einen vierbeinigen Freund, der wahrscheinlich schon lange nicht mehr lebte.

Die auf ihn einstürzenden Emotionen verdrängend, stürmte er weiter. Direkt in die Richtung, aus der geschossen wurde. Um die Ecke. Und dort standen sie. Neun oder zehn Soldaten, neben sich Munitionskisten stehend, feuerten auf einen Feind, der sich an die schweren Gitterstäbe der Barrikaden drängte. Die Barrikaden konnten noch rechtzeitig geschlossen werden, wenn auch knapp. Vor den Gitterstäben lagen einige Leichen, die es noch hindurch geschafft hatten, aber von den Wachmannschaften liquidiert werden konnten.

Hinter den Gittern drängten sich sich die Untoten. Sie drängelten, rissen und zerrten. In diesem Moment erinnerten sie Paul an Raubtiere. Ihre Hände flogen durch die Gitter, die Finger schwangen durch die Luft wie die Pranken eines Löwen und griffen dabei ins Leere, wurden ruckartig zurückgerissen und zerrten dann ihrerseits die vorne stehenden Untoten nach hinten, damit sie selbst wieder nach vorne gelangen konnten, um sich letztendlich dort eine Kugel einzufangen.

Durch die Gitterstäbe hindurch war dies kein leichtes Unterfangen für die Verteidiger und über allem lag die schwebende Gefahr, dass die Barrikade dem Druck der Massen von Untoten irgendwann nicht mehr standhalten würde. Schon jetzt gingen bedenkliche Schwingungen durch das schwere Metall und ließ die Verteidiger zaghaft zurückweichen. Das Verhalten der Zombies war nicht weiter ungewöhnlich und doch erschienen sie Paul aggressiver und fokussierter. Er hatte schon häufiger gesehen, wie ganz vorn stehende Untote von den nachfolgenden Massen zerquetscht wurden. Aber dass sie sich aktiv zur Spitze zu kämpften, das war ihm neu.

Momentan war aber keine Zeit, sich weiter darüber Gedanken zu machen. Die Verteidigungsmaßnahmen wirkten vollkommen unkoordiniert. Ein Blick auf die Abzeichen bestätigte Pauls Vermutung, dass hier nur niedere Dienstränge die letzte Verteidigungslinie bildeten. Keine Zeit zu verlieren.

„Martina, Horst, unterstützt die Männer hier!“ rief er ihnen zu, bevor er sich einen Soldaten aus der Reihe zog, der gerade dabei war sein Magazin zu wechseln.

An seiner Schulter drehte er ihn in seine Richtung und erschrak. Das Gesicht des Mannes war verzerrt, der Schrecken hatte seine Augen stark geweitet und jede Pore seines Körpers strömte blanke Panik aus. Das Namensschild wies ihn als C. Hauer aus, sein Abzeichen verlieh ihm den Rang eines Obergefreiten.

„Was ist hier passiert?“ schrie Paul den jungen Soldaten an. Ohne eine Antwort zu geben, drehte sich dieser wieder von Paul weg. Er bewegte sich dabei wie programmiert, um weiter seinen Dienst zu erfüllen. So schnell gab Paul aber nicht auf.

„Obergefreiter Hauer, Meldung!“ herrschte er ihn an, was den Soldaten vorerst aus seiner Schockstarre holte, denn plötzlich sprudelte es aus ihm heraus.

„Obergefreiter Hauer meldet mehrere Eindringlinge im oberen Sicherheitsbereich. Notabriegelung war erfolgreich. Halten hier die Stellung, um den Rückzug der Zivilisten zu sichern. Nachbarstellungen nicht mehr erreichbar, Eröffnungslinie liegt vor uns, keine Meldemittel mehr vorhanden, Alarmierung hinfällig und rückwärtiges Feld ungesichert.“

„Danke. Können Sie mir jetzt die Einzelheiten des Vorfalls schildern?“ versuchte es Paul in einem milderen, aber immer noch dominantem Tonfall.

„Ich weiß nicht. Plötzlich laute Musik und es öffnete sich das Tor. Sie waren überall. Die Wachposten in den Türmen. Sie waren tot. Ich weiß nicht, wie.“ Seine Stimme stockte kurz. „Wir haben uns zurückgezogen, der Unteroffizier ist zurück, um die Notverriegelung auszulösen. Er, er ist immer noch da oben. Hier unten Munition besorgt und in Stellung gegangen. Gitterverriegelung hält. Ich weiß nicht, wie lange noch. Bitte. Ich muss weiterfeuern.“

„Gut, danke. Wir unterstützen Sie, wir dürfen nicht zulassen, dass sie hier eindringen. Haben Sie verstanden?“

„Ja. Wir tun hier schon, was wir können und ich will eher draufgehen, als einen von diesen Bastarden hier reinkommen zu lassen. Meine kleine Schwester, sie ist auch hier drin und ich...“ eine Träne lief über seine Wange. Paul nickte nur und entließ ihn aus dem Gespräch. Schnell drehte Hauer sich wieder um, beendete den Ladevorgang und feuerte weiter hinein in die wogende Masse aus totem Fleisch.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Books of the Dead - Auferstehung von Brian Keene

Brian Keene hat ein Faible für die totale Apokalypse. Wo sich die meisten Zombieautoren - mich eingeschlossen - darauf beschränken, dass das Zombievirus nur Menschen befällt, breitet es sich bei Keene auch gern auf die Tierwelt aus, siehe hierzu auch Totes Meer von eben jenem.


Bei Auferstehung ist es ähnlich, nur dass hier kein Virus grassiert, sondern hier in einem Experiment der Schlund zur Hölle aufgerissen wurde, der Dämonen auf die Erde entlässt. Diese Dämonen können die Körper von Menschen und Tieren übernehmen, sobald diese aus dem Leben scheiden. Weil Menschen unangenehmerweise nicht von sich aus so ohne weiteres sterben wollen, helfen die wiedergeborenen Dämonen tatkräftig und blutig mit. Außerdem stillen sie mit dem rohen Fleisch ihren rätselhaften Hunger.

Weil es sich bei Auferstehung eben nicht um klassische Zombies handelt, können sie hier auch sprechen, Waffen benutzen und Fahrzeuge lenken. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig und wird auch zum Ende irgendwie nicht besser. Es fühlt sich einfach falsch an.

Jetzt muss ich aber auch dazusagen, dass ich zwar apokalyptische Szenarien mag, aber gern noch einen Hoffnungsschimmer am Horizont sehe. Langsame und dumme Zombies sind fies, aber man hat eine Chance. Schnelle Zombies sind schon fieser und minimieren die Chancen. Kommen dann noch Tiere dazu, wird's allmählich extrem fies, weil es kaum mehr einen Rückzugsraum gibt. Wenn reanimierte Tiere und Menschen dann aber auch noch denken, planen, taktieren und Waffen benutzen können, dann wird's halt hoffnungslos und damit für mich unschön.

