Samstag, 2. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 12

Kapitel 12

Sebastian sah, nein roch sie fast zeitgleich mit Paul. Die Schleuse war voll von ihnen. Hunderte Zombies waren dort gefangen und freuten sich nun offensichtlich über einen kleinen Nachmittagsimbiss. Das Tor drückte die vorne stehenden Untoten nach hinten und zerquetschte die, die nicht mehr schnell genug hervor kommen konnten. Hinter denen wiederum waren aber noch mehr als genügend, die mit stoischer Ruhe auf die Beamten zu marschiert kamen. 

Erst als Sebastian die ersten Schüsse in die Menge abgab, registrierten die am Rand bei Hans stehenden Beamten, dass etwas ganz gewaltig schief lief. Albert zögerte keine Sekunde, sprang um die Ecke und entleerte sein Magazin in die ganz vorne stehenden Kreaturen. Völlig unbeeindruckt davon, rückten jedoch bereits die Nächsten nach und es schien kein Ende zu nehmen. Sebastian wich langsam, aber weiter feuernd, zurück, bis er mit dem Rücken gegen den hinteren Waggon stieß.

Währenddessen begannen die anderen Beamten seitlich zurückzuweichen, immer weiter in die sich bewegende tote Masse feuernd und ohne den scheinbar endlosen Strom von Untoten sichtbar zu beeinträchtigen. Paul schrie nach Braun, der dann auch plötzlich auf dem hinteren Waggon erschien und über den Lärm hinweg seine Kommandos brüllte. Ebenso schnell tauchte Brunner an Brauns Seite auf. Dessen Gesichtsausdruck sprach Bände und er verschwand auch ebenso schnell wieder.

Den Beamten lief die Zeit davon. Hier unten würden sie überrannt werden. Ihre einzige Chance war der Zug. Paul versuchte seine Gruppe zwar zusammenzuhalten, aber bemerkte erst zu spät, dass Sebastian umzingelt worden war. Mit dem Waggon im Rücken hatte er sich den Fluchtweg nach hinten nicht offen halten können und zu schnell hatten die Zombies ihn von links und rechts eingekesselt.

Während Paul noch überlegte, wie er eingreifen konnte, lief Albert schon feuernd und schreiend auf die Menge zu. Nachdem das Magazin leer geschossen war, wechselte er dieses und feuerte unvermindert weiter. Er drang dabei immer weiter in Sebastians Richtung vor. Der Polizeihauptmeister versuchte Unterstützung für Sebastian und Albert herbei zu zitieren, konnte aber die nachrückenden Untoten nicht mehr aufhalten.

Jetzt tauchte Brunner wieder auf, in einer Hand einen Granatwerfer. Der Oberfeldwebel legte an und feuerte. Wie in Zeitlupe flog die Granate in eine kleine Gruppe der Wiedergänger und kurz darauf erschütterte eine Explosion den Ort. Körperteile und -flüssigkeiten flogen durch die Luft, Leiber wurden zerfetzt und verbrannten, aber sie liefen weiter, sofern das Gehirn durch die Explosion nicht zerstört worden war. Diejenigen, die Füße, Beine oder sogar den Unterkörper verloren hatten, zogen sich auf ihren Händen weiter, aber sie kannten nur ein Ziel.

Eine zweite Granate riss wieder eine Gruppe von den Beinen und hinterließ mehr zerstörte Körperteile als bei der vorherigen Explosion. Es verlangsamte die Angreifer zwar, konnte sie aber nicht endgültig aufhalten. Das konnte auch Albert nicht, der inzwischen in den Nahkampf übergegangen war und sich weiter zur Sebastians Position vorkämpfte. Mit seinem Gewehrkolben schlug er Schädel ein, mit behandschuhten Händen drehte er Köpfe von ihrem Rumpf und mit der Faust schlug er ihre Gesichter zu Brei. Die inzwischen zur Standardausrüstung gehörenden Quarzhandschuhe leisteten ihm dabei gute Dienste.

