Montag, 11. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 21

Kapitel 21

Die Rückreise nach München am nächsten Tag gestaltete sich still. Weder Paul noch Horst war nach Konversation zu Mute und Brunner war in MO1 geblieben. Das Verteidigungsministerium hatte eine interne Untersuchungskommission einberufen, die die Vorfälle untersuchen sollte. Brunner war als Zeuge unabkömmlich. Paul vermutete, dass Herling in ihrem Fall ein gutes Wort an höherer Stelle eingelegt hatte, um ihren Aufenthalt nicht unnötig zu verzögern.

Im Gepäck hatten sie Kopien der Festplatten, um sie von Spezialisten des Bayrischen Landeskriminalamts untersuchen und die möglicherweise gelöschten Teile wieder herstellen zu lassen. Sofern überhaupt irgendwelche Daten gelöscht worden waren. Aufgrund der jüngsten Erkenntnisse taten sich Zweifel auf, ob die Kameras zu dem Zeitpunkt, als die Station überwältigt wurde, überhaupt aktiv gewesen sind. Weiter im Gepäck hatten sie die rätselhafte Waffe. Brunner hatte seinen Vorgesetzten gegenüber kein Wort über das Sturmgewehr verloren, daher befand sie sich immer noch im Besitz von Paul.

Als sie Freising passierten, begann sich der Himmel langsam aufzuklären. Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch die dicken Wolken und ein Regenbogen wölbte sich am Horizont. Bährer erinnerte sich an die Sage, dass sich am Ende des Regenbogens ein Topf mit Gold finden lasse. Gold. Gold hatte seinen Wert verloren. Die Weltfinanzmärkte waren schon lange zusammengebrochen. Nach Amerikas Zusammenbruch verlor der internationale Handel endgültig an Bedeutung. Der Tauschhandel, Ware gegen Ware, gewann wieder die Oberhand.

Asien, Russland und der mittlere Osten waren schon früher als Deutschland gefallen. Nordamerika dagegen schien unantastbar, bis zu dem Tag, an dem Mexiko die Grenzen der einstigen Weltmacht stürmte, um seinen eigenen Bürgern die Flucht zu ermöglichen um dann im gleichen Zug die USA der Vernichtung preiszugeben. Infizierte strömten in das gesamte Land und überrannten die eilig zusammengestellten Verteidiger. Befestigungsvorhaben wurden zu spät angegangen, und die meisten Städte konnten nicht mehr rechtzeitig geräumt werden.

Die wenigen Gebiete, die noch gehalten werden konnten, waren meist ohne Strom und vom nuklearen Fallout bedroht. Flüchtlinge, die in Zeltlagern vor sich hin vegetierten, waren all dem am meisten ausgesetzt.

Sechs Atomsprengköpfe haben die USA auf das eigene Land abgefeuert. Sechs Atomsprengköpfe, um die Untoten zu stoppen und dabei die eigenen Einwohner zu opfern. Ja, es zerstörte die Toten, wie die Lebenden, doch die Strahlung danach schadete nur denen, die sich den Zombies bisher entziehen konnten. Es hielt die Zombie-Invasion nicht auf.

Als die deutschen Grenzen zu Polen fielen, befürchtete man einen Atomschlag aus Frankreich, als Präventivschlag zur Sicherung ihrer eigenen Grenzen. Angeblich waren die Bomber schon in der Luft und wurden erst im letzten Moment von Frankreichs Premier zurückbeordert. Niemand weiß, was ihn zu seinem Umdenken motiviert hatte. Möglicherweise die Gewissheit, dass das Schicksal seiner Landsleute damit nur aufgeschoben wäre, um dann die Überlebenden dem Strahlentod preiszugeben.