Zumindest diese Hoffnungslosigkeit blitzt immer wieder mal durch, nur um im nächsten Moment die Charaktere oft stundenlang über leere Straßen ziehen zu lassen und seltsam leer zu wirken. Das passt irgendwie nicht so richtig und war in dem Buch Totes Meer meiner Meinung nach besser dargestellt.

Achja, kurz zur Handlung. Der Hauptcharakter, Jim, sitzt in seinem Bunker, bis er von seinem bei seiner geschiedenen Frau lebenden Sohn einen Hilferuf erhält. Noch bevor er zurückrufen kann, versagen die Batterien in seinem Mobiltelefon. Bewaffnet und mit dem nötigsten ausgerüstet, macht er sich auf den Weg, nur von dem Gedanken beseelt, seinen Sohn zu retten.

Was bleibt ist ein Buch, dass das Label "Zombie" meiner Meinung nach zu Unrecht trägt und die ständige Bedrohung durch die Dämonen zu selten eindringlich darzustellen vermag. David Moody schafft das in seinen Hater-Büchern wesentlich besser. Trotzdem bleibt ein gerade noch empfehlenswertes Buch, das ein paar Stunden durchaus unterhalten kann.

Untot - Band 3 - Kapitel 38

Kapitel 38

Der Weg durch den Tunnel gestaltete sich schwieriger als gedacht. Eine spärliche Beleuchtung tauchte Teile des Wartungstunnels in ein diffuses Licht und forderte die volle Aufmerksamkeit aller Beteiligten. Schatten huschten über die Wände und täuschten ihre Sinne. Der schmale Weg ließ kaum Platz und würde bei Kämpfen wenig Bewegungsfreiheit erlauben. Trotzdem war es sicherer hier oben, als auf den Gleisen zu gehen, auf denen man einer Meute Zombies schutzlos ausgeliefert war.

Gerade noch den Untoten entkommen, bewegten sie sich nun erneut auf sie zu. Für logische denkende Menschen eigentlich eine Idiotie, fand Paul, während er den kleinen Trupp weiter anführte. Und doch obsiegte in ihnen ihr Pflichtgefühl. Solange die Chance bestand, dort lebende Menschen zu finden und sofern noch eine Chance bestand, Menschenleben zu retten, würden sie ihrer Pflicht nachgehen.

Dabei hatte der Tag so vielversprechend begonnen. Bruno, das LKA, ihre Funde in den Datenbanken. Es hatte alles gepasst. Wurden sie wirklich dabei ertappt, als sie in das Netz der Bundeswehr eingedrungen waren, oder wurden sie verraten? Von Bruno? Von ihrem direkten Vorgesetzten? Vielleicht spielte ja auch Brunos Ordonanz, dieser Hirt, eine Doppelrolle. Aber was hatte er schon mitbekommen? Wurde Bruno abgehört? Oder wurden sie überwacht, ohne dass sie es mitbekamen? Ihre Gegner besaßen Uniformen von unbekannter Machart. Vielleicht konnten die sich damit auch unbemerkt unter den Untoten bewegen und ihnen so folgen?

Sie hatten nicht auf mögliche Verfolger oder Lauscher geachtet, sondern sich nur auf ihr direktes Umfeld konzentriert. Aber warum wurden sie dann nicht von diesen geheimnisvollen Aggressoren direkt attackiert? Einen Unfall vorzutäuschen erschien Paul nach MO1 als wenig sinnvoll. Kein Mensch würde nach drei Polizeibeamten krähen. Nicht in dieser Zeit, nicht unter den aktuellen Bedingungen. Gedanken schossen durch Pauls Kopf und ihn plagte das Gefühl, ein wichtiges Detail übersehen zu haben. Den entscheidenden Hinweis, der alles plötzlich logisch erscheinen lässt.

Er hing so tief in seinen Gedanken, dass er es zuerst überhörte. Erst, als ihn Martina an die Schulter fasste, wurde er aus seinen Überlegungen gerissen. Wie nach einem Traum begann er schlagartig seine Umgebung wieder aktiv wahrzunehmen und hörte es jetzt auch. Schreie. Sie klangen schwach und noch weit entfernt, aber irgendjemand schrie um Hilfe. Obwohl sie an diesem Tag schon genug gelaufen waren, erhöhte er sein Tempo.

Ein Lichtkranz zeichnete sich am Ende des Tunnels ab, wo dieser in die Station Maillingerstraße mündete. Davor Schatten... oder Körper, die einen Schatten in den Tunnel warfen... keine Körper... Menschen. Sie schrieen um Hilfe und jetzt sah Paul auch warum. Die Barrikaden wurden ausgelöst. Schwere Gitter versperrten den Weg hinein, aber auch hinaus. Die Barrikaden konnten von der Station aus, oder auch vom Kommandanten von der Befestigung oben aus gesteuert werden.

Wer sie ausgelöst hatte und auch das Warum, war für Paul nicht auf die Schnelle nachzuvollziehen, aber er wusste, dass damit auch die Barrikade bei den Eingängen der U-Bahn Station mit ausgelöst wurde. Gitter, die verhindern sollten, dass sich die Infektion ausbreitete. Möglicherweise war die Station noch gar nicht verloren. Die Lauferei zerrte an Pauls Kondition. Die Ausrüstung wog schwer und nicht nur ihm steckte noch die Flucht in den Knochen.

Während er auf das Tor zulief rasten seine Gedanken. Das Tor hatte mit Sicherheit eine Funktion, die Verriegelung wieder aufzuheben. Die Schleuse bei MO1... Er versuchte sich krampfhaft zu erinnern. Braun hatte da einen Code genannt. Einen Entriegelungscode. Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass es der gleiche Code war? Vor allem: wie ging noch dieser Code? Vier. Vier. Acht. Vier und acht. Verdammt. Erinnere dich Paul. Zuviel Scheiße bei MO1. Er hatte kurz zuvor Sebastian erschossen... Fünfzehn. Vier, acht und Fünfzehn. Sebastian. Und Albert. Braun... Dieses verdammte Schwein. Sechzehn. Vier, acht, fünfzehn und sechzehn. Alle tot... Alle Soldaten wurden getötet. Braun hatte den Überfall geleitet, oder es sah auf den Videofragmenten zumindest so aus... Dreiundzwanzig. Vier, acht, fünfzehn, sechzehn und dreiundzwanzig. Noch eine Zahl. Denk nach Paul. Albert, Albert war 42... Zweiundvierzig.<

Er stoppte vor dem Tor. Tatsächlich fand er ein Zahlenfeld und tippte die Zahlen nacheinander ein. Nichts geschah. Verzweifelt hob er den Kolben seines Gewehres an und gerade, als er ihn niedersausen lassen wollte, ging ein heftiger Ruck durch das Tor.

