Freitag, 1. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 11


Premiere!
Heute gibt's das erste von Tanja korrigierte Kapitel. Neben offensichtlichen Rechtschreibfehlern hat mir Tanja auch noch einige Textvorschläge unterbreitet und teilweise an Sätzen gefeilt, auf dass sie flüssiger und schlüssiger zu lesen sind. Großes Kompliment von meiner Seite nach Berlin. Der gezeigte Einsatz übertrifft meine dürftigen Erwartungen bei weitem.
Kapitel 10 wurde übrigens auch schon von Tanja überarbeitet und von mir überarbeitet online gestellt.

Kapitel 11
Als sich die Befestigungsanlagen von MO1 in Sichtweite abzuzeichnen begannen, nahm Khalil immer mehr Fahrt weg und ging dazu über, den Zug langsam ausrollen zu lassen. Die Gegend um MO1 galt wegen der Befestigung potenziell als recht sauber, das Streunerpotenzial war eher gering. Daher war es ungewöhnlich, als sich aus den Ruinen bereits die ersten Schatten erhoben und den einfahrenden Zug zu beobachteten schienen.
Auch wenn Khalil es schaffen würde, den Zug ohne lautes Quietschen zum halten zu bringen, verursachte der Zug noch genügend Lärm, um jeden Streuner im Umkreis von mehreren Kilometern auf sie aufmerksam zu machen. Braun stand währenddessen ununterbrochen mit der Einsatzzentrale in Verbindung und informierte diese über die aktuellen Vorkommnisse. München zeigte sich davon wohl wenig beeindruckt.
Als sie schließlich vor den Toren zum Stehen kamen, lag MO1 wie tot vor ihnen. Trotz des trüben Wetters brannte weder Licht noch drang ein Laut nach draußen. Auch auf den Wachtürmen blieb es still. Keinerlei Reaktionen in Form von angehenden Scheinwerfern, signalisierende Handzeichen oder irgendwelche Rufe waren zu vernehmen.  Spätestens jetzt hätte sich das massive Tor in Bewegung setzen und den Weg für die Bahn freimachen müssen.
„Ich fürchte, ihr müsst nochmal raus. Hans hier freut sich schon.“ Khalil grinste und musste sich ein Lachen verkneifen, als er in Hans‘ Gesicht sah.
„Herr Bölak hat Recht. Herr Polizeihauptmeister, führen sie den Zivilisten an den Schaltkasten, während wir vom Zugdach aus die Population der Zs hier etwas dezimieren werden. Es sind bereits einige gefährlich nahe, daher haben wir nicht viel Zeit.“
„Das haben wir nie. Horst, Albert, Sebastian, wir gehen vor und geben Herrn Guba Deckung. Los, los.“
Die Polizisten gingen vor zur Tür, Paul vorweg, und postierten sich dahinter. Die Ausrüstung wurde nochmal kurz kontrolliert, Gurte angezogen und die Waffen durchgeladen. Dann riss der Polizeihauptmeister die Tür auf, schwenkte die Waffe, sprang nach unten und rollte sich am Boden ab. Regen schlug ihm ins Gesicht. Wieder schwenkte er die Waffe, erkannte einen Zombie in Schussweite,  legte an, feuerte und sah den Kopf explodieren. Regenwasser lief an seinem Kragen den Rücken hinab und ließ ihn frösteln.
„Alles sauber, los.“
Nach ihm sprang Horst, gefolgt von Albert und Sebastian, aus der Lok. Danach schwangen sich die Soldaten aus der Tür und zogen sich gleich auf das Dach des Zuges. Braun bildete das Schlusslicht. Schnell hatten die Soldaten Stellung bezogen und schon blitzten Mündungsfeuer auf. Sie spuckten Blei in Richtung der untoten Angreifer und zeigten schnell Wirkung, indem sie die Reihen der Angreifer dezimierten.
„Los jetzt Guba, wir müssen uns beeilen.“
