Samstag, 30. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 40

Kapitel 40

Dass die Verankerung des Tors nicht mehr lange halten würde war abzusehen. So sehr sie auch feuerten, konnten sie nicht den ungeheuren Druck vom Tor nehmen, der sich mittlerweile von hinten aufgebaut hatte. Für jeden Untoten, den sie erledigten, kamen zehn Neue nach. Es war bislang ein aussichtsloser Kampf und wenn die Tore brechen, hatten sie nur eine Chance und die hieß zu laufen, ohne nach hinten zu schauen.

Gerade im Moment dieses Gedankens gaben die Gitterstäbe ein Stück nach. Wenige Zentimeter nur, und doch neigte es sich an der rechten Seite gefährlich in den unterirdischen Gang hinein. Wie lange würden die restlichen Verankerungen noch halten? Sekunden? Minuten? Ein laut hörbares Knirschen ging durch das Tor und Paul sah, wie sich ein weiterer Bolzen lockerte.

Der gesamte Raum zwischen dem oberen Eingang bis zum gefährlich knackendem Tor war durch zuckende, untote Leiber verstopft und doch konnte Paul hören, dass an der Oberfläche etwas vor sich ging. Das Knattern eines schweren MGs übertönte den Lärm im Untergeschoss und schwere Panzerketten bahnten sich vibrierend ihren Weg durch halb verfallene Körper. Die Panzer waren also da und keine Minute zu früh. Noch nahm der Druck auf das Tor nicht ab, derzeit waren sie nicht außer Gefahr. Immer noch knirschte und knarzte die Konstruktion unter dem Druck der auf ihr lastenden Geschöpfe.

„Wir ziehen uns zurück!“ befahl Paul „Wir ziehen uns bis an die Biegung zurück. Wenn das Tor fällt, sind wir zu nahe. Wir haben dann keine Chance mehr!“

Die Soldaten reagierten nicht. Erst als Martina und Horst langsam zurückwichen, gaben auch sie ihre Position auf und gingen mit bis an die Stelle, an der sich der Gang bog und ihnen im Notfall die Flucht ermöglichen könnte. Gerade als sie erneut Stellung bezogen hatten, löste sich ein weiterer Bolzen und dann war plötzlich nichts mehr da, was das Eigengewicht hätte tragen können und der Druck von außen besorgte nun den Rest.

Sah es im ersten Moment noch so aus, als würden die Gitterstäbe in einem 45 Grad-Winkel verbleiben, änderte sich dies schlagartig, als die Konstruktion mit einem lauten Knall zu Boden ging. Wie eine Lawine schossen die Untoten in den Gang und mit Sicherheit wären alle unter ihnen begraben worden, die es gewagt hätten, in ihrem Weg zu stehen. Paul wurde flau im Magen. Keine zwei Minuten hatten sie von dem sicheren Tod getrennt. Während er noch zögerte, eröffneten die Soldaten schon wieder das Feuer. Schädel platzten, Gliedmaßen fielen ab und über allem der Lärm der einrückenden Panzer.

Von ihrer Position aus war es schwer zu beurteilen, wie viel Zombies noch nachrücken würden. Es schienen Hunderte darauf zu warten, weiter in den Gang vorzudringen. Bislang konnten sie den Abstand halten, noch waren viele von ihnen damit beschäftigt, wieder auf die Füße zu kommen und die nachfolgenden Untoten stolperten über die am Boden liegenden und brachten damit beide zu Fall. Noch. Aber schon bald würden sie Meter um Meter näher walzen und schon bald würde die Panik die Waffen lenken und über die einstudierte Routine obsiegen.

Unerwartet züngelte von oben Feuer herab. Die Flammen fraßen sich durch die Untoten, steckten sie in Brand und kochten ihre Gehirne. Ein Flammenwerfer, schoss es Paul durch den Kopf. Sie hatten den oberen Bereich möglicherweise schon gesäubert, und wandten sich jetzt mit Feuer gegen die Untoten. Schon früh wurde die Kraft des einfachen Feuers überschätzt. Ein brennender Zombie hielt weiter auf seine Opfer zu, er kannte ja keinen Schmerz und keine Angst.

Schon bald aber gewann das Feuer an strategischer Bedeutung. Durch den Einsatz eines Brandgels, konnten punktuell Temperaturen bis 1000 Grad erreicht werden, die bei richtiger Dosierung und Aufprallwinkel schnell das Gehirn der Untoten irreparabel zerstören konnte. Wo immer große Ansammlungen zu bekämpfen waren, griff man wenn möglich auf diese Methode nun zurück.

Und es wirkte auch diesmal. Das Brandgel fand seinen Weg durch die Masse und arbeitete sich die ganze Treppe hinab. Die, die vorn standen, würden noch nicht so schnell den Flammen zum Opfer fallen, aber die hinteren kippten jetzt vornüber und begruben die unter sich stehenden Untoten. So setzte sich erneut eine Lawine in Gang und stürzte wie Lava nach einem Vulkanausbruch nach unten.

Der Lärm der angekommenen Soldaten lenkte die Aufmerksamkeit der Angreifer kurzfristig auf sie, was den im Tunnel steckenden Männern wertvolle Sekunden verschaffte. Aus den Augenwinkeln sah Paul etwas an sich vorbeifliegen und meinte noch eine Warnung zu hören, die jedoch in einer Explosion und dann herumfliegenden Körperteilen unterging. Einer der Soldaten hatte eine Granate geworfen und damit mehrere Zombies von den Füßen gerissen. Die, deren Gehirn nicht zerstört wurde, rafften sich wieder auf, oder sie krochen einfach weiter, aber erneut hatten sie Zeit gewonnen.

Wertvolle Zeit, um der Bedrohung Herr zu werden. Die kleinen Erfolge steigerten sichtlich die Moral und halfen, die eingetretenen Ermüdungserscheinungen zu überwinden. Die letzten Reserven wurden aktiviert. Viele der Männer würden morgen mit Schmerzen in Schultern und Armen zu kämpfen haben, aber sie würden leben. Mit dem Gedanken senkte Paul das leergeschossene Sturmgewehr und griff zu seiner Pistole. Kaum ein Zombie stand noch. Vor ihnen lagen nur noch die Aufräumarbeiten.

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