Mittwoch, 6. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 16

Kapitel 16

„Wenn sie sich endlich vom ordnungsgemäßen Tod der Leiche überzeugt haben, könnten sie eigentlich mit der weiteren Sicherung des Gebäudes fortfahren. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“

Paul hatte keine Lust auf erneute Diskussionen mit Braun und befahl daher die Fortsetzung der Mission. Er holte noch seine Kamera aus der Tasche und schoss ein paar Bilder von der Uniform und der außergewöhnlichen Kennzeichnung, bevor er Albert in das Gebäude folgte.

Die Taschenlampen der Beamten warfen vier Lichtstrahlen und offenbarten weitere Details, die besser verborgen geblieben wären. Hier hatte ein wahres Gemetzel stattgefunden. Sie fanden fast weitere 20 Leichen, bis sie davon ausgehen konnten, dass das Gebäude wirklich sicher war. Bei allen Leichen handelte es sich um Menschen, die gewaltsam zu Tode gekommen sind. Es war kein einziger Untoter darunter. Wer auch immer hier gewütet hatte, wollte den Tod dieser Menschen.

Über das Funkgerät riefen sie Hans zu sich, der sich sogleich um die Elektronik kümmerte. Schnell fand er auch die Ursache für den Stromausfall. Mehrere Einschüsse im Sicherungskasten hatten Schuld daran, dass die Elektronik des gesamten Stützpunktes lahmgelegt war. Teil um Teil holte Hans aus seinem Rucksack, schlug mal hier, mal da dagegen, schraubte, bohrte und legte dann irgendwann einen Schalter um.

Licht flackerte auf und tauchte den Raum in das kalte Licht einer Neonröhre. Erst bei voller Beleuchtung wurde das ganze Ausmaß des Vorfalls deutlich. Blut klebte an den Wänden und bildete Pfützen auf dem Boden. Die Wand war von Einschusslöchern verziert und unzählige Patronenhülsen von unterschiedlichem Kaliber lagen überall verstreut. Hans war noch mehr als die Beamten von dem Anblick entsetzt. Vollkommen erstarrt stand er da und erwachte erst, als ihn Horst an der Schulter zum Kontrollpult hinüber zog.

„Kannst du das hier in Ordnung bringen? Wir brauchen die Kameras und wir brauchen die Aufzeichnungen davon. Alle Aufnahmen bis zum Stromausfall. Bekommst du das hin?“

Guba nickte zur Bestätigung und seine Finger tanzten bereits über die Konsole der Steuerungseinheit. Währenddessen machten sich die Beamten daran, das Gebäude im Licht der Neonlampen noch einmal zu durchsuchen. In jedem Raum fanden sie das gleiche Bild vor. Getötete Soldaten, Blut und die Spuren einer Schießerei hatten die Räumlichkeiten gezeichnet.

Bei vielen Soldaten waren die schusssicheren Westen durchschlagen worden. Die geheimnisvollen Angreifer mussten also auch mantelverstärkte Munition verwendet haben. Einige Soldaten wurden im Schlaf überrascht. Ihre Leichen lagen noch in den Betten, die Matratzen blutgetränkt und rote Pfützen unter den Betten. Im Erdgeschoss angekommen fanden sie am anderen Ende des Flurs eine Leiche, die mit ihrem eigenen Blut eine Nachricht an die Wand geschrieben hatte.

„Jesus Erben“ Stand mit großen, leicht verschmierten Lettern an der Wand.

Neben der Leiche lag ein Sturmgewehr, das Paul vollkommen unbekannt war.

„Horst, komm mal her.“

„Was ist?“

„Hier, schau mal.“

„Was soll das heißen?“

„Keine Ahnung. Ich mach mal ein Bild davon. Schau dir mal das Gewehr genauer an.“

Während der Polizeihauptmeister seine Kamera aus der Tasche holte und einige Aufnahmen von der Schrift an der Wand schoss, nahm Horst das Sturmgewehr hoch, wog es in seinen Händen, entfernte das Magazin und untersuchte die Munition darin.

„Sieh dir das an. Das scheint diese mit Teflon beschichtete Munition zu sein. Sollen wir Brunner rufen?“

„Meinst du, dass der auf unserer Seite ist?“

„Eher noch als Braun.“

„Also gut.“ Bährer rief nach Brunner, der auch sogleich die Treppe herunter kam. Als Brunner nach kurzem umschauen Horst und Paul bei der Leiche am Ende des Flurs entdeckte, ging er mit schnellen Schritten auf sie zu.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Zwei Sachen Herr Oberfeldwebel. Erstens: Sagt Ihnen ‚Jesus Erben‘ etwas?“

„Jesus Erben? Was soll das sein? Eine Gothic-Band?“

„Nein, aber der Soldat hier fand die Information wichtig genug, sie im letzten Moment seines Lebens mit seinem eigenen Blut an die Wand zu schreiben. Aber gut, dann schauen Sie sich bitte noch dieses Gewehr und vor allem die Munition an.“

Brunner nahm das besagte Gewehr und die dazugehörige Patrone von Mewes entgegen. Er untersuchte beides sehr gewissenhaft.

„Die Patrone ist mit Teflon beschichtet. Ich selbst habe die Patronen bisher nur bei einer Vorführung gesehen. Ich hatte keine Ahnung, dass die tatsächlich schon im Einsatz sind. Die Waffe, nun das ist ein Prototyp. Die dürfte es eigentlich auch noch nicht geben, zumindest nicht hier.“

„Wie meinen sie das?“

„Es ist eine neue Universalhandfeuerwaffe, die neben normalem Kaliber Spezialmunition verschießen kann. Neben Teflonpatronen werden weitere neue Munitionsarten erprobt. Brandmunition, Sprengmunition und auch Säurepatronen wurden schon getestet. Eine neue, auf Druckluft basierende Technologie sorgt dafür, dass diese Spezialmunition mit großer Geschwindigkeit, aber ohne Gefahr, dass die Patrone im Lauf zerstört wird, abgefeuert werden kann. Die Waffe wurde im Rahmen einer Präsentation vorgeführt und befindet sich meines Wissens aktuell noch im Erprobungsstadium. Soviel ich weiß, haben nur einige Einheiten auf Rügen die Waffe erhalten.“

„Auf Rügen?“

„Ja, dort ist die Regierung und auch andere einflussreiche Personen untergebracht. Eigens dafür wurden Spezialeinheiten zur Bewachung abgestellt, von denen einige Kontingente die neue Ausrüstung erhalten haben. Der Einsatz war aber nur für Rügen vorgesehen. Aus dem Grund dürfte die Waffe hier gar nicht liegen.“

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