Dienstag, 12. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 22

Kapitel 22

Bährer und Mewes wurden von ihren Kollegen zum Tower zurück eskortiert. Seit ihrer Abfahrt hatte sich natürlich nichts verändert. Weiter herrschte Elend und Verzweiflung in den unterirdisch liegenden Notunterkünften. Sicher kann ein Tag am Schicksal von Tausenden von Menschen nichts ändern, aber es entsetzte ihn jedes Mal aufs Neue. Hier war es aber immer noch besser als in der MO1.

An einem ehemaligen Infostand orderten die eskortierenden Beamten eine U-Bahn für die Fahrt zum Tower. Anschließend begaben sich alle weiter nach unten in das U-Bahn-Netzwerk Münchens. Wie am vorigen Tag war der Bahnsteig leer. Um die beklemmende Stille zu durchbrechen, wandte sich Paul an Martina.

„Was hat Herling denn so verlautbaren lassen?“

„Nichts, wir haben nicht mit ihm gesprochen. Der Auftrag kam von Leyrer.“

„Was wisst ihr?“

„Nicht viel. Wir wissen nur, dass ihr von MO1 kommt und wir wissen, dass Herling ein paar wichtige Leute angerufen hat. Auf jeden Fall ist bei unseren Kollegen vom LKA einiges los.“

Betont erstaunt schaute Paul Martina an. „Interessiert dich gar nicht, was da los war?“ und sah ihr dabei eindringlich in die Augen.

„Doch, natürlich. Aber wenn du es mir erzählen dürftest, hättest du es mir schon längst erzählt. Ich kenn dich doch.“ Neugierde sprach aus ihrer Stimme.

Mit einem verschwörerischen Blick nahm er Martina etwas zur Seite, bevor er leise fortfuhr.

„Reichl und Bachmeier sind tot.“

Martinas Augen weiteten sich und überrascht setzte sie zu einer Antwort an.

„Was? Sebastian und Psycho? Aber was...?“

„Leiser, verdammt.“ Zischte Paul verärgert. „Die Zs haben sie erwischt. Bei MO1 draußen.“

Martina schüttelte leicht den Kopf, bevor sie diesmal leiser antwortete.

„Wie konnte das passieren?“

Paul bemühte sich, ihr in Stichpunkten die Einzelheiten des Einsatzes zu erzählen, als auch schon die Bahn eintraf, die sie unterirdisch zur Zentrale bringen sollte. Horst erkannte, dass Paul mit Martina alleine sein wollte und verwickelte die anderen beiden Beamten in ein Gespräch am anderen Ende des Wagens. Noch während der Fahrt hatte Paul die nötigsten Informationen an Martina weitergegeben.

„Ach, scheiße. Psycho ist also nur deswegen infiziert worden, weil er Sebastian retten wollte?“

„So sieht’s aus. Könnten wir uns eventuell auf Albert einigen?“

„Oh ja, natürlich, entschuldige.“ Entgegnete sie Paul mit einem nach Entschuldigung haschenden Blick. „Ich hatte seinen Vornamen schon fast vergessen. Scheiße. Weiß es Sebastians Familie schon?“

„Ich weiß nicht.“ Paul zuckte mit seinen Schultern. „Als seinem Vorgesetzten wird wohl mir die Ehre zuteilwerden.“

„Wenn es dir hilft, könnte ich dich begleiten.“

„Ich wollte eigentlich Horst mitnehmen.“

„Oh.“ Martina senkte ihren Blick. „Ich hab ja nur gemeint.“ Sie schien leicht verlegen.

„Du, ich wollte nicht … Du weißt ja, dass der Teil unseres Jobs der beschissenste ist. Aber ich überleg es mir vielleicht nochmal und komme auf dein Angebot zurück. Horst hat sicher nichts dagegen.“ Er lächelte sie freundlich an.

„Hey, ich kenne Sebastians Frau und ich glaube, sie wäre wirklich froh, wenn ich dabei wäre.“

„Gut, ich spreche mit Horst und Bruno. Versprochen.“

„Danke. Denkst du wirklich, es war dieser Hauptmann Kaiser?“

„König, Hauptmann König. Nein, denke ich nicht. Ich glaube vielmehr, dass ihm das jemand in die Schuhe schieben wollte, je länger ich darüber nachdenke. Irgendwas stimmt hier nicht. Ich weiß noch nicht was, aber ich habe vor, dem auf den Grund zu gehen.“ Pauls Blick zeigte Entschlossenheit.

„Sag mir, wenn ich dir helfen kann.“ Martina schaute, den Blick schweifend, aus den Zug-Fenstern. „Ich glaub, wir sind da.“

Tatsächlich schälten sich die Umrisse der U-Bahn-Station aus dem Dunkel, als die U-Bahn langsam einfuhr. Im Gegensatz zum Hauptbahnhof belagerten hier Flüchtlinge den Bahnsteig, so dass die Beamten wieder näher zusammenrücken mussten. Martina und Paul unterbrachen vorerst ihr Gespräch. Sie wollten nicht, dass die Kollegen die Unterhaltung mitbekamen, außerdem war dies alles so mysteriös, dass sie Misstrauen gegenüber anderen für angebracht hielten.

Im Tower angekommen, brachte sie der Fahrstuhl in den 36. Stock des Gebäudes. Oben angelangt, verließen nur Horst und Paul die Kabine. Die anderen Beamten fuhren wieder nach unten, um sich bei ihrer Einheit zurückzumelden. Vor dem Fahrstuhl wartete bereits ein wichtig dreinschauender Ordonanzbeamter, der sie in Empfang nahm und den Flur hinab erst in einen Versammlungsraum und dann von dort in Herlings Büro begleitete.

Vorsichtig klopfte er an die Bürotür.

„Ja?“ Schallte es durch die Tür.

Die Ordonanz drückte die Türklinke nach unten, schwang die Tür nach innen auf und trat schwungvoll in das Büro.

„Herr Polizeioberrat, Herr Polizeihauptmeister Bährer und Herr Polizeiobermeister Mewes sind eingetroffen.“

Der von Paul erwartete Knicks blieb aus.

„Gut, danke, lassen Sie die Beiden rein und dann bringen Sie uns Kaffee und Tee.“

„Sehr wohl. Meine Herren? Wenn Sie bitte eintreten wollen.“

Kommentare:

  1. Hi,
    Was heißt BLKA? Oder meintest du BKA?

    „Herr Polizeioberrat, der Herr Polizeihauptmeister Bährer und der Polizeiobermeister Mewes sind eingetroffen.“
    Vor Polizeiobermeister würde ich noch ein Herr schreiben, da du dies auch bei Polizeihauptmeister getab hast. Oder hat das was mit den Rängen der beiden zu tuen?
    Ansonsten gewohnte Qualität( sehr gut)
    Freue mich schon auf das nächste Kapitel :)
    mfg Thex

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  2. Ach, schau, das wollt ich eigentlich noch einmal ausschreiben. Die Tanja hat schon gesagt, dass da keiner drauf kommt. Bayrisches Landeskriminalamt, abgekürzt BLKA: http://www.polizei.bayern.de/lka/

    In Zukunft schreib ich nur noch LKA, das ist dann eindeutiger. *hüstel*

    Hm, stimmt, das eine "Herr" sollte ich noch ergänzen.

    Danke für die Anmerkungen. :)

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  3. Immerwieder gern. Werd hier ja auch super unterhalten:)

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