Sonntag, 3. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 13

Kapitel 13

Als der Zug schließlich in der Schleuse angekommen war, setzten die Untoten gleich wieder zur Verfolgung an und steuerten unerbittlich auf die Schleuse zu. Diese war entweder nur durch den Kontrollraum zu schließen, oder durch einen Notschalter am Ende der Schleuse. Brunner kletterte schnell an einer Leiter nach unten, sprintete auf den Notschalter zu und warf sich förmlich dagegen.

Elendig langsam schlossen sich die massiven Tore wieder, drückten die Untoten nach draußen, die im Schwungbereich der Türen waren, während die Soldaten und Polizisten vereint auf die nachdrängende Masse feuerten. Die Schleuse war zwischenzeitlich durch Streuner aufgefüllt worden, die das Feuer der Verteidiger vollkommen zu ignorieren schienen und weiter eine undurchdringliche Wand bildeten.

Dann war das Tor endlich zu und die restlichen Zombies im inneren der Zuflucht waren vernichtet. Der schwere Riegel schob sich vor, verriegelte so die Türen wieder. Die Sicherung der Schleuse ließ die Gruppe erstmals seit einiger Zeit wieder aufatmen.

„Wie ich sehe, haben Sie zwei Männer verloren, Herr Polizeihauptmeister. Wie wollen Sie weiter vorgehen?“

„Die Beiden sind noch nicht tot, Braun!“ blaffte Paul, „Ich kümmere mich schon zur rechten Zeit darum. Mischen Sie sich da nicht ein! Erst mal sichern wir MO1!“

„Wir können es uns nicht leisten, Infizierte in unserer Mitte zu haben. Sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar und das wissen Sie auch.“

„Kapiert und jetzt lassen Sie uns in Ruhe. Geben Sie uns fünf Minuten und dann machen wir uns daran, den restlichen Stützpunkt zu sichern.“

„Nun gut, aber ich möchte betonen, dass Sie für alle Folgen verantwortlich gemacht werden.“

„Damit kann ich prima leben. Und jetzt verschwinden Sie.“

Tatsächlich zog Braun sich zurück und nahm Brunner mit zu den anderen Soldaten. Gemeinsam ordneten sie ihre Ausrüstung neu und munitionierten auf.

„Sebastian, Albert, wie geht’s euch.“

„Wie soll’s mir gehen. Ich werde sterben, Paul. Sie haben mich erwischt. Aber ich habe keine Angst vor dem Tod. Du weißt, dass ich eh mit dem Leben abgeschlossen hab. Ich helfe euch noch, den Stützpunkt zu sichern, danach möchte ich, dass du das einzige Vernünftigste tust ...“

„Ja, sicher Albert. Verlass dich auf mich. Horst, kannst du seine Wunde verbinden?“

Horst nickte Paul zu und zog Verbandszeug aus seiner Seitentasche.

„Sebastian? Bist du bei uns?“

„Ich, ja, ich glaube schon. Bin ich ... bin ich infiziert?“

„Davon müssen wir ausgehen.“

„Ach scheiße, was soll aus meiner Familie werden? Was soll aus meiner kleinen Tochter werden? Weißt du Paul, letzte Woche, als ich zum Dienst gegangen bin, hab ich meiner Tochter versprochen, dass ich wieder zurückkomme. Sie hat mich mit ihren klugen blauen Augen angeschaut und wollte, dass ich ihr verspreche, wieder zu ihr nach Hause zu kommen. Ich habe es ihr versprochen. Ich habe ihr versprochen, dass ihr Papa wieder nach Hause kommt. Paul… gehst du zu meiner Frau? Ich will, dass du ihr die Nachricht überbringst. Versprichst du mir das?“

Tränen liefen seine Wange hinab, liefen unter seinem Helm in seinen Overall. Er weinte weniger um sich, er weinte um seine Familie. Weinte um seine kleine Tochter und um seine Frau.

„Ich verspreche es dir. Ich werde persönlich zu ihr gehen. Ich werde ihr erzählen, dass du im letzten Moment nur an die beiden gedacht hast. Sollen wir dich verbinden?“

„Nein. Mach bitte, dass es zu Ende ist. Mach, dass es vorbei ist. Bitte.“

„Das kann ich nicht Sebastian.“

„Soll ich Braun bitten?“

„Der würde es genießen. Nein, Sebastian, bitte verlange das nicht von mir. Halt bitte noch durch.“

„Wofür denn? Ich werde meine Familie nie wieder sehen. Jede Minute, die ich noch lebe, quäle ich mich mehr. Bitte mach es. Jetzt. Bevor ich es mir anders überlege. Bitte Paul. Als Freund.“

„Ich, ich … mein Freund. Wir haben viel zusammen durchgemacht.“

Paul nahm Sebastian in die Arme, drückte ihn und jetzt musste auch er heulen. Zusammen saßen sie da, heulten um Sebastian, um seine Familie, bis ein Schuss aus Pauls Dienstwaffe Sebastians Leben schlagartig ein Ende bereitete. Leblos hing sein Körper in den Armen des Polizeihauptmeisters, Blut lief aus seinem Kopf und verteilte sich auf Pauls Overall. Noch immer hielt er ihn fest, weinte um ihn und schien so das Leben in seinem Körper festhalten zu wollen.

Albert und Horst sahen zu ihm, nickten ihm still zu und gaben ihm so zu verstehen, dass er nur getan hat, was nicht zu ändern war. Zugleich zeigten ihre Gesichter, dass sie ihn um seine Pflicht nicht beneideten.

„Mir ist es egal, wer es tut, aber versprecht mir, dass ich noch ein paar von den Dingern mitnehmen darf.“

„Das darfst du Albert, das darfst du.“ erwiderte Horst mit gedrückter Stimme.

„Paul, du kannst Sebastian jetzt loslassen. Es ist vorbei. Du kannst nichts mehr für ihn tun. Paul, wir haben hier noch etwas zu erledigen, du kannst später um ihn trauern.“

„Das ist richtig, Herr Polizeiobermeister Mewes. Sie haben richtig gehandelt Herr Polizeihauptmeister, und Sie haben getan, was Sie tun mussten. Können wir jetzt hier weitermachen?“

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