Dienstag, 26. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 36

Kapitel 36

Schreiend versuchte Paul mit Horst zu kommunizieren, der durch den Lärm hindurch nur Teile davon verstand. Um die Verständigung zu verdeutlichen, nahm er seinen Helm ab und bedeutete Paul, es ihm gleich zu tun. Tatsächlich verbesserte sich die Kommunikation schlagartig und wurde noch besser, als die Musik schlagartig verstummte und Pauls Stimme in unerwarteter Lautstärke über den Hof hallte.

„…keine Ahnung, wie ich…“ Er hielt kurz inne, horchte auf, und als er sich sicher war, dass wirklich Ruhe eingekehrt war, sprach er weiter.

„Also, was ich sagen wollte… Wow, diese Ruhe. Also, ich wollte sagen, dass ich mit anschieben nicht wirklich viel Erfahrung habe.“

Ein Grinsen zeichnete sich auf Horsts Gesicht ab. „Kein Problem. Ich setz mich hinters Steuer und ihr schiebt.“

Paul stieg aus und überließ seinem Kollegen den Fahrersitz. Zusammen mit Martina ging er ans Heck und begannen das Auto zu schieben. Als sie etwas Fahrt aufgenommen hatten, legte Mewes den Gang ein, löste die Kupplung und trat aufs Gas. Nichts geschah.

„Verdammt! Nochmal.“

Ein Wendemanöver würde sie in dem engen Hinterhof zu viel Zeit kosten, also schoben sie den Wagen einfach wieder zurück und wiederholten das Spiel. Gang, Kupplung, Gas, ein Husten. Das Auto röchelte kurz, verharrte aber reglos und blieb weiter stumm.

„Nochmal, los, wir haben nicht ewig Zeit.“

Wieder zurück, Anlauf, Husten, ein Brummen. Der Wagen brummte. Nein, er heulte auf. Wie ein wütendes Tier jaulte der Motor auf und Horst dachte nicht daran, das Gas weg zu nehmen. Zu groß war die Angst, er könnte wieder absterben.

„Los, rein jetzt. Wir müssen los.“

Die Aufforderung war unnötig. Nach einer Sekunde des ungläubigen Staunens waren sie schon halb am Fahrzeug um im Innern vorerst in Sicherheit zu sein. Im Wagen überprüfte Paul als erstes sein Funkgerät, empfing aber auf allen Kanälen nur statisches Rauschen.

„Martina. Check bitte dein Funkgerät und versuch, eine Verbindung herzustellen. Horst, fahr los. Vorne am Tor spring ich raus und zieh es auf. Los jetzt.“

Ohne zu zögern setzte der Beamte zurück, wendete den Wagen und bog dann um die Ecke weiter zur Einfahrt. Nur vereinzelt waren dort Untote zu sehen, das Gros musste sich in der Maillingerstraße aufhalten. Dort, wo sie sich in der Durchfahrt in Deckung gebracht hatten. Trotzdem beeilte sich Bährer das Tor zu öffnen. Er fand es unverschlossen vor und musste das Tor nur aufziehen. Er sprang eilig zurück in den Wagen.

„Los, fahr los. Wir fahren zum nächsten befestigten Punkt. Die Blutenburg lang, die Pappenheim ist dicht, nimm die Sandstraße. Martina, hast du Kontakt?“

„Nein, nur Rauschen. Was ist da los?“

„Keine Ahnung, aber irgendwer scheint nervös zu sein. Wir haben wohl in irgendwas rumgestochert, in dem wir nicht hätten wühlen sollen. Versuch es weiter und …“ Martina riss einen Arm hoch und unterbrach ihn damit in seinen Ausführungen.

„Ich hab Kontakt. Hallo, hier Polizeiobermeisterin Martina Stürmer. Maillingerstraße nicht passierbar, wiederhole, Maillingerstraße nicht passierbar. Wir weichen zum Stiglmaierplatz aus. Erbitte sofortige Bestätigung. Ende.“

Gespannt lauschte sie und drückte dabei den Knopf stärker ins Ohr. Plötzlich ein krachendes Geräusch. Ein Schatten, der über das Auto hinweg flog und dabei die jetzt zerborstene Windschutzscheibe mitnahm.

„Verdammt“ fluchte Horst „wo kam der denn her?“

„Ja, verstanden. Ende und Aus.“ Martina legte das Funkgerät zur Seite.

„Am Stiglmaierplatz erwarten sie unsere Ankunft. Angeblich hat eine Überladung einen Fehler im Lautsprechersystem ausgelöst. Wir müssen so reinkommen.“

„Das ist momentan unser geringstes Problem. Das waren mit Sicherheit kein Zufall und auch keine Überladung. Das war ein gezielter Anschlag. Die Zs wurden schon vor dem Einsetzen der Lautsprecher in die Straße gelockt oder getrieben, oder was weiß ich. Auf jeden Fall waren die schon vorher da. So schnell versammeln die sich nicht. Außerdem gibt’s in der Gegend aufgrund der überwiegend unbeschädigten Gebäude ohnehin nicht so viele Streuner. Nein. Der Einbruch in die Systeme der Bundeswehr blieb wohl doch nicht unbemerkt.“ Pauls ungewöhnlich heftige Reaktion überraschte Martina und Horst.

„Dann sind Alex und Marko aber auch in Gefahr“ warf Martina ein.

Er antworte mit einem grimmigen Gesicht. „Das ist richtig, aber die sind momentan hinter hohen Mauern in Sicherheit und erfahrende Beamte sorgen dafür, dass das auch so bleibt. Wir müssen schnellstens zu Bruno und ihn über die neuesten Entwicklungen informieren. Bruno kann auch die Sicherheit von den Beiden garantieren. Aber ehrlich gesagt, mache ich mir momentan mehr Sorgen um unsere eigene Sicherheit.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen