Freitag, 15. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 25

Kapitel 25

„Ok, also wie gesagt galt diese Splittergruppe als höchst militant. Sie waren für Aufstände in den von Römern besetzten Gebieten des heutigen Israels verantwortlich und mutmaßlich auch für die massive Christenverfolgung durch die Römer in den Folgejahren. Aufgrund der jüngsten Ereignisse fand der Kardinal auch folgende Info wichtig: angeblich setzte diese Sekte Krieger ein, die nicht sterben konnten. Die Krieger galten als wahnsinnig und steckten all jene mit ihrem Wahnsinn an, die sie berührten.“

Paul und Horst wurden hellhörig und setzten sich in ihren Stühlen auf.

„Laut Gerüchten sollen sie ihre Gegner aufgefressen haben, die sich dann wiederum gegen ihre einstigen Verbündeten erhoben. Aus dem Grund ließ Vespasian all jene töten, die sie auf ihrem Vormarsch fanden. Nach den ersten massiven Verlusten erkannte Vespasian die Schwäche der Angreifer. Er erkannte, dass wenn man den Kopf vom Rumpf trennte, der Körper nicht weiterleben konnte.“

„Das haben uns die Geschichtsschreiber und die Bibel aber bisher vorenthalten.“ Gespielt empört riss Paul seine Augen auf.

„Richtig Paul, das spart die Geschichtsschreibung aus. Der Kardinal beharrte darauf, dass es sich um eine unzuverlässige Quelle handelt, aber aufgrund der Ereignisse fand er sie wichtig genug, mir diese Version zu erzählen. Zudem erschien diese Version der Wissenschaft nicht schlüssig genug, um sie weiter zu verfolgen.“

„Und dieser Vespa … äh, wer war das nochmal?“ wollte Horst wissen.

„Ein römischer Kaiser. Ursprünglich von Nero entsandt, und an der Spitze einer 60.000 Mann großen Armee in Judäa eingerückt, um den dortigen Aufstand niederzuschlagen. Einen Ruf machte er sich durch die konsequente Liquidierung der Zivilbevölkerung, angeblich, um den Widerstandswillen zu brechen. Ein Umstand, den die Historiker eventuell neu bewerten müssten. Sofern noch welche leben.“ Scherzte Bruno.

„Hat er noch etwas erzählt. Hat er erzählt, wie sich die Sekte nennt?“

„Ja. Sie nennen sich Hereden, abgeleitet vom Lateinischen. Es bedeutet so viel wie Erben.“

„So wie Jesus Erben?“

„Kann sein. Ich hab auch nach Jesus Erben gefragt, aber darauf wusste der Kardinal keine Antwort. Was er mir noch sagen konnte war, dass die katholische Kirche bis ins Mittelalter die Angehörigen der Sekte verfolgen und hinrichten ließ. Sie galten als die Feinde der Kirche und als Feinde Gottes.“

„Die Kirche war zu der Zeit ja auch nicht gerade für ihre Nächstenliebe bekannt.“ Warf Paul ironisch ein.

„Das ist richtig. Aber diese Sekte ging noch viel weiter. Sie experimentierte mit Menschen und galt in den Augen der Kirche als Hexer. Zudem war ihr militanter Ansatz vermutlich dafür verantwortlich, dass die frühen Christen als Aufrührer galten und von den Römern gejagt und getötet wurden.“

„Was wurde dann aus diesen Hereden?“

„Aufgrund der Verfolgung zogen sie sich in den Untergrund zurück, praktizierten ihren Kult nur noch im Verborgenen. Die meisten führten ein Doppelleben, das nur selten von der Kirche aufgedeckt werden konnte. So geriet die Sekte über die Jahrhunderte in Vergessenheit.“

„Was ist denn das Ziel dieser Sekte?“

„Ihr einziges Ziel ist, das Wort Gottes zu verbreiten und den menschlichen Körper in den Dienst Gottes zu stellen. Dazu arbeiten sie mit Drogen und Beschwörungen, mit denen sie den Menschen vorbereiten, das Wort Gottes in sich aufzunehmen. Angeblich töteten sie dadurch Tausende.“

„Wie erkannt man Mitglieder dieser Sekte?“

„Eigentlich gar nicht. Wie gesagt hatten die meisten Mitglieder eine Doppelidentität. Angeblich konnten die Anhänger in der Vergangenheit mächtige Personen um sich scharen, die die Anhänger vor dem Zugriff der Kirche schützen konnte und sie mit finanziellen Mitteln unterstützte. Einer der prominentesten Unterstützer war zweifellos ein Mann, der als Vlad der Pfähler zu unrühmlicher Prominenz kam. Er war bekanntermaßen ein Mitglied des Drachenordens, der sich nach außen hin als katholischer Adelsorden gab. Laut dem Kardinal galt dieser zu jener Zeit aber als Deckmantel für die Umtriebe der Hereden.“

„Sorry, das wird mir jetzt alles etwas zu viel. Bekanntermaßen? Mach mal bitte etwas langsamer Bruno.“ Paul sackte in seinen Stuhl zurück und massierte sich die Schläfen.

