Montag, 25. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 35

Kapitel 35

Aus dem Lauf heraus feuerte Paul sein Sturmgewehr ab und war sich sicher, dass seine Kollegen ähnlich vorgingen. Es waren ungezielte Feuerstöße, die neben Blei auch viel Hoffnung enthielten. Würden die Kugeln die Angreifer nicht töten, dann hoffentlich ihnen die nötigen Sekundenbruchteile verschaffen, um durch ihre Reihen zu schlüpfen, bevor sie bei lebendigem Leib aufgefressen würden.

Es half nichts. Die Maillingerstraße war unpassierbar geworden. Hinter ihnen schlossen diejenigen auf, die sie bisher umlaufen hatten. Vor ihnen tat sich eine schier undurchdringliche Wand aus Untoten auf. Es war unmöglich, dass die urplötzlich einsetzende Musik so viele Zombies in so kurzer Zeit angelockt hatte. Gedanken rasten durch Pauls Kopf. Sie würden sicher nur eine Chance haben, wenn überhaupt. Sie könnten sich in ein Gebäude flüchten und darauf hoffen, sich dort so lange wie möglich zu verteidigen. Oder sie umgingen ihre Verfolger.

Neben einem ehemaligen asiatischen Restaurant sah der Beamte eine Durchfahrt, die mit einer mannshohen Tür verschlossen war. Davor stand ein Wrack eines Personenwagens. Er wusste zwar nicht, was sich hinter der Durchfahrt befand, aber es könnte ihnen einen nötigen Abstand vor den herannahenden Zombies verschaffen. Mit der Hand zeigte er in die Richtung und sprintete los, schlug dabei mit dem Kolben seiner Waffe den Schädel eines Angreifers zu Brei und kümmerte sich nicht um den umherfliegenden Dreck.

Mit Anlauf setzte er zum Sprung an, wuchtete noch im Schwung mit seinen Beinen einen Untoten um und landete liegend auf dem Autodach des Wracks. Aus dem Augenwinkel sah er Horst und Martina heranstürmen, er richtete sich auf und feuerte sogleich auf die Verfolger. Gezielt platzierte er Schuss um Schuss in die untoten Köpfe und sicherte so die Flucht seiner Kollegen. Mit Anlauf stemmte sich Horst auf die Motorhaube des Autos, sprang dann weiter auf das Dach, und kam direkt neben Paul zum stehen. Auch Martina wollte gerade springen, als sie von hinten gepackt und zurückgerissen wurde.

Paul wirbelte herum. Er fand sich plötzlich gedanklich auf der Wiese wieder. Vor seinem inneren Auge sah er seine Mutter und auch den Zombie, der sie aus dem Auto heraus gepackt hatte. Er konnte damals seine Mutter nicht retten und er würde jetzt auch Martina nicht retten können. Nein, er –

- er feuerte und ruckartig löste sich der Griff um Martina. Sie nutzte sofort die Gelegenheit, und trat einen anderen Angreifer gegen das Knie, um keine weitere Zeit zu verlieren. Hinter ihr brach die Kreatur mit gebrochenem Schienbein zusammen und wieder Andere fielen durch gezielte Schüsse von Paul und Horst. Martina hastete sofort auf das Fahrzeug.

Noch war die Durchfahrt leer. Die Frage war, wie viel Zeit sie hatten und was sie dort drinnen erwartete. Momentan schien es ihre einzige Chance. Mewes ergriff die Gelegenheit als erster. Um sich nicht zu verletzen, hielt er sich fest und ließ sich langsam am Tor auf der anderen Seite nach unten gleiten. Paul folgte ihm und zusammen fingen sie Martina auf, die es gerade noch schaffte, bevor die Untoten auf das Autodach gelangen konnten.

Sie würden nicht viel Zeit haben. Der Zaun wirkte stabil, aber vom Autodach aus würden ihnen die Zombies bald folgen. Viele würden sich zwar bei dem Versuch dabei Rippen, Arme oder Beine brechen, aber nichts davon würde sie lange genug aufhalten. Also rannten sie. Die Durchfahrt führte in einen Hinterhof. Ein vereinzelt herumstehender Zombie war keine Gefahr und Martina machte kurzen Prozess. Gemeinsam nutzten sie die kurze Atempause, um Munition nachzuladen und ihre Fluchtoptionen zu prüfen.

An der gegenüberliegenden Wand standen mehrere Container und Mülltonnen. Als Paul im Augenwinkel eine Bewegung erhaschte, zögerte er nicht länger, lief voraus und gab den anderen mit einer Handbewegung zu verstehen, ihm zu folgen. Aufgrund der lauten Musik war immer noch keine akustische Kommunikation möglich. Mit einem Sprung befand er sich auf einer umgestürzten Mülltonne und zog sich auf den erstbesten Container hoch. Von dort oben konnte er sehen, dass die Mauer einen höher gelegenen Innenhof umzog.

Ein Tor zur Rechten sicherte den Hof vor überraschendem Besuch. Wenn auch nicht hoch genug, würde es ihnen etwas Zeit verschaffen. Die Mauer würde die Untoten aufhalten, die ihnen von der Maillingerstraße her folgten. So oder so würden sie ein wenig Zeit haben. Wertvolle Zeit, um sich einen Fluchtplan auszudenken. Neben ihm kam Martina zu stehen und deutete auf etwas vor ihnen. Ein Auto stand unter einem Carport. Wer auch immer hier gewohnt hatte, musste wohl sein Auto zurücklassen.

Die Chance war zwar gering, aber die Beste, die sie momentan hatten. Als auch Horst den Container erklommen hatte, half ihm Paul mit einer Räuberleiter und hob ihn so über die Mauer. Oben angekommen, reichte dann Horst Paul die Hand, und zog ihn zu sich. Paul wiederholte dies mit Martina und in dem Moment, als mehrere Zombies den Innenhof betraten, kamen sie alle auf der anderen Seite der Mauer zum stehen. Jetzt sah auch Horst den unter einem Carport stehenden Wagen und verstand sofort, als Paul die entsprechende Richtung einschlug.

Ohne Zeit zu verlieren, rannten sie zu dem Auto und zogen an den Türgriffen. Die Türen waren natürlich verschlossen. Auch während der Zombieapokalypse war es natürlich wichtig, sein Auto abzuschließen, dachte sich Paul und dabei rammte er den noch immer von den Resten der Zombies verschmierten Kolben seines Sturmgewehrs in die Seitenscheibe auf der Fahrerseite. Nachdem die Tür entriegelt war, schlug Paul gegen das Zündschloss und machte sich daran, das Lenkradschloss zu entsichern und die Zündkabel freizulegen.

Horst kam ihm von der anderen Seite mit seinem Mehrzweckmesser zur Hilfe. Mit dem filigraneren Werkzeug fiel es Mewes etwas leichter, die Kabel freizulegen und das Lenkradschloss zu umgehen. Schon bald war das Werk vollendet und gemeinsam machten sie sich daran, die Kabel zu verbinden. Dies erwies sich natürlich als erfolglos. Die Batterie des Wagens war schon lange leer. Mit etwas Glück würde der Platz in dem Hof reichen, um den Wagen durch schieben wieder starten zu können.

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