Dienstag, 5. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 15

Kapitel 15

„Nicht ihr Ernst, oder?“

„Was meinen Sie Oberfeldwebel?“

„Ich meine, dass derjenige, der den Code integriert hat, einen eigenartigen Humor besitzt.“

„Wieso?“

„Ist schon gut, Herr Oberleutnant. Wie machen wir weiter?“ entgegnete ihm Brunner.

„Wir geben von hier oben Deckung und der Herr Oberfeldwebel wird die Herren von der Polizei bei der Sicherung des Gebäudes unterstützen. Wir bleiben dabei in Funkkontakt. Richten sie bitte ihre Frequenz auf Band 3 ein und aktivieren sie ihre Funkgeräte.“

„In Ordnung Braun.“ Knirschte Paul zwischen seinen Zähnen hervor und wollte noch etwas hinterher werfen, verschluckte den Kommentar aber wieder.

„Also gut Brunner, Sie decken unsere linke Flanke. Albert geht voraus, ich decke rechts und Horst deckt links. Alle fertig auf munitioniert?“

Die Männer bejahten die Frage und setzten sich in Bewegung. Die Spitze bildete Paul, der sich sogleich von der Funktionalität des Tors überzeugte. Braun hatte offensichtlich Recht, der Stromkreis war geschlossen und das Eingabefeld leuchtete auf. Als die restlichen Männer auch unten waren, bat er Brunner zu sich, damit er die Zahlenkolonne eintippen kann um damit die Notentriegelung auszulösen. Die korrekte Eingabe wurde durch ein klickendes Geräusch, das vom Zylinder verursacht wurde, bestätigt.

Mit dem Fuß versetzte Paul der Tür einen Tritt, welcher sie zurück schwingen ließ. Sie wurde klirrend von einem Zaun gestoppt. Horst bedeutete Paul, Ruhe zu bewahren und so warteten sie einige Sekunden in der Stille, bis sie sich sicher waren, keine Untoten aufgeschreckt zu haben. Wortlos gab Paul mit Handzeichen den Befehl zum weiter rücken und übergab dann Albert die Spitze.

Sich gegenseitig deckend liefen sie geduckt auf die Tür des Verwaltungsgebäudes zu. Die Fenster im Erdgeschoss waren als Sicherheitsmaßnahme verbarrikadiert und sollten mögliche Gefahren von außen abhalten. Es wirkte so, als ob dies nicht wirklich geholfen hat. Vorsichtig zog Albert am Türgriff. Der Türgriff gab nach und entriegelte die Tür. Mit dem nach unten gezogenen Türgriff drückte sich Albert leicht gegen die Tür, dann immer stärker. Die Tür ließ sich trotzdem nicht öffnen.

„Was ist los?“ zischte Brunner.

„Ich weiß nicht. Irgendwas blockiert die Tür von drinnen.“

„Und jetzt?“

„Jetzt erhöhe ich ganz leicht den Druck.“

Wieder drückte er den Türgriff nach unten, drückte sich aber im gleichen Moment mit vollem Gewicht gegen die Tür. Eine Schmerzwelle lief durch Alberts Körper. Das ausgestoßene Adrenalin reichte nicht aus, um den stärker werdenden Schmerz zu unterdrücken. Trotzdem drückte Albert weiter, spürte wie er etwas von der Türe wegschob und schaffte es die Türe soweit aufzudrücken, dass er hindurch schlüpfen konnte.

Ohne eine Ahnung davon, was ihn auf der anderen Seite erwarten könnte, nahm er die Chance wahr und betrat den düsteren Flur. Ausschließlich der Spalt in der Tür spendete etwas Licht, bereits nach zwei oder drei Metern verschwand der Flur in der Dunkelheit. Albert horchte nach verdächtigen Geräuschen, konnte aber nur das Pfeifen des Winds hören, der um das Gebäude zog.

Vorsichtig holte er die Taschenlampe aus seinem Gürtel und schaltete sie an. Der Lichtstrahl schnitt sich durch die Dunkelheit und offenbarte grauenvolle Details. Am Ende des Flurs lagen drei leblose Körper, Soldaten. Blut bedeckte Boden und Wände und auf dem Boden lagen Patronenhülsen. Jetzt erinnerte er sich auch wieder an das Hindernis hinter der Tür, richtete den Strahl der Taschenlampe nach hinten und fand auch dort eine Leiche, bekleidet mit einer ihm unbekannten Uniform.

Mit beiden Händen riss er an dem Toten und zog ihn von der Tür weg. Danach öffnete er die Tür vollständig und trat wieder zurück zu den anderen.

„Da drin war eine Riesensauerei im Gang. Im Flur liegen Leichen und ich hab hier einen, der ganz komisch ausschaut.“

„Was meinst du mit komisch?“ erkundigte sich Paul.

„Können Sie mal mit anpacken, Brunner?“

Zusammen gingen sie hinein und zogen den leblosen Körper vor die Tür. Auch im trüben Licht des Unwetters konnte Paul erkennen, dass der Tote eine Uniform trug, die er so noch nicht gesehen hatte. Die Uniform war vollständig schwarz, bedeckte den gesamten Körper sowie den Kopf, ähnlich wie ein Neoprenanzug. Er bot dabei aber wahrscheinlich den Komfort eines Kampfanzuges. Das Material sah außerordentlich dehnbar, und doch widerstandsfähig aus. Offenbar konnte das Material aber nicht die Kugeln abwehren, die den Bauch- und Brustbereich des Mannes zerfetzt hatten. Mindestens eine davon war mit Sicherheit tödlich.

„Spezialmunition.“

„Was genau meinen sie Brunner?“

„Spezialmunition, Herr Polizeihauptmeister. Die Soldaten hier hatten Munition mit Teflonmantel. Die wird seit einiger Zeit getestet, soll helfen, Fehlschüsse zu vermeiden. Durch die härtere Ummantelung soll die Kugel durch die Schädelknochen nicht abgelenkt werden.“

„Copkiller-Munition?“

„Nunja, wenn sie so wollen. Wobei wir die Bezeichnung eigentlich Hollywood zu verdanken haben und ...“

„Ist schon ok. Sie müssen uns jetzt keine Geschichtsstunde halten. Sagen sie mir lieber, was das für eine Uniform ist. Was ist das für ein Symbol auf seiner Schulter?“

„Ich habe keine Ahnung. Ich kenne weder das Material, noch irgendein Symbol. Zeigen Sie mal das Symbol genauer.“

Paul drehte die Leiche etwas, so dass Brunner das Symbol sehen konnte. Es war weinrot und sah aus wie ein Kreuz, das von einem Halbkreis überspannt wurde. Von dem Querbalken gingen zwei Striche im 45 Grad Winkel zurück zum senkrecht stehenden Balken. Brunner zuckte mit den Schultern, als plötzlich bei allen Brauns Stimme durch den Kopfhörer des Funkgeräts hallte.

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