„Nun ja, Vlad war ja bekannter als Drăculea, das wiederum für ‚Sohn des Drachen‘ steht.“ Antwortete der Polizeioberrat geduldig.

„Also schön und gut, aber wie sollen wir weiter vorgehen?“ sprang Horst ein.

„Recherche. Gute alte Polizeiarbeit. Wir müssen herausfinden, woher die Waffe kommt. Ich nehme Kontakt zu einigen Leuten auf und versuche, über diese etwas herauszufinden. Gib mir jetzt erst einmal die Waffe.“ sprach Bruno in Pauls Richtung.

Paul nahm die Waffe wieder aus der Tasche und legte sie auf Herlings Schreibtisch. Der nahm sie hoch und untersuchte sie diesmal genauer, wog sie in den Händen und drehte sie, bis er das Sturmgewehr aus sämtlichen Blickwinkeln betrachtet hatte.

„Keine Seriennummer!“ bemerkte er, immer noch mit Blick auf das Gewehr. „Etwas schwer und ungewöhnliche Form für ein Sturmgewehr. Der Lauf ist kurz und der hintere Teil etwas dick. Unsere Waffenexperten können es kaum erwarten, das Ding in die Hände zu bekommen. Das Ding hier in Serie könnte uns das Leben nicht unerheblich erleichtern.“ Mit den Worten nahm er die Waffe noch einmal hoch, bevor sie in seinem Schreibtisch verschwand.

„Also gut, Paul, bevor du loslegst, hast du noch eine unangenehme Pflicht zu erledigen. Jemand muss Sebastians Familie informieren.“

„Dachte ich mir schon. Ist es ok, wenn mich Martina Stürmer begleitet. Martina kennt die Frau von Sebastian und ich glaube, dass eine Frau an meiner Seite … was ich sagen will …“ Der Kopf des Beamten lief aufgrund des Versprechers leicht rot an.

„Ist schon in Ordnung.“ Lachte Herling. „Ich rufe Leyrer an und gebe ihm Bescheid, dass sie dich begleiten soll. Gut, Horst, dann geh du bitte mit den Festplatten zu den Kollegen vom LKA. Dort bleibst du, bis sie die Untersuchungen abgeschlossen haben. Paul, wenn ihr dann fertig seid, stoßt ihr zu Horst. Lasst die Festplatten ja nicht aus den Augen.“

Kommentare:

  1. hi,
    Ursprünglich von Nero an der Spitze einer 60.000 Mann großen Armee in Judäa eingerückt,

    klingt ein bisschen komisch. Meintest du vl. "unter Nero"?

    mfg

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  2. "Von Nero entsandt", dann den Satz geändert und den Beginn mal wieder vergessen. Danke, ich besser das mal aus. :)

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  3. Hi,
    tolle Sache hier. Respekt!
    Wo nimmst du eigentlich die Motivation her? Bei relativ wenig Feedback trotzdem täglich weiter zu schreiben und vor allem täglich was zu posten?

    Ich schreibe selber seit 2-3 Monaten hin und wieder an einer Geschichte (jedoch vom Inhalt mehr exotisch, erotischer Natur) und wenn ich dann mit Glück 1-2 Kommentare für meine oft stundenlage Arbeit bekomme, muss ich froh sein.

    Ich will hier nicht jammern, da mein Feedback stets positiv war. Aber was ich meine ist, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Feedback steht.
    Das musste ich anscheinend erst lernen.
    Deshalb möchte ich mich bei dir für deine Arbeit hier bedanken. Ich bin zwar kein Z-Maniac, aber ich lese deine Geschichten wirklich gerne.

    Grüsse
    Stonecold

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  4. Weil die Antwort etwas lang wurde, hab ich einen eigenen Blogeintrag darum gemacht.

    Ich hoffe, damit ist deine Frage beantwortet. :)

    Achja, Link bitte, gern auch per Mail. Erotische Geschichte... hmmmm.... :)

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