Samstag, 9. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 19

Kapitel 19

So genau wie möglich versuchte Paul die Ereignisse der letzten Stunden dem Polizeioberrat zu schildern. Bei der Erwähnung der fremden Uniform und des unbekannten Sturmgewehrs hatte er Brunos ungeteilte Aufmerksamkeit. Während des Gesprächs nutzte Paul die wieder funktionierende Netzwerkverbindung und mailte zeitgleich die Bilder von seiner Digitalkamera an die Dienststelle. Bruno konnte sich aus dem Vorgefallenem ebenfalls keinen Reim machen, versprach aber Ermittlungen einzuleiten und ein paar Gefälligkeiten einzufordern. Er ordnete noch absolutes Stillschweigen gegenüber Paul und seinen Männern an

Die Beamten sollten die verbliebene Zeit bis zum Eintreffen einer Verstärkung nutzen, um vor Ort weitere Ermittlungen anzustellen. Bölak und Guba wurden beauftragt, mit dem Zug die dringend benötigten Vorräte nach München bringen. Außerdem wies er Paul eindringlich darauf hin, dass Brunner als ranghöchster Militärvertreter die Operation bis auf weiteres leiten würde. Bruno versprach Paul, dass sie bald abgelöst werden. Und Brunners Akte wollte er persönlich noch einmal durchgehen, um weiteren Überraschungen hoffentlich vorbeugen zu können.

Hans erklärte den Polizisten noch die Elektronik im Verwaltungsgebäude, bevor er sich mit Khalil in die Lok begab. Die inneren Schleusentore wurden geschlossen, die Tür entriegelt und der Zug in die verseuchte Welt entlassen.

Inzwischen hatten sich Hunderte Zombies vor dem Tor versammelt. Hunderte Zombies, die sich augenblicklich in das sich öffnende Tor schoben. Aber nicht lange. Der anrollende Zug drückte die Masse wieder nach hinten, pflügte sich seinen Weg durch die Meute und kam langsam in Fahrt.

Weil die Kameras zerstört waren, war Albert auf dem linken Wachturm in Stellung gegangen und informierte Paul über den Verlauf der Abfahrt. Als der Zug die Schleuse verlassen hatte, gab er seinem Vorgesetzten ein zuvor vereinbartes Signal, und Paul machte sich sofort daran, die Tore per Knopfdruck zu schließen. Wieder knirschten und quietschten die schweren Tore, bis das schwere Schloss die beiden Flügel wieder vereinte. Einige wenige Streuner waren in das Innere der Schleuse geraten. Ein leichtes Spiel für Albert, der inzwischen Gelegenheit hatte, sich mit dem schweren Turm-MG vertraut zu machen. Die Salven schnitten durch die Zombies wie eine Schere durch Papier.

Während Albert erst die Schleuse von den herein gekommenen Untoten reinigte und noch anschließend die verbliebene Munition an die Streuner vor der Mauer verschwendete, wendete sich Paul an den Oberfeldwebel.

„Woher kennen Sie den Oberleutnant?“ Begann er die Befragung.

„Vor diesem Einsatz noch gar nicht. Ich wurde ihm, genauso wie Sie, zugeteilt.“ „Eigentlich kannte ihn keiner in unserer Kompanie. Auch seine drei Begleiter hat Braun selber mitgebracht. Ich betrachtete sie als persönliche Ordonanz.“ Brunner schaute dabei offen in Pauls Gesicht.

„Warum dann noch Sie?“ Paul versuchte zu verstehen.