„Verdammt Paul, was machst du da?“ Es war Horsts Stimme. Er verstand nicht. „Wir wissen nicht, ob die Leute infiziert sind. Paul, die Dinger sind nicht umsonst gesichert.“

Paul stand verdattert da. Was hatte er sich dabei gedacht? Horst hatte ja Recht. Wenn sie infiziert waren, dann würden sie den Virus durch das ganze U-Bahn-Netz tragen. Möglicherweise waren die Barrikaden ja absichtlich verschlossen. Paul kam nicht dazu, den Gedanken zu Ende zu denken, denn schon ergoss sich eine Menschenmenge durch das halb offene Tor hinein in den Tunnel, vorbei an den auf den Versorgungsgängen stehenden Beamten.

Die Menschen wiesen auf den ersten Blick keine äußeren Verletzungen auf. Es war denkbar, dass sie Glück hatten. Aber bisher kam der Strom an Menschen nicht zum Erliegen, denn noch waren viele Menschen in der Station. Es wirkte, als liefen sie um ihr Leben. Etwas musste ihnen große Angst gemacht haben, aber noch war nicht abzuschätzen, wie die Gefahrenlage wirklich war. Die Beamten konnten sich derzeit einfach kein Bild machen.

Als der obere Bahnsteig leerer wurde, wagten sie es in die Station vorzudringen. Noch immer kamen von überall Flüchtlinge, die sich wie verängstigte Ratten in das vermeintlich rettende Loch drängten. Paul schämte sich beinah für solche Gedanken und verfluchte sich innerlich dafür. Ja, sie stanken, sie waren schmutzig und sie verbreiteten Krankheiten, waren aber immer noch Menschen. Waren sie das? Wodurch definierte sich der Mensch? Paul schüttelte die unangenehmen Gedanken ab und bahnte sich stattdessen den Weg zu den stillstehenden Rolltreppen.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 37

Kapitel 37

Als endlich die Tore am Stiglmaierplatz passiert waren, hatte die Dunkelheit der Stadt das Licht endgültig entzogen. Suchscheinwerfer huschten über die Straße und erhellten die Umgebung nur innerhalb ihres Radius. Das Auto mussten sie aufgeben und stellten es daher in der Nähe der Befestigung am Straßenrand ab. Innerhalb der Befestigung hätte der Wagen nur dringend benötigten Platz weggenommen.

Hörbar atmeten sie auf, als sich das schwere Tor hinter ihnen schloss. Je näher sie der Befestigung gekommen waren, desto stärker nahm auch die Anzahl der Untoten ab. Es war so, als hätte die Maillingerstraße ein Vakuum entwickelt, in das alle Zombies der näheren Umgebung gesaugt worden sind. Noch während sie versuchten, das eben erlebte abzustreifen, kam ein Uniformierter aufgeregt auf die kleine Gruppe zugerannt und begann sofort auf sie einzureden.

„Hallo, ich bin Meier, Kommandant vom Dienst für diese Station. Sie sehen so aus, als hätten sie grad mächtig Kacke am Hals, aber wir hier auch. Unsere Nachbarstation wurde überrannt. Irgendwie ist es den Untoten gelungen, in die Station einzudringen. Die Wachmannschaft konnte noch einen Hilferuf absetzen, aber plötzlich war nur noch statisches Rauschen auf allen Kanälen, laute Musik und jetzt diese Stille. Eben kam vom Hauptquartier rein, dass alle verfügbaren Kräfte unterirdisch zur überrannten Station vorrücken sollen.“

„Was?“ Paul fand, dass seine Stimme hysterische Züge angenommen hatte, aber nicht ganz zu unrecht. „Überrannt? Nimmt denn die Scheiße überhaupt kein Ende? Sind denn schon Einsatzkräfte auf dem Weg?“

„Ja, angeblich wurde auch ein Panzerzug in Bewegung gesetzt und von beiden Seiten nähern sich Hundertschaften zu Fuß der Station durch die U-Bahn-Tunnel. Der Bahnverkehr wurde aus Rücksicht auf die Flüchtlinge eingestellt. Hören Sie, mir fehlt hier auch noch der Überblick, aber ich habe Männer in den Tunneln postiert und , aber bisher ist kein Flüchtling hier angekommen.“

„Also gut, wir brauchen Munition. Viel Munition. Melden Sie uns an. Oder nein, melden sie uns besser nicht an. Ich hab das Gefühl, dass wir heute nicht viele Freunde haben.“ sprach Paul halb zu seinen Kollegen gewandt.

„Wie meinen Sie das?“ wollte der Kommandant wissen.

„Machen Sie sich darüber keinen Kopf. Können Sie uns mit Munition aushelfen?“

„Natürlich. Standardsturmgewehr, warten Sie vorne bei der Treppe. Ich bin gleich wieder da.“ Rief er noch, während er schon davon eilte.

Martina sah ihn fragende an „Könnte es sein, dass der Angriff gar nicht uns galt? Kann es sein, dass dem Trottel in der Nachbarstation ein Fehler unterlaufen ist und deswegen alles überlaufen war? Kommen wir uns vielleicht zu wichtig vor und leiden wir schon unter Verfolgungswahn? Ich mein, was wissen wir denn eigentlich? Vielleicht war’s ja wirklich nur Zufall.“

„Ich glaube nicht, dass das Zufall ist.“ widersprach Horst Martinas Theorie „Der Kommandant war oder ist zwar ein Trottel, aber so trottelig kann man sich nicht anstellen. Außerdem – der Ausfall der Funkgeräte, just in diesem Moment, war sicher kein Zufall, sondern eine bewusste Störaktion.“

„Sehe ich auch so. Ah, dort kommt Meier mit der Munition. Ruhe jetzt.“ Paul drehte sich in die Richtung des Kommandanten.

Bereitwillig händigte der Kommandant die Munition aus und ohne viel Federlesens machte sich die kleine Gruppe auf den Weg in die Eingeweide der einstigen Millionenstadt. Begleitet wurden sie von den trostlosen Bildern der vor sich hin vegetierenden Überlebenden, die sich auch hier auf engstem Platz zusammenkauerten und mit teilnahmslosen Augen dem Weg der Beamten folgten. Viele von ihnen waren innerlich schon tot, schoss durch Pauls Kopf.

Vielleicht gab es deswegen keine Flüchtlinge. Eventuell hatten es die Menschen satt, vor den Untoten zu fliehen. Möglicherweise waren sie schon zu müde und sehnten sich nach Schlaf. Dem ewigen Schlaf. Nein, widersprach er sich innerlich, jeder Mensch hatte einen natürlichen Überlebenswillen. Selbst, wenn sie halb tot wären, würde ein Fluchtreflex eingreifen und selbst, wenn die Station überlaufen würde, hätten sicher einige Menschen noch genügend Zeit gehabt, in die Tunnel zu fliehen. Irgendetwas musste sie daran gehindert haben. Oder irgendjemand.