Zaghaft erschien Hans in der Türöffnung und begann, vorsichtig nach unten zu steigen. Hinter ihm verriegelte Khalil schnell die Tür. Sie nahmen den Zivilisten in ihre Mitte, wobei Paul und Albert nach vorn hin sicherten, Horst die Rückseite und Sebastian die Flanke übernahm. Sie gingen schnell, aber nicht zu hektisch. Niemand wollte eine unangenehme Überraschung erleben. Auf der Höhe des zweiten Waggons hielten sie kurz inne. Paul gab Albert mit der Hand ein Zeichen, zählte stumm von drei rückwärts und gemeinsam stürzten sie um die Ecke.
In weniger als zehn Metern Abstand stand eine Gruppe von drei Untoten. Sofort eröffnete Albert das Feuer und knipste sie aus, bevor sie zur Bedrohung werden konnten. Sie rückten weiter vor und fanden vorerst keinen weiteren Widerstand. Brauns Männer leisteten gute Arbeit. Zu gute Arbeit für normale Soldaten. Ihre Ränge zeigten normale Dienstgrade von Ober- bis zum Hauptgefreiten. Ihre Treffsicherheit und ihre Disziplin überstiegen dabei aber die von normalen Diensträngen bei weitem.
Noch während Paul darüber nachdachte, war der Techniker bereits am Schaltkasten zugange.
„Das kann ein, zwei Minuten dauern. Nichts Dramatisches. Wenn da allerdings kein Strom mehr drauf liegt, werden wir ein Problem haben.“
„Wieso?“
„Weil die Tore ein paar Tonnen wiegen. Deswegen, und weil sich der Riegel ohne Strom keinen Millimeter bewegt.“
„Schöne Scheiße. Wann wissen wir, ob da Strom drauf liegt?“
„Kommt drauf an.“
„Worauf?“
„Ob Sie mich jetzt meine Arbeit machen lassen, oder mit mir weiter quatschen wollen.“
Horst verstummte augenblicklich und sah in das gedankenvolle Gesicht seines Freundes.
„Was ist denn?“
„Nichts, alles in Ordnung. Alles gut. Zu gut.“
„Was meinst du?“
„Ich meine Brauns Schoßhunde. Seine kleine Stoßtruppe.“
„Was ist mit denen?“
„Die sind gut. Mir sind die zu gut. Das sind doch keine normalen Soldaten. Der hat hier ein paar Sondereinsatzkräfte mit in die Schlacht gebracht.“
„Ich hatte schon einen ähnlichen Gedanken. Brunner passt da irgendwie nicht dazu.“
„Das stimmt. Der ist gut, aber weit von der Disziplin der anderen entfernt.“
„Ha, ich hab’s. “Hans‘ Aufschrei beendete die Konversation.
„Ich habe die Kabel verbunden und offensichtlich hängen die an einem externen Stromnetz, das nicht über die internen Kontrollen verbunden ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Willkommen in MO1.“
Mit einem lauten Quietschen wurde der Riegel zurückgezogen und auf Anhieb kam Leben in die Tore. Erst ging nur ein leichtes Zittern durch die schweren Flügel, das sich langsam in ein tiefes Brummen und anschließend ein weit hörbares, schleifendes Geräusch verwandelte. Sebastian stand der Tür am nächsten, als sie langsam nach innen aufschwang. Er roch daher als erstes den Gestank nach Verwesung und Tod. Er stand praktisch genau davor, als sich MO1 plötzlich in eine Hölle verwandelte.

Kommentare:

  1. hi,

    Hans‘

    ist das Betonungszeichen
    (bin mir nicht sicher wie es genau heißt)
    da gewollt?

    mfg Thex

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  2. Ja, in dem Fall schon.

    "Wo ein Apostroph gesetzt werden muss:
    ...
    Bei der Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x auslauten. Der Apostroph ersetzt hier das Genitiv-s:
    Hans' Mutter, Max' Cousine, Grass' Romane, Ministerin Zypries' Gesetzentwurf, Ringelnatz' Gedichte"
    http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,283781,00.html

    Hans' Mutter, Hans' Gesicht, Hans' Aufschrei...

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