Brunner wirkte genervt. „Ich weiß es nicht. Zufall? Es wäre vielleicht zu auffällig gewesen, hätte er als Leiter der Operation direkt drei niedrige Dienstränge befehligt. Was er aber de facto dann doch getan hat. Ich hab mich ja selbst die ganze Zeit eher als Statist gefühlt, aber in einer Gefechtssituation hat man keine Fragen zu stellen.“

Paul ließ sich, trotz Brunners scheinbar ablehnender Haltung nicht von seinem Verhör abhalten. „Verstehe. Welche Ausbildung hatten die Soldaten?“

„Keine normale, das steht fest. Das waren knallharte Hunde. Ich bezweifle schon fast, dass es sich dabei überhaupt um Soldaten gehandelt hat. Sie gingen sehr bestimmt, organisiert, aber teilweise nicht besonders militärisch vor.“

„Wie ‚nicht militärisch‘?“

Brunner hielt kurz inne und suchte nach den richtigen Worten. „Keinerlei Befehlsfeedback. Keine Lagemeldung, eigentlich überhaupt keine Meldungen. Sie waren extrem diszipliniert im Kampf, haben aber keinerlei Meldungen gemacht. Sie schienen eine militärische Ausbildung zu haben, jedoch glaube ich nicht, dass sie in einer normalen Landes-Armee gedient haben.“

„Sondern?“ Paul wurde immer neugieriger.

„Was weiß ich? Privater Sicherheitsdienst, paramilitärische Organisationen, Fremdenlegion, Polizei?“

„Das waren mit Sicherheit keine Polizisten. Die müssen mehr Meldungen an ihre Vorgesetzen abgegeben, als sie eigentlich Einsätze haben. Ein richtiger Plauderhaufen.“ Paul lächelte Brunner an „Sie hatten selbst echt keine Ahnung, wie? Tja, für mich sind Sie erst einmal rehabilitiert. Dann auf gute Zusammenarbeit.“ Paul salutierte leger mit der Hand an seiner Stirn, um Brunner zu signalisieren, dass er ihn als Leiter der restlichen Operation gutheißt.

„Danke, Herr Polizeihauptmeister. Darf ich sie noch etwas Privates fragen?“

„Sicher, nur raus damit.“

„Was ist das für ein Ding zwischen Ihnen und Braun“

„Darüber möchte ich lieber nicht sprechen, aber es hängt damit zusammen, dass er ein emotionsloses und brutales Arschloch ist.“ Spie Paul aus.

Brunner grinste schief. „Danke, das reicht mir schon. Übrigens: Josef.“

„Josef?“

„Ja, Sie können Josef zu mir sagen, ich meine, wir könnten uns eigentlich duzen. Wenn Sie …“

„Paul. Du kannst mich Paul nennen. Freut mich.“

Paul und Brunner reichten sich die Hände. Eine neue Freundschaft schien sich anzubahnen.

Während Albert weiter auf dem Wachturm ausharrte, unternahmen Paul und Brunner noch einmal den Versuch, inmitten des ganzen Durcheinanders Beweise zu finden, indem sie wiederholt die Räumlichkeiten durchsuchten. Irgendetwas, das einen Hinweis liefern könnte, wer und warum hier scheinbar grundlos Hunderte Menschen getötet hatte musste doch aufzufinden sein. Doch leider blieb die Suche erfolglos. Überraschend wurde von Albert über Funk das Eintreffen eines Transportzuges gemeldet.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,
    mir sind wieder zwei Sachen aufgefallen:

    1. offen ins Pauls Gesicht.
    Bei ins muss das s weg oder?
    2. Während Albert weiter auf dem Wachturm
    ausharrte, unternahmen Paul, Albert und Brunner noch einmal den Versuch,
    Ist Albert nicht auf dem Wachturm? :)

    Wie immer sehr interresant
    mfg Thex

    AntwortenLöschen
  2. Danke.

    Heute hab ich keine Ausrede am Start, das ist einfach durchgerutscht. :)

    AntwortenLöschen
  3. Ach was, ich wünschte ich würde so wenig Fehler machen :D Ich bin der schrecken jedes Deutschlehrers ;)

    AntwortenLöschen
  4. "der Schrecken" :)

    Das Lob gebührt aber auf jeden Fall auch Tanja, die sich da auch grad sehr stark einbringt und weit über Rechtschreibfehler hinausgeht.

    AntwortenLöschen