An den Gleisen angekommen, fanden sie wie von Meier prognostiziert einen Großteil der Wachmannschaft vor. Beide vorhandenen Tunnel konnten bei Bedarf mit Barrikaden versperrt werden, aber noch hielt man sie für mögliche Flüchtlinge offen. Der Kommandant hatte sie offensichtlich schon angekündigt, denn ohne weitere Fragen zu stellen wurde der Weg für die drei Beamten freigegeben. Stattdessen grummelte einer der Soldaten ein unverständliches „Sie wurden uns schon angekündigt. Viel Glück.“ Bevor er ihnen den Weg in den zwischen den Tunneln gelegenen Wartungsgang freigab.

Als sie über die Versorgungswege losgingen, fühlten sie die Blicke der Männer und Frauen in ihrem Rücken. Obwohl keiner sprach, erahnten sie ihre Gedanken. Die Gedanken waren fast greifbar, nahmen Gestalt an und riefen ihnen nach, dass sie nicht damit rechneten, die drei Polizisten in naher Zukunft wieder zu sehen. Zumindest nicht als Menschen.

Dienstag, 26. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 36

Kapitel 36

Schreiend versuchte Paul mit Horst zu kommunizieren, der durch den Lärm hindurch nur Teile davon verstand. Um die Verständigung zu verdeutlichen, nahm er seinen Helm ab und bedeutete Paul, es ihm gleich zu tun. Tatsächlich verbesserte sich die Kommunikation schlagartig und wurde noch besser, als die Musik schlagartig verstummte und Pauls Stimme in unerwarteter Lautstärke über den Hof hallte.

„…keine Ahnung, wie ich…“ Er hielt kurz inne, horchte auf, und als er sich sicher war, dass wirklich Ruhe eingekehrt war, sprach er weiter.

„Also, was ich sagen wollte… Wow, diese Ruhe. Also, ich wollte sagen, dass ich mit anschieben nicht wirklich viel Erfahrung habe.“

Ein Grinsen zeichnete sich auf Horsts Gesicht ab. „Kein Problem. Ich setz mich hinters Steuer und ihr schiebt.“

Paul stieg aus und überließ seinem Kollegen den Fahrersitz. Zusammen mit Martina ging er ans Heck und begannen das Auto zu schieben. Als sie etwas Fahrt aufgenommen hatten, legte Mewes den Gang ein, löste die Kupplung und trat aufs Gas. Nichts geschah.

„Verdammt! Nochmal.“

Ein Wendemanöver würde sie in dem engen Hinterhof zu viel Zeit kosten, also schoben sie den Wagen einfach wieder zurück und wiederholten das Spiel. Gang, Kupplung, Gas, ein Husten. Das Auto röchelte kurz, verharrte aber reglos und blieb weiter stumm.

„Nochmal, los, wir haben nicht ewig Zeit.“

Wieder zurück, Anlauf, Husten, ein Brummen. Der Wagen brummte. Nein, er heulte auf. Wie ein wütendes Tier jaulte der Motor auf und Horst dachte nicht daran, das Gas weg zu nehmen. Zu groß war die Angst, er könnte wieder absterben.

„Los, rein jetzt. Wir müssen los.“

Die Aufforderung war unnötig. Nach einer Sekunde des ungläubigen Staunens waren sie schon halb am Fahrzeug um im Innern vorerst in Sicherheit zu sein. Im Wagen überprüfte Paul als erstes sein Funkgerät, empfing aber auf allen Kanälen nur statisches Rauschen.

„Martina. Check bitte dein Funkgerät und versuch, eine Verbindung herzustellen. Horst, fahr los. Vorne am Tor spring ich raus und zieh es auf. Los jetzt.“

Ohne zu zögern setzte der Beamte zurück, wendete den Wagen und bog dann um die Ecke weiter zur Einfahrt. Nur vereinzelt waren dort Untote zu sehen, das Gros musste sich in der Maillingerstraße aufhalten. Dort, wo sie sich in der Durchfahrt in Deckung gebracht hatten. Trotzdem beeilte sich Bährer das Tor zu öffnen. Er fand es unverschlossen vor und musste das Tor nur aufziehen. Er sprang eilig zurück in den Wagen.

„Los, fahr los. Wir fahren zum nächsten befestigten Punkt. Die Blutenburg lang, die Pappenheim ist dicht, nimm die Sandstraße. Martina, hast du Kontakt?“

„Nein, nur Rauschen. Was ist da los?“

„Keine Ahnung, aber irgendwer scheint nervös zu sein. Wir haben wohl in irgendwas rumgestochert, in dem wir nicht hätten wühlen sollen. Versuch es weiter und …“ Martina riss einen Arm hoch und unterbrach ihn damit in seinen Ausführungen.

„Ich hab Kontakt. Hallo, hier Polizeiobermeisterin Martina Stürmer. Maillingerstraße nicht passierbar, wiederhole, Maillingerstraße nicht passierbar. Wir weichen zum Stiglmaierplatz aus. Erbitte sofortige Bestätigung. Ende.“

Gespannt lauschte sie und drückte dabei den Knopf stärker ins Ohr. Plötzlich ein krachendes Geräusch. Ein Schatten, der über das Auto hinweg flog und dabei die jetzt zerborstene Windschutzscheibe mitnahm.

„Verdammt“ fluchte Horst „wo kam der denn her?“

„Ja, verstanden. Ende und Aus.“ Martina legte das Funkgerät zur Seite.

„Am Stiglmaierplatz erwarten sie unsere Ankunft. Angeblich hat eine Überladung einen Fehler im Lautsprechersystem ausgelöst. Wir müssen so reinkommen.“

„Das ist momentan unser geringstes Problem. Das waren mit Sicherheit kein Zufall und auch keine Überladung. Das war ein gezielter Anschlag. Die Zs wurden schon vor dem Einsetzen der Lautsprecher in die Straße gelockt oder getrieben, oder was weiß ich. Auf jeden Fall waren die schon vorher da. So schnell versammeln die sich nicht. Außerdem gibt’s in der Gegend aufgrund der überwiegend unbeschädigten Gebäude ohnehin nicht so viele Streuner. Nein. Der Einbruch in die Systeme der Bundeswehr blieb wohl doch nicht unbemerkt.“ Pauls ungewöhnlich heftige Reaktion überraschte Martina und Horst.

„Dann sind Alex und Marko aber auch in Gefahr“ warf Martina ein.