Sebastian allerdings hatte noch mehr Probleme. Durch die am Zug angebrachten Räumschieber blieb ihm der Weg unter den Waggon verwehrt. Als der Zeitpunkt erreicht war, dass er sich mit seinen Schusswaffen nicht weiter verteidigen konnte, fielen die Untoten wie ein Heuschreckenschwarm über ihn her, verbissen sich in seinen Overall, seine Handschuhe, und seinen Helm. Ihre Hände rissen an ihm, ihre Zähne zerfetzten den Overall und ihr Gestank ließ Sebastian fast ohnmächtig werden.

Als Albert endlich bei ihm war, riss er die Zombies von Sebastian herunter, dabei bemüht nicht selber übermannt zu werden. Weitere Explosionen ließen Körperteile auf sie herabregnen, sein Overall war von Körpersäften bedeckt und Kriecher hatten sich in seine Füße verbissen. Noch hielten die Fasern des Schutzanzuges, bisher war seine Haut nicht aufgerissen. Sebastian hatte leider nicht so viel Glück. Anfangs hoffte Albert noch, dass es die Ausscheidungen der Untoten an Sebastians Körper waren. Aber er musste sich schnell eingestehen, dass es sich um Sebastians Blut handelte.

Als er einen Zombie von Sebastians Kopf wegzog, konnte er in dessen Gesicht sehen. Tränen liefen über Sebastians Gesicht, und die Augen sahen flehend zu Albert. Der wusste sofort, was er zu tun hatte. Er riss Sebastian aus den Fängen derer, die ihn noch am Boden hielten und warf ihn sich über die Schultern. Dann warf er sich gegen die Reihe, derjenigen, die ihn am Fortkommen hinderten und kämpfte sich nach vorne . Er steckte jedoch schon bald fest. Albert spürte, wie an Sebastian gezogen wurde, fühlte auch wie sich die Fasern seines eigenen Overalls auflösten. Nun konnte er auch die Zähne wahrnehmen, die sich in sein eigenes Fleisch schlugen.

Aber er gab trotzdem noch nicht auf. So wollte Bachmeier nicht sterben, nicht als Futter für diese Dinger. Sein Tod war unausweichlich, aber er würde nicht kampflos aufgeben. Mit einer schnellen Bewegung zog er seinen Arm zurück. Ein stechender Schmerz durchlief seinen Arm. Er spürte, wie sein warmes Blut den Arm hinunter lief und er sah, ein Stück Fleisch aus seinem Arm im Maul eines Zombies verschwinden. Noch hielt sich der Schmerz in Grenzen, aber er wusste, dass sich das schnell ändern konnte.

Also kämpfte er wutentbrannt weiter. Bis er das Ende der Meute sehen konnte. Er sah eine Leiter, die auf einen der Waggons führte. Albert ergriff die Chance, hob Sebastian hinauf, der sich an der ersten Sprosse nach oben zog und kletterte hinterher. Mit dem Fuß wehrte der Polizist die nach ihm grapschenden Untoten ab. Eine Hand streckte sich ihm entgegen und er fasste schnell zu. Horst griff fest zu und zog ihn nach oben.

Oben angekommen schilderte Albert atemlos Paul, was vorgefallen war. Gleichzeitig setzte der Zug sich langsam in Bewegung und schüttelte die Männer auf dem Dach heftig durch. Nur mit Mühe gelang es ihnen, sich auf dem vom Regen glatten Dach zu halten. Sie rollten langsam in die Schleuse des Sicherheitsbereiches. Die Zombies, die am Boden auf den Gleisen krochen, wurden von den Rädern zermalmt, Andere wurden einfach zur Seite geschoben.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    Ich hoffe heute ist es wirklich ein Fehler:
    "an Braus Seite"

    "an Brauns Seite" sollte es heißen oder?

    mfg

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  2. Stimmt, das war wirklich ein Fehler. :) Danke, ist ausgebessert.

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