Mittwoch, 13. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 23

Kapitel 23

Die Fenster in Brunos Büro boten einen Überblick über die zerstörte und von Untoten bewohnte Stadt, die sich wie ein mahnendes Denkmal hinter seinem Arbeitsplatz ausbreitete. Als die Ordonanz den Raum verlassen hatte, erhob sich Herling aus seinem Sitz, lächelte und kam auf die beiden Beamten zu.

„Paul, Horst, verdammt, schön euch wohlbehalten zu sehen.“

Bruno streckte Paul die Hand entgegen, der sie sogleich ergriff und den harten Druck seines Vorgesetzten erwiderte.

„Hallo Bruno, ich glaub, uns freut das noch viel mehr.“ Antwortete ihm Paul und grinste.

Nachdem er auch Horst begrüßt hatte, wies er ihnen einen Platz zu und setzte sich selber wieder hinter seinen Schreibtisch.

„Seht ihr die Stadt da draußen?“ Bruno machte eine schwenkende Handbewegung in Richtung der Fenster. „Jeden Tag werde ich mit ihrem Anblick konfrontiert und jeden Tag wünsche ich mir, ich könnte diese verdammten Zs mit einem riesigen Besen aus meiner Stadt hinausfegen. Gestern war wieder der Oberbürgermeister hier und forderte, dass wir endlich Wohngebäude zurückerobern. Womit, wollte ich von ihm wissen. Woher soll ich die Männer und das Material dazu nehmen? Als Antwort bekam ich zurück, dass das mein Problem sei. Mein Problem. Scheiße.“

Herlings Blick ging nach unten und er seufzte kurz auf.

„Aber das wollt ihr gar nicht wissen.“

„Wir können ja mal ein Bier zusammen trinken.“ Sprach Paul und warf ihm einen aufmunternden Blick zu.

„Hahaha, netter Versuch Paul.“ Sofort erhellte sich Brunos Miene wieder. „Ein anderes Mal vielleicht, wenn die Brauereien wieder in Betrieb sind.“

„Die sollten wir zuerst zurückerobern.“ Erwiderte Paul lachend.

„Ja, vielleicht. Das würde den Oberbürgermeister wahrscheinlich auch freuen. Aber lassen wir das, wir haben momentan andere Probleme. MO1.“

Die Erwähnung von MO1 ließ die Stimmung im Büro sofort wieder nach unten gehen.

„Mein Beileid zum Verlust eurer Freunde und Kollegen. So war das nicht geplant. Braun kam mit einem Befehl des Oberkommandos und dem Auftrag, dort nach dem Rechten zu sehen, hierher. Der Befehl wurde natürlich verifiziert und bestätigt, aber heute will da keiner mehr was wissen. Der Mitarbeiter, der den Befehl verifiziert hat, ist spurlos verschwunden, und dass dort kein Mensch Braun kennt, wisst ihr ja schon.“

Paul und Horst nickten zustimmend.

„Gut, nein, nicht gut. Wir wissen nicht mehr, wem wir trauen können. Wir wissen auch nicht, was dieser unbekannte Feind von uns will. Wir wissen nichts über sein Motiv. Wir wissen nichts. Das ist unser Problem. Hast du die Waffe dabei?“

„Ja, hier.“

Der Polizeihauptmeister nahm seine Tasche hoch, stellte sie auf den Tisch und zog das Sturmgewehr daraus hervor.

„Ist es geladen?“

„Nein, ich hab das Magazin rausgenommen und die Patrone aus dem Lauf entfernt.“

Grübelnd ergriff Bruno das Gewehr und nahm von Paul auch das Magazin entgegen.

„Seltsame Munition.“

„Ja, scheinbar ohne Hülse, nur das reine Projektil. Brunner erzählte etwas von Druckluft, die das Geschoss beschleunigt und so die Verwendung von Spezialmunition erlaubt. Damit spart man sich auch das Treibmittel und weitere Materialen, die nicht mehr so leicht herzustellen sind.“

„Ich habe gehört, dass das Militär an so etwas arbeitet, aber hatte keine Ahnung, dass sie die Dinger schon in Serie produzieren.“

„Brunner behauptet, es gibt nur einige Prototypen.“

Bruno reagierte ungehalten. „Was weiß denn bitte ein Soldat im Unteroffiziersrang? Wenn eine uns unbekannte Streitmacht über eine Waffe verfügt, die es offiziell gar nicht gibt, dann ist die Prototyp-Theorie entweder weit hergeholt, oder unsere Armee hat größere Probleme, als sie zuzugeben bereit ist.“

„Was meinst du damit?“ Paul zog seine Stirn in Falten.

„Na was wohl.“ Sprang Horst für Bruno ein. „Das hieße, dass sich unsere Armee die Prototypen hat stehlen lassen.“

„Aber laut Brunner sind die bisher nur in Rügen, zum Schutz unserer Regierung, eingesetzt worden“.

„Dann werdet ihr Zwei eure Recherche auf Rügen ausdehnen. Ich versuche in der Zwischenzeit, über meine Kontakte irgendwas in Erfahrung zu bringen. Apropos, ich habe Neuigkeiten zu deinem komischen Symbol.“

„Was?“ Bruno hatte augenblicklich die volle Aufmerksamkeit seiner zwei Beamten.

„Ja, und zwar von jemandem, von dem wir es am wenigsten erwartet hätten.“

Verschwörerisch faltete er seine Hände, bevor er fortfuhr.

„Weil ich den Verdacht hatte, dass es ein religiöses Symbol sein könnte, habe ich beim ehemaligen Erzbischof der Stadt München nachgefragt. Oder nachfragen lassen. Tatsächlich war ihm das Symbol bekannt. Es handelt sich dabei um das Erkennungszeichen einer altchristlichen Sekte. Sehr alt! Laut dem Kardinal wurde die Sekte von den Römern massiv bekämpft, weil sie in ihren Ansichten radikal war und als höchst militant galt...“

Es klopfte.

„Ja?“

„Ich habe hier den Kaffee und den Tee.“

„Ja, einen Moment.“ Er bedeutete Paul, die Waffe wieder in seiner Tasche zu verstauen. Der verstand sofort und packte sie schnell außer Sichtweite.

„Kommen Sie rein.“

Der Beamte stellte die Getränke ab und verschwand so prompt, wie er gekommen war.

Nachdem Paul einen Schluck von seinem Tee genommen hatte, wandte er sich wieder an Bruno „Traust du dem?“

„Ich weiß nicht, wem ich trauen kann. Ich weiß es nicht, Paul.“ Herling schüttelte gedankenverloren den Kopf.

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