Er antworte mit einem grimmigen Gesicht. „Das ist richtig, aber die sind momentan hinter hohen Mauern in Sicherheit und erfahrende Beamte sorgen dafür, dass das auch so bleibt. Wir müssen schnellstens zu Bruno und ihn über die neuesten Entwicklungen informieren. Bruno kann auch die Sicherheit von den Beiden garantieren. Aber ehrlich gesagt, mache ich mir momentan mehr Sorgen um unsere eigene Sicherheit.“

Montag, 25. Juli 2011

Books of the Dead - Tagebuch der Apokalypse 2 von J. L. Bourne

Grad Limit beendet, hab ich mich gleich an die just erschienene Fortsetzung von Tagebuch der Apokalypse gemacht. Der erste Teil hat mich ja durchaus begeistern können. Ich zitiere mal kurz meine Amazon-Rezension dazu:

Man kann diesem Buch ja einiges vorwerfen, was ja einige hier schon getan haben. Das Buch ist jetzt weder besonders anspruchsvoll, noch besonders einfallsreich, noch besonders spannend. Es ist aber eins: authentisch.

Ja, wie jetzt? Wie kann ein Zombieroman authentisch sein?

Nun, es ist einer der wenigen Romane, bei dem man sich nicht ständig an den Kopf fasst. Es ist einer der wenigen Romane, bei denen die Protagonisten so agieren, wie ICH mir vorstelle in solchen Situationen zu agieren, z. B. Ablenkungsmanöver starten mit lauter Musik oder einem Autoradio.
Besonders authentisch wird's dadurch, dass der Autor nach eigenen Angaben selbst Berufssoldat ist und sich so wahrscheinlich sehr leicht in seinen Hauptcharakter hineinversetzen kann.

Das macht dann auch Spaß zu lesen. Große Literatur ist es nicht, als Zombieroman aber empfehlenswert. Auch wenn ich Eden und World War Z (Wer früher stirbt...) noch a bisserl besser fand.

Das würd ich so immer noch unterschreiben.

Vor allem den realistischen Touch des Buchs hab ich versucht, auch in meine Geschichten einzubringen und hoff, dass es mir gelungen ist. Darüber hinaus ist Bourne, wie schon erwähnt, auch Berufssoldat und kann besonders damit punkten.

An der Stelle kann ich dann auch gleich die Brücke zum neuen Buch schlagen. Auch hier steht Authentizität an erster Stelle. Wieder wird im Tagebuchstil erzählt und wieder steht der aus dem ersten Teil bekannte Offizier im Mittelpunkt.

Leider beginnt das zweite Buch etwas zäh. Die aus dem ersten Teil bekannte Basis bietet relative Sicherheit und nur langsam und anfangs noch recht konstruiert passiert überhaupt etwas. Zum Glück überreißt's Bourne nach dem ersten Drittel und schafft es doch noch, den Charakter wieder in eine Situation zu bringen, in der er seine Fähigkeiten und seinen unbedingten Willen zu überleben einbringen darf und vor allem: muss.

Zum Ende hin lässt das Buch leider irgendwie nach und das Ende... ja, ich will ja nicht spoilern, aber die letzten Seiten des Buchs lassen für den dritten Teil etwas erwarten, von dem ich mir vorstellen könnte, dass ich das nicht haben möchte.

Dazu kommt noch die Länge. Es gibt ja Leute, wenn ich nach den Amazon-Bewertungen von Dämmerung geh, denen mein Buch zu kurz war. Gut, im Vergleich zu Schätzing steh ich da wirklich nicht gut da, aber Tagebuch der Apokalypse 2 dürfte mit Dämmerung was die Länge angeht, ungefähr auf einer Stufe sein, gefühlt war ich da sogar noch schneller durch. Schade eigentlich, grad der gute Mittelteil hätte meiner Meinung nach noch a bisserl mehr Futter vertragen können.

Lange Rede, kurzer Sinn: schwächer als der erste Teil, aber immer noch empfehlenswerte Zombieliteratur.

Ich könnt mir übrigens vorstellen, dass einige mit der Wendung, die Untot Band 3 nehmen wird, auch nicht so glücklich sein werden. Aber ich will da jetzt nicht zu viel verraten.

Books of the Dead - Limit von Frank Schätzing

Eigentlich ja kein "Books of the Dead", aber weil ich es grad durch hab, dacht ich mir, ich schreib mal ein, zwei Zeilen zu dem Buch.

Frank Schätzing ist ja spätestens seit "Der Schwarm" kein Unbekannter mehr. Nachdem ich das Buch endlos vor mir hergeschoben hatte, kam ich vor einigen Wochen endlich in den Genuss und war so begeistert, dass ich mir gleich noch ein paar Werke von Schätzing gegönnt hab, wie eben "Limit".


Gut, ein paar Kritikpunkte hatte ich bei "Der Schwarm" auch. Zum Beispiel, dass Frank gern mal sehr stark ins Detail geht. Diese Details sind in der Regel sauber recherchiert und allein dafür hat Frank meinen vollsten Respekt. Ich möcht gar nicht wissen, wieviel Zeit dafür investiert wurde, dies zu recherchieren und noch mehr würde mich interessieren, ob er die Geschichte um diese kleinen Details strickt, oder Teile seiner Geschichte am Ende nochmal komplett umschreibt.

Wie auch immer. 

All diese kleinen und größeren Details können durchaus interessant, aber auch anstrengend zu lesen sein. Des weiteren walzt er gern mal uninteressantes zu stark aus und verliert sich auch schon Mal. Im großen und ganzen macht das aber nichts, weil noch immer eine verdammt starke und spannende Geschichte bleibt. Zumindest die ersten drei Viertel. Das Ende wirkt nämlich meiner Meinung nach leicht gehetzt und es überschlägt sich alles, was sich teils a bisserl konstruiert liest.

Das alles traf auf "Der Schwarm" zu und trifft auch wieder auf "Limit" zu.

Bei "Limit" stößt Frank meiner Meinung nach aber auch an sein Limit (haha, supersinnloses Wortspiel!). So versucht er zwei Handlunsstränge zu verschmelzen, die sich nie so wirklich verschmelzen lassen. Er schießt zig Leute per Fahrstuhl ins Weltall, von denen sich keiner so recht im Gedächtnis verankern mag und deren Schicksale dem geneigten Leser so auch relativ egal sind.

Besser wär's gewesen, einen Handlungsstrang komplett zu ignorieren und stattdessen dem Strang rund um Owen Jericho zu folgen, der den wesentlich spannenderen Teil abgibt. Weil man aber relativ lang der Geschichte um den Milliardär Julian Orley folgt, dauert's auch, bis zum ersten Mal richtig Spannung aufkommt. So will das erste Viertel des Buchs einfach nicht richtig zünden und erst nach rund 300 bis 400 Seiten wird man das erste Mal so richtig hineingezogen.

Dann aber! Dann aber richtig.

