Mittwoch, 20. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 30

Das heutige Kapitel wurde zwischen mir und Tanja heftig diskutiert, weil ich mir eine kleine schriftstellerische Freiheit herausgenommen habe. Das war mir schon beim Schreiben bewusst, aber ich hab das ausnahmsweise in Kauf genommen.

Ich persönlich find's tolerabel und im Vergleich zu anderem Tech-Bullshit in Filmen noch durchaus im Rahmen.

Wenn's doch zu weit hergeholt ist, dann teilt mir das in den Kommentaren mit. In dem Fall werd ich das nochmal überarbeiten.

Kapitel 30

Neugierig beobachtete Paul die beiden Spezialisten bei ihrer Arbeit, nur um nach einer halben Stunde festzustellen, dass die meiste Tätigkeit darin bestand, einfach nur zu warten. Statt ihre Finger über die Tastatur wandern zu lassen, oder sich Stück für Stück zusammensetzende Bilder zu beobachten, bot der Bildschirm lediglich einen langweiligen Fortschrittsbalken, der sich ganz langsam von links nach rechts bewegte.

Natürlich wusste Paul, dass Polizeiarbeit von dem in Film und Fernsehen gezeigten Bild abwich, aber zumindest die Arbeit der IT-Spezialisten hatte er sich schon ein klein wenig aufregender vorgestellt. Die Realität war dann doch zu enttäuschend für den 32 jährigen. Schließlich brach Martina die Stille.

„Eins hab ich immer noch nicht verstanden.“

Förster drehte sich zu ihr um. „Bitte. Ich bin ganz Ohr.“

„Sie sagten ja, dass die Festplatte überschrieben wurde, wie könnt ihr daraus noch Fragmente ziehen?“

Die Frage schien ihn zu amüsieren und gleichzeitig freute er sich darüber, sein Expertenwissen an den Mann, bzw. die Frau, bringen zu können.

„Ich dachte schon, ihr fragt nie.“ Grinste er. Paul und Horst verstanden nur Bahnhof, aber er hatte Martinas volle Aufmerksamkeit und das reichte ihm. „Bekanntlich ist eine Festplatte in Datenblöcke aufgeteilt. Das heißt, wenn nur ein Bit geschrieben wird, wird trotzdem ein Datenblock von bis zu 4096 Byte belegt.“

Martina nickte, während Paul zu Horst gewandt nur mit seinen Schultern zuckte und einen fragenden Gesichtsausdruck aufsetzte.

„Um die Löschung der Dateien auf dieser Festplatte zu vollenden, wurden in diese Datenblöcke jeweils ein Byte große Dateifragmente geschrieben, die den Datenblock quasi formatiert und als neu belegt gekennzeichnet haben. Bei der anschließenden Löschung dieser Fragmente erscheinen die Datenblöcke leer. In Wirklichkeit wurden aber nur die entsprechenden Adressen überschrieben, die darin befindlichen Daten sind aber immer noch auf der Festplatte. Sie lassen sich zwar nicht mehr adressieren, aber mit unserem Spezialtool und einer neuen Adresse können wir diese Fragmente einfach einem anderen Datenträger zuweisen.“ Erklärte Alex mit stolzgeschwellter Brust.

„Wow. Woher stammt das Tool?“ hakte Martina interessiert nach.

Ein fettes Grinsen wanderte über Alex‘ Gesicht. „Das haben Marko und ich mit entwickelt. Die Idee stammt von Marko, die Umsetzung geschah in Kooperation mit anderen Ämtern, aber die konkreten Anforderungen sind von uns.“

Inzwischen hatte sich auch Lehmann zu den Polizisten umgedreht und war offensichtlich nicht minder stolz auf seine Leistung, wie sein heiterer Gesichtsausdruck verriet.

„Also auch auf die Gefahr hin, mich hier zum Deppen zu machen, aber wovon zum Teufel redet ihr?“ warf Paul ratlos ein.

