Freitag, 22. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 32

Kapitel 32

„Braun, Jan, Oberleutnant. Korrekt?“ erkundigte sich Lehmann, wartete aber keine Antwort ab, sondern hackte bereits auf seiner Tastatur herum. „Ah ja, da schau her, Jan Braun, 38, Oberleutnant a. D., Wohnort unbekannt, Status unbekannt, Familienstatus unbekannt, besondere Kennzeichen unbekannt, involvierte Projekte: Autorisierung nötig. Das war’s. Nicht grad viel.“

„Das ist er.“ Triumphierte der Polizeihauptmeister. „Es gibt also eine Verbindung zur Bundeswehr. Was ist mit den involvierten Projekten? Kommen Sie da ran?“

„Nein, da kommt man nur mit einer Ebene 5-Autorisierung rein. Ich hab nur bis Ebene 3 Zugriff. Ab Ebene 4 werden spezielle Sicherheits-Token verwendet, die alle 60 Sekunden ein mit einem Server synchronisiertes neues Passwort generieren. Wird normal nur für VPN, das heißt Virtual Privat Network, eingesetzt und eben auch ab Ebene 4. Ebene 5 rangiert auf einer Stufe mit Staatssicherheit, Verteidigungsplänen und ähnlichem. So gesehen schon komisch, dass der Datensatz an sich auf Ebene 2 liegt.“ Grübelnd runzelte Lehmann die Stirn.

„Mir schwirrt der Kopf. Ebenen, Tolkiens, VTNs. Was ist nur aus der guten alten Polizeiarbeit geworden?“ jammerte Horst künstlich übertrieben. „Gibt’s denn jetzt für uns irgendwas Verwertbares?“

„Das kommt drauf an.“ Begann Alex zu orakeln. „Immerhin lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen. Zum Beispiel, dass Jan Braun kein Unbekannter ist und dass er in ein streng geheimes Projekt involviert war oder ist, das auf Allerhöchster Ebene angesiedelt ist oder war. Das a.D. deutet darauf hin, dass er mal offiziell ein Angehöriger der Bundeswehr war.“

Nickend stimmte Paul den Ausführungen zu. „Gut, das ist immerhin schon mehr, als wir vorher wussten. Was macht die Bildberechnung?“

„Läuft noch. Die Software konnte aber schon einige Datenblöcke zusammensetzen. Uns hilft, dass wir das Videoformat kennen. So kann er die unwichtigen von den wichtigen Informationen trennen.“ Gab Marko als Status an die Beamten zurück.

„Na schön. Dann müssen wir wohl noch warten.“ Seufzte Paul auf.

„Warte mal, wir könnten uns in der Zwischenzeit doch auch nützlich machen. Wir könnten in den Datenbanken nach Hinweisen suchen, ob es vielleicht auf Rügen irgendwelche Vorfälle gab.“ Schlug Martina vor.

„Vorfälle? Welche Vorfälle?“

Während Horst nicht so recht zu verstehen schien, klärten sich Pauls Gesichtszüge auf.

„Du meinst wegen den unbekannten Waffen, oder?“

Mit einem Nicken bestätigte Martina Pauls Frage.

„Gute Idee. Vielleicht findet Marko etwas in den Datenbanken der Bundeswehr über die Waffen und über Rügen. Horst, gesell dich bitte wieder zu deinen beiden neuen Freunden und versuch mit ihnen etwas herauszufinden. Martina, du ich und ich setzen uns an die freien Rechner und durchsuchen unsere eigenen Datenbanken auf auffällige Vorkommnisse.“

Gemeinsam machten sie sich auf die Suche in den noch vorhandenen Datenbanken, konnten aber auch nach mehreren Stunden nichts brauchbares finden. Auch Axel und Marko blieben weites gehend erfolglos. Rügen und der Regierungssitz waren der höchsten Sicherheitsstufe unterworfen. Einzig Luftaufnahmen der Insel konnten aus den Datenbanken der Bundeswehr entnommen werden. Diese zeigten die Insel vor, während und nach den Bauarbeiten.

Erkennbar waren der stark ausgebaute Flughafen, die Befestigungen, die um die Insel gezogen wurden und mehrere Gebäude, deren Bau eilig initiiert wurde. Die dort versammelten Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft genossen eine Sicherheit und einen Lebensstandard, von dem die Überlebenden in den U-Bahn-Tunneln Münchens nur träumen konnten. Ein internationaler Hafen ist auf einer Plattform nördlich der Insel installiert worden, der nur über einen gesicherten Laufsteg von der Insel erreicht werden konnte.

Rügenbrücke und Rügendamm waren unterbrochen und durch mehrere Checkpoints gesichert worden. Nur von der Zentrale aus konnten die Brücken geschlossen werden und sollten so eine Beschädigung der Befestigung durch Marodeure vom Festland aus verhindern. Vor der Küste patrouillierten Schiffe der deutschen Marine, die einen Angriff von der Seeseite aus verhindern sollten. Wachtürme halfen bei der Überwachung der Küstenbefestigungen und verschiedene, über die Insel stationierte Kasernen konnten innerhalb kürzester Zeit Verstärkung an jeden Mauerabschnitt auf der Insel entsenden.

Plötzlich schrie Horst auf.

„Paul, scheiße Paul, komm her und schau dir das an.“

Ohne nachzufragen sprang der auf und lief hinüber zu den beiden IT-Spezialisten. Horst saß aufgeregt neben ihnen und tatschte mit einem Finger auf den Monitor, dabei schien er kreidebleich.

„Verdammt Horst, wehe das ist ein schlechter Scherz.“

Als Paul den vom Finger markierten Fleck auf dem Monitor ansah, verstand er die Aufregung und spürte, wie seine Füße weich wurden. Schnell ließ er sich auf einen Stuhl fallen und betrachtete ungläubig das Bild auf dem Monitor.

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