Sobald sich die Geschichte auf die Geschichte rund um Owen konzentriert und seiner Jagd durch Shanghai, Berlin und London folgt, wird's richtig spannend und technisches Blabla zurückgefahren. Interessant fand ich auch seine Vision einer Welt in 15 Jahren und durchaus witzig auch seine kleinen Seitenhiebe und Anspielungen auf unsere Welt aus einer zukünftigen Sichtweise.

Wenn die Geschichte aber zum Ende kommt, überschlägt sich wieder alles. Plötzlich ist Owen nur noch eine Randfigur und nur noch kurz wird seine eigentlich wichtige Rolle in diesem Spiel mit einem kurzen Auftritt gewürdigt. Auch die letzten Seiten wirken etwas lieblos drangepackt, so als ob jemand (Testleser?) der Meinung war, dass man das Buch so nicht enden lassen könne. Wer das Buch gelesen hat, der weiß, was ich meine.

Von all dem Gemecker abgesehen bleibt aber noch immer eine spannende Geschichte und viel Lesestoff für einen verregneten Sommer.

Untot - Band 3 - Kapitel 35

Kapitel 35

Aus dem Lauf heraus feuerte Paul sein Sturmgewehr ab und war sich sicher, dass seine Kollegen ähnlich vorgingen. Es waren ungezielte Feuerstöße, die neben Blei auch viel Hoffnung enthielten. Würden die Kugeln die Angreifer nicht töten, dann hoffentlich ihnen die nötigen Sekundenbruchteile verschaffen, um durch ihre Reihen zu schlüpfen, bevor sie bei lebendigem Leib aufgefressen würden.

Es half nichts. Die Maillingerstraße war unpassierbar geworden. Hinter ihnen schlossen diejenigen auf, die sie bisher umlaufen hatten. Vor ihnen tat sich eine schier undurchdringliche Wand aus Untoten auf. Es war unmöglich, dass die urplötzlich einsetzende Musik so viele Zombies in so kurzer Zeit angelockt hatte. Gedanken rasten durch Pauls Kopf. Sie würden sicher nur eine Chance haben, wenn überhaupt. Sie könnten sich in ein Gebäude flüchten und darauf hoffen, sich dort so lange wie möglich zu verteidigen. Oder sie umgingen ihre Verfolger.

Neben einem ehemaligen asiatischen Restaurant sah der Beamte eine Durchfahrt, die mit einer mannshohen Tür verschlossen war. Davor stand ein Wrack eines Personenwagens. Er wusste zwar nicht, was sich hinter der Durchfahrt befand, aber es könnte ihnen einen nötigen Abstand vor den herannahenden Zombies verschaffen. Mit der Hand zeigte er in die Richtung und sprintete los, schlug dabei mit dem Kolben seiner Waffe den Schädel eines Angreifers zu Brei und kümmerte sich nicht um den umherfliegenden Dreck.

Mit Anlauf setzte er zum Sprung an, wuchtete noch im Schwung mit seinen Beinen einen Untoten um und landete liegend auf dem Autodach des Wracks. Aus dem Augenwinkel sah er Horst und Martina heranstürmen, er richtete sich auf und feuerte sogleich auf die Verfolger. Gezielt platzierte er Schuss um Schuss in die untoten Köpfe und sicherte so die Flucht seiner Kollegen. Mit Anlauf stemmte sich Horst auf die Motorhaube des Autos, sprang dann weiter auf das Dach, und kam direkt neben Paul zum stehen. Auch Martina wollte gerade springen, als sie von hinten gepackt und zurückgerissen wurde.

Paul wirbelte herum. Er fand sich plötzlich gedanklich auf der Wiese wieder. Vor seinem inneren Auge sah er seine Mutter und auch den Zombie, der sie aus dem Auto heraus gepackt hatte. Er konnte damals seine Mutter nicht retten und er würde jetzt auch Martina nicht retten können. Nein, er –

- er feuerte und ruckartig löste sich der Griff um Martina. Sie nutzte sofort die Gelegenheit, und trat einen anderen Angreifer gegen das Knie, um keine weitere Zeit zu verlieren. Hinter ihr brach die Kreatur mit gebrochenem Schienbein zusammen und wieder Andere fielen durch gezielte Schüsse von Paul und Horst. Martina hastete sofort auf das Fahrzeug.

Noch war die Durchfahrt leer. Die Frage war, wie viel Zeit sie hatten und was sie dort drinnen erwartete. Momentan schien es ihre einzige Chance. Mewes ergriff die Gelegenheit als erster. Um sich nicht zu verletzen, hielt er sich fest und ließ sich langsam am Tor auf der anderen Seite nach unten gleiten. Paul folgte ihm und zusammen fingen sie Martina auf, die es gerade noch schaffte, bevor die Untoten auf das Autodach gelangen konnten.

Sie würden nicht viel Zeit haben. Der Zaun wirkte stabil, aber vom Autodach aus würden ihnen die Zombies bald folgen. Viele würden sich zwar bei dem Versuch dabei Rippen, Arme oder Beine brechen, aber nichts davon würde sie lange genug aufhalten. Also rannten sie. Die Durchfahrt führte in einen Hinterhof. Ein vereinzelt herumstehender Zombie war keine Gefahr und Martina machte kurzen Prozess. Gemeinsam nutzten sie die kurze Atempause, um Munition nachzuladen und ihre Fluchtoptionen zu prüfen.

An der gegenüberliegenden Wand standen mehrere Container und Mülltonnen. Als Paul im Augenwinkel eine Bewegung erhaschte, zögerte er nicht länger, lief voraus und gab den anderen mit einer Handbewegung zu verstehen, ihm zu folgen. Aufgrund der lauten Musik war immer noch keine akustische Kommunikation möglich. Mit einem Sprung befand er sich auf einer umgestürzten Mülltonne und zog sich auf den erstbesten Container hoch. Von dort oben konnte er sehen, dass die Mauer einen höher gelegenen Innenhof umzog.

Ein Tor zur Rechten sicherte den Hof vor überraschendem Besuch. Wenn auch nicht hoch genug, würde es ihnen etwas Zeit verschaffen. Die Mauer würde die Untoten aufhalten, die ihnen von der Maillingerstraße her folgten. So oder so würden sie ein wenig Zeit haben. Wertvolle Zeit, um sich einen Fluchtplan auszudenken. Neben ihm kam Martina zu stehen und deutete auf etwas vor ihnen. Ein Auto stand unter einem Carport. Wer auch immer hier gewohnt hatte, musste wohl sein Auto zurücklassen.

Die Chance war zwar gering, aber die Beste, die sie momentan hatten. Als auch Horst den Container erklommen hatte, half ihm Paul mit einer Räuberleiter und hob ihn so über die Mauer. Oben angekommen, reichte dann Horst Paul die Hand, und zog ihn zu sich. Paul wiederholte dies mit Martina und in dem Moment, als mehrere Zombies den Innenhof betraten, kamen sie alle auf der anderen Seite der Mauer zum stehen. Jetzt sah auch Horst den unter einem Carport stehenden Wagen und verstand sofort, als Paul die entsprechende Richtung einschlug.