Nur wenige solcher Informationen erreichten die unteren Dienstränge. Nur kurz nach der Übernahme des Verteidigungsministeriums wurde die Medienzensur wieder verstärkt. Ohne Horsts Verbindungen wären Paul die meisten der internationalen Nachrichten vorenthalten geblieben. Berichte, wie die, dass Spanien wohl noch immer ihre Grenzen verteidigte. Angeblich hielten die Befestigungen in den Pyrenäen dem Ansturm der Untoten stand. Gerüchte besagten auch, dass Andorra vollständig evakuiert wurde.

Auch große Teile der Schweiz konnten wohl verteidigt werden. Die ab Anfang der 40er Jahre des vorherigen Jahrhunderts errichteten Alpenfestungen, inklusive strategisch günstig gelegener Bunkeranlagen, konnten rund ein Viertel des Gebietes der Schweiz schützen. Dieses „Schweizer Reduit“ genannte Gebiet und der noch immer hohe Anteil an Rekruten innerhalb der Schweizer Bevölkerung, rettete Millionen Menschen das Leben. Angeblich ging die Schweiz bereits dazu über, Teile ihres Landes zurückzuerobern. Zu dessen Verlauf lagen jedoch Horst keine gegenwärtigen Informationen vor, weshalb Paul dies auch als Gerücht abtat, aber tief im Innern hoffte, dass letztendlich doch ein Sieg möglich wäre.

Nach einigen Minuten bremste der Zug ab und setzte seine Fahrt nur noch in Schrittgeschwindigkeit fort. Paul schaute aus dem Fenster und erkannte, dass sie sich auf der Höhe der Stelle befanden, wo sie Tags zuvor den havarierten Zug aufgefunden hatten. Neben der Strecke standen nun gepanzerte Transportfahrzeuge. Soldaten waren damit beschäftigt, die noch nicht geborgenen Leichen aufzuladen, während die Gegend großflächig abgeriegelt war. Paul erkannte Panzer am Horizont, die versuchten, die Aufmerksamkeit der Wiederkehrer auf sich zu lenken.

Nach etlichen Metern beschleunigte der Zug dann wieder und brachte die restliche Strecke in 40 Minuten hinter sich. Als sie langsam in die erste Schleuse beim Hauptbahnhof einfuhren, fühlte sich Paul, als würde ihm ein Stein vom Herzen fallen. Das Tor fiel krachend zusammen und beide Beamten atmeten hörbar auf. Horst war ganz offensichtlich auch erleichtert, den Schutz der Münchner Befestigungen wieder erreicht zu haben.

Nach der Schleuse fuhr der Zug weiter zu den Personenbahnsteigen, bis er bei Gleis 26 zum Stehen kam. Noch immer wortlos erhoben sich die beiden Beamten, nahmen ihre Ausrüstung auf und gingen zur Tür. Entweichende Druckluft signalisierte, dass die Entriegelung der Türen gelöst wurde. Horst öffnete den inneren Riegel und drückte die Tür nach draußen. Dort wartete bereits eine Gruppe uniformierter Beamter. Paul sah darunter einen blonden Haarschopf und erkannte seine Kollegin Martina Stürmer, mit der er bereits in der Vergangenheit ein paar Einsätze hinter sich hatte. Er kannte sie als nette Kollegin, auf die Verlass war. Martina lächelte.

„Hallo Martina. Ihr wartet auf uns?“

„Ja. Wir wollen euch sofort zu Polizeioberrat Herling bringen. Folgt ihr uns bitte?“ Sachlich trug sie ihre Forderung vor.

„Und ihr sorgt dafür, dass wir uns nicht verlaufen?“

„Lass bitte die dummen Sprüche und komm einfach mit.“ Ein Grinsen konnte sie sich nicht verkneifen.

Kommentare:

  1. Die Ausführungen zur Schweiz sind gut. Was ist mit den deutschen Mittelgebirgen? Zum Beispiel Hannover-in den Harz evakuiert? Das Erzgebirge, Bayrischer Wald und der Schwarzwald. :)

    AntwortenLöschen
  2. In den Harz? Öhm...

    Nein, für Deutschland will ich eigentlich auf was anderes hinaus. Ich will noch nicht zuviel verraten. :)

    AntwortenLöschen