„Ich glaube, worauf mein geschätzter Kollege Herr Bährer hinaus will: könnt ihr das auf Deutsch wiederholen?“ scherzte Horst.

Leicht missgestimmt darüber, die. Erklärung nochmals, jedoch in stark vereinfachter Form, herunterbeten zu müssen, zwang Förster zum kurzen überlegen, bevor er erneut ansetzte.



„Also gut, ich versuch es so zu erklären, dass auch Sie es verstehen. Stellen Sie sich ein Buch vor. Das Buch hat ein Inhaltsverzeichnis, einen Index und viele bedruckte Seiten. Bei einem normalen Löschvorgang auf dem Computer reißt jemand das Inhaltsverzeichnis und den Index aus dem Buch und verteilt die Blätter lose. Damit habe ich viele Seiten, aber keine Möglichkeit, gezielt nach Infos zu suchen. Bei einem Überschreibvorgang werden die Seiten weiß gestrichen, neu bedruckt und neu geordnet, anschließend ein neuer Index erstellt. Bei dem neuen Löschvorgang wird der neue Index wieder gelöscht. Die Seiten sind da, aber ohne Zuordnung.“

„Ok, und wie bekommt ihr jetzt die Farbe weg?“

„Ja, die Farbe. Also in unserem Fall wurden nicht die ganzen Seiten weiß angestrichen, sondern immer nur der erste Teil der Seiten. Wir haben also keinen Index und dazu nur lose Seiten, aber auf denen befinden sich noch Bruchstücke der originären Info. Was wir jetzt machen müssen ist, die Seiten neu anzuordnen und zu versuchen, trotz der weißen Stellen einen logischen Zusammenhang herzustellen.“

„Langsam beginne ich zu verstehen. Und diesen Zusammenhang stellt euer Programm her?“

„Richtig. Es prüft, welche Seiten mit welchen anderen Seiten zusammenpassen. So, und jetzt stellen Sie sich statt der Seiten eine Festplatte vor, die in viele Sektoren aufgeteilt ist. Jede dieser Sektoren enthält noch Bruchstücke der ursprünglichen Daten, nur dass der Rechner nicht weiß, in welcher Anordnung und welche Teile fehlen.“

„Jetzt hab es sogar ich verstanden.“ Lachte Horst, der Computern eher misstrauisch gegenüberstand.

Martina machte eine Handbewegung, die stillen Applaus darstellen sollte.

„Somit haben wir den Beweis, dass Daten gelöscht wurden und obendrein versucht wurde, dies zu vertuschen. Korrekt?“ mutmaßte Paul.

„Dem würde ich zustimmen.“

„Danke. Weißt du, was das heißt Horst? Das könnte der Beweis dafür sein, dass der Hauptmann wahrscheinlich als Sündenbock vorgeschoben wurde.“

Kommentare:

  1. Guten Morgen,
    also ich finde das mit dem wiederherstellen der Daten hört sich ganz plausibel an, allerdings bin ich da nicht so bewandert(ich spiele lieber :) )

    mfg Thex

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  2. Klingt gut für einen Laien wie mich. Aber in deinem Vortext ist ein Rechtsschreibfehler: es muss "beim Schreiben" heißen.

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  3. Klasse, dann lass ich das mal so stehen. Danke für den Hinweis an den zweiten Kommentarschreiber - ist ausgebessert.

    Mal allgemein noch zur Story: die nächsten Kapitel sind noch ruhiger, befassen sich mit der Ermittlung und Erkenntnissen, die sie daraus ziehen. Da hätt ich mich fast a bisserl verheddert, und vergessen, dass ich eigentlich an einer Zombiegeschichte schreibe.

    In dem Fall hab ich auf Tanjas Einspruch gehört und zieh ab Kapitel 34 das Tempo wieder a bisserl stärker an. Nicht, dass am Ende ein CSI Zombie rauskommt. :)

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