Ohne Zeit zu verlieren, rannten sie zu dem Auto und zogen an den Türgriffen. Die Türen waren natürlich verschlossen. Auch während der Zombieapokalypse war es natürlich wichtig, sein Auto abzuschließen, dachte sich Paul und dabei rammte er den noch immer von den Resten der Zombies verschmierten Kolben seines Sturmgewehrs in die Seitenscheibe auf der Fahrerseite. Nachdem die Tür entriegelt war, schlug Paul gegen das Zündschloss und machte sich daran, das Lenkradschloss zu entsichern und die Zündkabel freizulegen.

Horst kam ihm von der anderen Seite mit seinem Mehrzweckmesser zur Hilfe. Mit dem filigraneren Werkzeug fiel es Mewes etwas leichter, die Kabel freizulegen und das Lenkradschloss zu umgehen. Schon bald war das Werk vollendet und gemeinsam machten sie sich daran, die Kabel zu verbinden. Dies erwies sich natürlich als erfolglos. Die Batterie des Wagens war schon lange leer. Mit etwas Glück würde der Platz in dem Hof reichen, um den Wagen durch schieben wieder starten zu können.

Sonntag, 24. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 34

Kapitel 34

Auf dem Rückweg von der Kaffeeküche kam ihnen Alex aufgeregt entgegen.

„Schon fertig getrunken?“ Schuldbewusste Blicke wurden gewechselt. „Super Timing, der Rechner ist fertig und konnte tatsächlich einige Sequenzen wieder herstellen.“

Eilig liefen sie dem IT-Mann hinterher. Der nahm nun wieder vor seinem Monitor Platz und deutete Marko, die Wiedergabe zu starten. Aufgrund der zum größten Teil gelöschten Daten und der teilweise fehlgeschlagenen Adressierung, konnten nur Bruchstücke des Videos aus verschiedenen Kameraperspektiven wiedergegeben werden. Die Wiedergabe hakte, übersprang dann wieder ganze Sequenzen und verfiel von Zeit zu Zeit in einen Pixelsalat. Es schaffte aber trotzdem einen Eindruck von dem zu vermitteln, was in MO1 vorgefallen war.

Ein Mann in Armeekleidung steht in der Schleuse vor dem Gitter, gestikulierend und in drohender Haltung. Rauschen.

Der gleiche Mann geht zur Lok, ist verschwunden. Bildwiedergabe setzt aus.

Schwarz gekleidete Männer huschen aus der Lok in den Innenraum der Schleuse. Sturmgewehre vibrieren in den Händen der Männer, geben aber kein Mündungsfeuer ab. Wieder Rauschen.

Ein Soldat, ein Bewacher, bricht getroffen zusammen. Eine halbe Minute fehlt.

Einer der schwarz gekleideten Männer gibt einen Code ein. Eine Fehlermeldung bricht die Wiedergabe des Videos ab.

Beim nächsten Wiedereinstiegspunkt sind sie ausgeschwärmt und bewegen sich in Formation auf das Gebäude zu.

Das nächste Bild zeigte die Lok aus einem anderen Blickwinkel und wieder den Mann in Armeekleidung.

Die Aufnahmen waren grobkörnig, aber Paul war sich sicher, dass der Mann blond und groß gewachsen war. Auch seine Statur und sein Gang kamen Paul sehr bekannt vor. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Dort stand Braun. Die wie Ninjas aus dem Zug huschenden Gestalten waren die Kämpfer, von denen sie eine Leiche gefunden hatten. Ohne Zeitdruck zog der Oberleutnant eine Waffe aus seinem Holster, schaute in Richtung der Kamera und legte an. Im Gegensatz zu den Sturmgewehren erkannte man hier einen Mündungsblitz. Im nächsten Augenblick war der Bildschirm schwarz, die Sequenz damit abrupt zu Ende. Auch den anderen Blickwinkeln und Kameras ließ sich kein Bild mehr entlocken.

„Das war Braun. Dieses verdammte Schwein.“ Stieß Paul hervor. „Er war also für das Massaker verantwortlich.“

„Und er hat Sebastian und Albert auf dem Gewissen.“ Setzte Horst nach.

„Wir brauchen das, was ihr da habt, auf einem Datenträger. Sichert euch das Ergebnis auf dem Server des LKAs und obendrein auf einem Rechner ohne Netzzugang, um Eindringlingen von außen keine Chance zu geben, unser Fundstück zu löschen.“ Bat Paul die beiden IT-Experten. Dabei ließ er auch keine Beteuerungen gelten, wie sicher die Firewall angeblich sei und dass sie persönlich dafür bürgen würden.

„Wir wissen nicht, mit welchem Gegner wir es hier zu tun haben, aber er scheint mächtig und technologisch hoch gerüstet zu sein. Vor allem macht mir Angst, dass wir hier ein Kommando mit Uniformen und Waffen in einer uns unbekannten Technologie beobachten durften, die einen ganzen Armeestützpunkt mit 100 Soldaten im Alleingang ausradiert haben. Wir stehen hier einer ernstzunehmenden Bedrohung gegenüber und ich will nicht, dass wir aufgrund von Schlamperei dem Aggressor einen Vorteil verschaffen.“

Wie gewünscht brannten sie alle verfügbaren Informationen auf einen DVD-Rohling und legten sich Sicherungen auf Standalone-Rechnern an, die nicht im Netzwerk waren und keine Verbindung nach außen aufwiesen. Paul selbst nahm die Rohlinge an sich und drängte zum Aufbruch. Die Sonne war schon fast verschwunden und die Abenddämmerung brach herein. Schlechte Zeiten, um zwischen den Untoten zu wandeln schlendern.

Über die Türwache wurde der Rücktransfer zum Kommandoposten eingeleitet und die entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Horst entschuldigte sich für einen Moment und nach seiner Wiederkehr brachen sie auf. Das akustische System war gerade auf den nächsten Ring übergesprungen und lockte so die Untoten noch weiter vom LKA weg, bis hinein ins Niemandsland. Die schweren Tore öffneten sich und obwohl er sich daran gewöhnt haben sollte, traf das trostlose Bild der toten Stadt Paul wie ein Faustschlag in den Magen.

Mit der Waffe im Anschlag traten sie ins Freie und gingen los. Langsam erhöhten sie ihre Marschgeschwindigkeit und verblieben dann im schnellen Schritt. Nach einer Minute verebbten unerwartet die Lautsprecher. Ihre Schritte hallten jetzt wie Schläge mit dem Vorschlaghammer auf dem Asphalt. Verblüfft und mit sorgenvollen Mienen beobachteten sie die Umgebung. Sie konnten aber bis auf wenige schwerhörige Streuner vorerst keine ernsthafte Gefahr ausmachen. Trotzdem verlangsamten sie ihre Schritte soweit, dass sie den Zombies noch gefahrlos ausweichen konnten.

