Donnerstag, 11. August 2011

Books of the Dead - Frank Schätzing Tripple-Feature

Weiß der Teufel was mich geritten hat, als ich mir auf einen Schlag einen großen Teil des Schätzing-Backkatalogs zugelegt habe. Es könnte eventuell daran liegen, dass die tägliche Zugfahrt ohne Lesestoff kaum zu überstehen ist und ich um jede gut zu lesende Zerstreuung dankbar bin. Aber gehen wir gleich in die Vollen.

Beginnen möchte ich mit der Kurzgeschichtensammlung Keine Angst.

Ja, eine Kurzgeschichtensammlung, und eine recht durchwachsene noch dazu. Im Gegensatz zum sonstigen Schaffen handelt es sich dabei auch eher um einen Happen, als ein ausgewachsenes Menü.

Die Qualität der einzelnen Kurzgeschichten schwankt stark zwischen ganz unterhaltsam und überflüssig. Fast allen Geschichten gemein ist der Kölner Lokalkolorit, der mich persönlich schon nach kurzer Zeit gestört hat, woran sich auch bis zum Ende nichts geändert hat. Zumindest weiß ich jetzt, wie der Kellner in einem Kölsch-Lokal genannt wird. Nein, halt, ich wusste es, weil ich es zwischenzeitlich erfolgreich aus meinem Gedächtnis verbannen konnte.

Immerhin blitzt in den besten Momenten schwarzer Humor durch und nicht alle Geschichten deuten bereits zu Beginn das Ende an, auch wenn die meisten immer noch recht vorhersehbar sind.

Gehen wir gleich weiter zu Mordshunger.

Mit Mordshunger präsentiert Schätzing sein Erstlingswerk in leicht überarbeiteter Version. In der Hauptrolle: die Kölner Gastronomie und Essen im Allgemeinen. Daneben wird noch eine halbwegs originelle Kriminalgeschichte rund um Verrat und Täuschung erzählt – und das sogar für Schätzing ungewohnt straff.

Nach einiger Zeit stört man sich gar nicht mehr daran, dass der Roman offensichtlich aus der Prä-Internet und –Mobilfunkzeit stammt. Ein Umstand, der auch in der überarbeiteten Version nicht behoben wurde.  Stattdessen sind Leute telefonisch nicht erreichbar und Informationen finden oft nur schleppend ihren Adressaten. Ein paar kleinere Logiklöcher gibt’s auch, aber im Großen und Ganzen erhält man mit Mordshunger einen stringenten und soliden Kriminalroman. Ich wage aber die These, dass sich das Buch ohne den Namen Schätzing nicht im Bücherregal wiederfinden würde.

Ein Attribut, dass auf Lautlos so gar nicht zutreffen mag.

Lautlos dürfte von den drei Büchern der einzige „richtige“ Schätzing sein. Hier ist das Muster erkennbar, dass sich auch durch seine Folgeromane zieht. Obwohl erneut in Köln angesiedelt, spielt sich die Handlung zweigeteilt auf internationaler Ebene ab, werden tatsächliche Vorkommnisse in die Handlung einbezogen und natürlich die moralische Keule geschwungen.

Erneut meine ich Schätzing in einer seiner Hauptfiguren wieder zu erkennen, durch die Schätzing indirekt mit dem Leser kommuniziert. In Limit war das Orley, in Der Schwarm Sigur Johanson und in diesem Fall der irische Wissenschaftler, Bestseller-Autor und Schnapsnase Liam O’Connor. Der ist auch gleichzeitig das größte Problem, das ich mit Lautlos habe. Der Charakter ist so dermaßen bis ins abstrakte überzeichnet, dass er viele ernsthafte Ansätze überlagert und nach einiger Zeit nicht mehr ernst genommen werden kann. Darüber hinaus ist er natürlich der attraktivste Ire und natürlich verliebt sich die weibliche Protagonistin und so weiter.

Die Beziehungskiste zwischen „Kika“ (nein, nicht der Kinderkanal) und Liam füllen ganze Seiten mit Belanglosigkeiten und scheinen einzig und allein dem Zweck zu dienen, den Story-Climax hinauszuzögern.

Sowas mach ich teilweise ja auch, aber Schätzing macht das seitenlang. Natürlich sind 600 klein bedruckte Seiten eine beachtliche Leistung. Gut, Der Schwarm und Limit hatten rund doppelt so viele Seiten, aber auch 600 sind schon sehr, sehr viel. Ich weiß, wovon ich spreche. Aber lieber les ich ein Buch mit 400 Seiten, die mich durchgehend packen, als 600 Seiten, bei denen ich übertrieben gesagt ein Drittel davon überblättere. Das dient auch nicht der Charakterisierung, sondern wirklich nur dem Zweck, Ereignisse hinauszuzögern und den Leser hinzuhalten.

Natürlich darf ich dem Leser nicht alles auf dem Silbertablett servieren. Ansonsten sind wir auf dem Niveau von Schulaufsätzen. Ich darf den Leser aber auch nicht für dumm verkaufen und ihn sinnlos hinhalten. Find ich persönlich. Natürlich lässt sich eine Verschwörungsstory schlecht mit Zombieaction füllen (hüstel), aber drei Seiten lang den einen Hauptcharakter über seine Beziehung zum weiblichen Hauptcharakter sinnieren zu lassen... das... ist... zu viel!

Daneben wird immerhin eine spannende Geschichte über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, internationalen Terrorismus und eine Stadt im Ausnahmezustand erzählt. Das macht dann auch wieder ordentlich Spaß und tröstet über die eher gehaltlose Laberei oder langweilige Gedankengänge hinweg.

Übergreifend, und von den Kritikpunkten abgesehen, möchte ich noch hinzufügen, dass ich Schätzing um seine sprachliche Gewandtheit wirklich beneide. Geradezu spielerisch scheint er sich geschliffene Formulierungen aus den Ärmeln zu schütteln und packt diese auf den Punkt geschrieben aufs Papier. Dagegen nehmen sich meine Texte wie ein Schulaufsatz aus. Dafür aufrichtigen Respekt!

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