Sonntag, 31. Juli 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 41

Kapitel 41

Der Gang füllte sich nunmehr langsam mit Rauch. Das Brandgel tat seine Arbeit, haftete an den Körpern und beschleunigte so den Zerfall. Darum würde sich später jemand kümmern müssen, aber Paul hatte kein Interesse daran, an einer Rauchvergiftung draufzugehen. Mit der Waffe im Anschlag und ohne sich abzuwenden, ging Paul langsam nach hinten. Aus den Augenwinkeln konnte er sehen, wie die Soldaten Gasmasken überzogen und langsam wieder vorrückten.

Inzwischen trieb der schwarze Rauch in dicken Wolken durch den Gang. Zuviel für menschliche Lungen. Während er sich mit einer Hand ein Taschentuch vor Nase und Mund hielt, gab Paul mit der anderen Hand Martina und Horst ein Zeichen, ihm zu folgen. Die Treppe hinab auf den Bahnsteig und zurück in den Tunnel. Auf dem Weg nach unten sahen sie vor den geschlossenen Toren auf der anderen Seite eine Polizeihundertschaft stehen.

Sofort änderte Paul die Richtung und eilte den Kollegen zur Hilfe. Er informierte den befehlshabenden Beamten, Hans Winter, über die Vorfälle. Aufgrund der Rauchentwicklung hielten sie sich von dem oberen Zwischengeschoss fern und gingen dann bei den Tunneleingängen in Stellung. Dort warteten sie. Inzwischen waren keine Schüsse mehr zu hören und die Sorge um die oben verbliebenen Soldaten wuchs.

In diesem Moment löste sich aus dem Qualm eine Gestalt und weitere folgten. Paul zählte zehn Personen und wie es aussah, hatten es alle geschafft. Das Funkgerät von Winter meldete sich knarzend und kurz darauf gab er endlich Entwarnung. Die Armee hat den Bereich sichern können, die Tore waren geschlossen und alle Eindringlinge wurden vernichtet. Die Aufräumtrupps würden die Leichen entsorgen und die Bewohnbarkeit der Station in den nächsten Tagen wieder herstellen. Weiter wollte man sich vorerst nicht äußern und erteilte der Hundertschaft die Erlaubnis abzurücken. Winter war erleichtert und sammelte seine Männer und Frauen um sich.

Hans Winter wandte sich Paul zu: „Wollt ihr mitkommen? An der nächsten Station wartet eine U-Bahn und ihr seht so aus, als könntet ihr kaum noch auf eigenen Füßen stehen.“

„An sich gerne, aber ich möchte noch kurz mit den Soldaten sprechen. Habt ihr noch fünf Minuten?“

„Na klar. Aber bleib diplomatisch. Die gehören zur Armee und du weißt, dass die Armee es sich verbittet, dass man sich in ihre Angelegenheiten einmischt.“

„Schon klar.“ Seufzte Paul „Aber die wären jetzt wahrscheinlich tot, wenn wir nicht aufgekreuzt wären. Und die Zivilisten hier drin wahrscheinlich auch.“

Winter zuckte nur mit den Schultern und trat einen Schritt zur Seite.

Der Polizeihauptmeister schleppte sich erschöpft an Winter vorbei und trat vor die Soldaten, die sich ihrer Maske entledigt hatten und stumpf auf den Boden starrten. Der, den er zuvor angesprochen hatte, Hauer, sah zu ihm auf. „Danke.“

„Wofür?“ wollte Paul wissen.

„Dafür, dass Sie uns das Leben gerettet haben. Wenn Sie uns da nicht losgerissen hätten, wären wir wahrscheinlich unter einer Lawine von Untoten begraben worden.“

„Nicht der Rede wert. Hören Sie Hauer, ich will nur eins wissen. Sie haben vorhin gesagt, dass die Turmwachen tot waren. Wurden sie von den Zs getötet?“

„Nein, keine Ahnung von wem, aber die Zs wären da doch gar nicht rauf gekommen. Der eine Turm war leer und im andern Turm hab ich Thomas, also einen Kameraden, tot auf dem Geländer hängen sehen. Hören Sie, ich hatte in dem Moment wahrlich andere Probleme.“

Der Tonfall des jungen Soldaten wurde aggressiver. Wahrscheinlich dachte er, dass Paul ihm für irgendetwas die Schuld geben wollte, oder er fühlte sich schuldig, dachte etwas falsch gemacht zu haben. Um ihn nicht zu verstimmen, versuchte Paul zu beschwichtigen.

„Hey, ich will ihnen nichts Böses. Wir waren da draußen, als alles losging, und ich würde gern wissen, was da passiert ist. Ich will nur verstehen.“

„Sie waren da draußen?“ Hauers Augen weiteten sich.

„In der Maillinger. Wir konnten uns in einen Hinterhof retten und uns von dort mit einem Auto zur nächsten Station durchschlagen.“

„Mann, dann hattet ihr echt mehr Glück als Verstand. Wissen Sie, wir haben auf dem Rückzug noch vier Kameraden verloren. Sie haben uns erst die Flucht ermöglicht und dann schafften sie es nicht mehr durch das Tor. Sie wurden vor unseren Augen zerfetzt. Ich wollte ihnen helfen, sie von dem Leid erlösen, aber ich konnte es nicht. Max hier,“ er deutete auf einen Kameraden, dem Tränen aus den Augen liefen „konnte noch zwei von ihnen das Leid ersparen. Es war schrecklich. Ihre Schreie, ihr Blut, ihre, ihre.. Eingeweide.“

Er atmete tief durch, kämpfte gegen etwas an. Paul wusste wogegen. Langsam sank der Adrenalinspiegel im Körper und hinterließ eine Trümmerlandschaft. Der Mann benötigte dringend ärztliche Hilfe.

„Hans, komm mal bitte her. Habt ihr eine Funkverbindung?“

„Nur zu den Truppen direkt über uns.“ Gab der an Paul gewandt zurück.

„Auch gut. Gib mal schnell durch, dass wir hier einen Arzt brauchen. Die Jungs hier sind kurz vorm kollabieren.“

„Mach ich.“ Sagte er, nahm sein Funkgerät und entfernte sich in das Gerät sprechend langsam wieder.

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