Keiner wagte ein Wort zu sprechen. An der Spitze lief Paul und gab seine Befehle via Handzeichen nach hinten durch. Drei Minuten lang schafften sie es beinahe unbemerkt zu bleiben, aber schnell schien die Anzahl der Kreaturen zuzunehmen. Sie würden bald an einen Punkt angelangt sein, an dem es nicht mehr möglich wäre, den Zombies auszuweichen. Schweiß bildete sich an Pauls Handflächen, während er sein Sturmgewehr fest an sich presste.

Nachdem sie mehr als die Hälfte des Wegs zurückgelegt hatten, nahm die Masse anscheinend wieder ab. Die Erleichterung war von Pauls Gesicht abzulesen. Wäre die Ansammlung weiter angewachsen, hätten sie den Weg nach hinten antreten müssen, der durch die verfolgenden Kreaturen immer mehr verstopft wurde. Gerade als alle dachten, dass der restliche Weg jetzt zu einem Kinderspiel würde, setzte die Musik über die Lautsprecher wieder ein.

Wie Donnerschläge hallte der Bass durch die Straßen. Die Vibrationen ließen Fensterscheiben klirren. Die Musik kam von ringsumher, vor allem schien sie direkt vor den im Freien stehenden Beamten zu kommen. Irgendwelche Kommandos waren jetzt unnötig. Sie liefen um ihr Leben.

„I'm an open wound I can feel lt In my gut“

Samstag, 23. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 33

Kapitel 33

„Verdammt Horst, ist das nicht …?“ Pauls Gesicht schien mit der grauen Wand zu verschmelzen.

„Doch, ich glaube schon.“ Bestätigte Mewes Bährers Befürchtungen. „Der Grundriss des Gebäudes ergibt das gleiche Symbol, dass der unbekannte Angreifer als Kennzeichnung auf seiner Uniform hatte. Und dieses Gebilde steht nur wenige Kilometer von dem Regierungsgebäude entfernt.“

„Scheiße. Alex, Marko, könnt ihr rausfinden, was das für ein Gebäude ist? Welchem Zweck es dient, oder wer es gebaut hat?“ rief Paul aufgeregt.

„Nein, oder sagen wir so, zumindest nicht sofort. Wie schon gesagt unterliegt Rügen der höchsten Geheimhaltungsstufe. Wir könnten höchstens versuchen, über die Architekten oder die Baufirmen einen Auftraggeber zu ermitteln, befürchte aber, dass von denen keiner mehr am Netz ist, sofern die noch leben.“ Erwiderte Alex die Frage.

„Verdammt. Wir müssen das Bruno zeigen. Könnt ihr uns davon Ausdrucke machen? Einmal vergrößert und einmal in der Übersicht.“

„Na klar, kein Problem. Sonst noch was?“

„Ja, was ist mit dem Film?“ wollte der Polizeihauptmeister noch wissen.

„Fast fertig. Ich würde sagen, fünf bis zehn Minuten noch.“

„O.k., klingt gut. Wo kommen die Ausdrucke raus?“

Markos Hand deutete auf einen verschämt in der Ecke stehenden Drucker, der just in diesem Moment seinen Betrieb aufnahm und mehrere Seiten Papier ausspuckte.

„Soll ich euch die Bilder auch zu mailen?“

„Nein, lieber nicht, aber speichere dir die Dateien sicherheitshalber ab. Eventuell kommt Bruno, ich meine Polizeioberrat Herling, deswegen noch mal auf euch zu.“

„Wird gemacht. Ich würde vorschlagen, ihr holt euch noch einen Kaffee. Wir haben hier eine exquisite Maschine und das Milchkonzentrat ist von echter Milch fast nicht zu unterscheiden.“

„Und der Kaffee?“

„Lass es mich so sagen: das stört dich nur, wenn du dich noch an den Geschmack von echten Kaffee erinnerst.“ Ein Grinsen huschte über Lehmans Gesicht.

Zusammen mit Horst und Martina ging Paul in die Kaffeeküche und bereiteten sich den Kaffeeersatz zu, dabei begutachteten die Ausdrucke. Die Bilder, die während der Aufbauphase gemacht wurden, zeigten einen großzügig dimensionierten unterirdischen Bereich, ohne genaue Strukturen erkennen zu lassen. Die späteren Aufnahmen ließen die Schlussfolgerung zu, dass große Teile des Unterbaus mit Erde und Grasflächen kaschiert wurden, so dass überirdisch keine Anzeichen für die vorhandenen Katakomben erkennbar waren.

„Das Ding ist wie ein Eisberg“ warf Martina ein.

„Ein Eisberg?“ grübelte Horst.

„Naja, wie ein Eisberg eben. Bei einem Eisberg ragt auch nur die Spitze aus dem Wasser, während 90 % der tatsächlichen Masse unter Wasser ist. Das hier wirkt ähnlich. Durch diese kreuzförmige Struktur verschenkt das Gebäude überirdisch viel Platz, die, wie hier auf diesem Bild erkennbar, durch Grünflächen ersetzt werden.“ Erklärte sie den beiden Kollegen.

Für Paul war das noch nicht schlüssig: „Aber warum dann diese Form?“

„Ich weiß es nicht. Die Form scheint keinen praktischen Zweck zu erfüllen und dient vielleicht momentan eher als Symbol. Eventuell ist das auch nur das Ergebnis vom Größenwahn seiner Erbauer. Möglich, dass die sich nicht länger verstecken möchten, und damit ein Zeichen setzen wollen. Ein Zeichen ihrer Macht.“

„Was ist denn das?“ Horsts Finger deuteten auf eine undeutliche Linie, die sich vom unteren südlichen Teil des Gebäudes quer über die Insel verfolgen ließ, und sich dort mit anderen Linien verband, um schließlich über die Brücke führen.

„Das müssen Gleise sein. Die haben tatsächlich eine eigene Eisenbahnanbindung.“ Erkannte Paul überrascht.

„Ich würde mir das Gebäude und dessen Bewohner gerne mal von der Nähe ansehen.“

„Nicht nur du Horst, nicht nur du.“ Pflichtete ihm sein Kollege bei und nahm einen Schluck von dem Kaffeeersatz. Nur mit Mühe konnte er die Brühe im Mund behalten und schluckte sie mit ekelverzerrtem Gesicht herunter, bevor er den restlichen Inhalt der Tasse im Ausguss entleerte. Den anderen beiden blieb der erste Schluck im Halse stecken, so dass sie ohne Umschweife beschlossen, es Paul gleichzutun.