Donnerstag, 14. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 24

Kapitel 24

„Uns kannst du trauen und es gibt noch einige Beamte, für die ich meine Hand ins Feuer legen würde.“

„Danke, Paul, das bedeutet mir tatsächlich was, aber es hilft mir nicht weiter. Habt ihr schon von der Scheiße in England gehört?“

„Ich hab Gerüchte gehört. Angeblich wurde London evakuiert und die Themse vermint.“ Warf Horst ein.

„Irgendwann musst du mir deine Quellen verraten.“ Lachte Bruno „Zu mir kam die Info erst heute Morgen durch. Aber es ist sogar wesentlich schlimmer. England stand bis vor kurzem ja ganz gut da. Die Küsten sind gesichert, verdächtige Boote wurden innerhalb eines fünf-Meilen-Radius konsequent zerstört und die isolierte Lage tat ihr übriges.“

„Was lief dann schief?“ wollte Paul wissen.

„Die Themse. Sie kamen tatsächlich aus der Themse. Erst nur Wenige, dann immer mehr. Es war so, als wollten sie London überfluten. Innerhalb eines Tages verlor man mehrere Stadtteile, nach einer Woche war London nicht mehr zu halten. Schlimmer noch, der gesamte Süden der Insel musste aufgegeben werden.“

Horst runzelte die Stirn. „Das ist mir neu.“

„Dann bin ich dir ausnahmsweise mal einen Schritt voraus, Horst. Die Armee hat sich in den Norden zurückgezogen und den Süden seinem Schicksal überlassen. An der Stelle, an der der Hadrianswall verlief, den die Römer vor langer Zeit als Grenzbefestigungssystem gebaut hatten, wurde eilig eine Verteidigungslinie eingerichtet und befestigt. Um die nördliche Stellung nicht zu gefährden, wurde der Bau nicht an die Bevölkerung kommuniziert. Nur einflussreiche und im Sinne der Landesverteidigung wichtige Personen wurden evakuiert. Der Rest wurde seinem Schicksal überlassen.“

„Diese Schweine. Millionen Menschen werden einfach ihrem Schicksal überlassen, nur weil ein paar Generäle Angst um ihre Kopfhaut haben. Aber wie konnten die ausgerechnet die Themse übersehen?“ hakte Paul weiter nach.

„Wissen wir nicht. Angeblich war die Themse gesichert und mit einem Alarmsystem ausgestattet. Die Briten sind ja nicht blöd. Wir können also nur mutmaßen. Seit dem Rückzug in den Norden kommen auch nur noch vereinzelte Funksprüche durch. Scheinbar herrscht aktuell noch Kompetenzgerangel. Zuletzt galt es sogar als wahrscheinlich, dass sie London mit einer Atombombe dem Erdboden gleich machen.“

„Radikaler Ansatz.“ Warf Horst verwundert dazwischen.

„Ja, aber auch nachvollziehbar. In den Häuserschluchten Londons lauern Millionen Untote, die den Norden weiterhin bedrohen würden. Zudem hat man in London versäumt, Befestigungen einzurichten. Die haben sich blind auf ihren Status als Insel verlassen. Andererseits hadern sie mit der Zerstörung ihrer Hauptstadt, weil es dann nichts mehr gäbe, was man irgendwann zurückerobern könnte. So hat man ein Ziel, das man den Leuten vermitteln kann. Etwas, woran sie glauben und mit dem sich die Moral halten lässt. Viele der Soldaten haben Freunde, Familie und Angehörige verloren. Der Rückzug geschah nicht überall sauber.“

„Ist damit der ganze Süden verloren?“ fragte Paul.

„Können wir nicht sagen. Angeblich haben einige Kommunen schnell reagiert und ihre Städte abgeriegelt. Ohne Verteidigung und ohne Nachschub wird ihnen das aber mittel- bis langfristig nicht viel bringen. Wen die Zs nicht töten, den wird der Hunger oder der Durst dahinraffen. Aus Exeter haben wir einen Funkspruch abgefangen, dass der Südwesten des Landes entlang der Exe durch eine Bürgerwehr verteidigt wird, die dort Verteidigungsanlagen errichtet hat.“

„Exe?“ hakte Horst nach.

„Ja, ein Fluss dem Exeter seinen Namen zu verdanken hat, mündet in den Kanal und bietet den Verteidigern im Südwesten zumindest ansatzweise Schutz.“

„Hat man keinen Aufklärer rübergeschickt?“ In Pauls Stimme klang Niedergeschlagenheit mit.

„Mein letzter Kenntnisstand ist nein. Angeblich wurde von Seiten der Briten über einen automatisierten Funkspruch gedroht, unbekannte Flugobjekte beim Eintritt in den britischen Luftraum ohne weitere Vorwarnung mit Boden-Luft-Raketen abzuschießen. Die Schiffe patrouillieren weiterhin, wir müssen also davon ausgehen, dass sie es richtig ernst meinen.“

„Ein automatisierter Funkspruch?“

„Ja, auf allen internationalen Frequenzen wird seit einer Woche ein standardisierter Hinweis in mehreren Sprachen ausgestrahlt, der eindringlich davor warnt, in den Luftraum oder den fünf-Meilen-Radius vor der Küste einzudringen.“

Gab es vorher auch schon diesen automatisierten Funkspruch?“

„Nein, vorher wurde noch eine vergleichsweise harmlose Warnung ausgesprochen. Diese ist aus Gründen des nationalen Notstands hiermit hinfällig, ebenso wie internationale Vereinbarungen. Britannien gilt ab sofort als international isoliert.“

„Das waren sie doch schon vorher.“

„Jein, nicht ganz richtig. London hat sich durchaus bemüht, Kontakt zum Kontinent zu halten. Man hat auch versucht, weiterhin Handel zu treiben. Das müsst ihr euch mal vorstellen. Tauschhandel auf internationalem Niveau. Ein Rückfall in das Mittelalter. Aber was soll man heutzutage auch noch mit Devisen anfangen?“

„Hast du sonst noch Neuigkeiten für uns?“ wollte Horst wissen.

„Nichts, was du nicht eh schon wüsstest. Kommen wir lieber zurück zur Sekte.“

„Stimmt. Dabei wurden wir ja unterbrochen.“ Antwortete Horst zustimmend.

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